Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Oktober 2026 von Charles David Fennell

SYLT

Flughafen Sylt

Der Flughafen Sylt ist der wichtigste Flugplatz der Insel Sylt. Er liegt bei Westerland und verbindet die Nordseeinsel mit mehreren deutschen Städten. Besonders in der Ferienzeit spielt der Flughafen eine wichtige Rolle für Urlauber, Geschäftsreisende und die Versorgung der Insel.

Für Spotter ist Sylt interessant, weil hier neben Linien- und Charterflügen auch Privatjets, Geschäftsflugzeuge und gelegentlich besondere Besucher zu sehen sind. Die Lage auf der Insel, das wechselhafte Nordseewetter und der Mix aus Urlaubsverkehr und General Aviation machen den Flughafen zu einem besonderen Ort für Luftfahrtfreunde.

Flughafenstraße 1
D-25980 Sylt

IATA: GWT
ICAO: EDXW

RUNWAYS:
06/24 (1696x45m) Beton
14/32 (2120x45m) Beton


GESCHICHTE

Die ersten Flugbewegungen auf Sylt und die Entstehung des Flugplatzes (1913–1919)
  • 1913: Noch bevor ein regulärer Flugplatz existierte, landete erstmals ein Flugzeug auf der Insel Sylt. Damit begann die Luftfahrtgeschichte der Insel bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Die eigentliche Geschichte des späteren Verkehrsflughafens bei Westerland setzte jedoch erst einige Jahre später ein.
  • 1914: Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs entstand unter Leitung des Marinefliegers Friedrich Christiansen in List eine Station für Wasserflugzeuge. Diese Anlage im Norden der Insel war nicht der Vorläufer des heutigen Flughafens Westerland, gehörte aber zur frühen Entwicklung der Luftfahrt auf Sylt und war die erste feste Bodeneinrichtung für den Flugverkehr in Nordfriesland.
  • 1919: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde nordöstlich von Westerland im Bereich Friesenhain ein etwa 17 Hektar großes Flugfeld angelegt. Die Anlage war zunächst sehr einfach. Die Start- und Landeflächen waren unbefestigt, hinzu kamen lediglich wenige betriebliche Einrichtungen und eine kleine Halle. Hauptgrund für die Einrichtung des Platzes war der zunehmende Fremdenverkehr nach Westerland und auf die Insel Sylt.
  • 6. Juli 1919: Mit dem regelmäßigen Flugverkehr zwischen Berlin, Hamburg und Sylt begann die eigentliche zivile Linienfluggeschichte Westerlands. Die Verbindung war zuvor im Verlauf des Frühsommers vorbereitet worden und wurde von der Deutschen Luft-Reederei betrieben. Damit gehörte Westerland schon in der Frühzeit des deutschen zivilen Luftverkehrs zum Streckennetz. Die Flüge wurden zunächst nur während der Sommersaison durchgeführt. Die eingesetzten Flugzeuge konnten lediglich wenige Passagiere befördern.
Aufbau des touristischen Luftverkehrs und erste Erweiterungen (1920–1929)
  • 1920: Durch die neue deutsch-dänische Grenzziehung nach der Volksabstimmung in Schleswig veränderten sich die Verkehrswege nach Sylt erheblich. Reisende, die über die traditionelle Fährverbindung Hoyerschleuse–Munkmarsch auf die Insel gelangen wollten, mussten nun auf dem Landweg dänisches Gebiet passieren. Die direkte Fluganreise nach Westerland gewann dadurch zusätzlich an Attraktivität.
  • 1920er Jahre: Der Flugplatz entwickelte sich vor allem aufgrund des wachsenden Bädertourismus. Während der Sommersaison wurden neben Urlaubsgästen auch Postsendungen auf dem Luftweg transportiert. Hinzu kamen Rundflüge über Sylt und das Wattenmeer. Der Luftverkehr war damit von Anfang an eng mit der touristischen Entwicklung Westerlands verbunden.
  • 1925: Bereits sechs Jahre nach Aufnahme des regelmäßigen Flugverkehrs wurden auf Sylt 2.560 Fluggäste gezählt. Angesichts der kleinen Maschinen mit teilweise nur drei bis fünf Passagierplätzen stellte dies für die damalige Zeit ein beachtliches Verkehrsaufkommen dar.
