Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2026 von Charles David Fennell

FLUGPLATZ BRAND
Der ehemalige Flugplatz Brand ist ein Ort mit einer bewegten Geschichte. Gelegen in Brandenburg, etwa 60 Kilometer südlich von Berlin, diente das Gelände zunächst militärischen Zwecken, wurde später von der Sowjetarmee genutzt und erlebte nach dem Kalten Krieg einen dramatischen Wandel. Heute ist der einstige Flugplatz als Standort des beliebten Tropical Islands bekannt. Doch bevor hier tropische Temperaturen herrschten, hatte Brand eine lange und faszinierende Vergangenheit.
Tropical-Islands-Allee 1
D-15910 Krausnick
IATA: n/a
ICAO: EDUC
RUNWAY:
09R/27L (2500x50m) Beton
09L/27R (2500x50m) Beton (für Notfall)
16/32 (2000x50m) Beton (für Notfall)
GESCHICHTE
Aufbau als Fliegerhorst Briesen (1938 – 1939)
- 1938/1939 begann südlich von Berlin der Aufbau des späteren Flugplatzes Brand. Der Platz entstand als Fliegerhorst Briesen im Rahmen der militärischen Luftfahrtplanung der damaligen Luftwaffe. Dazu gehörten Kasernenanlagen, Versorgungsbereiche und Anschlussgleise vom Bahnhof Brand, damit Personal, Material und Betriebsstoffe besser herangeführt werden konnten. Der Standort lag abgelegen genug, um militärisch nutzbar zu sein, war aber durch Bahn und Straßen trotzdem erreichbar.
- 1939 erhielt der Flugplatz eine etwa 1.000 Meter lange Gras-Start- und Landebahn. Damit wurde aus dem militärischen Horst ein nutzbarer Landeplatz. Brand war zu diesem Zeitpunkt noch kein großer Einsatzflugplatz, sondern eher ein Ausbildungs- und Ausweichstandort. Die spätere Bedeutung als großer Militärflugplatz war damals noch nicht absehbar.
Ausbildungsplatz der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1944)
- 1939 bis 1942 wurde Brand vor allem als Ausbildungsflugplatz genutzt. Hier war das Flieger-Ausbildungs-Regiment 82 beziehungsweise die spätere Flugzeugführerschule A/B 82 mit Bezug zur Flugzeugführerschule Pretzsch tätig. Der Platz diente damit nicht in erster Linie dem Fronteinsatz, sondern der Schulung und Ausbildung von Piloten. Für diese Nutzung wurde auch ein eigenes Schulgebäude errichtet.
- 1942 bis September 1944 ging die Ausbildungsnutzung weiter. In dieser Phase wird Brand mit der Flugzeugführerschule A/B 3 Guben in Verbindung gebracht. Der Platz blieb damit ein Teil des Luftwaffen-Ausbildungssystems, ohne sich zu einem großen operativen Frontflugplatz zu entwickeln. Seine Rolle war wichtig, aber eher im Hintergrund: Menschen ausbilden, Flugbetrieb ermöglichen, Infrastruktur bereitstellen.
Kriegsende und sowjetische Besetzung (1945)
- April 1945 rückte die Front in Brandenburg immer näher. Der Raum um Brand wurde Teil der letzten Kampfhandlungen im Osten Deutschlands. Die militärische Bedeutung des Flugplatzes lag nun nicht mehr in der Ausbildung, sondern in seiner strategischen Lage südlich von Berlin. Der Krieg näherte sich seinem Ende, und die vorhandene Infrastruktur fiel in den Bereich der sowjetischen Operationen.
- 20. April 1945 / Mai 1945 wurde der Platz von sowjetischen Kräften besetzt. Bei den Angaben tauchen je nach Darstellung unterschiedliche Zeitpunkte auf: Teilweise wird der 20. April genannt, teilweise allgemein der Mai 1945.
Ausbau zum sowjetischen Militärflugplatz (1950 – 1958)
- 1950/1951 begann der entscheidende Umbau des kleinen ehemaligen Luftwaffenplatzes zu einem vollwertigen sowjetischen Militärflugplatz. Die sowjetischen Streitkräfte ließen die Anlage stark erweitern. Aus der alten Grasbahn wurde ein modernerer Platz mit betonierter Hauptbahn. Die nördliche Start- und Landebahn wurde auf etwa 2.500 Meter Länge gebracht und machte Brand damit für leistungsstärkere Strahlflugzeuge nutzbar.
