Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026 von Charles David Fennell

Air Base

CELLE (GERMAN ARMY)

Der Heeresflugplatz Celle, auch bekannt als Celle-Wietzenbruch oder Immelmann-Kaserne, gehört zu den traditionsreichen militärischen Flugplätzen in Norddeutschland. Seine Geschichte reicht bis in die 1930er-Jahre zurück und spiegelt viele wichtige Phasen der deutschen und alliierten Luftfahrtgeschichte wider. Vom verdeckt aufgebauten Fliegerhorst der Luftwaffe über die Nutzung durch die Royal Air Force bis hin zur bedeutenden Rolle während der Berliner Luftbrücke war Celle immer wieder Teil größerer historischer Entwicklungen.

Nach der Übernahme durch die Bundeswehr wurde der Platz zu einem wichtigen Standort der Heeresflieger. Besonders die Zeit mit der Bo 105 und dem Heeresfliegerregiment 16 prägte Celle über Jahrzehnte. Heute steht der Standort nicht mehr für einen klassischen Einsatzflugplatz mit dauerhaft stationierten fliegenden Verbänden, sondern vor allem für Ausbildung, Übung und die Weiterentwicklung luftbeweglicher Operationen des Heeres.

Damit ist der Heeresflugplatz Celle ein Ort mit einer außergewöhnlich langen militärischen Kontinuität. Seine Entwicklung zeigt den Wandel von der frühen Luftwaffenzeit über alliierte Nachkriegsstrukturen bis zur modernen Bundeswehr und macht Celle zu einem wichtigen Kapitel der deutschen Militärluftfahrt.

