Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026 von Charles David Fennell

GRAFENWÖHR AAF (US ARMY AIR FIELD)
Der Flugplatz Grafenwöhr ist eng mit einem der bedeutendsten militärischen Übungsplätze Europas verbunden. Seit den frühen Tagen der militärischen Luftbeobachtung über Ballons und Verbindungsflüge entwickelte sich der Standort zu einem wichtigen Bestandteil der U.S. Army Garrison Bavaria. Heute dient das Grafenwöhr Army Airfield vor allem der Unterstützung von Ausbildung, Luftlandeoperationen, Hubschraubereinsätzen und multinationalen Übungen. Damit ist der Platz weniger ein klassischer Flugplatz, sondern vielmehr ein funktionaler Teil eines großen militärischen Trainingsraums mit langer Geschichte.
Flugplatz Grafenwöhr
Gettysburg Ave.
D-92655 Grafenwöhr
IATA: –
ICAO: ETIC
RUNWAY:
14/32 (1016×22m) Asphalt
GESCHICHTE
Vorgeschichte und Entstehung des militärischen Standortes (1900–1910)
- 1900: Mit der Aufstellung des III. Bayerischen Armeekorps entstand in Bayern der Bedarf nach einem großen, modernen Übungsgelände. Die Region um Grafenwöhr bot dafür günstige Voraussetzungen: dünn besiedelte Flächen, weite Wald- und Offenlandbereiche sowie ausreichend Abstand zu größeren Städten. Damit begann die militärische Entwicklung eines Standortes, der später nicht nur für Bodentruppen, sondern auch für die militärische Luftfahrt eine wichtige Rolle spielen sollte.
- 1907: Der Raum Grafenwöhr wurde als Standort für einen neuen Truppenübungsplatz ausgewählt. Die Entscheidung fiel in der Zeit des Königreichs Bayern und war eng mit dem Ausbau der modernen Artillerieausbildung verbunden. Für die umliegenden Orte bedeutete dies einen tiefen Einschnitt, denn der militärische Bedarf bestimmte zunehmend die Entwicklung der ganzen Region.
- 1908: Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr wurde offiziell als Übungsplatz ausgewiesen. In dieser frühen Phase entstanden Kasernen, Lagerbereiche, Schießbahnen, Versorgungsanlagen und erste militärische Infrastruktur. Der spätere Flugplatz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht als moderner Airfield-Standort zu verstehen, doch die spätere Verbindung zwischen Übungsplatz, Artilleriebeobachtung und Luftfahrt zeichnete sich bereits ab.
- 30. Juni 1910: Mit dem ersten scharfen Artillerieschuss wurde der Übungsbetrieb offiziell aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich Grafenwöhr zu einem der wichtigsten militärischen Ausbildungsräume in Süddeutschland. Bereits in der Anfangszeit waren Einheiten der königlich-bayerischen Armee vor Ort, darunter besonders Artillerieverbände. Die militärische Nutzung des Luftraums begann nicht mit Flugzeugen im heutigen Sinne, sondern mit Luftschiffern und Fesselballons, die zur Beobachtung des Artilleriefeuers eingesetzt wurden.
Erste Luftfahrt und Ballonbeobachtung über dem Lager (1910–1913)
- 1910: Bereits im Eröffnungsjahr des Truppenübungsplatzes gab es in Grafenwöhr eine Luftschifferabteilung. Ihre Aufgabe bestand darin, aus Fesselballons heraus das Artillerieschießen zu beobachten und Korrekturen weiterzugeben. Damit begann die fliegerische Geschichte des Standortes nicht als klassischer Flugplatzbetrieb, sondern als militärische Luftbeobachtung im direkten Dienst der Artillerie.
- 1911: Der Übungsplatz war inzwischen voll in den Ausbildungsbetrieb der bayerischen Armee eingebunden. Tausende Soldaten trainierten in Grafenwöhr, und die Luftbeobachtung wurde Teil des militärischen Alltags. Die Verbindung von Bodentruppen, Artillerie und Beobachtung aus der Luft machte Grafenwöhr schon früh zu einem modernen Übungsraum.