  • 1926: Die Westerländer Luftverkehrsgesellschaft nahm mit einem viersitzigen Flugzeug, das den Namen „Westerland“ trug, einen eigenen Flugdienst zwischen Flensburg und Sylt auf. Das Unternehmen blieb allerdings nur kurze Zeit bestehen. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde der Betrieb bereits im Winter 1926/27 wieder eingestellt.
  • 26. August 1926: Die Maschine „Westerland“ verunglückte bei einer Landung auf dem Flugplatz Westerland-Friesenhain. Eine starke Windböe erfasste das Flugzeug nach dem Aufsetzen, worauf es sich überschlug. Der Unfall verdeutlichte zugleich die schwierigen Bodenverhältnisse des damaligen unbefestigten Flugfeldes.
  • 1927: Die Deutsche Luft Hansa nahm Westerland in eine längere Verkehrsverbindung auf, die über Berlin, Hamburg, Kiel und Flensburg nach Westerland und weiter nach Wyk auf Föhr führte. Im selben Jahr wurde der Hindenburgdamm eröffnet und Sylt erstmals direkt über die Eisenbahn mit dem deutschen Festland verbunden. Trotz dieser neuen Konkurrenz blieb der Luftverkehr für die touristische Entwicklung der Insel von Bedeutung.
  • Ende der 1920er Jahre: Der bestehende Flugplatz wurde auf Drängen der Deutschen Verkehrsfliegerschule deutlich erweitert. Die Fläche wuchs von rund 17 auf 37 Hektar. Damit wurden die Voraussetzungen für größere Flugzeuge und einen intensiveren Flugbetrieb geschaffen.
Vom Badeflugplatz zum strategisch wichtigen Flugplatz (1930–1938)
  • Anfang der 1930er Jahre: Westerland war inzwischen fest in den deutschen Luftverkehr eingebunden. Auch größere Verkehrsflugzeuge kamen nach Sylt. Zu den besonderen Ereignissen dieser Zeit gehörten Flugveranstaltungen und Besuche großer Flugzeuge. Auf Sylt fanden unter anderem Fliegertreffen statt, bei denen auch das damals spektakuläre zwölfmotorige Flugboot Dornier Do X eine Rolle spielte.
  • 1930er Jahre: Die Deutsche Lufthansa bediente Sylt zeitweise mit der Junkers Ju 52. Verbindungen bestanden unter anderem nach Berlin, Hamburg und Kiel. Der Flugplatz hatte sich damit von einem einfachen saisonalen Landeplatz zu einem festen Bestandteil des norddeutschen Luftverkehrs entwickelt.
  • Zweite Hälfte der 1930er Jahre: Mit der deutschen Aufrüstung änderte sich die Bedeutung des Flugplatzes grundlegend. Aufgrund der strategischen Lage Sylts unmittelbar an der Nordsee und nahe der dänischen Grenze wurde Westerland zu einem militärisch wichtigen Standort ausgebaut. Der zivile Betrieb sollte grundsätzlich weiterhin möglich bleiben, verlor gegenüber den militärischen Anforderungen jedoch zunehmend an Bedeutung.
Ausbau zum Fliegerhorst und Zweiter Weltkrieg (1939–1945)
  • 1939: Der bisherige Verkehrsflugplatz wurde zu einem groß angelegten Fliegerhorst ausgebaut. Auf einer Fläche von etwa 85 Hektar entstanden drei sternförmig angeordnete befestigte Start- und Landebahnen sowie militärische Betriebsflächen, Hangars und weitere Einrichtungen. Die beiden heutigen Hauptbahnen 14/32 und 06/24 gehen in ihrer Grundstruktur auf diesen Ausbau zurück.
  • September 1939 bis April 1940: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Westerland unter anderem vom Stab und der II. Gruppe des Kampfgeschwaders 26 genutzt. Zum Einsatz kamen Heinkel He 111. Gleichzeitig befanden sich zeitweise weitere Jagd-, Zerstörer- und Kampfverbände auf dem Fliegerhorst.
  • Oktober 1939 bis Februar 1940: Die II. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1 war zeitweise in Westerland stationiert. In der militärischen Anfangsphase des Krieges wechselten die auf Sylt eingesetzten Verbände teilweise innerhalb weniger Wochen oder Monate.
  • März und April 1940: Im Vorfeld des deutschen Angriffs auf Dänemark und Norwegen im Rahmen des Unternehmens „Weserübung“ gewann Westerland erheblich an operativer Bedeutung. Zeitweise lagen Teile der I.(Jagd)/LG 2, der I./ZG 76, des Kampfgeschwaders 30 sowie der III./LG 1 auf dem Platz. Eingesetzt wurden unter anderem Messerschmitt Bf 109, Bf 110, Junkers Ju 88 und Heinkel He 111.