Heeresflugplatz Celle

Flugplatz 9
D-29225 Celle

IATA: ZCN
ICAO: ETHC

RUNWAY:
08/26 (1841×45m) Asphalt


GESCHICHTE

Verdeckter Aufbau als Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch (1933–1935)
  • 1933: Im Zuge der verdeckten deutschen Wiederaufrüstung begann südwestlich von Celle, im Bereich Wietzenbruch, die Planung und Anlage eines neuen Fliegerhorstes. Offiziell trat das Vorhaben zunächst nicht als militärisches Projekt auf, sondern wurde unter ziviler Tarnung vorbereitet. Als Deckmantel dienten Organisationen und Strukturen, die nach außen hin mit Luftsport und ziviler Flugausbildung verbunden waren. Tatsächlich war der Platz Teil des systematischen Aufbaus einer neuen deutschen Luftwaffe.
  • 1933–1934: Das Gelände bei Wietzenbruch war für den Bau eines Flugplatzes schwierig, da es in einem feuchten, moorähnlichen Gebiet lag. Deshalb mussten zunächst umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt werden. Entwässerungsgräben wurden angelegt, Flächen wurden eingeebnet und tragfähig gemacht. Die Arbeiten waren aufwendig, weil der künftige Flugbetrieb eine stabile und dauerhaft nutzbare Fläche benötigte.
  • 1934: Der Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch wurde eröffnet und nahm den Ausbildungsbetrieb auf. In der frühen Phase stand vor allem die fliegerische Schulung im Vordergrund. Die Anlage gehörte zu jener Generation von Fliegerhorsten, die in den 1930er-Jahren nach einem relativ einheitlichen militärischen Grundkonzept entstanden. Neben dem eigentlichen Flugfeld wurden Unterkunftsbereiche, technische Gebäude, Hallen, Werkstätten, Verwaltungsgebäude und Versorgungseinrichtungen geschaffen.
  • 1934–1935: Die ersten Nutzer des Platzes waren Ausbildungseinrichtungen, die offiziell noch nicht offen als Luftwaffeneinheiten auftraten. Die fliegerische Ausbildung lief jedoch bereits in militärisch geprägten Strukturen ab. Celle-Wietzenbruch entwickelte sich damit früh zu einem wichtigen Ausbildungsstandort im norddeutschen Raum.
Offizielle Luftwaffenzeit und Ausbau des Ausbildungsbetriebes (1935–1939)
  • 9. März 1935: Mit der offiziellen Bekanntgabe der deutschen Luftwaffe endete die Tarnphase. Der Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch trat nun offen als militärischer Flugplatz der Luftwaffe auf. Die bisher zivil getarnten Strukturen wurden in den regulären militärischen Betrieb überführt.
  • 1935–1936: Der Ausbildungsbetrieb wurde ausgebaut. Auf dem Platz wurden Flugzeugführer und Besatzungen geschult. Im Laufe der Jahre kamen immer größere und leistungsfähigere Flugzeugmuster zum Einsatz, wodurch die Anforderungen an das Flugfeld, die Abstellflächen und die technische Infrastruktur wuchsen.
  • Mitte der 1930er-Jahre: Wegen des schwierigen Untergrundes erhielt das Flugfeld eine besondere Oberflächenbehandlung. Das Erdreich wurde mit Bitumen stabilisiert, um ein Einsinken der Flugzeuge zu verhindern. Diese elastisch wirkende Fläche brachte dem Platz unter Piloten den Spitznamen „Gummiwiese“ ein.
  • 1930er-Jahre: Für den Schulbetrieb reichte Celle-Wietzenbruch allein nicht aus. Deshalb wurden Außenlandeplätze und Ausweichflächen in der Umgebung genutzt, unter anderem bei Scheuen und Hustedt. Auch besondere Ausbildungszweige wie Blindflug und Instrumentenflugvorläufer wurden teilweise an andere Standorte verlagert, wenn die Bedingungen in Celle nicht ausreichten.
  • 1935–1939: Stationiert waren vor allem Ausbildungs- und Schulungseinheiten der Luftwaffe. Celle-Wietzenbruch war in dieser Phase weniger ein Frontflugplatz, sondern vor allem ein Standort für den Aufbau fliegerischer Fähigkeiten. Der Schwerpunkt lag auf Ausbildung, Umschulung, technischer Vorbereitung und dem Betrieb eines militärischen Fliegerhorstes im Regelbetrieb.
