
FLUGPLATZ JOHANNISTHAL / ADLERSHOF
Der Flugplatz Berlin Johannisthal-Adlershof ist einer der spannendsten Orte der deutschen Luftfahrtgeschichte. Hier begann 1909 ein neues Kapitel des Motorflugs in Berlin. Was zunächst wie ein großes Experiment auf freiem Gelände wirkte, entwickelte sich schnell zu einem Zentrum für Flugpioniere, Flugzeugbauer, Forschung und Industrie. Namen wie Hans Grade, Melli Beese, Albatros, Rumpler und die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt sind eng mit diesem Ort verbunden.
Heute erinnert auf dem ehemaligen Flugfeld kaum noch etwas an den Lärm der frühen Motoren, an mutige Flugversuche und an die gewaltigen technischen Umbrüche jener Zeit. Doch wer sich mit Johannisthal-Adlershof beschäftigt, entdeckt einen Platz, an dem die Luftfahrt nicht nur vorgeführt, sondern wirklich entwickelt wurde. Vom Pionierflugplatz über die Rüstungs- und Forschungsjahre bis zum heutigen Wissenschaftsstandort erzählt Johannisthal-Adlershof eine Geschichte, die weit über Berlin hinaus Bedeutung hat.
Groß-Berliner Damm
D-12487 Berlin
IATA: n/a
ICAO: n/a
RUNWAY:
ca. 1500m x 2000m G
GESCHICHTE
- bis 1909
- 1909
- 1910 – 1911
- 1912 – 1913
- 1914 – 1918
- 1918 – 1919
- 1920 – 1929
- 1930 – 1933
- 1933 – 1945
- 1945 – 1948
- 1949 – 1954
- 1955 – 1989
- 1990 – 1995
- ab 1996 – HEUTE
Die Suche nach einem Platz für den Motorflug (bis 1909)
- 1908/1909: In Berlin wuchs das Interesse am Motorflug, doch das Tempelhofer Feld stand für den jungen Flugzeugbetrieb nicht ohne Weiteres zur Verfügung. Dort spielte bereits die Luftschifffahrt eine wichtige Rolle, und die zuständigen Stellen wollten den riskanten Motorflug nicht einfach in dieses Umfeld integrieren. Deshalb suchten private Initiatoren nach einem Ausweichgelände außerhalb des damaligen Berliner Zentrums.
- 1909: Die Wahl fiel auf ein Gelände zwischen den damals noch eigenständigen Orten Johannisthal und Adlershof. Daraus entstand der Motorflugplatz Johannisthal-Adlershof. Der Platz war kein klassischer Flughafen im späteren Sinn, sondern ein frühes Flugfeld für Vorführungen, Erprobungen, Ausbildung, Werkstattbetrieb und industrielle Ansiedlungen. Initiiert wurde das Projekt vor allem durch private Unternehmer und Luftfahrtförderer, darunter Arthur Müller und Georg von Tschudi.
Die Eröffnung und der Beginn der Berliner Motorluftfahrt (1909)
- 26. September 1909: Der Flugplatz Johannisthal-Adlershof wurde mit einer großen Flugwoche eröffnet. Diese Veranstaltung machte das Gelände sofort bekannt. Piloten aus dem In- und Ausland präsentierten ihre Maschinen, und das Publikum erlebte eine Form der Technik, die damals noch zwischen Sensation, Wagnis und Zukunftsversprechen stand. Die Flugwoche dauerte bis Anfang Oktober 1909 und wurde zu einem wichtigen öffentlichen Signal: Berlin hatte nun ein eigenes Zentrum für den Motorflug.
- 27. September 1909: Bereits während der Eröffnungszeit sorgte Hubert Latham für Aufsehen. Er flog mit seiner Antoinette-Maschine vom Tempelhofer Feld nach Johannisthal. Dieser Flug gilt als einer der frühen Überlandflüge in Deutschland und zeigte, dass Motorflugzeuge nicht mehr nur kurze Sprünge auf einem Vorführgelände vollführen konnten. Johannisthal wurde dadurch noch stärker als Ort des Fortschritts wahrgenommen.