  • 1940 bis 1941: Nach dem Norwegenfeldzug wurde Westerland weiterhin von verschiedenen Jagdverbänden genutzt. Zu ihnen gehörten Teile der I./JG 77, die 2./JG 54, die 1./JG 52 und die 6./JG 53. Der Standort diente damit vor allem der Sicherung des norddeutschen und nordfriesischen Luftraums sowie der Nordseezugänge.
  • 1944: In der späteren Kriegsphase wurde Westerland verstärkt für die Nachtjagd genutzt. Die IV. Gruppe und zeitweise auch die III. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 3 operierten mit verschiedenen Versionen der Junkers Ju 88 vom Platz.
  • Mai 1945: In den letzten Kriegstagen befanden sich unter anderem Focke-Wulf Fw 190 der IV./JG 3 auf dem Fliegerhorst. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches endete die Nutzung durch die Luftwaffe. Während des Krieges war der zivile Luftverkehr nach Sylt praktisch vollständig zum Erliegen gekommen.
Britische Besatzung und RAF Sylt (1945–1961)
  • Mitte 1945: Britische Truppen übernahmen den Fliegerhorst. Die Royal Air Force führte ihn zunächst unter der alliierten Bezeichnung B.170 Westerland. Der Platz wurde nicht für den zivilen Verkehr freigegeben, sondern blieb vollständig unter militärischer Kontrolle.
  • 15. Juli 1945: Auf dem Flugplatz entstand das No. 25 Armament Practice Camp. In den folgenden Monaten kamen zahlreiche RAF- und auch einzelne kanadische Staffeln nach Sylt, um Waffen- und Schießübungen durchzuführen. Zu den eingesetzten Flugzeugtypen gehörten unter anderem Spitfire, Tempest und Mosquito.
  • September 1945: B.170 Westerland erhielt die offizielle Bezeichnung RAF Sylt. Der Standort entwickelte sich zu einem bedeutenden britischen Übungsplatz für Waffen- und Schießausbildung. Auch die Seegebiete westlich von Sylt wurden in den Übungsbetrieb einbezogen.
  • 1946 bis 1947: Zahlreiche RAF-Staffeln kamen zeitweise nach RAF Sylt. Der Flugplatz war dabei weniger Heimat eines dauerhaft stationierten großen Einsatzgeschwaders als vielmehr ein Trainings- und Übungsstandort, an dem Verbände anderer britischer Basen zeitweise ihre Waffenausbildung absolvierten.
  • Februar 1948: Die RAF-Station wurde zunächst geschlossen. Die Unterbrechung dauerte etwa ein Jahr.
  • Februar 1949: RAF Sylt wurde wieder in Betrieb genommen. Die Armament Practice Station blieb anschließend bis 1961 aktiv. Zusätzlich war von 1955 bis 1961 eine Air-Sea-Rescue-Einheit am Standort vertreten.
  • 1961: Nach rund 16 Jahren britischer Nutzung zog die Royal Air Force aus Westerland ab und übergab den Flugplatz wieder an deutsche Stellen. Damit endete die Phase von RAF Sylt.
Bundeswehr und Rückkehr des zivilen Luftverkehrs (1961–1971)
  • 1961: Nach dem Abzug der RAF übernahm zunächst die Bundesluftwaffe den militärischen Bereich des Fliegerhorstes. Gleichzeitig wurde die zivile Mitbenutzung des Flugplatzes wieder ermöglicht. Damit begann nach mehr als zwei Jahrzehnten Unterbrechung erneut eine dauerhafte zivile Entwicklung in Westerland.
  • 1961: Auch der Segelflug kehrte auf das Flughafengelände zurück. Der bereits seit den 1920er Jahren mit dem Segelflug auf Sylt verbundene Aero-Club nutzte fortan ein östlich des eigentlichen Flughafenbereichs gelegenes Gelände.
  • 1960er Jahre: Zunächst entstanden Bedarfsflugverbindungen nach Hamburg, Kiel und Flensburg. Gleichzeitig entwickelte sich die Strecke Berlin–Sylt–Berlin zu einer der wichtigsten Verbindungen des Flughafens. Für West-Berliner war das Flugzeug eine attraktive Alternative zur langen Landreise durch die DDR.
