Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026 von Charles David Fennell

FRITZLAR (GERMAN ARMY)
Der Heeresflugplatz Fritzlar gehört zu den traditionsreichen Militärflugplätzen in Deutschland und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Ursprünglich in den 1930er-Jahren als Fliegerhorst der Luftwaffe errichtet, wurde der Platz während des Zweiten Weltkriegs von verschiedenen fliegenden Verbänden genutzt und war zeitweise auch mit der Flugzeugproduktion verbunden. Nach Kriegsende übernahmen zunächst amerikanische, später französische Streitkräfte den Standort, bevor Fritzlar in den 1950er-Jahren an die Bundeswehr übergeben wurde.
Seit dieser Zeit ist Fritzlar eng mit der Geschichte der deutschen Heeresflieger verbunden. Aus dem ehemaligen Fliegerhorst entwickelte sich ein bedeutender Heeresflugplatz, der über Jahrzehnte von Transport-, Verbindungs- und später Kampfhubschraubereinheiten geprägt wurde. Besonders das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ macht Fritzlar bis heute zu einem wichtigen Standort der Bundeswehr.
Heute steht der Heeresflugplatz Fritzlar für eine lange militärische Entwicklung: von der Luftwaffenzeit über die Besatzungsjahre bis zur modernen Heeresfliegertruppe. Die besondere Bedeutung des Standortes liegt vor allem in seiner Kontinuität als aktiver Militärflugplatz und in seiner Rolle als Heimat moderner Kampfhubschrauber des Deutschen Heeres.
Heeresflugplatz Fritzlar
Berliner Straße 100
D-34560 Fritzlar
IATA: FRZ
ICAO: ETHF
RUNWAY:
12/30 (1043×30m) Asphalt
GESCHICHTE
Aufbau als Fliegerhorst der Luftwaffe (1935–1938)
- 1935 begann südöstlich der Stadt Fritzlar der Bau eines neuen Militärflugplatzes der damaligen Luftwaffe. Der Standort lag in der Ederniederung und wurde als großzügig angelegter Fliegerhorst mit Flugfeld, Kasernen, Hallen, Werkstätten und militärischer Infrastruktur geplant. Die Anlage entstand im Zuge der massiven Aufrüstung der Wehrmacht und sollte Fritzlar zu einem wichtigen Luftwaffenstandort in Nordhessen machen.
- 17. September 1937 wurde auf dem Flugplatz Richtfest gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt waren große Teile der baulichen Anlagen bereits fertiggestellt oder weit fortgeschritten. Der neue Fliegerhorst erhielt den Namen des bekannten Jagdfliegers Oswald Boelcke und wurde damit bewusst in die militärische Traditionspflege der damaligen Luftwaffe eingebunden.
- 1. April 1938 wurde der Fliegerhorst Fritzlar offiziell in Dienst gestellt. Damit begann die militärische Nutzung des Platzes als Luftwaffenstandort. Der Flugplatz war von Anfang an nicht als ziviler Verkehrsplatz, sondern als reiner Militärflugplatz ausgelegt. Die Anlage wurde in den folgenden Jahren als Einsatz-, Ausbildungs- und Stationierungsplatz genutzt.
Erste Luftwaffeneinheiten und Kampffliegerzeit (1938–1939)
- 14. März 1938 verlegte der Stab des Kampfgeschwaders 254 nach Fritzlar. Kurz darauf folgten weitere Teile des Verbandes. Die Einheit war mit Heinkel He 111 ausgerüstet, einem zweimotorigen Bomber, der in der damaligen Luftwaffe eine zentrale Rolle spielte.
- 16. März 1938 zog die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 254 mit Heinkel He 111 P auf den Fliegerhorst. Fritzlar wurde damit bereits kurz nach seiner Fertigstellung zu einem aktiven Standort für Kampfflieger. Die Einheit wurde später organisatorisch verändert und in die Struktur des Kampfgeschwaders 54 überführt.
- November 1938 bis April 1939 war die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 254 in Fritzlar stationiert. Die Stationierung prägte die Anfangszeit des Flugplatzes und machte Fritzlar zu einem wichtigen Standort der bomberfliegenden Verbände der Luftwaffe.
- 1. Mai 1939 wurde das Kampfgeschwader 254 in Kampfgeschwader 54 umbenannt. Damit ging auch die Fritzlarer Stationierung in die Geschichte des später bekannten KG 54 ein. Der Stab und die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 54 nutzten Fritzlar bis kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.