Zweiter Weltkrieg und wechselnde Nutzung durch Luftwaffeneinheiten (1939–1945)
  • 1939: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Rolle des Fliegerhorstes. Die bisherige Ausbildungseinrichtung wurde verlegt, und Celle-Wietzenbruch wurde fortan von wechselnden Luftwaffeneinheiten genutzt. Eine dauerhaft prägende Front- oder Kampfgruppe ist für den gesamten Kriegsverlauf nicht durchgehend kennzeichnend; vielmehr diente der Platz verschiedenen Verbänden zeitweise als Stützpunkt, Zwischenstation, Ausbildungs- oder Ausweichplatz.
  • 1939–1944: Der Fliegerhorst blieb im Krieg militärisch aktiv, spielte aber keine so herausragende Rolle wie größere Einsatz- oder Produktionsstandorte. Neben dem Flugbetrieb wurden auch technische Arbeiten durchgeführt. In einer der Hallen gab es zeitweise Arbeiten im Zusammenhang mit der Junkers Ju 88. Der Platz blieb durch Tarnmaßnahmen und seine eher untergeordnete kriegswirtschaftliche Bedeutung vergleichsweise lange von schwersten Zerstörungen verschont.
  • 1944: Gegen Kriegsende nahm die Bedrohung durch alliierte Luftangriffe zu. Der Fliegerhorst wurde dennoch nicht in dem Maße zerstört wie viele andere deutsche Flugplätze. Zeitzeugenberichte erwähnen Angriffe auf einzelne Gebäude und Flugplatzbereiche, ohne dass der Platz vollständig ausgeschaltet wurde.
  • Anfang April 1945: Die Lage der deutschen Luftwaffe brach auch in Celle zusammen. Die letzten deutschen Kräfte räumten den Platz. Übrig gebliebene Luftfahrzeuge wurden teilweise zerstört oder unbrauchbar gemacht, um sie nicht intakt in alliierte Hände fallen zu lassen.
  • 9. April 1945: Kurz vor der Einnahme Celles kam es noch zu einem alliierten Angriff auf den Flugplatzbereich. Größere, den Platz dauerhaft unbrauchbar machende Zerstörungen blieben jedoch aus.
  • 11. April 1945: Der Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch wurde an britische Truppen übergeben. Damit endete die Nutzung durch die deutsche Luftwaffe. Der Platz ging nahezu unmittelbar in die alliierte Nachkriegsnutzung über.
Britische Übernahme und RAF Station Celle (1945–1948)
  • 1945: Nach der Einnahme erhielt der Platz zunächst die alliierte Bezeichnung „Airfield B.118“. Aus dem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt wurde ein britisch kontrollierter Militärflugplatz. Später setzte sich die Bezeichnung „RAF Station Celle“ durch.
  • 1945–1946: Die Royal Air Force nutzte Celle-Wietzenbruch für eigene Einheiten und Aufgaben. In der unmittelbaren Nachkriegszeit waren unter anderem britische Jagdflugzeuge und Unterstützungsstrukturen auf dem Platz anzutreffen. Der Fliegerhorst wurde nicht aufgegeben, sondern blieb durchgehend militärisch genutzt.
  • 1946: Der Standort entwickelte sich zu einem festen britischen Flugplatz in der Besatzungszone. Die vorhandene deutsche Infrastruktur wurde weiterverwendet, teilweise angepasst und in die britische Organisation integriert. Für Celle bedeutete dies, dass der Flugplatz trotz Kriegsende nicht in eine zivile Nutzung überging.
  • 1945–1948: Neben fliegerischen Einheiten waren auch britische und alliierte Unterstützungsdienste vor Ort. Der Platz diente als militärische Liegenschaft, als technische Basis und als Bestandteil der alliierten Luftinfrastruktur in Norddeutschland.
Bedeutender Stützpunkt der Berliner Luftbrücke (1948–1949)