- 1958 wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Eine zusätzliche, etwa 2.000 Meter lange Bahn kam hinzu. Diese wurde als Ausweich- beziehungsweise Begleitjägerbahn genutzt und führte quer aus dem zentralen Flugplatzbereich heraus. Am Ende dieses Systems entstanden dezentrale Abstell- und Sicherungsbereiche. Damit bekam Brand die typische Struktur vieler sowjetischer Militärflugplätze des Kalten Krieges: lange Betonbahnen, Rollwege, Abstellflächen und getrennte Bereiche für Einsatz, Technik und Munition.
Frontbomber- und Jagdbomberbasis im Kalten Krieg (1950er – 1970er Jahre)
- 1950er bis 1960er Jahre entwickelte sich Brand zu einem wichtigen Standort der sowjetischen Luftstreitkräfte in der DDR. Die Anlage wurde für Jagd-, Jagdbomber- und Frontbomberverbände vorbereitet. In verschiedenen Darstellungen werden Flugzeugtypen wie MiG-17, Su-7 und später Su-24 genannt. Der Platz war damit Teil der sowjetischen Luftmacht in Mitteleuropa und lag in einer strategisch sensiblen Zone südlich von Berlin.
- 1970 wurden in Brand befestigte Flugzeugschutzbauten errichtet. Zunächst entstanden zehn Hardened Aircraft Shelters. Diese Schutzbauten waren ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Flugplatz nicht mehr nur ein einfacher Standort war, sondern eine wichtige operative Basis. Flugzeuge sollten im Ernstfall besser gegen Angriffe geschützt werden.
- 1972 erhielt Brand eine zweite parallele Hauptbahn mit etwa 2.500 Metern Länge. Damit verfügte der Platz über zwei große Betonbahnen und eine weitere Bahn beziehungsweise Roll-/Startstruktur im südöstlichen Bereich. Diese Infrastruktur machte Brand zu einem leistungsfähigen Militärflugplatz, der auch intensiveren Flugbetrieb aufnehmen konnte.
- Ende der 1970er Jahre wurde die Schutz- und Abstellinfrastruktur weiter ausgebaut. Die Zahl der Schutzbauten stieg nach mehreren Angaben auf 24. Für einen sowjetischen Militärflugplatz dieser Zeit war das ein deutliches Zeichen für die hohe militärische Einstufung des Standortes. Brand war nun kein Nebenplatz mehr, sondern ein ausgebauter Flugplatz innerhalb der sowjetischen Luftstreitkräfte in Deutschland.
Sonderwaffenlager und Hochphase der sowjetischen Nutzung (1980er Jahre)
- Anfang der 1980er Jahre wurde im Bereich des Flugplatzes ein Sonderwaffenlager beziehungsweise ein spezieller Bereitschaftsbereich erwähnt. In westlichen und späteren Darstellungen wird Brand deshalb auch mit der möglichen Lagerung nuklearer Fliegerbomben in Verbindung gebracht. Solche Anlagen gehörten in der Logik des Kalten Krieges zu besonders sensiblen Teilen eines Militärflugplatzes. Für Brand zeigt das, wie stark der Platz in die sowjetische Einsatzplanung eingebunden war.
- 1980er Jahre blieb Brand ein aktiver Standort der sowjetischen Luftstreitkräfte. Die Infrastruktur war umfangreich: mehrere Betonbahnen, Rollwege, Schutzbauten, technische Bereiche, Kasernen, Lager und militärische Sicherungszonen. Der Flugplatz war nach außen abgeschirmt und für die Bevölkerung im Umfeld vor allem als sowjetische Militäranlage wahrnehmbar.
Letzte sowjetische Einsatzjahre mit dem 911. Jagdbomberregiment (1989 – 1992)
- Juni 1989 wurde Brand noch einmal militärisch neu belegt. Das 911. Jagdbomberregiment der sowjetischen Luftstreitkräfte verlegte nach Brand und löste dort vorherige Verbände ab. In russischen und westlichen Angaben wird das Regiment mit MiG-27K und MiG-23UB in Verbindung gebracht. Damit blieb der Flugplatz auch kurz vor dem Ende der DDR noch ein aktiver sowjetischer Einsatzstandort.
- 1989/1990 veränderte die deutsche Wiedervereinigung die Lage grundlegend. Aus einem militärisch fest eingebundenen sowjetischen Flugplatz wurde ein Standort auf dem Gebiet des wiedervereinigten Deutschlands, dessen Zukunft offen war. Der Abzug der sowjetischen beziehungsweise später russischen Streitkräfte aus Deutschland wurde politisch geregelt, und auch Brand verlor seine bisherige Funktion.
- 6. Juli 1992 wurde das 911. Jagdbomberregiment aus Brand abgezogen. In russischen Übersichten wird dieses Datum als Abzugstermin genannt. Damit endete die eigentliche militärische Nutzung des Flugplatzes. Nach Jahrzehnten sowjetischer Präsenz verstummte der militärische Flugbetrieb, und das Gelände ging in eine Übergangsphase über.