- August 1939 verließ das Kampfgeschwader 54 den Flugplatz Fritzlar. Mit dem bevorstehenden Kriegsausbruch wurden die fliegenden Verbände an andere Einsatzorte verlegt. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte das Geschwader nicht mehr dauerhaft nach Fritzlar zurück.
Wechselnde Luftwaffenverbände und Aufklärungsnutzung (1939–1942)
- Oktober 1939 kamen neue Luftwaffeneinheiten nach Fritzlar. Dazu gehörten zeitweise der Stab und die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 4 sowie die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 3. Der Platz blieb damit auch nach dem Abzug des KG 54 ein aktiver militärischer Flugplatz.
- Dezember 1939 wurde Fritzlar Standort von Aufklärungseinheiten. Der Stab der Aufklärungsgruppe des Oberbefehlshabers der Luftwaffe sowie die 1. Staffel dieser Aufklärungsgruppe nutzten den Flugplatz. Damit verlagerte sich die Nutzung zeitweise von reinen Kampffliegerverbänden hin zu Aufklärungsaufgaben.
- Mai 1940 war kurzzeitig die 1. Staffel der Fernaufklärungsgruppe 124 in Fritzlar stationiert. Die Stationierung zeigt, dass der Platz im Verlauf des Krieges immer wieder von verschiedenen fliegenden Einheiten genutzt wurde, ohne dass in dieser Phase eine dauerhaft dominante Einheit den Standort prägte.
- Oktober 1941 bis November 1941 wurde Fritzlar durch die I. Gruppe des Lehrgeschwaders 1 genutzt. Das Lehrgeschwader 1 war ein vielseitiger Verband der Luftwaffe, der in verschiedenen Rollen eingesetzt wurde.
- Dezember 1941 bis März 1942 folgte die III. Gruppe des Lehrgeschwaders 1. Die Nutzung durch diese Einheit zeigt, dass Fritzlar weiterhin in die Einsatz- und Verlegungsstruktur der Luftwaffe eingebunden war.
- April 1942 war die 1. Staffel der Aufklärungsgruppe 22 kurzzeitig in Fritzlar stationiert. Auch diese Stationierung blieb nur von kurzer Dauer, passte aber in das Bild eines Flugplatzes, der während des Krieges flexibel durch verschiedene Verbände genutzt wurde.
Junkers-Zweigwerk und Flugzeugproduktion (1941–1944)
- August 1941 begann auf dem Fliegerhorst Fritzlar eine neue Phase. Die Dessauer Junkers Flugzeug- und Motorenwerke nutzten Teile der Anlage als Wartungs- und Produktionsstätte. Damit wurde der Flugplatz nicht nur als militärischer Einsatzplatz, sondern auch als Standort der Rüstungsproduktion wichtig.
- 1941 bis 1944 entstanden zwischen dem Fliegerhorst und dem Bahnhof Fritzlar Baracken, in denen Zwangsarbeiter untergebracht wurden. Dieser Teil der Geschichte gehört untrennbar zur Nutzung des Platzes während des Zweiten Weltkriegs. Die industrielle Produktion war eng mit der Kriegswirtschaft verbunden und beruhte auch auf dem Einsatz von Zwangsarbeit.
- 17. Mai 1943 wirkte sich die Zerstörung der Edertalsperre nur begrenzt auf den Flugplatz und die Produktion aus. Zwar wurden einzelne leichte Gebäude und Baracken beschädigt, die Fertigung konnte jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgenommen werden.
- 1. Oktober 1943 absolvierte der Prototyp der Junkers Ju 352 in Fritzlar seinen Erstflug. Dieses Transportflugzeug wurde als Weiterentwicklung für militärische Transportaufgaben vorgesehen. Fritzlar erhielt dadurch eine besondere Bedeutung innerhalb der deutschen Flugzeugproduktion.
- 1943 bis 1944 wurden in Fritzlar insgesamt 44 Flugzeuge des Typs Junkers Ju 352 gebaut. Die Produktion endete nicht durch einen vollständigen Luftangriff auf den Standort, sondern vor allem durch Materialmangel und die zunehmend schwierige Kriegslage.