- Juni 1912: In Grafenwöhr fand eine größere Übung mit mehreren Luftschifferabteilungen statt. Dabei wurden unter anderem Artillerie-, Infanterie- und Kavallerieeinheiten zusammengezogen. Genannt werden das 2. Fußartillerie-Regiment, das 3. und 8. Feldartillerie-Regiment, das 14. Infanterie-Regiment sowie das 1. Chevauleger-Regiment aus Nürnberg. Diese Übung zeigte, dass der Luftraum über Grafenwöhr von Beginn an eng mit der Ausbildung verschiedener Truppengattungen verbunden war.
- 1913: Der Flugplatzbereich Hammergmünd war als militärische Anlage für die junge Luftfahrt einsatzbereit. Damit erhielt Grafenwöhr eine frühe fliegerische Infrastruktur, die über reine Ballonbeobachtung hinausging. Hammergmünd kann als wichtiger Ursprung der späteren militärischen Flugplatzgeschichte von Grafenwöhr betrachtet werden.
Erster Weltkrieg, Gefangenenlager und Demobilisierung (1914–1918)
- 1914: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Grafenwöhr zu einem bedeutenden Ausbildungs- und Sammelplatz. Neben der Truppenausbildung entstand ein großes Kriegsgefangenenlager. Die militärische Luftfahrt blieb in dieser Phase vor allem mit Beobachtungsaufgaben verbunden, während der Übungsplatz insgesamt stark durch Mobilmachung, Ausbildung und Kriegslogistik geprägt wurde.
- 1915: Das Kriegsgefangenenlager wuchs stark an. Bis Ende 1915 befanden sich dort mehr als 15.000 Gefangene. Der Standort war damit nicht nur militärischer Übungsplatz, sondern auch ein großer Lager- und Verwaltungsbereich. Die vorhandene Infrastruktur wurde laufend an die Kriegsbedingungen angepasst.
- 1918: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Truppenübungsplatz Grafenwöhr als Demobilisierungsstelle genutzt. Soldaten, Material und militärische Ausrüstung wurden gesammelt, abgewickelt und neu geordnet. Der militärische Flugbetrieb trat in dieser Zeit in den Hintergrund, doch der Standort blieb erhalten.
Reichswehrzeit und technische Weiterentwicklung (1919–1933)
- 1919: Nach dem Versailler Vertrag durfte Deutschland nur noch eine stark begrenzte Reichswehr unterhalten. Grafenwöhr blieb dennoch als militärischer Ausbildungsstandort erhalten. Die Nutzung wurde an die neuen politischen und militärischen Rahmenbedingungen angepasst.
- 1924: In Grafenwöhr wurde mit neuen Formen der Gefechtsausbildung experimentiert. Dazu gehörten auch frühe Überlegungen zum Einsatz gepanzerter Kräfte. Der Übungsplatz blieb damit ein Raum, in dem technische und taktische Entwicklungen erprobt wurden.
- 1926: Auf dem Schwarzen Berg wurde der Bleidorn-Turm als Beobachtungsturm für Artillerieübungen fertiggestellt. Dieser Turm ersetzte nicht die Luftbeobachtung, ergänzte aber die Möglichkeiten der Schießbeobachtung. Er zeigt, wie wichtig Grafenwöhr für die Verbindung von Feuerleitung, Geländeauswertung und militärischer Ausbildung war.
Aufrüstung, Erweiterung und Nutzung durch die Wehrmacht (1933–1945)
- 1933: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann eine neue Phase der militärischen Aufrüstung. Grafenwöhr gewann erneut stark an Bedeutung. Die vorhandenen Anlagen wurden intensiver genutzt, und der Übungsplatz wurde zunehmend auf die Anforderungen einer expandierenden Wehrmacht ausgerichtet.
- 1936: Der Truppenübungsplatz wurde erheblich erweitert. Die Erweiterung erfolgte nach Anordnung des Reichskriegsministeriums und führte zur Vergrößerung des Geländes nach Westen. Mehr als 3.500 Menschen mussten ihre Heimatorte verlassen. Für die militärische Nutzung bedeutete die Erweiterung deutlich mehr Raum für Infanterie-, Artillerie- und Panzerübungen.