- 1992 wurde das Gelände an die deutschen Behörden zurückgegeben. Damit war die militärische Geschichte von Brand praktisch beendet. Zurück blieb ein riesiges Areal mit Betonbahnen, Schutzbauten, Kasernenresten, technischen Anlagen und Altlasten. Für Brandenburg stellte sich nun die Frage, was mit einem so großen ehemaligen Militärstandort geschehen sollte.
Zivile Nachnutzung und Suche nach einer neuen Aufgabe (1992 – 1998)
- 1992 bis 1997 stand Brand für den großen Strukturwandel nach dem Kalten Krieg. Viele ehemalige sowjetische Militärflächen in Brandenburg mussten neu bewertet, gesichert, saniert und wirtschaftlich eingeordnet werden. Auch Brand war ein solches Gelände: zu groß, um einfach vergessen zu werden, aber zu speziell, um sofort eine klassische zivile Nutzung zu finden. Die vorhandenen Startbahnen und Freiflächen machten den Standort jedoch für große technische Projekte interessant.
- 1998 kaufte die CargoLifter AG das Areal. Damit begann das wohl spektakulärste zivile Kapitel des ehemaligen Flugplatzes. Die Idee war, in Brand riesige Transportluftschiffe zu entwickeln und zu bauen. Der Standort passte auf den ersten Blick perfekt: große freie Flächen, vorhandene militärische Infrastruktur, Abstand zu dichter Bebauung und genügend Raum für eine gigantische Werfthalle.
CargoLifter und die größte Luftschiffhalle der Welt (1999 – 2001)
- März 1999 begann die sichtbare Aufbauphase des CargoLifter-Projekts. Das Airship Design Center wurde der Öffentlichkeit vorgestellt, und der Standort Brand wurde zum Symbol für eine neue technische Vision. CargoLifter wollte mit dem CL160 ein Lastenluftschiff entwickeln, das besonders schwere und sperrige Güter ohne klassische Straßen-, Schienen- oder Hafeninfrastruktur transportieren sollte.
- 18. Oktober 1999 startete das Versuchsluftschiff „Joey“ zu seiner Jungfernfahrt über dem Werftgelände. Der Flug dauerte nur wenige Minuten, war aber ein wichtiger öffentlicher Moment für das Projekt. Gleichzeitig wuchs auf dem ehemaligen Militärflugplatz die gewaltige Halle, die später weltweit bekannt werden sollte.
- Oktober 1999 stand der erste große Bogen der Luftschiffhalle. Dieses Ereignis wurde öffentlichkeitswirksam gefeiert. Die Dimensionen waren außergewöhnlich: Die Halle wurde rund 360 Meter lang, 210 Meter breit und 107 Meter hoch. Sie war für die Montage großer Luftschiffe gedacht und gilt bis heute als eines der beeindruckendsten Industriegebäude Deutschlands.
- Juni 2000 wurde das CargoLifter-Gelände als Außenstandort der Expo 2000 präsentiert. Damit rückte Brand kurzzeitig in den internationalen Blick. Der ehemalige sowjetische Militärflugplatz wurde nun als Zukunftsort für innovative Luftfahrt- und Transporttechnik vermarktet. Aus einem abgeschotteten Militärstandort sollte ein offenes Symbol für Ingenieurgeist und neue Logistik werden.
- November 2000 wurde die CargoLifter-Luftschiffhalle fertiggestellt. Sie war eine technische und architektonische Ausnahmeerscheinung. Gebaut wurde sie für die Produktion des geplanten Lastenluftschiffs CL160. Der Traum war groß: schwere Lasten direkt von Ort zu Ort transportieren, unabhängig von Straßen, Brücken oder Häfen. Doch die wirtschaftliche Realität holte das Projekt bald ein.
- 2001 lief die technische Entwicklung weiter. In der Halle wurden unter anderem Arbeiten am CL75-Transportballon und an Komponenten für das größere Luftschiffprojekt durchgeführt. Im September 2001 wurde in der Werfthalle der Produktionsbeginn des CL160 gefeiert. Gleichzeitig wurde aber immer deutlicher, dass der Kapitalbedarf enorm war und das Unternehmen unter wachsendem finanziellen Druck stand.
Scheitern des CargoLifter-Projekts (2002 – 2003)
- 20. Mai 2002 gab CargoLifter bekannt, das große CL160-Entwicklungsvorhaben mangels ausreichender finanzieller Mittel vorläufig nicht weiterzuführen. Das war faktisch der Bruch in der Geschichte des Projekts. Die große Vision vom schweren Transportluftschiff war technisch faszinierend, wirtschaftlich aber nicht stabil genug finanziert.