- Oktober 1944 verließ Junkers den Fliegerhorst Fritzlar. Damit endete die Phase der industriellen Flugzeugfertigung am Standort. Der Flugplatz blieb jedoch militärisch aktiv und wurde kurz darauf wieder stärker für fliegende Verbände genutzt.
Nachtjagd und letzte Kriegsmonate (1944–1945)
- September 1944 wurde die III. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 1 nach Fritzlar verlegt. Die Einheit war mit Messerschmitt Bf 110 G und Junkers Ju 88 G ausgerüstet. Damit wurde der Flugplatz in der Endphase des Krieges zu einem Standort der deutschen Nachtjagd.
- September 1944 bis Januar 1945 nutzte die III./NJG 1 den Flugplatz für Nachtjagdaufgaben. Die Stationierung fiel in eine Zeit, in der die Luftwaffe unter wachsendem Druck der alliierten Luftstreitkräfte stand. Fritzlar blieb dennoch ein funktionsfähiger Standort.
- Februar 1945 bis März 1945 war die 6. Staffel des Nachtjagdgeschwaders 101 in Fritzlar stationiert. Diese Einheit war eigentlich für Ausbildung und Schulung vorgesehen. Aufgrund der Kriegslage und des Treibstoffmangels war eine geregelte Ausbildung jedoch kaum noch möglich.
- März 1945 befanden sich zusätzlich der Stab der Nachtaufklärungsgruppe 1 sowie die Nahaufklärungsstaffel 13./14 in Fritzlar. Diese letzten Stationierungen zeigen, dass der Flugplatz bis unmittelbar vor Kriegsende militärisch genutzt wurde.
- März 1945 wurden die vorhandenen Ausbildungs- und Schulkräfte wegen der zusammenbrechenden Frontlage nicht mehr regulär ausgebildet, sondern in Teilen direkt für Einsatzaufgaben herangezogen. Der Fliegerhorst stand zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem Eindruck des bevorstehenden Zusammenbruchs der deutschen Streitkräfte.
Eroberung durch US-Truppen und Advanced Landing Ground Y-86 (1945)
- 30. März 1945 wurde der Fliegerhorst Fritzlar von Einheiten der 9th Infantry Division der US Army eingenommen. Die Anlagen waren weitgehend intakt, und auf dem Platz befanden sich noch zurückgelassene Flugzeuge. Für die amerikanischen Streitkräfte war dies ein wertvoller Fund, da ein nutzbarer Flugplatz unmittelbar in die weitere Operationsführung eingebunden werden konnte.
- April 1945 erhielt der Flugplatz in der amerikanischen Nutzung die Bezeichnung Advanced Landing Ground Y-86. Diese Bezeichnung ordnete Fritzlar in das Netz der provisorisch oder weitergenutzten alliierten Einsatzflugplätze auf deutschem Boden ein.
- 12. April 1945 verlegten Teile der 404th Fighter Group der United States Army Air Forces nach Fritzlar. Die Einheit war mit Republic P-47 Thunderbolt ausgerüstet und unterstützte von Fritzlar aus den weiteren Vormarsch der US-Truppen.
- 13. April 1945 folgten Teile der 365th Fighter Group, ebenfalls mit P-47 Thunderbolt. Damit wurde Fritzlar innerhalb weniger Tage zu einem aktiven amerikanischen Jagdbomberstützpunkt in der Schlussphase des Krieges.
- April bis Juni 1945 nutzte die 404th Fighter Group den Platz. Ihre P-47 Thunderbolt standen für Jagdbomber-, Begleit- und Unterstützungsaufgaben bereit. Fritzlar war in dieser kurzen Phase Teil der operativen Infrastruktur der 9th Air Force.
- April bis Juli 1945 nutzte auch die 365th Fighter Group den Flugplatz. Die amerikanische Nutzung war damit nicht nur eine kurzfristige Besetzung, sondern eine aktive militärische Weiterverwendung des ehemaligen Luftwaffenstandortes.
USAAF- und US-Army-Nutzung nach dem Krieg (1945–1951)
- Juni 1945 bis September 1945 war die 332d Bombardment Group mit B-26 Marauder in Fritzlar stationiert. In dieser Phase diente der Platz weiterhin als amerikanischer Luftwaffenstandort, nun jedoch unter Besatzungsbedingungen.
- 26. Juni 1945 bis September 1945 befand sich der Stab des IXth Tactical Air Command in Fritzlar. Kurz darauf folgte auch der Stab des IXth Fighter Command. Damit hatte der Standort zeitweise eine Führungs- und Organisationsfunktion innerhalb der amerikanischen Luftstreitkräfte in Deutschland.
