FLUGPLATZ BERLIN STAAKEN

Der ehemalige Flugplatz Berlin-Staaken ist einer der spannendsten historischen Luftfahrtorte im Westen Berlins. Kaum ein anderer Platz vereint so viele Kapitel der deutschen Luftfahrtgeschichte auf engem Raum: Zeppelinbau, Riesenflugzeuge des Ersten Weltkriegs, frühe Linienflüge, Lufthansa-Technik, Filmgeschichte und spätere militärische Nutzung.

Heute erinnert nur noch wenig an die Größe dieses einst bedeutenden Standorts. Doch wer sich mit Staaken beschäftigt, stößt schnell auf eine Geschichte voller technischer Pionierleistungen, politischer Umbrüche und fast vergessener Spuren. Berlin-Staaken war kein gewöhnlicher Flugplatz, sondern ein Ort, an dem sich die Entwicklung der deutschen Luftfahrt über mehrere Jahrzehnte besonders deutlich ablesen lässt.

Am Zeppelinpark 27
13591 Berlin
Deutschland

IATA: n/a
ICAO: n/a

RUNWAY:
1000x1000m


GESCHICHTE

Der militärische Ursprung und der Aufbau der Zeppelinwerke (1915 – 1916)
  • 9. Juli 1915 erwarb die Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Staaken ein großes Gelände westlich von Berlin-Spandau. Der Standort lag günstig außerhalb der dicht bebauten Innenstadt und bot genug Platz für große Hallen, Werkstätten, Montageflächen und den Betrieb von Luftschiffen. Der Bau erfolgte im Auftrag des Kriegsministeriums, weil die bestehenden Zeppelin-Standorte den militärischen Bedarf nicht mehr decken konnten.
  • 1915 begann die Erschließung des Geländes. Das Areal war teilweise feucht und musste erst nutzbar gemacht werden. Für diese Arbeiten wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Danach entstanden gewaltige Luftschiffhallen, Werkstätten, Verwaltungsgebäude und ein eigenes Gaswerk zur Versorgung der Luftschiffe mit Wasserstoff. Damit entwickelte sich Staaken nicht nur zu einem Flugplatz, sondern zu einem kompletten industriellen Luftfahrtstandort.
  • 9. November 1916 verließ das erste in Staaken gebaute Luftschiff die Werft. Damit begann die eigentliche Produktionsphase der Zeppelinwerke Berlin-Staaken. Der Standort war nun fest in die militärische Luftfahrt des Deutschen Kaiserreichs eingebunden.
Zeppeline und Riesenflugzeuge im Ersten Weltkrieg (1916 – 1918)
  • 1916 entwickelte sich Staaken neben dem Luftschiffbau auch zu einem bedeutenden Standort für große Militärflugzeuge. Besonders bekannt wurden die sogenannten Zeppelin-Staaken-Riesenflugzeuge. Diese mehrmotorigen Großflugzeuge gehörten zu den größten Flugzeugen ihrer Zeit und wurden vor allem als strategische Bomber eingesetzt.
  • 1917 wurde der Typ Zeppelin-Staaken R.VI in den Einsatz gebracht. Dieses Flugzeug war ein viermotoriger Doppeldecker mit großer Spannweite und einer Besatzung von mehreren Mann. Der Name Staaken wurde dadurch international mit dem Bau schwerer deutscher Riesenflugzeuge verbunden. Die Maschinen standen für eine frühe Form des strategischen Luftkriegs, der im Ersten Weltkrieg technisch noch neu war.
  • 1918 endete mit dem Kriegsverlauf auch die militärische Grundlage des Standortes. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 und den Bestimmungen des Versailler Vertrags durfte Deutschland keine militärische Luftfahrt in der bisherigen Form weiterführen. Die Produktion von Luftschiffen und Militärflugzeugen in Staaken kam deshalb zum Erliegen.
Zivile Umnutzung und Zeppelin-Liniendienst (1919)