  • 1960er Jahre: Die Berlin-Verbindung begann zunächst als Charterangebot des Reisebüros Germania. Später wurde sie als subventionierte Verbindung von British Airways betrieben. Kurzzeitig setzte auch die US-amerikanische Modern Air einen HFB 320 Hansa Jet auf der Strecke ein. In dieser Zeit entwickelte sich Sylt zunehmend wieder zu einem Ziel des Ferien- und Pauschalreiseverkehrs.
  • 1964 bis 1972: Auf dem militärischen Teil war die Schießplatzstaffel Westerland/Sylt der Luftwaffe stationiert. Der Bundeswehrbetrieb und der wieder wachsende zivile Luftverkehr liefen damit parallel.
Übergang zum überwiegend zivilen Verkehrsflughafen (1972–1989)
  • 1972: Für die Entwicklung des heutigen Flughafens war dieses Jahr ein entscheidender Wendepunkt. Die Bundeswehr überließ das eigentliche Flugbetriebsgelände und mehrere Gebäude der inzwischen gegründeten Flughafen Sylt GmbH. Der Flughafen konnte seinen zivilen Betrieb nun weitgehend eigenständig organisieren. Die Betriebsfläche entwickelte sich langfristig auf rund 240 Hektar.
  • 1972: Im selben Jahr verlegte die Marinefliegerlehrgruppe vom Fliegerhorst Schleswig nach Westerland und übernahm einen Teil der bisherigen Luftwaffeneinrichtungen. Anders als häufig dargestellt, war die Marinefliegerlehrgruppe somit nicht bereits seit 1961 auf Sylt stationiert. Ihr Schwerpunkt lag außerdem nicht auf einem eigenen operativen Flugverband, sondern auf der Ausbildung von technischem Bodenpersonal und Angehörigen des Flugabfertigungs- und Flugsicherungsdienstes der Marineflieger.
  • 1970er Jahre: Mit der weitgehenden Übernahme des Flugbetriebs durch die Flughafen Sylt GmbH entwickelte sich insbesondere die Allgemeine Luftfahrt stark. Gleichzeitig nahmen die Linien-, Charter- und Ferienflüge weiter zu. Sylt etablierte sich wieder dauerhaft als regionaler Verkehrsflughafen.
  • 1976: Innerhalb der Marinefliegerausbildung wurde in Westerland eine zivile Ausbildungswerkstatt mit 48 Ausbildungsplätzen für Fluggerätemechaniker eingerichtet. Die militärische Nutzung des nördlichen Flughafenbereichs blieb damit trotz der wachsenden Bedeutung des Zivilflughafens umfangreich.
  • 1970er und 1980er Jahre: Die Verbindung nach West-Berlin wurde zu einer festen Größe im Sylter Flugverkehr. Besonders bekannt war die sogenannte „Mittagsmaschine“, die während der Sommersaison gewöhnlich gegen 13 Uhr in Westerland eintraf und etwa eine Stunde später wieder nach Berlin zurückflog.
  • 9. November 1989: Mit dem Fall der Berliner Mauer verlor die besondere politische und verkehrliche Funktion der West-Berlin-Verbindung ihre ursprüngliche Bedeutung. Die jahrzehntelang etablierte „Mittagsmaschine“ war damit Teil einer abgeschlossenen Epoche des Sylter Luftverkehrs.
Modernisierung des Flughafens und Neuordnung der militärischen Nutzung (1990–2005)
  • 1990: Der Flughafen erhielt eine grundlegend modernisierte Infrastruktur. Errichtet wurden ein neues Abfertigungsgebäude mit integriertem Kontrollturm, ein modernes Instrumentenlandesystem mit entsprechender Anflugbefeuerung sowie eine neue Rettungs- und Fahrzeughalle. Damit wurde der Flughafen technisch auf einen deutlich höheren Standard gebracht.
  • 1990er Jahre: Die Flugsicherung wurde in den folgenden Jahren weiter modernisiert. Radar- und Flugdatenverarbeitungssysteme ergänzten die vorhandenen Anlagen. Gleichzeitig konnten nun auch größere Verkehrsflugzeuge unter zeitgemäßeren Instrumentenflugbedingungen abgefertigt werden.
  • 1997: Die Marinefliegerlehrgruppe wurde als eigenständiger Verband aufgelöst. Damit endete jedoch noch nicht die militärische Nutzung in Westerland. Ein Teil der Ausbildungseinrichtungen wurde anschließend von der Marinetechnikschule weitergeführt.
  • 1998: Durch eine Unternehmensumstrukturierung wurde auch die Organisation des Flughafenbetriebs neu geordnet. Damit begann eine weitere Phase der stärkeren kommerziellen Ausrichtung des inzwischen überwiegend zivil genutzten Verkehrsflughafens.