- 6. August 1945 bis September 1945 nutzte die 370th Fighter Group den Flugplatz. Auch diese Einheit flog P-47 Thunderbolt. Fritzlar blieb damit nach Kriegsende zunächst ein Standort amerikanischer Jagdfliegereinheiten.
- 14. September 1945 bis 20. August 1946 war die 366th Fighter Group in Fritzlar stationiert. Die Einheit setzte ebenfalls P-47 Thunderbolt ein. Diese Stationierung markierte die längere Nachkriegsnutzung des Flugplatzes durch amerikanische fliegende Verbände.
- 10. April 1946 bis 19. August 1946 befand sich die 417th Night Fighter Squadron in Fritzlar. Die Einheit war mit Northrop P-61 Black Widow ausgerüstet. Damit kamen auch amerikanische Nachtjäger auf den Platz.
- 20. August 1946 bis 25. Juni 1947 nutzte die 27th Fighter Group Fritzlar mit P-47 Thunderbolt. Mit dieser Einheit endete die Phase der regelmäßigen Stationierung amerikanischer Jagdfliegereinheiten auf dem Flugplatz.
- Herbst 1946 bezogen Teile des 14th US Constabulary Regiment Quartier auf dem Fliegerhorst. Diese Einheit gehörte zur amerikanischen Besatzungs- und Sicherungsstruktur in Deutschland. Aus dem Verband wurde später das 14th Armored Cavalry Regiment.
- 14. September 1947 wurde der Standort formell der US Army übergeben. Danach lagen der Stab und das 1. Bataillon des 14th Armored Cavalry Regiment in Fritzlar. Die Nutzung verschob sich damit von fliegenden USAAF-Verbänden hin zu Heereseinheiten der amerikanischen Besatzungstruppen.
- Juni 1948 bis Mai 1949 spielte Fritzlar während der Berliner Luftbrücke eine unterstützende Rolle. Der Platz diente als Funkfeuer und als Notlandeplatz für Flugzeuge, die zwischen den großen amerikanischen Luftstützpunkten und Berlin unterwegs waren.
- 1951 verlegte das 1. Bataillon des 14th Armored Cavalry Regiment von Fritzlar nach Bad Hersfeld. Damit endete die prägende amerikanische Nutzung des Standortes in Fritzlar. Der Flugplatz blieb jedoch weiterhin militärisch belegt.
Französische Stationierung im Quartier General Lasalle (1951–1956)
- August 1951 übernahmen französische Heerestruppen die Kasernenanlagen am Flugplatz. Teile des 5. Husaren-Regiments, das zuvor in Koblenz neu gebildet worden war, wurden in Fritzlar stationiert. Die Kaserne erhielt in dieser Zeit den Namen Quartier General Lasalle.
- 1951 bis 1954 nutzten die französischen Truppen zunächst leichte Panzer des Typs M24 Chaffee. Die Nutzung des Standortes blieb damit eindeutig militärisch, auch wenn der fliegerische Charakter in dieser Phase nicht im Vordergrund stand.
- Ab 1954 wurde das französische Husaren-Regiment mit AMX-13 Aufklärungspanzern ausgerüstet. Der Standort Fritzlar diente damit als Garnison für gepanzerte Aufklärungskräfte der französischen Besatzungsmacht.
- 1956 endete die französische Stationierung in Fritzlar. Mit dem Aufbau der Bundeswehr wurde der Standort schrittweise an die neuen deutschen Streitkräfte übergeben. Damit begann für Fritzlar die bis heute prägende Bundeswehrzeit.
Einzug der Bundeswehr und Beginn der Heeresfliegerzeit (1956–1959)
- November 1956 trafen die ersten Soldaten der Bundeswehr am Standort Fritzlar ein. Dazu gehörten Angehörige der Standortkommandantur sowie des Grenadierbataillons 22. Fritzlar wurde damit einer der frühen Standorte der jungen Bundeswehr.
- 14. Dezember 1956 erfolgte der offizielle Einzug der Bundeswehr in Fritzlar. Die bisherige militärische Anlage wurde nun in die Struktur der Bundeswehr übernommen. Zunächst dominierten noch Bodentruppen den Standort.