  • Juni 1948: Mit Beginn der Berliner Blockade bekam Celle-Wietzenbruch eine neue und sehr wichtige Aufgabe. Der Platz wurde in die Versorgung West-Berlins eingebunden. Die Royal Air Force räumte dafür wesentliche Bereiche, und amerikanische Transportflugzeuge übernahmen einen großen Teil des Luftbrückenbetriebs von Celle aus.
  • 1948: Für die Luftbrücke wurde die Infrastruktur massiv belastet und erweitert. Tag und Nacht starteten Transportflugzeuge, vor allem Douglas C-54 Skymaster, mit Kohle, Lebensmitteln und anderen Versorgungsgütern in Richtung Berlin. Celle wurde zu einem der stark frequentierten westdeutschen Startplätze der Luftbrücke.
  • 1948–1949: Der Flugplatz erreichte in dieser Zeit eine außergewöhnlich hohe Betriebsintensität. Neben Faßberg gehörte Celle zu den wichtigsten Umschlagplätzen für die Versorgung Berlins. Tausende deutsche Arbeitskräfte unterstützten den Betrieb auf dem Flugplatz, beim Be- und Entladen, bei Bauarbeiten, in der Versorgung und in der Instandhaltung der Infrastruktur.
  • 1948–1949: Für den Luftbrückenbetrieb wurden zusätzliche Unterkünfte, Arbeitsbereiche und logistische Einrichtungen geschaffen. Nissenhütten und provisorische Bauten prägten zeitweise das Umfeld des Fliegerhorstes. Die Luftbrücke machte Celle-Wietzenbruch weit über die Region hinaus bekannt.
  • 15. Februar 1949: Eine Douglas C-54 der United States Air Force verunglückte im Zusammenhang mit dem Flugbetrieb bei Celle. Die Maschine wurde schwer beschädigt, die Besatzung überlebte.
  • 26. Mai 1949: Eine weitere C-54 der United States Air Force wurde bei einer Bruchlandung auf dem Militärflugplatz Celle irreparabel beschädigt. Auch bei diesem Zwischenfall überlebten die Insassen.
  • Mai 1949: Mit dem Ende der Berliner Blockade ging der Luftbrückenbetrieb schrittweise zurück. Für Celle blieb diese Phase jedoch einer der markantesten Abschnitte der Flugplatzgeschichte.
RAF-Nachkriegsbetrieb und Übergangszeit bis zur Bundeswehr (1949–1957)
  • 1949–1950: Nach der Luftbrücke blieb Celle-Wietzenbruch weiterhin unter britischer Kontrolle. Die Nutzung normalisierte sich, der Platz blieb aber ein aktiver Militärflugplatz. Flugzeuge der Royal Air Force und alliierte Unterstützungsdienste nutzten die vorhandene Infrastruktur weiter.
  • 1950er-Jahre: In der RAF-Zeit wurden unter anderem britische Strahlflugzeuge wie Vampire und später Venom mit Celle verbunden. Der Platz blieb damit auch nach der Luftbrücke Teil der westalliierten militärischen Luftfahrtstruktur in Deutschland.
  • 1950er-Jahre: Neben der Royal Air Force waren auch andere alliierte Dienststellen auf dem Gelände präsent. Dazu gehörten technische, nachrichtendienstliche und unterstützende Einheiten. Der Flugplatz wurde nicht stillgelegt, sondern kontinuierlich weiterbetrieben.
  • 1956–1966: Eine amerikanische Radar- beziehungsweise Aircraft-Control-and-Warning-Einheit war mit Celle verbunden. Diese Nutzung reichte noch in die spätere Bundeswehrzeit hinein und zeigt, dass der Standort auch nach der Rückgabe an Deutschland weiterhin in alliierte Strukturen eingebunden blieb.
  • 29. November 1957: Die Briten übergaben den Flugplatz an die Bundeswehr. Celle-Wietzenbruch wurde damit einer der frühen Standorte der jungen Heeresfliegertruppe. Aus der RAF Station Celle wurde ein deutscher Heeresflugplatz.
Aufbau der Heeresflieger und gemischte Nutzung durch Heer und Luftwaffe (1957–1967)
  • 1957: Mit der Übernahme durch die Bundeswehr begann eine neue Ära. Die Heeresflieger bezogen den Standort, und Celle wurde zu einem wichtigen Aufbauplatz dieser damals noch jungen Truppengattung. Zu den frühen Mustern gehörten unter anderem Verbindungsflugzeuge und Hubschrauber wie die Dornier Do 27, die Sikorsky H-34 und weitere leichte Hubschraubertypen.
