Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2026 von Charles David Fennell

Spotter Mania Titelbild

BRAGANÇA

Aeródromo Municipal de Bragança

Der Aeródromo Municipal de Bragança (LPBG/BGC) ist einer jener Flugplätze, die man nicht allein über ihre Größe oder ihr Verkehrsaufkommen verstehen kann. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Lage: im äußersten Nordosten Portugals, nahe der spanischen Grenze, weit entfernt von den großen Küstenflughäfen des Landes. Genau deshalb wurde die Luftfahrt für Bragança immer wieder zu einem Symbol für Verbindung, Erreichbarkeit und regionale Entwicklung.

Die Geschichte des Aeródromo beginnt nicht erst mit der heutigen Anlage bei Baçal, sondern reicht zurück zu den ersten Flugzeuglandungen auf einfachen Feldern, den frühen Flugplatzplänen der 1920er und 1930er Jahre und dem späteren Aufbau einer dauerhaften kommunalen Infrastruktur. Aus einem lokalen Flugfeld entwickelte sich Schritt für Schritt ein regionaler Luftverkehrsstandort, der bis heute eine besondere Rolle für Trás-os-Montes spielt.

Für Spottermania ist der Aeródromo Municipal de Bragança deshalb ein spannender Blick auf die kleinere, oft übersehene Seite der portugiesischen Luftfahrtgeschichte: ein Platz zwischen Tradition, regionaler Notwendigkeit, ambitionierten Ausbauplänen und dem fortlaufenden Versuch, eine abgelegene Region besser an Portugal und Europa anzubinden.