- 1938: Grafenwöhr verfügte nun über Schießbahnen, Maschinengewehrstände, Infanterie- und Panzerübungsräume sowie Anlagen zur Ausbildung im Angriff auf befestigte Stellungen. Die Luftfahrt spielte im Gesamtbetrieb weiterhin eine unterstützende Rolle, vor allem im Zusammenhang mit Beobachtung, Verbindung und später auch Luft-Boden-Übungen.
- 1939: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Grafenwöhr wieder zu einem stark frequentierten Ausbildungsplatz. Einheiten der Wehrmacht nutzten den Standort zur Vorbereitung auf Fronteinsätze. Die vorhandene Flugplatz- und Luftrauminfrastruktur war Teil eines größeren militärischen Systems aus Übungsplatz, Kasernen, Schießbahnen und technischen Anlagen.
- 1944: Der italienische Diktator Benito Mussolini besuchte Grafenwöhr, um die Ausbildung der italienischen San-Marco-Division zu beobachten. Dies zeigt, dass der Standort nicht nur für deutsche Einheiten, sondern auch für verbündete Kräfte des Deutschen Reiches genutzt wurde.
- 5. April 1945: Grafenwöhr und der militärische Bereich wurden Ziel alliierter Luftangriffe. Die Bombardierungen trafen sowohl den Ort als auch Anlagen des Übungsplatzes. Damit rückte der Krieg unmittelbar an den Standort heran.
- 8. April 1945: Ein weiterer alliierter Luftangriff beschädigte den Standort schwer. Die militärische Ordnung der Wehrmacht brach in dieser Phase zunehmend zusammen. Grafenwöhr war nur noch wenige Tage von der Besetzung durch amerikanische Truppen entfernt.
- April 1945: Soldaten der U.S. 3rd Army erreichten die Region und nahmen die Kapitulation des Standortes entgegen. Damit endete die deutsche Nutzung des Truppenübungsplatzes und der zugehörigen militärischen Luftfahrtanlagen im Zweiten Weltkrieg.
Übernahme durch die US Army und Wiederaufnahme des Übungsbetriebs (1945–1950)
- Mai 1945: Nach der deutschen Kapitulation übernahm die U.S. Army den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Die amerikanische Nutzung begann zunächst unter den Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Standort wurde gesichert, vorhandene Anlagen wurden überprüft, und die militärische Infrastruktur wurde schrittweise wieder nutzbar gemacht.
- 1946: Amerikanische Einheiten begannen in Grafenwöhr wieder mit dem Training. Panzerbesatzungen wurden im Raum Vilseck ausgebildet, während Artillerie- und Infanterieeinheiten Grafenwöhr und andere Übungsplätze nutzten. Damit wurde der Standort früh in die Ausbildungsstruktur der US-Streitkräfte in Deutschland eingebunden.
- 1947: Die U.S. Constabulary richtete im Raum Grafenwöhr und Vilseck einen Ausbildungsbereich für neu aktivierte Einheiten ein. Genannt werden unter anderem das 370th und 371st Infantry Battalion. Der Standort erhielt damit eine wichtige Funktion für die amerikanische Sicherheits- und Besatzungsstruktur in Süddeutschland.
- 1948: Grafenwöhr wurde offiziell als Panzer-Ausbildungszentrum der U.S. Army wiedereröffnet. In dieser Zeit entstand die Grundlage für die spätere Rolle als zentraler Ausbildungsplatz der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Der Flugplatzbereich wurde dabei zunehmend als Unterstützungselement für Transport, Verbindungsaufgaben und luftbewegliche Operationen verstanden.
- 1950: Zwischen 1950 und 1953 wurde die Infrastruktur massiv erweitert. Neue Baracken, Lagerbereiche und Camps entstanden, darunter Camp Aachen, Camp Algiers und Camp Normandy. Die Kapazität des Standortes wuchs erheblich und konnte zehntausende Soldaten aufnehmen.
Kalter Krieg und Aufbau eines zentralen US-Trainingsstandortes (1950–1975)
- 1956: Die USA richteten eine gemeinsame Nutzung für Camp Algiers und Camp Normandy ein. Gleichzeitig trafen die ersten Soldaten der neu aufgestellten Bundeswehr in Grafenwöhr ein und wurden im Bereich Camp Normandy untergebracht. Ab 1957 nutzten auch Bundeswehr-Panzer und deutsche Soldaten die Schießbahnen. Grafenwöhr wurde damit zu einem Ort der amerikanisch-deutschen militärischen Zusammenarbeit.