  • 1957–1958: Der Standort wurde auf die Bedürfnisse der Bundeswehr angepasst. Die vorhandene Infrastruktur aus Wehrmacht- und RAF-Zeit wurde weiterverwendet, ergänzt und modernisiert. Celle entwickelte sich zu einem zentralen Ort für Aufbau, Ausbildung, Flugbetrieb und technische Unterstützung der Heeresflieger.
  • 1959: Eine Besonderheit begann: Neben den Heeresfliegern wurde auch die Luftwaffe in Celle stationiert. Damit entstand ein dauerhaft gemischt genutzter Fliegerhorst von Heer und Luftwaffe, eine in dieser Form ungewöhnliche Konstellation innerhalb der Bundeswehr.
  • 1959–1960: Das Lufttransportgeschwader 62 nutzte Celle in seiner frühen Phase. Es verlegte später nach Köln und anschließend nach Wunstorf. Die Luftwaffenpräsenz in Celle blieb jedoch bestehen, weil mit dem Lufttransportgeschwader 63 ein weiterer Verband an den Standort kam.
  • 1959–1966: Parallel dazu blieb eine US-amerikanische Radareinheit auf dem Flugplatz aktiv. Diese Einheit war mit mobiler Radartechnik ausgestattet und stand im Zusammenhang mit der Kontrolle und Steuerung bestimmter Waffensysteme beziehungsweise Luftlageaufgaben. Sie wurde später aus Kostengründen wieder aufgelöst.
  • 1961: Die Heeresfliegerstaffel 7 wurde nach Celle verlegt. Sie entwickelte sich zu einer der prägenden Einheiten des Standortes und blieb über Jahrzehnte mit Celle verbunden. Ausgerüstet war sie später vor allem mit leichten Verbindungs- und Beobachtungshubschraubern, insbesondere der Alouette II.
  • 15. Dezember 1961: Das Lufttransportgeschwader 63 wurde in Celle mit dem Transportflugzeug Nord Noratlas in Dienst gestellt. Damit war Celle zugleich Heeresfliegerstandort und Luftwaffen-Transportflugplatz. Diese gemischte Nutzung prägte den Standort bis 1967.
  • 1961: Nach dem Bau der Berliner Mauer wurde in Celle zeitweise auch eine kleinere Einheit der amerikanischen Nationalgarde vorgehalten. Hintergrund war die Sorge, dass eine erneute Luftbrücke oder ein vergleichbarer Versorgungsfall notwendig werden könnte.
  • 1963–1981: In Celle befand sich eine Erprobungs- und Versuchseinheit, die sich mit Drohnen, Hubschraubern und neuen Waffensystemen befasste. In diesem Zusammenhang spielte auch die spätere Einführung der Bölkow Bo 105 als Panzerabwehrhubschrauber eine Rolle.
  • 1964: Die Heeresfliegerstaffel 11 wurde zum Heeresfliegerbataillon 11 aufgewertet. Der Standort Celle war damit nicht nur Betriebsplatz, sondern auch Heimat mehrerer Heeresfliegereinheiten, die im Rahmen der Bundeswehrstrukturen wuchsen und umgegliedert wurden.
  • 1967: Das Lufttransportgeschwader 63 verlegte von Celle nach Hohn. Damit endete die Phase der stationierten Luftwaffen-Transportverbände in Celle. Der Fliegerhorst blieb jedoch weiter ein gemischt organisierter Standort, da Flugsicherung und Unterstützungsdienste teilweise durch Heer und Luftwaffe gemeinsam gestellt wurden.
Immelmann-Kaserne und Ausbau zum Heeresfliegerstandort (1967–1979)
  • 28. Juli 1967: Der Standort erhielt offiziell den zusätzlichen Namen „Immelmann-Kaserne“. Er erinnert an den Jagdflieger Max Immelmann aus dem Ersten Weltkrieg. Der Name wurde fortan fest mit dem Heeresflugplatz Celle-Wietzenbruch verbunden.
  • 1968: Die Heeresfliegerstaffel 7 wurde zum Heeresfliegerbataillon 7 aufgewertet. Damit wuchs die Bedeutung des Standortes weiter. Die Einheit war ein wichtiger Bestandteil der Heeresfliegertruppe und stand für Verbindungs-, Beobachtungs- und Unterstützungsaufgaben.
  • 1968–1970er-Jahre: In Celle kamen zunehmend moderne Hubschraubertypen zum Einsatz. Neben der Alouette II gewann die Bölkow Bo 105 an Bedeutung. Die Bo 105 sollte den Standort später über Jahrzehnte prägen.