- 1956 bis 1959 war das Grenadierbataillon 22 in Fritzlar stationiert. Es wurde später in Panzergrenadierbataillon 53 umbenannt und blieb über Jahrzehnte am Standort präsent.
- 1956 bis 1962 lag auch das Panzeraufklärungsbataillon 5 in Fritzlar. Damit hatte der Standort in der Anfangsphase der Bundeswehr nicht nur eine fliegerische, sondern auch eine klare Funktion als Garnison für Heeresverbände.
- März 1957 wurden Flugplatzkommandos aufgestellt, darunter die Flugplatzkommandos 842, 844 und 845. Aus diesen Strukturen entwickelten sich später Flugplatzkommandanturen. Damit wurde die Grundlage für einen geregelten militärischen Flugbetrieb der Bundeswehr geschaffen.
- Juni 1957 wurden die Heeresfliegerstaffeln 812, 813 und 822 nach Fritzlar verlegt. Mit ihnen begann die eigentliche Heeresfliegergeschichte des Standortes. Fritzlar wurde nun zum Heeresflugplatz und gehörte zu den frühen aktiven Flugplätzen der Heeresfliegertruppe.
- 1. Oktober 1957 begann in Fritzlar der regelmäßige Flugbetrieb der Heeresflieger. Der ehemalige Luftwaffen-Fliegerhorst wurde nun in seiner neuen Rolle als Heeresflugplatz genutzt. Damit änderte sich der Charakter des Standortes grundlegend: Aus dem früheren Bomber- und Nachkriegsflugplatz wurde ein Standort der fliegenden Truppe des Heeres.
- Januar 1958 kamen die Heeresfliegerstaffeln 2 und 4 hinzu. Parallel blieb die bodengebundene Nutzung bestehen. Fritzlar entwickelte sich dadurch zu einem gemischten Standort mit Heeresfliegern, Kampftruppen und Unterstützungsdienststellen.
- 1958 bis 1972 war das Feldjägerdienstkommando Fritzlar am Standort stationiert. Es ergänzte die militärische Struktur um Aufgaben der militärischen Ordnung, Sicherung und Verkehrsführung.
- 1958 bis 1994 bestand die Heeresfliegerstaffel 2 in Fritzlar. Sie gehörte zu den prägenden fliegenden Einheiten der frühen und mittleren Bundeswehrzeit am Standort.
- 1959 wurde das Grenadierbataillon 22 zum Panzergrenadierbataillon 53 umgegliedert beziehungsweise umbenannt. Dieser Verband blieb bis 1992 in Fritzlar stationiert und wurde zu einem der wichtigsten bodengebundenen Verbände des Standortes.
- 1959 wurden außerdem die Heeresfliegertransportstaffel 102, die Heeresfliegerstaffel 5 und später die 3./Heeresfliegerbataillon 5 genannt. Fritzlar blieb damit ein wichtiger Ort für Aufbau, Erprobung und Entwicklung der Heeresfliegertruppe.
Ausbau des Bundeswehrstandortes und gemischte Truppenstruktur (1960–1971)
- 1960 bis 1992 war das Panzergrenadierbataillon 53 in Fritzlar stationiert. Die lange Präsenz dieses Bataillons zeigt, dass Fritzlar nicht ausschließlich ein Flugplatz, sondern zugleich eine bedeutende Heeresgarnison war.
- März 1959 bis September 1961 lag das Panzerartilleriebataillon 21 in Fritzlar. Diese Stationierung war kürzer als die der Panzergrenadiere, ergänzte aber die Struktur der frühen Bundeswehrjahre.
- 1961 bis 1971 war das Flugabwehrbataillon 2 am Standort stationiert. Damit verfügte Fritzlar zeitweise auch über Flugabwehrkräfte des Heeres. Die Präsenz passte zur Bedeutung des Standortes innerhalb der Verteidigungsplanung des Kalten Krieges.
- 1963 bis 1967 war die Fernspähkompanie 300 erstmals in Fritzlar stationiert. Diese Einheit gehörte zu den spezialisierten Aufklärungskräften des Heeres. Ihre spätere Rückkehr nach Fritzlar machte den Standort auch für besondere Heeresaufgaben wichtig.
- 1964 wurde die bisherige Flugplatz-Kaserne in Georg-Friedrich-Kaserne umbenannt. Der neue Name erinnerte an Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg. Diese Bezeichnung ist bis heute mit dem Standort Fritzlar verbunden.