- 30. Oktober 1909: Hans Grade schrieb in Johannisthal Luftfahrtgeschichte. Mit seinem selbst entwickelten Eindecker erfüllte er die Bedingungen für den „Lanz-Preis der Lüfte“. Damit wurde ein deutscher Flugpionier ausgezeichnet, der ein Flugzeug aus eigener Konstruktion erfolgreich vorführte. Für Johannisthal war das ein weiterer Prestigegewinn, denn der Platz wurde nun nicht nur mit internationalen Piloten, sondern auch mit deutschen Konstrukteuren und Erfolgen verbunden.
Aufstieg zum Treffpunkt der Flugpioniere und Flugzeugbauer (1910 – 1911)
- 1910: Rund um das Flugfeld siedelten sich immer mehr Flugschulen, Werkstätten und Flugzeugbauer an. Dazu gehörten bekannte Namen wie Albatros, Rumpler, LVG, Wright und später auch Fokker. Johannisthal wurde damit nicht nur ein Platz zum Starten und Landen, sondern ein ganzes Luftfahrtquartier. Konstruktion, Ausbildung, Vorführung, Erprobung und Produktion lagen dicht beieinander.
- 1910: Für das Publikum entstanden Tribünen und Einrichtungen, die den Flugplatz auch zu einem Ausflugsziel machten. Der frühe Motorflug war nicht nur Technik, sondern auch Spektakel. Besucher kamen, um Flugapparate zu sehen, Piloten zu bestaunen und die neue Zeit der Luftfahrt aus nächster Nähe zu erleben. Gleichzeitig blieb der Betrieb gefährlich. Abstürze, technische Defekte und waghalsige Manöver gehörten zum Alltag dieser Pionierjahre.
- 11. Juni 1911: Johannisthal wurde Startpunkt des ersten Deutschlandflugs. Diese Veranstaltung hatte eine große symbolische Bedeutung, denn sie zeigte, dass Flugzeuge zunehmend für längere Strecken und organisierte Wettbewerbe eingesetzt werden konnten. Der Flugplatz rückte dadurch endgültig in den Mittelpunkt der deutschen Luftfahrtöffentlichkeit.
- 13. September 1911: Melli Beese erhielt in Johannisthal als erste Frau in Deutschland die Flugzeugführerlizenz. Sie musste sich in einem stark männlich geprägten Umfeld durchsetzen und wurde trotzdem zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der frühen deutschen Luftfahrt. Ihr Erfolg machte Johannisthal auch zu einem Ort weiblicher Luftfahrtgeschichte.
Forschung, Industrie und Luftfahrttechnik wachsen zusammen (1912 – 1913)
- 20. April 1912: Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt, kurz DVL, wurde gegründet und nahm in Adlershof ihren Sitz. Die Nähe zum Flugplatz Johannisthal war ein entscheidender Vorteil. Hier konnten Flugzeuge, Motoren, Bauteile und aerodynamische Fragen praktisch untersucht werden. Damit entstand in Johannisthal-Adlershof eine enge Verbindung aus Flugfeld, Industrie und Forschung.
- 1912: Die Entwicklung verlagerte sich zunehmend von einzelnen Pionierleistungen zur organisierten Flugzeugproduktion. Mehrere Firmen begannen, nicht mehr nur Versuchsmuster oder Einzelstücke zu bauen, sondern Serienfertigung vorzubereiten. Johannisthal wurde damit zu einem frühen industriellen Luftfahrtstandort.
- 1913: Das Gelände hatte sich stark verdichtet. Neben Flugzeughallen, Werkstätten und Schulen entstanden auch Luftschiffhallen. Johannisthal war nicht mehr nur ein Flugplatz, sondern ein ganzer Luftfahrtkomplex. Die Technikbegeisterung blieb groß, doch die Risiken waren weiterhin enorm. Der Unfall des Marine-Luftschiffs LZ 18 im Oktober 1913 zeigte tragisch, wie gefährlich Luftfahrt und Luftschifffahrt in dieser frühen Phase noch waren.