  • 1971: Das Heeresfliegerregiment 10 wurde in Celle-Wietzenbruch aufgestellt. Es entstand aus Teilen bestehender Heeresfliegerbataillone und wurde mit Bell UH-1D ausgestattet. Damit erhielt Celle erstmals einen Verband in Regimentsgröße.
  • 1971: Im Zuge der Umgliederung wurden ältere Strukturen verändert. Aus Teilen des Heeresfliegerbataillons 11 und anderer Verbände entstanden neue Einheiten beziehungsweise Teile des Heeresfliegerregiments 10. Celle wurde dadurch zu einem bedeutenden Organisationsstandort der Heeresflieger.
  • 1972–1973: Eine Drohnen-, Lehr- und Versuchsstaffel war mit dem Standort verbunden. Sie stand für die technische und taktische Erprobung neuer Systeme und Verfahren. Celle war damit nicht nur Einsatz- und Ausbildungsort, sondern auch ein Platz für Entwicklung und Einführung neuer Fähigkeiten.
  • 1970er-Jahre: Das Heeresfliegerregiment 10 mit der Bell UH-1D prägte den Flugbetrieb in Celle deutlich. Die UH-1D war als leichter Transporthubschrauber vielseitig einsetzbar und wurde für Truppen- und Materialtransport, Verbindungsaufgaben, Unterstützung und Hilfseinsätze genutzt.
  • 1979: Mit der Aufstellung des Heeresfliegerregiments 16 begann eine weitere wichtige Phase. Der neue Verband war als Panzerabwehrhubschrauberregiment konzipiert und wurde mit der Bo 105 PAH ausgerüstet. Damit wurde Celle zu einem der bedeutenden Standorte der Panzerabwehrhubschrauberkräfte des Heeres.
Zwei Regimenter und Entscheidung zugunsten des Heeresfliegerregiments 16 (1979–1981)
  • 2. April 1979: Das Heeresfliegerregiment 16 wurde in Celle aufgestellt. Der Verband erhielt den Auftrag, die Kampftruppe mit Panzerabwehrhubschraubern zu unterstützen. Sein Hauptwaffensystem wurde die Bölkow Bo 105 PAH 1 beziehungsweise PAH 1A1.
  • 24. Oktober 1979: Das Heeresfliegerregiment 16 übernahm den ersten seiner später insgesamt 56 Panzerabwehrhubschrauber Bo 105 PAH. Damit begann der Aufbau eines vollwertigen Panzerabwehrhubschrauberregiments am Standort Celle.
  • 1979–1981: Celle war vorübergehend Standort zweier großer Heeresfliegerregimenter: des Heeresfliegerregiments 10 mit Bell UH-1D und des Heeresfliegerregiments 16 mit Bo 105 PAH. Für den Flugplatz war diese Doppelbelegung auf Dauer zu groß. Deshalb musste eines der Regimenter verlegt werden.
  • 1980–1981: Die Entscheidung fiel zugunsten des Verbleibs des Heeresfliegerregiments 16 in Celle. Das Heeresfliegerregiment 10 wurde schrittweise nach Faßberg verlegt. Die Verbindung des Regiments zu Celle blieb jedoch in seiner Tradition sichtbar, unter anderem im Wappen mit Bezug zum Celler Schloss.
  • 1981: Nach Abschluss der Verlegung des Heeresfliegerregiments 10 wurde Celle vor allem durch das Heeresfliegerregiment 16 geprägt. Der Standort entwickelte sich zu einem Schwerpunkt der Panzerabwehrhubschrauberkräfte.
Panzerabwehrhubschrauberstandort im Kalten Krieg (1981–1990)
  • 1981–1990: Das Heeresfliegerregiment 16 wurde zur dominierenden fliegenden Einheit am Standort Celle. Mit seinen Bo 105 PAH war der Verband auf Panzerabwehr aus der Luft spezialisiert. Die Aufgabe bestand darin, die Kampftruppe im Gefecht zu unterstützen und gegnerische gepanzerte Kräfte mit beweglichen, schwer aufklärbaren Hubschraubern zu bekämpfen.
  • 1980er-Jahre: Das Regiment verfügte über eine umfangreiche Struktur. Dazu gehörten Stabs- und Versorgungselemente, fliegende Staffeln, technische Einheiten, Sicherungskräfte und Ersatzstrukturen. In Friedenszeiten umfasste der Verband rund 1.600 Soldaten, im Krisenfall war eine höhere Stärke vorgesehen.