Campo de Aviação
5300-431 Bragança
Portugal

IATA: BGC
ICAO: LPBG

RUNWAY:
01/19 (1700x30m) Asphalt


GESCHICHTE

Die frühen Flugtage in Bragança und der erste Flugplatz (1922–1935)
  • 1922 begann die Luftfahrtgeschichte der Region Bragança nicht direkt in der Stadt selbst, sondern im Distrikt. Ein Doppeldecker der Esquadrilha da Amadora überflog das Gebiet und landete in Macedo de Cavaleiros. Für die Bevölkerung im Nordosten Portugals war das ein außergewöhnliches Ereignis, denn die Luftfahrt steckte damals noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase. Der Flug zeigte aber bereits, dass auch das abgelegene Trás-os-Montes nicht außerhalb der neuen technischen Möglichkeiten lag.
  • 1925 kam es zur ersten bekannten Landung eines Flugzeuges in Bragança. Die Maschine setzte auf einer Wiese in der Veiga de Gostei auf. Dieser Moment wurde später mit einem Granitstein gewürdigt, der an diese frühe Episode der lokalen Luftfahrtgeschichte erinnerte. Damit war noch kein richtiger Flugplatz entstanden, aber der Grundgedanke, Bragança über den Luftweg besser mit dem Rest des Landes zu verbinden, war geboren.
  • 1927 bis 1932 entstand westlich der Stadt der erste eigentliche Flugplatz von Bragança. Er wurde im Gebiet von São Tiago angelegt, damals noch außerhalb des engeren Stadtbereichs, in einem weitläufigen Piniengebiet. Der Platz war als „Campo do Calaia“ bekannt und bildete die erste feste Grundlage für die Entwicklung der Luftfahrt in Bragança.
  • 20. Februar 1932 wurde dieser erste Flugplatz offiziell eingeweiht. Zur Eröffnung erschien eine Formation von fünf Flugzeugen des Grupo Independente de Alverca. Für Bragança war das ein starkes Zeichen: Aus vereinzelten Landungen war nun ein organisierter Flugplatz geworden, der der Stadt eine neue verkehrliche Perspektive gab.
  • 1935 erhielt der Flugplatz den Namen „Campo de Aviação Plácido de Abreu“. Damit wurde der portugiesische Kunstflugpilot Plácido de Abreu geehrt, der bei einem Flugunfall in Frankreich ums Leben gekommen war. Die Umbenennung verlieh dem Flugplatz eine stärkere symbolische Bedeutung und verband die lokale Luftfahrt mit der portugiesischen Aviatikgeschichte.
Vom lokalen Flugfeld zur organisierten Fliegergemeinschaft (1962–1964)
  • 21. September 1962 wurden die Statuten des Aero Clube de Bragança genehmigt. Der Aeroclube spielte später eine wichtige Rolle für die zivile Luftfahrtkultur der Region, weil er Ausbildung, Vereinsleben, Sportfliegerei und allgemeine Begeisterung für die Luftfahrt miteinander verband. Gerade in einer eher abgelegenen Region wie Bragança war dieser Verein ein wichtiger Motor, um die Luftfahrt nicht nur als Verkehrsmittel, sondern auch als Teil des gesellschaftlichen Lebens zu verankern.
  • 5. Februar 1963 wurde die Genehmigung der Statuten offiziell veröffentlicht. Im selben Jahr wuchs die junge Vereinigung bereits auf mehrere Dutzend Mitglieder an. Das zeigt, dass es in Bragança ein echtes Interesse an der Luftfahrt gab und dass die Idee eines eigenen fliegerischen Zentrums in der Region Rückhalt fand.
  • 19. und 20. Oktober 1963 wurde der Aero Clube de Bragança offiziell eingeweiht. Die Feierlichkeiten dauerten zwei Tage und wurden am Morgen des 20. Oktober durch ein Luftfahrtfestival begleitet. Damit wurde die private und sportliche Luftfahrt in Bragança sichtbarer und bekam einen festen organisatorischen Rahmen.
Bau des heutigen Aeródromo Municipal de Bragança bei Baçal (1965–1975)
  • 1965 bis 1972 wurde der heutige Aeródromo Municipal de Bragança durch die Câmara Municipal de Bragança errichtet. Der neue Standort lag nicht mehr am alten Flugfeld von São Tiago, sondern bei Baçal, nordöstlich der Stadt. Die Wahl dieses Standortes war strategisch wichtig, weil dort mehr Raum für eine leistungsfähigere Infrastruktur vorhanden war und die Anlage besser auf eine regionale Verkehrsfunktion ausgerichtet werden konnte.
  • 1972 bis 1975 übernahm die damalige Direcção-Geral da Aeronáutica Civil wesentliche Arbeiten an der ersten Ausbaustufe des Flugfeldes. Nach Abschluss dieser Phase verfügte Bragança über eine asphaltierte Start- und Landebahn von rund 1.200 Metern Länge, eine Abstellplattform von etwa 80 mal 60 Metern und einen Rollweg, der die Plattform direkt mit der Piste verband. Damit war aus dem lokalen Flugplatz ein deutlich modernerer Aeródromo geworden, der für den regionalen Luftverkehr wesentlich besser geeignet war.
  • 19. November 1973 wurden Bauarbeiten am neuen Aeródromo bei Baçal auch filmisch dokumentiert. Zu sehen waren Arbeiten an der Landebahn sowie Asphaltierungsarbeiten. Diese Aufnahmen zeigen, dass der Ausbau Anfang der 1970er Jahre noch sichtbar im Gang war und die Infrastruktur Schritt für Schritt ihre spätere Form erhielt.
Infrastrukturaufbau und erste feste Einrichtungen (1978–1980er Jahre)