Vom zivilen Flugfeld zum militärischen Produktionszentrum (1914 – 1918)
- August 1914: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs änderte sich der Charakter des Flugplatzes grundlegend. Der zivile und sportliche Betrieb trat in den Hintergrund. Johannisthal wurde militärisch genutzt und entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Flugzeugproduktion.
- 1914–1918: Die ansässigen Werke produzierten in großem Umfang Flugzeuge für den Kriegseinsatz. Besonders die Albatros-Werke, Rumpler und die Luft-Verkehrs-Gesellschaft spielten eine wichtige Rolle. Johannisthal-Adlershof wurde zu einem der wichtigsten Standorte der deutschen Luftrüstung. Rund ein Viertel der im Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs eingesetzten Flugzeuge soll aus dem Umfeld dieses Flugplatzes gekommen sein.
- 1916–1918: Für den Abtransport fertiger Flugzeuge und Materialien wurde die Infrastruktur erweitert. Ein Gleisanschluss erleichterte die Versorgung der Werke und den Transport der Maschinen. Das Flugfeld war nun Teil eines industriellen Systems, das weit über den reinen Flugbetrieb hinausging.
- 1918: Johannisthal diente auch als Erprobungsort für militärische Flugzeuge. Besonders bekannt wurden die Vergleichsfliegen für Jagdflugzeuge. Dabei testeten erfahrene Frontpiloten neue Muster. Die Fokker D.VII ging aus diesen Wettbewerben als besonders leistungsfähiges Flugzeug hervor und wurde eines der bekanntesten Jagdflugzeuge des Ersten Weltkriegs.
Neubeginn der zivilen Luftfahrt nach dem Krieg (1918 – 1919)
- 11. November 1918: Mit dem Waffenstillstand endete die militärische Hochphase. Die Flugzeugwerke standen vor einer unsicheren Zukunft, denn die Kriegsproduktion brach weg. Viele Flugzeuge, Motoren und Ausrüstungen wurden nun für zivile Zwecke umgewidmet oder verkauft. Gleichzeitig suchten Unternehmen nach neuen Möglichkeiten, die im Krieg gewachsene Technik in den Frieden zu übertragen.
- 5. Februar 1919: Von Johannisthal startete ein Flugzeug der Deutschen Luft-Reederei nach Weimar. Diese Verbindung stand im Zusammenhang mit der Nationalversammlung und gilt als wichtiger Schritt in der frühen deutschen zivilen Luftpost- und Luftverkehrsgeschichte. Johannisthal wurde damit erneut ein Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung: vom militärischen Flugzeugbau zur zivilen Luftverkehrsidee.
- 1919: Neben Postflügen entstanden auch erste Passagier- und Verkehrsflugansätze. Der Platz konnte jedoch nicht dauerhaft an seine Vorkriegsbedeutung anknüpfen. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse waren schwierig, und der Versailler Vertrag schränkte den deutschen Flugzeugbau stark ein.
Bedeutungsverlust durch Tempelhof und neue Nutzungen (1920 – 1929)
- 10. Januar 1920: Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags wurden die Einschränkungen für die deutsche Luftfahrt verbindlicher. Für Johannisthal bedeutete das einen tiefen Einschnitt. Die Flugzeugproduktion wurde begrenzt, militärische Entwicklungen waren untersagt, und viele Betriebe mussten sich neu orientieren.
- 1920er Jahre: Die DVL blieb in Adlershof erhalten und sorgte dafür, dass Johannisthal-Adlershof weiterhin ein wichtiger Forschungsstandort blieb. Gleichzeitig veränderten sich viele frühere Flugzeughallen. Einige Unternehmen wechselten in andere Industriezweige, etwa Fahrzeugbau, Metallverarbeitung und später auch Filmproduktion. So wurde das Gelände schrittweise von einem reinen Luftfahrtstandort zu einem gemischten Industrie- und Medienstandort.