- Oktober 1966 bis 1971 war das Heeresfliegerbataillon 2 in Fritzlar stationiert. Damit wurde die fliegerische Komponente des Standortes weiter gefestigt. Der Heeresflugplatz gewann innerhalb der Heeresfliegertruppe an Bedeutung.
- 1967 bis 1994 war das Verteidigungskreiskommando 441 in Fritzlar stationiert. Dieses Kommando war Teil der territorialen Verteidigungsorganisation der Bundeswehr und zeigt die Einbindung des Standortes in die Verteidigungsplanung der Bundesrepublik.
- Oktober 1969 kam die Heeresfliegerinstandsetzungsstaffel 308 hinzu. Sie unterstützte den technischen Betrieb und die Einsatzbereitschaft der fliegenden Verbände. Damit wurde Fritzlar nicht nur Einsatzort, sondern auch ein wichtiger technischer Stützpunkt der Heeresflieger.
Transportflieger und Umbruch zur Kampfhubschrauberrolle (1971–1980)
- 1971 begann mit dem leichten Heeresfliegertransportregiment 30 eine neue Phase. Der Standort wurde stärker durch Transport-, Verbindungs- und Unterstützungsaufgaben der Heeresflieger geprägt.
- 1971 bis 1980 war das leichte Heeresfliegertransportregiment 30 in Fritzlar stationiert. Diese Phase stand noch nicht im Zeichen des späteren Kampfhubschrauberauftrags, sondern war stärker von klassischen Heeresfliegeraufgaben wie Transport, Verbindung, Beobachtung und Unterstützung geprägt.
- 1979 kehrte die Fernspähkompanie 300 nach Fritzlar zurück. Sie blieb bis 1996 am Standort. Damit erhielt Fritzlar erneut eine besondere Bedeutung für spezialisierte Aufklärungskräfte des Heeres.
- 2. Oktober 1979 begann die Aufstellung des Heeresfliegerregiments 36. Mit einem Gründungsappell wurde ein neuer Verband geschaffen, der den Standort Fritzlar langfristig prägen sollte. Der Auftrag veränderte die Rolle der Heeresflieger deutlich: Der Schwerpunkt verlagerte sich von Transport und Verbindung hin zur Panzerabwehr aus der Luft.
- Oktober 1979 wurde das Heeresfliegerregiment 36 in Fritzlar aufgestellt. Es entwickelte sich zum zentralen Verband für den späteren Kampfhubschrauberbetrieb am Standort. Fritzlar wurde dadurch zu einem der wichtigsten deutschen Standorte für Panzerabwehrhubschrauber.
Panzerabwehrhubschrauber, Kalter Krieg und PAH-Zeit (1980–1992)
- 1980 endete die Stationierung des leichten Heeresfliegertransportregiments 30. Der Standort wurde nun zunehmend durch das Heeresfliegerregiment 36 und dessen Kampfauftrag geprägt.
- 1981 bis 1994 war die Panzerpionierkompanie 50 in Fritzlar stationiert. Sie ergänzte die nichtfliegenden Heereseinheiten am Standort und zeigt, dass Fritzlar auch in den 1980er-Jahren ein breit aufgestellter Bundeswehrstandort blieb.
- 1980er-Jahre prägten die Panzerabwehrhubschrauber Bo 105 PAH-1 und später PAH-1A1 den fliegerischen Alltag des Standortes. Das Heeresfliegerregiment 36 wurde auf den Kampf gegen gepanzerte Kräfte ausgerichtet. Die Aufgabe bestand darin, bodengebundene Panzerabwehrkräfte aus der Luft zu unterstützen und gegnerische Panzerverbände im Tiefflug zu bekämpfen.
- 12. Juni 1986 wurden in Fritzlar die Panzerabwehrhubschrauber der Bundeswehr im Rahmen der NATO-Assignierung offiziell in die Bündnisstruktur eingebunden. Dieses Ereignis unterstrich die Bedeutung Fritzlars innerhalb der NATO-Verteidigungsplanung im Kalten Krieg.
- 31. Mai 1987 wurde in Fritzlar das Jubiläum 30 Jahre Heeresflieger gefeiert. Der Standort hatte sich seit 1957 von einem jungen Bundeswehrflugplatz zu einem fest etablierten Heeresfliegerstandort entwickelt.