- 1958: Elvis Presley, damals Soldat der U.S. Army, kam mit seiner Einheit für Winterausbildung nach Grafenwöhr. Auch wenn dieser Besuch eher durch seine Person bekannt wurde, steht er für die regelmäßige Nutzung des Standortes durch amerikanische Einheiten während des Kalten Krieges.
- 1959: Grafenwöhr wurde Hauptquartier des Seventh Army Training Center. Damit wurden Grafenwöhr und Hohenfels in eine gemeinsame Ausbildungsstruktur eingebunden. Der Standort entwickelte sich zu einem der wichtigsten militärischen Ausbildungsräume der U.S. Army in Europa.
- 1960: Elvis Presley kehrte für Ausbildung und die NATO-Übung „Winter Shield“ nach Grafenwöhr zurück. Solche Übungen zeigten die Bedeutung des Standortes für die Verteidigungsplanung der NATO in Mitteleuropa.
- 1965: Grafenwöhr bot Ausbildung für Soldaten an, die für Einsätze in Vietnam vorbereitet wurden. Dazu gehörten auch Jungle- und Counter-Guerrilla-Trainingsanteile. Der Standort diente damit nicht nur der Verteidigung Europas, sondern auch der Vorbereitung auf weltweite Einsätze.
- 1975: Grafenwöhr wurde Sitz des Seventh U.S. Army Training Center. Ein Jahr später entwickelte sich daraus das Seventh Army Training Command. Damit wurde die Führungs- und Ausbildungsfunktion des Standortes weiter gestärkt.
Ausbau, Modernisierung und Luftbeweglichkeit im Kalten Krieg (1976–1993)
- 1976: Mit der Umgliederung zum Seventh Army Training Command wurde Grafenwöhr noch stärker zum organisatorischen Zentrum der amerikanischen Ausbildung in Europa. Die Flugplatzinfrastruktur unterstützte den Ausbildungsbetrieb, auch wenn keine dauerhaft stationierte große fliegende Einheit im klassischen Sinne mit dem Standort verbunden war.
- 1981: Zwischen 1981 und 1993 wurden Rose Barracks in Vilseck, am südlichen Rand des Grafenwöhr Training Area, erweitert. Diese Entwicklung ist wichtig, weil Grafenwöhr und Vilseck militärisch eng miteinander verbunden sind. Die dort stationierten Einheiten nutzten den Übungsplatz, die Schießbahnen und später auch luftbewegliche Übungsmöglichkeiten.
- 1985: In Grafenwöhr wurden größere Modernisierungen abgeschlossen. Die Schießbahnen und Trainingsbereiche wurden neu geordnet und nummeriert. Damit wurde der Standort an die Anforderungen moderner Gefechtsausbildung angepasst.
- 1991: Mit dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich die Rolle Grafenwöhrs. Die große Blockkonfrontation in Europa endete, doch der Standort blieb wichtig. Die Ausbildung verlagerte sich zunehmend von der reinen Landes- und Bündnisverteidigung hin zu multinationaler Einsatzvorbereitung.
- 1993: Die Erweiterungsphase von Rose Barracks wurde abgeschlossen. Grafenwöhr und Vilseck bildeten nun einen besonders leistungsfähigen Standortverbund der U.S. Army in Bayern.
Nach dem Kalten Krieg und neue Einsatzorientierung (1994–2001)
- 1997: Die Planung für einen Multi-Purpose Range Complex begann. Damit wurde Grafenwöhr weiter auf moderne Schieß- und Gefechtsausbildung vorbereitet. Der Standort sollte auch künftig für komplexe Ausbildungsformen geeignet bleiben.
- 2001: In Tower Barracks, dem ehemaligen East Camp in Grafenwöhr, begann ein großer Ausbau- und Modernisierungsprozess. Neue Bauprojekte, Sanierungen und Umstrukturierungen sollten den Standort auf die Aufnahme und Unterstützung moderner Brigade Combat Teams vorbereiten. Diese Entwicklung war auch für den Flugbetrieb relevant, weil luftbewegliche Übungsteile, Fallschirmabsprünge, Transportflüge und Hubschrauberoperationen stärker in die Ausbildung eingebunden wurden.