- 1923: Mit der Eröffnung des Zentralflughafens Tempelhof verlor Johannisthal seine Bedeutung für den zivilen Linienverkehr. Tempelhof lag günstiger für den wachsenden Berliner Luftverkehr und wurde zum neuen Schwerpunkt. Johannisthal blieb zwar historisch und technisch wichtig, war aber nicht mehr das zentrale Berliner Verkehrsflugfeld.
- 1926–1929: Auf Teilen des ehemaligen Luftfahrtareals entstanden neue industrielle Nutzungen. Besonders die Automobilindustrie gewann an Bedeutung. In ehemaligen Werkshallen wurden unter anderem Karosserien und Fahrzeuge gefertigt. Auch die Johannisthaler Filmwirtschaft entwickelte sich. Damit blieb das Gelände wirtschaftlich aktiv, verlor aber zunehmend den Charakter eines lebendigen Flugplatzes.
- 1929: Die Stadt Berlin erwarb das Gelände mit dem Gedanken, Johannisthal eventuell als Ausweichflugplatz oder für private Luftfahrt zu nutzen. Eine echte Wiederbelebung gelang jedoch nicht. Der Berliner Luftverkehr konzentrierte sich immer stärker auf Tempelhof.
Zwischen Wiederbelebungsversuch und geheimer Aufrüstung (1930 – 1933)
- 1930: Geplante Flugveranstaltungen in Johannisthal scheiterten an politischen und organisatorischen Entscheidungen. Während Tempelhof große Aufmerksamkeit erhielt, wurde der Flugverkehr in Johannisthal durch den Berliner Magistrat wieder eingeschränkt. Damit blieb der Platz in einer Zwischenrolle: historisch bedeutend, aber praktisch nur noch begrenzt nutzbar.
- 1931: Das Flugfeld wurde für Versuchsflüge der DVL wieder hergerichtet. Die Forschung in Adlershof brauchte weiterhin Möglichkeiten, technische Entwicklungen praktisch zu prüfen. Johannisthal erhielt dadurch noch einmal eine luftfahrtbezogene Funktion, allerdings nicht mehr als offener Verkehrsflugplatz.
- 1932: Neue und alte Luftfahrtfirmen nutzten wieder Flächen im Umfeld. Focke-Wulf ließ sich in Johannisthal nieder und übernahm ehemalige Albatros-Anlagen. Auch andere Unternehmen der Luftfahrtindustrie waren wieder präsent. Diese Entwicklung bereitete den Wandel vor, der nach 1933 deutlich beschleunigt wurde.
Nationalsozialismus, Luftfahrtforschung und Rüstungsindustrie (1933 – 1945)
- 1933: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Luftfahrt in Deutschland massiv gefördert. Johannisthal-Adlershof profitierte von dieser Entwicklung, wurde aber zugleich Teil der geheimen und später offenen militärischen Aufrüstung. Die DVL spielte dabei eine zentrale Rolle, weil ihre Forschung für leistungsfähigere Flugzeuge, Motoren und aerodynamische Entwicklungen gebraucht wurde.
- 1935: Das alte Flugfeld war kaum noch mit dem Pionierplatz von 1909 vergleichbar. Die Umgebung war industriell und wissenschaftlich stark verdichtet. Die Bücker-Werke produzierten bekannte Schulflugzeuge wie die Bü 131 „Jungmann“. Johannisthal blieb damit in der Luftfahrt präsent, auch wenn die frühere offene Flugplatzatmosphäre verschwunden war.
- 1936–1939: Die DVL baute ihre technischen Versuchsanlagen weiter aus. Windkanäle, Messverfahren und Prüfstände machten Adlershof zu einem der wichtigsten deutschen Orte der Luftfahrtforschung. Die Arbeiten dienten nicht nur Grundlagenfragen, sondern zunehmend auch militärischen Anforderungen.
- 1941: In Johannisthal wurde auch an Hubschraubertechnik gearbeitet. Besonders mit Anton Flettner und dem Flettner Fl 282 „Kolibri“ verbindet sich dieser Abschnitt. Der Fl 282 zählt zu den früh seriennah gebauten Hubschraubern und wurde vor allem für militärische Beobachtungs- und Aufklärungsaufgaben entwickelt.