- 1987 fanden während der Divisionsgefechtsübung „Sichere Festung“ umfangreiche Flugplatz- und Übungsaktivitäten in Fritzlar statt. Der Standort war fest in die Übungs- und Verteidigungsstruktur der damaligen 2. Panzergrenadierdivision eingebunden.
- 1990 bis 1992 begann nach der deutschen Wiedervereinigung eine Phase der Reduzierung, Umgliederung und Neuordnung. Auch Fritzlar war davon betroffen. Der Standort blieb jedoch erhalten, weil seine Lage, seine fliegerische Infrastruktur und die Bedeutung des Heeresfliegerregiments 36 weiterhin als wichtig galten.
- 1992 endete die lange Stationierung des Panzergrenadierbataillons 53. Damit verlor Fritzlar einen traditionsreichen bodengebundenen Verband, während die fliegerische Rolle des Standortes weiter an Gewicht gewann.
Umstrukturierung nach dem Kalten Krieg und neue Aufgaben (1993–2002)
- 1993 bis 1996 war die 3. Kompanie des Instandsetzungsbataillons 310 in Fritzlar stationiert. Diese Einheit gehörte zur technischen Unterstützungsstruktur der Bundeswehr und war Teil der Übergangsphase nach dem Ende des Kalten Krieges.
- 1994 endeten mehrere ältere Standortstrukturen. Dazu gehörten die Heeresfliegerstaffel 2, das Verteidigungskreiskommando 441 und die Panzerpionierkompanie 50. Fritzlar wurde dadurch stärker auf die Heeresflieger und deren neue Aufgaben zugeschnitten.
- 1996 übernahm das Heeresfliegerregiment 36 zusätzliche Aufgaben im Rahmen der Krisenreaktionskräfte der Panzerabwehrhubschrauberkräfte des Heeres. Der Standort war nun nicht mehr nur auf klassische Landesverteidigung im Kalten Krieg ausgerichtet, sondern auch auf verlegefähige Kräfte für neue Einsatzszenarien.
- 1996 bis 2002 waren die Heeresfliegerausbildungsstaffeln 8/IV und 8/V in Fritzlar stationiert. Damit spielte der Standort auch in der Ausbildung eine wichtige Rolle.
- Ab 1996 bestand in Fritzlar ein Standortsanitätszentrum. Es ergänzte die militärische Infrastruktur und blieb langfristig Teil des Standortes.
- 1997 wurde in Fritzlar die Luftmechanisierte Brigade 1 in Dienst gestellt. Damit erhielt das Heer erstmals eine schnell verlegbare, luftbewegliche Infanterie- und Hubschrauberstruktur. Fritzlar wurde dadurch noch stärker zu einem zentralen Ort für luftbewegliche Operationen des Heeres.
- 1979 bis 2002 bestand das Heeresfliegerregiment 36 am Standort. Es war der direkte Vorgänger des späteren Kampfhubschrauberregiments 36. Seine Entwicklung von der PAH-Zeit bis zur Umgliederung in die neue Struktur prägte Fritzlar über mehr als zwei Jahrzehnte.
- 2001 bis 2007 bestand am Standort ein Facharztzentrum Fritzlar. Es war Teil der sanitätsdienstlichen Versorgung innerhalb der Bundeswehrstruktur.
- 2002 wurde aus dem Heeresfliegerregiment 36 das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“. Damit erhielt der Verband seine bis heute bekannte Bezeichnung. Fritzlar wurde damit endgültig zum deutschen Schwerpunktstandort für Kampfhubschrauber des Heeres.
Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ und Tiger-Einführung (2002–2013)
- 2002 begann die Stationierung des Kampfhubschrauberregiments 36 „Kurhessen“ in Fritzlar. Der Verband führte die Tradition und den Auftrag des früheren Heeresfliegerregiments 36 fort, nun aber unter einer neuen Struktur und mit klarer Ausrichtung auf Kampfhubschrauberoperationen.
- 2002 bis 2012 war zusätzlich die Heeresfliegerstaffel 369 in Fritzlar stationiert. Diese Einheit ergänzte die fliegerische Struktur des Standortes in der Übergangsphase zwischen älteren Heeresfliegerstrukturen und der modernen Kampfhubschrauberrolle.
- 2002 bis 2007 bestand in Fritzlar das Sanitätsleitzentrum 210. Auch diese Einrichtung gehörte zur breiteren militärischen Infrastruktur des Standortes.