  • 20. August 1919 begann zwischen Friedrichshafen und Berlin-Staaken ein Zeppelin-Liniendienst mit dem Luftschiff LZ 120. Die Verbindung war ein bemerkenswerter Versuch, den ehemaligen Militärstandort zivil weiterzunutzen. Die Reise über rund 600 Kilometer dauerte mehrere Stunden und konnte etwa 20 Passagiere befördern.
  • 5. Dezember 1919 wurde dieser Zeppelin-Liniendienst bereits wieder eingestellt. Trotz der kurzen Betriebszeit zeigte die Verbindung, dass Staaken nach dem Krieg nicht sofort bedeutungslos wurde. Der Platz blieb für zivile Luftfahrt, technische Nutzung und neue wirtschaftliche Ideen interessant.
Der Aufstieg zum frühen Verkehrsflugplatz (1920 – 1923)
  • 1922 verlegte die Deutsche Luft-Reederei ihren Betrieb von Johannisthal nach Berlin-Staaken. Damit wurde Staaken zu einem wichtigen Standort der frühen deutschen Verkehrsfliegerei. Die Deutsche Luft-Reederei gehörte zu den Vorläufern der späteren Lufthansa und nutzte bereits den Kranich als Erkennungszeichen, der später zum bekannten Lufthansa-Symbol wurde.
  • 27. Dezember 1922 startete vom Flugplatz Staaken eine der wichtigsten frühen internationalen Verbindungen der deutschen Luftfahrt: der erste deutsche Linienflug nach London nach dem Ersten Weltkrieg. Dieser Flug zeigte, dass Staaken in der frühen Nachkriegszeit eine reale Chance hatte, ein zentraler Berliner Verkehrsflugplatz zu werden.
  • 6. Februar 1923 ging die Deutsche Luft-Reederei in der Deutschen Aero Lloyd auf. Auch diese Entwicklung war eng mit der späteren Entstehung der Deutschen Luft Hansa verbunden. Staaken blieb dadurch ein wichtiger Ort im Übergang von der Pionierzeit zur organisierten deutschen Luftverkehrswirtschaft.
Filmwerke Staaken und Monumentalfilme in den Zeppelin-Hallen (1923 – 1934)
  • 31. Juli 1923 wurde die Filmwerke Staaken AG gegründet. Die leerstehenden oder nur noch teilweise genutzten Luftschiffhallen boten riesige überdachte Flächen. Dadurch eigneten sie sich hervorragend für große Kulissen und aufwendige Filmproduktionen.
  • 1925 bis 1926 entstanden in den Staakener Hallen wichtige Teile des Films „Metropolis“ von Fritz Lang. Die Größe der ehemaligen Zeppelin-Hallen ermöglichte monumentale Stadt- und Industrieaufbauten, die in normalen Ateliers kaum zu realisieren gewesen wären. Damit wurde Staaken nicht nur ein Ort der Luftfahrtgeschichte, sondern auch ein besonderer Ort der deutschen Filmgeschichte.
  • Nach 1929 gerieten die Filmwerke wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Die Umstellung auf Tonfilm, finanzielle Schwierigkeiten und die veränderte Filmwirtschaft führten dazu, dass die Bedeutung der Staakener Studios schwand. Nach 1934 spielte der Standort als Filmstudio praktisch keine Rolle mehr.
Flugschulen, Luft Hansa und die Entscheidung gegen Staaken als Berliner Hauptflughafen (1925 – 1932)
  • 1. April 1925 wurde am Flugplatz Staaken die Deutsche Verkehrsfliegerschule gegründet. Nach außen diente sie der zivilen Ausbildung, tatsächlich stand sie aber auch im Zusammenhang mit der verdeckten Wiederentwicklung militärischer Luftfahrtstrukturen in Deutschland. Staaken wurde dadurch ein Ort, an dem zivile und militärische Interessen eng ineinandergriffen.
  • 1925 entstand auch die Siedlung Neu-Jerusalem an der Heerstraße. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Flugplatz und seinen Beschäftigten errichtet. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der markante Tower, der später oft als „Zeppelin Tower“ bezeichnet wurde.