- 1943–1945: Mit zunehmenden Luftangriffen auf Berlin geriet auch der Raum Adlershof-Johannisthal stärker unter Kriegsdruck. Forschung, Produktion und Erprobung liefen weiter, doch das Ende des Krieges rückte näher. Auf dem Gelände standen am Kriegsende unfertige und beschädigte Flugzeuge, während die Infrastruktur teilweise erhalten blieb und deshalb für die sowjetischen Besatzungskräfte interessant wurde.
Sowjetische Besatzung, Demontage und Ende der Luftfahrtforschung (1945 – 1948)
- April 1945: Kurz vor und nach dem Kriegsende besetzten sowjetische Kräfte den Standort. Die DVL und ihre technischen Unterlagen, Anlagen und Forschungsergebnisse wurden genau untersucht. Für die Sowjetunion war Adlershof ein wertvoller Ort, weil hier umfangreiches Wissen aus der deutschen Luftfahrtforschung konzentriert war.
- 1945/1946: Der Standort wurde zeitweise zu einem Zentrum der Auswertung deutscher Luftfahrttechnik. Berichte, Patente, Versuchsergebnisse und Geräte wurden gesichtet, ausgewertet und in die Sowjetunion überführt. Das Flugfeld Johannisthal diente dabei auch als logistischer Ort für Transporte und Verbindungen.
- 22. Oktober 1946: Im Rahmen der Aktion „Ossawakim“ wurden zahlreiche deutsche Spezialisten aus der sowjetischen Besatzungszone in die Sowjetunion gebracht. Auch der Raum Adlershof-Johannisthal war von dieser Entwicklung betroffen. Damit endete die eigenständige deutsche Luftfahrtforschung an diesem Standort faktisch.
- 1948: Die frühere Luftfahrtstruktur war weitgehend zerschlagen. Johannisthal blieb zwar als Gelände erhalten, aber die große Epoche als Zentrum von Flugplatz, Flugzeugbau und Forschung war vorbei.
Vom sowjetischen Flugfeld zur stillgelegten Fläche (1949 – 1954)
- 1949–1952: Nach Gründung der DDR blieb der Flugplatz noch in einem besonderen politischen und militärischen Umfeld. Die sowjetischen Kräfte nutzten Johannisthal zeitweise als Standort und Verbindungspunkt, verlagerten den Luftverkehr aber zunehmend nach Schönefeld. Schönefeld lag günstiger für den künftigen DDR-Luftverkehr und entwickelte sich zum wichtigeren Flughafen im Südosten Berlins.
- 1952: Der reguläre Flugverkehr in Johannisthal endete. Damit war der Platz praktisch kein aktiver Flugplatz mehr. Die formale Schließung erfolgte zwar erst viel später, doch als Luftfahrtstandort verlor Johannisthal in den frühen 1950er-Jahren seine operative Bedeutung.
- 2. Mai 1954: Bei einer Veranstaltung auf dem Gelände kam es noch einmal zu einer kurzen fliegerischen Aktivität. Ein SG-38-Schulgleiter wurde zu Demonstrationszwecken gestartet. Da der Luftverkehr in Berlin weiterhin unter alliierter Kontrolle stand, blieb dieser Flug eine kurze Ausnahme. Danach wurde es auf dem einstigen Pionierflugplatz endgültig still.
Wissenschaftsstandort der DDR statt Flugplatzbetrieb (1955 – 1989)
- 1950er Jahre: Das Gelände und der angrenzende Raum Adlershof wurden schrittweise anders genutzt. Die Luftfahrttradition blieb zwar in Gebäuden, technischen Anlagen und Erinnerungen sichtbar, doch der praktische Flugbetrieb spielte keine Rolle mehr. Stattdessen entstanden Forschungs- und Industrienutzungen.
- 1960er Jahre: Adlershof entwickelte sich zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort der DDR. Hochfrequenztechnik, Physik, Materialforschung und später auch Raumfahrtforschung gewannen an Bedeutung. Die frühere Luftfahrtforschung wurde nicht einfach fortgeführt, aber der technische Charakter des Standortes blieb bestehen.