- 2006 wurden im Zuge der Neuorganisation der Bundeswehr der Stab und die Stabskompanie der Luftbeweglichen Brigade 1, das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ sowie Teile des Jägerregiments 1 luftbeweglich in Fritzlar stationiert. Diese Verbände gehörten zur Division Luftbewegliche Operationen.
- 2007 wurde das Facharztzentrum in die neue sanitätsdienstliche Struktur überführt. Seitdem wird Fritzlar auch durch das Fachsanitätszentrum geprägt.
- Bis in die 2000er-Jahre flog das Kampfhubschrauberregiment 36 weiterhin mit Bo 105 in der Panzerabwehrversion PAH-1 und PAH-1A1. Diese Hubschrauber waren über Jahrzehnte das prägende Waffensystem des Standortes. Zusätzlich wurden Bo 105 in der Verbindungs- und Beobachtungsrolle genutzt.
- Ab den 2000er-Jahren begann die schrittweise Einführung des Kampfhubschraubers Tiger. Der Tiger sollte die Bo 105 PAH in der Kampfhubschrauberrolle ersetzen. Damit wurde Fritzlar Teil eines der wichtigsten Modernisierungsvorhaben der deutschen Heeresflieger.
- 2012 endete die Stationierung der Heeresfliegerstaffel 369. Die Struktur wurde weiter auf das Kampfhubschrauberregiment 36 konzentriert.
- 17. Dezember 2013 wurde die Luftbewegliche Brigade 1 außer Dienst gestellt. Die verbleibenden Hubschrauberverbände des Heeres, darunter das Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar, wurden der Division Spezielle Operationen unterstellt. Zum 1. Januar 2014 wurde diese Struktur zur Division Schnelle Kräfte weiterentwickelt.
Fritzlar unter der Division Schnelle Kräfte (2014–heute)
- 1. Januar 2014 wurde das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ der Division Schnelle Kräfte zugeordnet. Damit blieb Fritzlar ein zentraler Standort der Heeresflieger, nun aber in einer Struktur, die auf schnelle Verfügbarkeit, Spezialkräfteunterstützung, luftbewegliche Operationen und moderne Einsatzbereitschaft ausgerichtet ist.
- 2010er-Jahre wurde die Umrüstung auf den Kampfhubschrauber Tiger weiter vollzogen. Die Bo 105 verschwand schrittweise aus dem aktiven Flugbetrieb. Der Tiger wurde zum bestimmenden Waffensystem des Standortes.
- 2014 bis heute liegt der Schwerpunkt des Kampfhubschrauberregiments 36 auf der Unterstützung der Kampftruppen aus der Luft. Dazu gehören Panzerabwehr, bewaffnete Aufklärung, Luftnahunterstützung, Begleitung anderer Kräfte, Unterstützung spezialisierter Kräfte sowie Beiträge zu Rettungs- und Evakuierungsoperationen.
- 2020er-Jahre blieb Fritzlar der Heimatstandort des Kampfhubschrauberregiments 36 „Kurhessen“. Der Verband ist mit dem Kampfhubschrauber Tiger ausgerüstet und gehört zur Division Schnelle Kräfte. Der Standort ist damit einer der wichtigsten deutschen Heeresfliegerstandorte.
- Seit Januar 2025 führt Oberst Thomas Blum das Kampfhubschrauberregiment 36. Der Verband umfasst rund 1.200 Angehörige und ist in mehrere Staffeln gegliedert. Damit gehört das Regiment zu den bedeutenden fliegenden Verbänden des Deutschen Heeres.
EINHEITEN / UNITS
Flight Radar
Static Airframes
PRESERVED
- 72+28 / MBB UH-1D Iroquois / cn 8348 / German Army
- 72+78 / Dornier UH-1D Iroquois / cn 8398 / German Army
- 76+74 / Sud Aviation Alouette II SE.3130 / cn 1749 / German Army
- 86+92 / MBB Bo.105 P / cn 6092 / German Army
- 87+38 / MBB Bo.105 P / cn 6138 / German Army / Gate Guard
- 87+51 / MBB Bo.105 P / cn 6151 / German Army
WITHDRAWN FROM USE
- 75+36 / Sud Aviation Alouette II SE.3130 / cn 1337 / German Army
- 88+05 / MBB Bo.105 P / cn 6205 / German Army