  • 6. Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa AG gegründet. Staaken hatte zunächst gute Voraussetzungen, ein wichtiger Berliner Lufthansa-Standort zu werden. Für den regelmäßigen Passagierverkehr setzte sich jedoch der verkehrsgünstiger gelegene Zentralflughafen Tempelhof durch. Staaken blieb dadurch weniger ein Publikumsflughafen, entwickelte sich aber zu einem bedeutenden Werkstatt-, Schulungs- und Technikstandort.
  • 1930 und 1932 fanden in Staaken internationale Luftfahrtwettbewerbe der Challenge statt. Diese Veranstaltungen zeigten, dass der Flugplatz weiterhin eine wichtige Rolle im zivilen Luftsport und in der internationalen Luftfahrtszene spielte.
Ausbau zur Luft Hansa-Hauptwerft und verdeckte militärische Nutzung (1933 – 1938)
  • 1933 begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine neue Phase. Der Flugplatz Staaken wurde stärker in die Luftfahrtpolitik des NS-Staates eingebunden. Nach außen blieb vieles zivil geprägt, doch die technische Infrastruktur, die Flugschulung und die Werkstattkapazitäten wurden zunehmend für militärische Ziele genutzt.
  • Mitte der 1930er-Jahre entwickelte sich Staaken zur Hauptwerft der damaligen Luft Hansa. Der Platz war in Bezug auf Werkstätten, Hallen, Überführungsflüge und technische Abläufe ein Großstandort, auch wenn der öffentliche Passagierverkehr Berlins inzwischen vor allem über Tempelhof lief.
  • 4. August 1936 wurde Staaken während der Olympischen Spiele in Berlin als Veranstaltungsort für die Segelflug-Vorführung genutzt. Das Segelfliegen war damals Demonstrationssport. Piloten aus mehreren Ländern zeigten ihre Leistungen auf dem Flugplatz Staaken.
  • 10. August 1938 startete die Focke-Wulf Fw 200 „Condor“ D-ACON von Berlin-Staaken zum Nonstop-Flug nach New York. Der Flug nach Floyd Bennett Field dauerte knapp 25 Stunden und war ein international beachteter Rekordflug. Damit wurde Staaken noch einmal zu einem Ausgangspunkt einer spektakulären luftfahrtgeschichtlichen Leistung.
Krieg, Rüstungsbetrieb und Zwangsarbeit (1939 – 1945)
  • 1939 wurde Staaken mit Beginn des Zweiten Weltkriegs noch stärker in die militärische Luftfahrt eingebunden. Die Luft Hansa-Werft arbeitete nicht mehr nur für zivile Zwecke, sondern war Teil der technischen Unterstützung militärischer Luftfahrt. Reparaturen, Wartung, Ausrüstung und Überführungen gewannen an Bedeutung.
  • 1940 bis 1945 wurden bei der Lufthansa und in den angeschlossenen Werkstattbereichen auch Zwangsarbeiter eingesetzt. Die erste Luft Hansa war während der NS-Zeit in militärische Rüstungsproduktion eingebunden und beschäftigte tausende Zwangsarbeiter. Für Staaken wird besonders die Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte in der Werft- und Reparaturarbeit genannt.
  • 1944 verschärfte sich die Kriegslage. Berlin und seine Luftfahrtstandorte wurden zunehmend Ziel alliierter Luftangriffe. Auch Staaken verlor durch den Kriegsverlauf an geordneter Betriebsfähigkeit. Der Platz blieb aber bis in die letzten Kriegswochen militärisch und technisch relevant.
  • 26. April 1945 besetzten sowjetische Truppen das Gelände. Damit endete die deutsche Nutzung des Flugplatzes Staaken. Der Standort ging unmittelbar in die sowjetische Nachkriegsnutzung über.