  • 1978 erhielt der Aeródromo Municipal de Bragança wichtige feste Einrichtungen: eine Aerogare, eine Kontrollturmstruktur und einen Hangar. Diese Erweiterungen machten den Platz nicht nur funktionaler, sondern gaben ihm auch den Charakter einer dauerhaften regionalen Luftverkehrsanlage. Bragança war damit nicht mehr nur ein Flugfeld mit Piste, sondern verfügte über eine Infrastruktur, die Passagierabfertigung, technische Abläufe und Vereinsaktivitäten besser unterstützen konnte.
  • Ende der 1970er Jahre verlegte der Aero Clube de Bragança seine Basis an den neuen Aeródromo bei Baçal. Für den Verein bedeutete das einen großen Schritt nach vorn, denn die moderne Anlage bot bessere Voraussetzungen für Vereinsflüge, Ausbildung, Wartung und fliegerische Veranstaltungen. Gleichzeitig wurde der Aeródromo stärker im Alltag der lokalen Luftfahrt verankert.
  • 1980er Jahre nahm die Aktivität des Aero Clube de Bragança weiter zu. Neben der klassischen Leichtfliegerei gewannen auch Ultraleichtflugzeuge an Bedeutung. Dadurch wurde der Aeródromo nicht nur für Verbindungen und gelegentliche Verkehrsflüge genutzt, sondern entwickelte sich auch zu einem wichtigen Ort für Freizeit-, Sport- und Ausbildungsfliegerei im Nordosten Portugals.
Regionale Linienflüge und Bragança als Verkehrsanbindung des Nordostens (1990er Jahre)
  • 1990er Jahre wurde der Aeródromo zunehmend im Zusammenhang mit regionalen Flugverbindungen gesehen. Bragança liegt weit entfernt von den großen portugiesischen Flughäfen an der Küste, und genau deshalb hatte der Luftweg eine besondere Bedeutung. Die Verbindung nach Lissabon und später über andere Zwischenstationen war für die Region mehr als ein Komfortangebot: Sie war ein Versuch, die räumliche Isolation des äußersten Nordostens Portugals zu verringern.
  • 8. Mai 1994 ereignete sich bei Bragança ein Unfall mit einer Britten-Norman BN-2A-8 Islander mit der Registrierung CS-DAF auf einem Linienflug von Lissabon nach Bragança. Die Maschine wurde bei dem Ereignis abgeschrieben, es gab jedoch keine Todesopfer. Der Vorfall gehört zur dokumentierten Sicherheitsgeschichte des Flugplatzes und zeigt zugleich, dass Bragança zu dieser Zeit bereits fest in regionale Flugverbindungen eingebunden war.
Modernisierung für Nachtflugbetrieb und Ausbau der Piste (2003–2005)
  • Januar 2003 wurde der Aeródromo mit bereits installierter Nachtbefeuerung durch die Força Aérea Portuguesa für Nachtbetrieb unter Sichtflugbedingungen zertifiziert. Das war ein wichtiger Schritt, weil die Nutzbarkeit des Platzes damit nicht mehr ausschließlich auf Tageslicht beschränkt war. Für eine Region mit langen Winterperioden und häufig anspruchsvollen Wetterbedingungen bedeutete diese Modernisierung einen klaren Fortschritt.
  • 2003 fand außerdem die erste Ausgabe des Raid Ibérico statt, einer Veranstaltung, die mit dem Aero Clube de Bragança verbunden ist und die Luftfahrtaktivitäten der Region sichtbarer machte. Solche Veranstaltungen stärkten die Rolle des Aeródromo als lebendiger Luftfahrtstandort und nicht nur als reine Verkehrsinfrastruktur.
  • 2004 wurde in Bragança ein erster PPL(A)-Ausbildungskurs durch die Escola de Aviação Aerocondor durchgeführt. Damit wurde der Aeródromo auch im Bereich der Pilotenausbildung wichtiger. Der Aero Clube de Bragança baute seine fliegerischen Möglichkeiten in dieser Phase weiter aus und schuf die Grundlage für spätere eigene Ausbildungs- und Vereinsaktivitäten.
  • 2005 wurde die Start- und Landebahn um 500 Meter verlängert. Die Piste erreichte damit eine Länge von 1.700 Metern. Die Verlängerung erfolgte nach Süden, wodurch die Schwelle 02 entsprechend verschoben wurde. Gleichzeitig wurden befestigte Schultern angelegt. Diese Maßnahme veränderte die Leistungsfähigkeit des Aeródromo deutlich und machte ihn für größere regionale Flugzeuge sowie anspruchsvollere Operationen besser nutzbar.
Öffnung für größere Ambitionen und internationale Verbindungen (2008–2009)
  • 30. Juli 2008 führte Aerocondor einen ersten Flug durch, der Paris beziehungsweise Agen in Frankreich mit Bragança verband. Diese Verbindung richtete sich besonders an die große portugiesische Auswanderergemeinschaft in Frankreich, die familiäre und regionale Bindungen nach Trás-os-Montes hatte. Der Flug war deshalb nicht nur ein verkehrliches Ereignis, sondern auch ein emotional starkes Signal für viele Menschen aus der Region.
  • 2008 wurde deutlich, dass Bragança über den reinen Binnenverkehr hinausdenken wollte. Die verlängerte Piste und die vorhandene Infrastruktur eröffneten neue Möglichkeiten für saisonale oder punktuelle Verbindungen nach Frankreich. Diese Phase war von der Hoffnung geprägt, den Aeródromo stärker als Tor des Nordostens zu etablieren und die Region enger mit europäischen Zielen zu verbinden.