Grafenwöhr Army Airfield als moderner militärischer Flugplatz (2000–2010)
- 2000er Jahre: Der Flugplatz Grafenwöhr wurde als Grafenwöhr Army Airfield, ICAO-Code ETIC, geführt. Er liegt in unmittelbarer Nähe des Truppenübungsplatzes und dient vor allem der militärischen Unterstützung des Übungsbetriebs. Die Start- und Landebahn 14/32 ist asphaltiert und rund 1.016 Meter lang. Damit eignet sich der Platz besonders für militärische Kurzfeldoperationen, Verbindungsflüge, Hubschrauberbewegungen und ausgewählte Transportflugzeug-Operationen.
- 2006: Das 7th Army Training Command wurde als 7th Army Joint Multinational Training Command weiterentwickelt. Der Begriff machte deutlich, dass Grafenwöhr nicht nur für US-Einheiten, sondern auch für NATO-Partner und verbündete Streitkräfte eine zentrale Rolle spielte.
- 22. April 2009: C-130E Hercules der 37th Airlift Squadron aus Ramstein flogen eine letzte Grafenwöhr-Mission in dieser Variante. Die Maschinen wurden für Absetz- und Luftlandetrainings genutzt. Dabei wurden Ausrüstung und Fallschirmjäger über dem Raum Grafenwöhr abgesetzt. Danach wurde diese Aufgabe mit C-130J Super Hercules fortgeführt. Die Verbindung zur 37th Airlift Squadron zeigt, dass Grafenwöhr regelmäßig durch fliegende Einheiten anderer Standorte genutzt wurde, auch wenn diese nicht dauerhaft in Grafenwöhr stationiert waren.
- 2010: Grafenwöhr feierte 100 Jahre militärische Ausbildung. Im selben Jahr wurden am Grafenwöhr Army Airfield auch bauliche Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt, unter anderem durch das 15th Engineer Battalion. Solche Arbeiten zeigen, dass der Flugplatz als aktiver Bestandteil des Standortes gepflegt und weiter genutzt wurde.
Luftlandeausbildung, Bunker Drop Zone und internationale Nutzung (2011–2016)
- 2011: Die Bunker Drop Zone innerhalb des Grafenwöhr Training Area wurde regelmäßig für Luftlandeoperationen genutzt. Besonders die 173rd Airborne Brigade Combat Team, aber auch andere Einheiten, trainierten dort Fallschirmabsprünge und luftbewegliche Einsatzverfahren. Für Grafenwöhr bedeutete dies eine klare Verbindung zwischen Flugplatz, Drop Zone und moderner Einsatzvorbereitung.
- 2012: Der Ausbau von Tower Barracks zur Unterstützung eines Brigade Combat Teams wurde abgeschlossen. In Grafenwöhr waren nun wichtige Teile der amerikanischen Struktur in Bayern konzentriert. Dazu gehörten später unter anderem zwei Bataillone der 173rd Infantry Brigade Combat Team (Airborne), die den Standort für Ausbildung und Einsatzvorbereitung nutzten.
- 2013: Die frühere U.S. Army Garrison Grafenwoehr wurde in U.S. Army Garrison Bavaria umbenannt. Damit wurden Grafenwöhr, Vilseck, Hohenfels und Garmisch organisatorisch stärker unter einer gemeinsamen Garnisonsstruktur zusammengeführt. Grafenwöhr blieb dabei Hauptstandort und Sitz wichtiger Kommandostrukturen.
- 2016: Das 7th Army Joint Multinational Training Command erhielt wieder die Bezeichnung 7th Army Training Command. Der Auftrag blieb jedoch multinational ausgerichtet. Grafenwöhr blieb ein zentraler Ort für Live-Fire-Ausbildung, Luft-Boden-Zusammenarbeit, Gefechtsübungen und Vorbereitung von US-, NATO- und Partnerkräften.