Sowjetische Nutzung und Rolle in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945 – 1948)
  • 1945 nutzten sowjetische Luftstreitkräfte den Flugplatz nach Kriegsende weiter. Staaken diente als Basis für Jagd-, Transport- und Schlachtfliegereinheiten. Während der Potsdamer Konferenz wurde der Platz auch für Ankünfte und Kurierflüge genutzt.
  • 1945 bis 1948 lag Staaken in einer besonderen politischen und geografischen Situation. Durch die Aufteilung Berlins und die Nähe zu Gatow hatte der Flugplatz eine Rolle im sowjetisch kontrollierten Bereich. Die Nachbarschaft zum britisch genutzten Flugplatz Gatow führte zu einer sensiblen Flugsicherheitslage.
  • 5. April 1948 kam es über Berlin zu einer schweren Kollision zwischen einer BEA Vickers Viking und einem sowjetischen Jagdflugzeug vom Typ Jak-3. Die Vickers Viking befand sich im Anflug auf Gatow, während das sowjetische Flugzeug aus dem Bereich Staaken kam. Bei dem Unglück starben die Insassen der Viking und der sowjetische Pilot. Der Vorfall verschärfte die Spannungen zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion in Berlin.
Rückzug der Sowjets und Ende des Flugplatzbetriebs (1948 – 1953)
  • Nach 1948 verlor Staaken als aktiver Flugplatz zunehmend an Bedeutung. Die Sicherheitslage im geteilten Berlin, die Nähe zu Gatow und die politischen Spannungen machten einen regulären Flugbetrieb immer schwieriger.
  • 1953 zogen die sowjetischen Luftstreitkräfte schließlich vom Flugplatz Staaken ab. Damit endete die aktive militärische Nutzung des Areals als Flugplatz. Nach rund vier Jahrzehnten war die Luftfahrtgeschichte des Platzes im eigentlichen Sinne abgeschlossen.
Umnutzung, Gewerbe und erhaltene Spuren (1953 – HEUTE)
  • Ab 1953 wurde das Gelände schrittweise anders genutzt. Teile des Areals dienten später als Lager- und Gewerbeflächen. Eine ehemalige Kaserne wurde ab den späten 1950er-Jahren als Krankenhaus genutzt. Andere Bereiche verfielen, wurden überbaut oder gewerblich erschlossen.
  • Nach der Wiedervereinigung rückte die Geschichte des Flugplatzes wieder stärker ins Bewusstsein. Auf dem Gelände der heutigen Gewerbeparks sind noch Spuren der Vergangenheit erkennbar. Dazu gehören einzelne Gebäude, Reste ehemaliger Flugplatzstrukturen, der Bereich des früheren Towers und Teile der alten technischen Anlagen.
  • Heute ist Berlin-Staaken kein aktiver Flugplatz mehr. Trotzdem bleibt der Ort ein vielschichtiger Erinnerungsraum. Seine Geschichte verbindet Zeppelinbau, frühe Verkehrsfliegerei, Filmgeschichte, Lufthansa-Technik, militärische Nutzung, NS-Zwangsarbeit und die politische Nachkriegszeit Berlins.


Weitere interessante Informationen

WIKIPEDIA

Flugplatz Staaken

THIS DAY IN AVIATION

10-11 August 1938 Flug Deutsche Luft Hansa Flugplatz Staaken – New York mit focke-Wulf Fw 200 Condor D-ACON

KULTURRING

Industriegeschichte Spandau – Flugplatz Staaken

BUNKERRATTEN

ehemaliges Gaswerk in Staaken – Flugplatz Staaken / Zeppelinwerke

ABANDONED FORGOTTEN & LITTLE KNOWN AIRFIELDS IN EUROPE

Berlin-Staaken

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Giant aircraft of the Zeppelin plants in Berlin Staaken near Spandau (1914-1918)

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Kompensierscheibe Staaken Berlin

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Flugplatz Staaken – Altes Gaswerk