- 1969: Mit dem Zentralinstitut für solar-terrestrische Physik, später Institut für Kosmosforschung, erhielt Adlershof eine starke Rolle in der DDR-Weltraum- und Fernerkundungsforschung. Damit wandelte sich der Ort von der „Wiege der Motorluftfahrt“ zu einem Forschungsstandort für moderne Natur- und Technikwissenschaften.
- 1989: Kurz vor dem Ende der DDR arbeiteten mehrere tausend Menschen in den Adlershofer Forschungseinrichtungen. Der ehemalige Flugplatz selbst war jedoch längst kein aktiver Luftfahrtgelände mehr, sondern Teil eines größeren abgeschlossenen Wissenschafts- und Industriebereichs.
Neuordnung nach der Wiedervereinigung und letzte Flugveranstaltung (1990 – 1995)
- 1990: Mit der deutschen Wiedervereinigung begann die Neuordnung des gesamten Areals. Die Einrichtungen der Akademie der Wissenschaften wurden überprüft, viele Arbeitsplätze gingen verloren, und Berlin musste entscheiden, wie mit dem großen Gelände umzugehen war.
- März 1991: In Berlin entstand die Idee, Adlershof zu einem integrierten Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Damit wurde der Grundstein für den heutigen Wissenschafts- und Technologiepark gelegt. Der frühere Flugplatz Johannisthal wurde nun Teil eines städtebaulichen Zukunftsprojekts.
- 1993: Das Land Berlin wies ein großes Entwicklungsgebiet in Adlershof aus. Ziel war eine geordnete Umgestaltung mit Forschung, Technologie, Gewerbe, Wohnen und Grünflächen. Der alte Flugplatz wurde damit nicht mehr als Fluggelände betrachtet, sondern als Fläche für eine neue Stadtlandschaft.
- September 1995: Nach rund vier Jahrzehnten ohne regulären Flugbetrieb fand noch einmal eine historische Flugveranstaltung in Johannisthal statt. Dafür wurde das Gelände teilweise hergerichtet, unter anderem mit einer kurzen Grasbahn. Die Veranstaltung sollte an die große Luftfahrtgeschichte des Ortes erinnern.
- 9. September 1995: Bei dieser Flugschau verunglückte der deutsche Astronaut und Pilot Reinhard Furrer tödlich. Der Unfall überschattete die Veranstaltung schwer. Im selben Jahr wurde der Flugplatz offiziell geschlossen. Damit endete die Geschichte Johannisthals als Flugplatz endgültig.
Umwandlung in Landschaftspark, Wissenschaftsstandort und Erinnerungsort (ab 1996 – HEUTE)
- Ab 1996: Das ehemalige Flugfeld wurde nicht mehr fliegerisch genutzt. Teile der Fläche wurden der Natur überlassen und später in den Landschaftspark Johannisthal/Adlershof integriert. Damit entstand aus dem früheren Start- und Landegelände ein besonderer Freiraum mit historischem Hintergrund.
- 1990er/2000er Jahre: Adlershof entwickelte sich zu einem modernen Wissenschafts- und Technologiepark. Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Universitätsbereiche und Medienstandorte prägten nun das Bild. Die Luftfahrtgeschichte blieb dennoch sichtbar, etwa durch erhaltene technische Denkmale, frühere Hallen, Straßennamen und den Aerodynamischen Park.
- Heute: Der frühere Flugplatz Johannisthal-Adlershof ist kein Flugplatz mehr, aber ein wichtiger Erinnerungsort der deutschen Luftfahrtgeschichte. Hier treffen mehrere historische Schichten aufeinander: Pionierflug, Flugzeugindustrie, Luftfahrtforschung, militärische Nutzung, DDR-Wissenschaft und moderne Stadtentwicklung. Genau diese Mischung macht Johannisthal-Adlershof zu einem der spannendsten historischen Luftfahrtorte Berlins.