Reaktivierung der 41st Field Artillery Brigade und aktuelle Standortstruktur (2018–2024)
- 30. November 2018: Die 41st Field Artillery Brigade wurde in Tower Barracks, Grafenwöhr, reaktiviert. Zur Brigade gehörten unter anderem Verbände mit Mehrfachraketenwerfersystemen. Damit erhielt Grafenwöhr wieder eine besonders bedeutende Rolle im Bereich der weitreichenden Artillerie. Für den Flugplatz selbst bedeutete dies keine klassische Stationierung fliegender Einheiten, aber eine weitere Verdichtung der militärischen Gesamtbedeutung des Standortes.
- 2019: Grafenwöhr wurde auch für Naturschutz- und Biodiversitätsprojekte gewürdigt. Das zeigt die besondere Doppelrolle des Standortes: militärischer Großübungsplatz einerseits, großflächiger, teilweise naturnaher Raum andererseits.
- 2020: Grafenwöhr feierte 110 Jahre militärische Ausbildung. Der Standort war weiterhin einer der wichtigsten US-Trainingsräume außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Flugplatz blieb Teil der Infrastruktur für Übungen, Lufttransport, Hubschrauberbewegungen und Fallschirmoperationen.
- 2021: Grafenwöhr blieb Teil der europäischen Abschreckungs- und Ausbildungsstruktur der U.S. Army. Einheiten nutzten den Standort für die Vorbereitung auf Einsätze, Rotationen und multinationale Übungsvorhaben.
- 2022: Mit der verschärften Sicherheitslage in Europa gewann Grafenwöhr erneut an strategischer Bedeutung. Der Standort wurde weiterhin für Ausbildung, Verlegung, Schießtraining, Luft-Boden-Integration und multinationale Einsatzvorbereitung genutzt.
- 2023: Tower Barracks und das Grafenwöhr Training Area blieben eng mit der U.S. Army Garrison Bavaria und dem 7th Army Training Command verbunden. Zu den am Standort Grafenwöhr genannten Einheiten und Organisationen gehörten unter anderem das 7th Army Training Command, das 3rd Battalion, 504th Infantry Regiment, das 4th Battalion, 319th Field Artillery Regiment, das 15th Engineer Battalion, das 18th Combat Sustainment Support Battalion, das 39th Transportation Battalion, die 41st Field Artillery Brigade, die 66th Military Intelligence Brigade, das 102nd Signal Battalion sowie weitere Unterstützungs-, Logistik-, Militärpolizei- und Spezialdienststellen.
- 23. Oktober 2024: Bei Luftlandeoperationen auf der Bunker Drop Zone waren CH-47 Chinook der 12th Combat Aviation Brigade zusammen mit Fallschirmjägern der 173rd Airborne Brigade im Einsatz. Diese Übung zeigt die heutige Rolle Grafenwöhrs als kombinierter Ausbildungsraum, in dem Hubschrauber, Luftlandekräfte, Bodentruppen und Unterstützungsverbände zusammenwirken.
Gegenwart und militärische Bedeutung des Flugplatzes (2025–heute)
- 2025: Grafenwöhr galt weiterhin als einer der wichtigsten amerikanischen Ausbildungsstandorte in Europa. Das Grafenwöhr Training Area wurde seit 1945 durch US-Kräfte genutzt und entwickelte sich zu einem hochmodernen Übungsraum für U.S. Army Europe and Africa, NATO-Verbündete und Partnerstaaten. Der Flugplatz ETIC ist dabei kein ziviler Verkehrsflughafen und besitzt keinen IATA-Code. Er ist ein militärischer Flugplatz der U.S. Army.
- 2026: Der Standort Grafenwöhr ist Teil der U.S. Army Garrison Bavaria und eng mit dem 7th Army Training Command verbunden. Das Grafenwöhr Army Airfield dient weiterhin dem militärischen Übungsbetrieb. Die Bahn 14/32 mit rund 1.016 Metern Länge unterstützt vor allem militärische Kurzstrecken-, Verbindungs-, Hubschrauber- und Luftlandeoperationen. Eine dauerhaft stationierte große fliegende Einheit ist für den Flugplatz nicht prägend; vielmehr wird der Flugplatz durch unterschiedliche Einheiten im Rahmen von Übungen und Ausbildungsmissionen genutzt. Dazu zählen unter anderem Transportflugzeuge der U.S. Air Force aus Ramstein, Hubschrauber der Army Aviation sowie luftbewegliche und luftlandefähige Verbände wie die 173rd Airborne Brigade.
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