- 31. Mai 2002 stellte die wichtige Tochtergesellschaft CL Development einen Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Damit begann das formelle Ende des ursprünglichen CargoLifter-Projekts in Brand. Viele Hoffnungen, Fördermittel und private Investitionen hingen an diesem Standort, doch die Finanzierung reichte nicht mehr aus.
- 7. Juni 2002 stellte auch die CargoLifter AG selbst Insolvenzantrag. Damit war klar, dass aus dem ehemaligen Flugplatz Brand kein Serienstandort für riesige Lastenluftschiffe werden würde. Die Halle blieb, das Luftschiff kam nie. Für Brand war es erneut ein Wendepunkt: Nach Luftwaffe und sowjetischer Militärnutzung war auch die große zivile Luftfahrtvision gescheitert.
- 10. Juli 2002 beschädigte das Sturmtief Anita den Prototyp des CL75 AirCrane vor der Werfthalle schwer. Dieses Ereignis passte tragisch in die Endphase des Projekts. Der Standort Brand war zwar weiterhin beeindruckend, doch die ursprüngliche Nutzungsidee war nicht mehr zu retten.
- 11. Juni 2003 wurde die ehemalige CargoLifter-Halle vom malaysischen Investor Tanjong übernommen. Damit begann die Umwandlung vom Luftschiffstandort zum Freizeitstandort. Aus einer Luftfahrtwerft sollte eine tropische Erlebniswelt werden. Das war ein radikaler Bruch, rettete aber die riesige Halle vor Leerstand und möglichem Verfall.
Vom Luftschiffhangar zu Tropical Islands (2004 – 2019)
- 2. Februar 2004 wurde die Baugenehmigung für den Freizeitpark in der Halle erteilt. Nun wurde aus der ehemaligen Werfthalle ein Innenraum mit tropischem Klima, Wasserflächen, Pflanzen, Wegen und touristischer Infrastruktur. Die militärische Vergangenheit und die CargoLifter-Vision traten in den Hintergrund, während die Halle eine völlig neue Identität bekam.
- 19. Dezember 2004 eröffnete Tropical Islands offiziell. Damit war der ehemalige Flugplatz Brand endgültig in der zivilen Freizeitnutzung angekommen. Wo einst Militärflugzeuge stationiert waren und später Luftschiffe gebaut werden sollten, entstand nun eine der ungewöhnlichsten touristischen Anlagen Deutschlands. Die riesige Halle blieb das verbindende Element aller Epochen: erst Vision der Luftfahrttechnik, dann Wahrzeichen des Freizeitparks.
- 2004 bis 2018 entwickelte sich Tropical Islands zum bekanntesten sichtbaren Teil des ehemaligen Flugplatzgeländes. Viele Besucher nehmen die Halle heute als Freizeit- und Urlaubsanlage wahr, ohne die Vorgeschichte des Ortes sofort zu erkennen. Dennoch liegt unter dieser heutigen Nutzung eine lange Luftfahrt- und Militärgeschichte, die den Charakter des Geländes bis heute prägt.
- 2019 wurde Tropical Islands in die spanische Parques-Reunidos-Gruppe eingegliedert. Damit wechselte die Anlage erneut in eine neue Unternehmensphase. Für die Geschichte des Flugplatzes Brand bedeutete das: Der Ort blieb wirtschaftlich aktiv, aber nicht mehr als Flugplatz, nicht mehr als Werft und nicht mehr als militärische Anlage, sondern als touristischer Großstandort.
Der ehemalige Flugplatz Brand heute (2020 – HEUTE)
- 2020er Jahre ist vom ursprünglichen Flugplatz Brand nur noch ein Teil der militärischen Infrastruktur sichtbar oder nachvollziehbar. Teile der Start- und Landebahnen, ehemalige Rollwege, Reste von Schutzbauten, Bunker- und Kasernenbereiche erinnern noch an die Vergangenheit. Der zentrale Blickfang ist jedoch die ehemalige CargoLifter-Halle, die heute Tropical Islands beherbergt.
- Heute steht Brand für einen außergewöhnlichen Wandel: vom Luftwaffen-Fliegerhorst zum sowjetischen Militärflugplatz, vom geheimen Standort des Kalten Krieges zum Symbol einer gescheiterten Luftschiff-Zukunft und schließlich zum Freizeitresort. Kaum ein anderer ehemaliger Flugplatz in Brandenburg hat eine so ungewöhnliche Nutzungskette durchlaufen. Genau diese Brüche machen Brand historisch so spannend.