  • 1980er-Jahre: Die Bo 105 PAH prägte das Bild des Flugplatzes. Ihre geringe Größe, Wendigkeit und Bewaffnung machten sie zum typischen Panzerabwehrhubschrauber der Bundeswehr. Celle wurde dadurch eng mit diesem Hubschraubermuster verbunden.
  • 1980er-Jahre: Neben dem Heeresfliegerregiment 16 bestanden am Standort weiterhin Unterstützungs-, Flugsicherungs-, technische und administrative Dienststellen. Der Flugplatz war Teil eines umfassenden militärischen Standortes mit Kasernenbetrieb, Flugdienst, Instandhaltung und Ausbildung.
  • 1980er-Jahre: Celle blieb auch in die Planungen der Landes- und Bündnisverteidigung eingebunden. Die Infrastruktur des Flugplatzes, die Flugsicherung und die technischen Einrichtungen waren auf militärischen Betrieb im Spannungs- und Verteidigungsfall ausgelegt.
Umbruch nach dem Kalten Krieg und Reduzierung der Flugbetriebsinfrastruktur (1990–2002)
  • 1990–1991: Nach dem Ende des Kalten Krieges änderten sich die Anforderungen an den Standort. Viele Fähigkeiten, die zuvor auf Landes- und Bündnisverteidigung, schnelle Verlegung und militärische Großlagen ausgelegt waren, wurden überprüft und reduziert.
  • 1991: Die Fähigkeit zum Instrumentenflug in Celle wurde aufgegeben. Auch Strukturen, die mit der früheren Luftbrückenbereitschaft und dem Betrieb von Autobahn-Notlandeplätzen zusammenhingen, verloren ihre Bedeutung. Die Flugsicherung wurde entsprechend verkleinert.
  • 1990er-Jahre: Mehrere kleinere Einheiten und Dienststellen wurden aufgelöst oder verlegt. Die Luftwaffe zog sich schrittweise vollständig aus dem Standort zurück. Celle wurde damit wieder stärker zu einem reinen Heeresstandort.
  • 1994: Die Heeresfliegerstaffel 1, die aus der früheren Heeresfliegerstaffel 7 hervorgegangen war, wurde aufgelöst. Damit endete die lange Geschichte dieser mit Celle verbundenen leichten Verbindungs- und Beobachtungseinheit. Die Alouette II verschwand aus dem regulären Standortbild.
  • 1994: Im Bereich der Infrastruktur gab es größere Veränderungen. Unter anderem wurde der Fuhsekanal verlegt, der zuvor durch beziehungsweise unmittelbar an Kasernen- und Flugplatzbereiche heranführte. Damit wurden alte bauliche Strukturen an moderne Anforderungen angepasst.
  • 1990er-Jahre: Das Heeresfliegerregiment 16 blieb die zentrale fliegende Einheit. Die Bo 105 PAH war weiterhin das bestimmende Muster in Celle. Gleichzeitig zeichnete sich ab, dass die Heeresfliegertruppe in eine neue Struktur mit neuen Hubschraubermustern überführt werden sollte.
  • 2002: Das Heeresfliegerregiment 16 wurde im Rahmen der Bundeswehrumstrukturierung und der Vorbereitung auf die Einführung neuer Hubschraubertypen aufgelöst. Damit endete die Zeit des großen Panzerabwehrhubschrauberregiments in Celle.
Neuordnung, Ausbildung und kleinere Hubschraubereinheiten (2003–2016)
  • 2003: Nach der Auflösung des Heeresfliegerregiments 16 wurde der Standort neu ausgerichtet. Teile der Heeresfliegerwaffenschule beziehungsweise Ausbildungselemente zogen nach Celle. Der Flugplatz blieb damit militärisch relevant, jedoch nicht mehr als Standort eines großen Einsatzregiments.
  • 2003: Celle wurde wieder instrumentenanflugfähig. Mit der Aufnahme beziehungsweise Wiederaufnahme von Ausbildungsflugbetrieb erhielt der Platz erneut eine wichtige Rolle für Schulung, Training und fliegerische Verfahren.
  • 2003–2010er-Jahre: Neben der weiterhin vorhandenen Bo 105 kehrte auch die Bell UH-1D zeitweise nach Celle zurück. Damit waren zwei Hubschraubermuster mit langer Bundeswehrgeschichte wieder mit dem Standort verbunden. Die Nutzung verschob sich jedoch zunehmend von einsatzregimentärer Stationierung hin zu Ausbildung, Übung, Schulung und Unterstützung.