  • 2009 wurde ein Plano Director für den Aeroporto Regional de Bragança ausgearbeitet. Darin wurde eine weitergehende Entwicklung der Anlage untersucht. Vorgesehen waren unter anderem eine mögliche Verlängerung der Piste auf 2.300 Meter, eine Verbreiterung auf 45 Meter, eine neue Plattform, ein neues Terminal, verbesserte Sicherheits- und Versorgungsinfrastruktur sowie eine Auslegung für größere Flugzeugmuster. Diese Planungen zeigten, dass Bragança zeitweise mit deutlich größeren Entwicklungsperspektiven verbunden wurde, auch wenn nicht alle vorgesehenen Schritte in dieser Form umgesetzt wurden.
Konsolidierung, Vereinsentwicklung und gebremste Ausbaupläne (2010–2015)
  • 2010 erhielt der Aero Clube de Bragança modernere und funktionalere Einrichtungen am Aeródromo. Damit wurde die Rolle des Vereinsstandortes weiter gestärkt. Die Verbindung zwischen kommunaler Infrastruktur und ziviler Luftfahrtgemeinschaft blieb ein prägendes Merkmal des Platzes.
  • 2010er Jahre blieb die große Vision eines deutlich erweiterten Regionalflughafens hinter den ursprünglichen Planungen zurück. Bragança verfügte zwar über eine vergleichsweise leistungsfähige Piste für einen kommunalen Aeródromo, aber der Ausbau zu einem Flughafen mit regelmäßigen größeren europäischen Verbindungen entwickelte sich nicht in dem Umfang, wie es in früheren Konzepten vorgesehen war.
  • 24. Januar 2015 wurde öffentlich beklagt, dass die früheren Verbindungen nach Frankreich und auch die früheren regionalen Linien nach Lissabon beziehungsweise Vila Real und Bragança nicht mehr in der gewünschten Form bestanden. Gleichzeitig blieb die Forderung bestehen, Bragança stärker als regionale Luftverkehrsinfrastruktur zu nutzen. Diese Phase zeigt den Kontrast zwischen vorhandener Infrastruktur, regionalem Bedarf und schwieriger wirtschaftlicher Realität im kommerziellen Flugbetrieb.
Die Linha Aérea Regional und die Nord-Süd-Verbindung Portugals (2010er–2020er Jahre)
  • 2010er Jahre bis 2020er Jahre wurde Bragança Teil der Linha Aérea Regional, einer innerportugiesischen Verbindung, die Bragança mit Vila Real, Viseu, Cascais und Portimão verband. Diese Route hatte eine besondere Bedeutung, weil sie den äußersten Nordosten Portugals mit dem Großraum Lissabon über Cascais und mit dem Algarve-Raum über Portimão verband. Für Bragança war diese Linie eine der wichtigsten regelmäßigen zivilen Nutzungen des Aeródromo.
  • 2023 wurde die Verbindung weiterhin als regionale Nord-Süd-Achse beworben. Die Strecke Bragança–Vila Real–Viseu–Cascais–Portimão verband mehrere kleinere Luftverkehrsstandorte miteinander und war damit ein spezielles Modell im portugiesischen Luftverkehr: keine klassische Großflughafenroute, sondern eine Verbindung zwischen regionalen Zentren.
  • Februar 2024 wurde die Fortführung der Linie politisch und vertraglich erneut zum Thema. Es wurde eine Übergangslösung gesucht, um eine Unterbrechung der Verbindung zu vermeiden. Diese Situation zeigte, wie abhängig der regionale Luftverkehr von öffentlichen Dienstleistungsaufträgen, Finanzierung und klaren Vertragsverhältnissen war.
  • 30. September 2024 wurde die Verbindung Bragança–Portimão unterbrochen. Als Grund wurden finanzielle und vertragliche Probleme genannt. Für Bragança bedeutete diese Unterbrechung erneut einen Rückschlag, weil die regelmäßige Linienanbindung für die Stadt und die Region eine wichtige symbolische und praktische Funktion hatte.
Wiederaufnahme der Verbindung und heutige Rolle des Aeródromo (2025–2026)
  • 19. Februar 2025 wurde die regionale Flugverbindung Bragança–Vila Real–Viseu–Cascais–Portimão wieder aufgenommen. Damit kehrte eine wichtige Linienverbindung nach mehrmonatiger Unterbrechung zurück. Die Wiederaufnahme war für die Region ein bedeutender Schritt, weil sie Bragança wieder regelmäßig in das innerportugiesische Flugnetz einband.
  • März 2025 kam es erneut zu einer kurzfristigen Unterbrechung der Verbindung, die später wieder aufgenommen wurde. Diese erneute Störung machte deutlich, dass die regionale Fluglinie zwar verkehrlich wichtig war, aber weiterhin empfindlich auf organisatorische, finanzielle und betriebliche Probleme reagierte.
  • 2025 wurde die Linie im Rahmen einer Konzession weitergeführt. Geplant war ein regelmäßiger Betrieb von Montag bis Samstag, mit einer Verstärkung der Frequenzen in der nachfragestärkeren Zeit zwischen Frühjahr und Herbst. Damit blieb der Aeródromo Municipal de Bragança ein Bestandteil der regionalen Luftverkehrspolitik Portugals.
  • 2026 präsentiert sich der Aeródromo Municipal de Bragança weiterhin als kommunal betriebene Luftverkehrsanlage bei Baçal. Die Piste ist asphaltiert, der Platz dient dem regionalen Linienverkehr, der allgemeinen Luftfahrt, Vereinsaktivitäten und der fliegerischen Ausbildung. Seine Bedeutung liegt weniger in großen Passagierzahlen, sondern in seiner Funktion als Luftverkehrsanbindung für eine geografisch abgelegene Region im Nordosten Portugals.

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