  • 2000er-Jahre: Der Standort diente der Heeresfliegertruppe als Ausbildungs- und Übungsplatz. Mit dem Übergang zu NH90 und Tiger änderten sich die Aufgaben der älteren Muster. Die Bo 105 wurde noch für bestimmte Ausbildungs-, Verbindungs- und Unterstützungsaufgaben genutzt, verlor aber schrittweise ihre frühere Rolle als Panzerabwehrsystem.
  • 2010er-Jahre: Die Bundeswehr reduzierte den Bestand älterer Hubschraubermuster weiter. Die UH-1D wurde im Heer zunehmend durch neuere Systeme ersetzt, und auch die Bo 105 näherte sich ihrem Ende im aktiven Dienst.
  • 2016: Mit dem Fly-out der Bo 105 endete in Celle eine besonders lange Hubschrauberära. Das Muster war seit Ende der 1960er-Jahre mit dem Standort verbunden und hatte Celle über Jahrzehnte geprägt. Nach dem Ende der Bo 105-Nutzung verlor der Flugplatz seine frühere Rolle als Heimat dauerhaft stationierter fliegender Verbände.
Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit und heutige Rolle (2016–heute)
  • 2016: In Celle wurde das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit aufgebaut. Damit erhielt der Standort eine neue Hauptaufgabe. Nicht mehr der tägliche Betrieb eines großen fliegenden Verbandes stand im Vordergrund, sondern die Ausbildung, Übung und Vorbereitung luftbeweglicher Operationen.
  • Seit 2016: Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit unterstützt Verbände und Einheiten des Heeres bei Planung, Ausbildung und Durchführung luftbeweglicher Einsätze. Dazu gehören Gefechtsstände, Simulation, Verfahrenstraining und reale Übungsanteile auf dem Heeresflugplatz Celle sowie auf umliegenden Übungsflächen.
  • Seit 2016: Celle dient als zentrale Ausbildungs- und Übungsdrehscheibe für luftbewegliche Kräfte. Hubschrauber wie NH90 oder Tiger werden bei Übungen durch die jeweiligen Verbände eingebracht, sind aber nicht mehr in gleicher Weise dauerhaft in Celle stationiert wie früher die Bo 105 des Heeresfliegerregiments 16.
  • 2020er-Jahre: Die Immelmann-Kaserne bleibt ein bedeutender Standort des Heeres. Die frühere fliegerische Prägung ist weiterhin sichtbar, auch wenn sich der Auftrag verändert hat. Historische Gebäude, die lange Nutzungsgeschichte und die erhaltene Flugplatzinfrastruktur erinnern an die Entwicklung vom Luftwaffen-Fliegerhorst über RAF Station Celle und Luftbrückenstützpunkt bis zum modernen Ausbildungsstandort des Heeres.
  • Heute: Der Heeresflugplatz Celle steht für eine außergewöhnlich lange militärische Kontinuität. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1934 wurde der Platz nicht dauerhaft zivil umgewidmet, sondern blieb durchgehend militärisch genutzt. Seine Geschichte umfasst Luftwaffenausbildung, alliierte Nachkriegsnutzung, Berliner Luftbrücke, den Aufbau der Bundeswehr-Heeresflieger, Luftwaffen-Transportverbände, Panzerabwehrhubschrauber und die heutige luftbewegliche Ausbildung des Heeres.

EINHEITEN / UNITS

GERMAN ARMY

Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit

Im niedersächsischen Celle liegt das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit. Sie bildet als zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres Verbände und Einheiten der luftbeweglichen Kräfte des Heeres für den luftbeweglichen Einsatz aus.



Flight Radar


Static Airframes

PRESERVED

  • 88+12 / MBB Bo. 105 / cn 6212 / German Army / Gate Guard
  • 75+95 / Sud Aviation Alouette II SE.3130 / cn 1530 / German Army
  • 50+81 / VFW Transall C-160D / German Air Force / Instructional Airframe

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