  • 2000er Jahre: Nach der Jahrtausendwende wurde kontinuierlich in Sicherheits- und Betriebsanlagen investiert. Dazu gehörten Fahrzeuge, Einfriedungen, technische Einrichtungen und bauliche Anpassungen, die aufgrund verschärfter europäischer Sicherheitsanforderungen erforderlich wurden.
  • 2004: Der Flughafen zählte rund 48.000 Passagiere. In den folgenden Jahren sollte das Verkehrsaufkommen durch zusätzliche innerdeutsche Linienverbindungen und den Einsatz größerer Flugzeuge erheblich ansteigen.
  • 1. Dezember 2005: Der Bundeswehrstandort Westerland wurde offiziell geschlossen. Die zuletzt noch auf Sylt vorhandenen Einrichtungen der Marinefliegerausbildung wurden aufgegeben beziehungsweise nach Nordholz verlegt. Damit endete nach mehr als sechs Jahrzehnten die dauerhafte militärische Nutzung des Flughafengeländes.
Vom militärisch-zivilen Flugplatz zum reinen Verkehrsflughafen (2006–2011)
  • März 2006: Mit dem Abzug der letzten Angehörigen des militärischen Nachkommandos wurde das gesamte Flughafengelände erstmals seit den 1930er Jahren wieder ausschließlich zivil genutzt.
  • 2006 bis 2010: Der zivile Flughafen wurde schrittweise technisch weiterentwickelt. Neben dem klassischen Linien- und Charterverkehr gewann insbesondere der private Geschäftsreiseverkehr an Bedeutung. Gleichzeitig wurden bestehende Sicherheitsdefizite beseitigt. Nachdem der Flughafen 2009 noch auf einer Mängelliste der Vereinigung Cockpit erschienen war, wurden unter anderem Runway Guard Lights und ein ATIS-System installiert; 2010 erhielt der Flughafen dafür ausdrücklich eine verbesserte Bewertung.
  • 2011: Das Passagieraufkommen erreichte rund 217.000 Fluggäste und lag damit mehr als viermal so hoch wie 2004. Entscheidende Faktoren waren zusätzliche innerdeutsche Verbindungen sowie der Einsatz größerer Verkehrsflugzeuge.
  • 2011: Terminal 1 wurde erweitert. Mit insgesamt drei Flugsteigen konnten nun mehrere Verkehrsflugzeuge nahezu gleichzeitig abgefertigt werden. Die rechnerische Kapazität des Flughafens lag anschließend bei etwa 250.000 Passagieren pro Jahr. Besonders an Sommerwochenenden erreichte der relativ kleine Inselflughafen dennoch regelmäßig seine Kapazitätsgrenzen.
  • Herbst 2011: Auf dem ehemaligen militärischen Nordgelände begann der schrittweise Rückbau von Kasernen, Werkstätten und anderen nicht mehr benötigten Bundeswehrgebäuden. Einzelne historische Hangars und Hallen blieben erhalten und wurden einer neuen Nutzung zugeführt.
Starkes Linienangebot und Veränderungen im Airline-Markt (2012–2019)
  • 2014: Rund 175.000 Passagiere nutzten den Flughafen Sylt bei ungefähr 15.000 Flugbewegungen. Der Flughafen gehörte damit zu den bedeutendsten Verkehrsflughäfen Schleswig-Holsteins.
  • 2015: Lufthansa weitete ihre Verbindungen nach Sylt aus. Die Anbindung der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München gewann dadurch zusätzlich an Bedeutung und stärkte insbesondere die Anschlussmöglichkeiten in das nationale und internationale Streckennetz.
  • 2017: Die Insolvenz von Air Berlin hatte direkte Auswirkungen auf Sylt. Air Berlin hatte zuvor unter anderem die für den Flughafen wichtige Verbindung nach Düsseldorf ganzjährig bedient und zusätzlich saisonale Flüge zu mehreren deutschen und internationalen Zielen angeboten. Mit dem Ende der Airline musste das Streckennetz neu geordnet werden.
  • 2018: Rund 125.000 Passagiere wurden am Flughafen gezählt. Damit lag das Verkehrsaufkommen deutlich unter dem sehr hohen Niveau zu Beginn der 2010er Jahre.
  • 2019: Die Passagierzahl stieg wieder auf etwa 140.000. Gleichzeitig nahm easyJet während der Sommersaison eine Verbindung zwischen Berlin und Sylt auf.
  • 6. Juli 2019: Der Flughafen konnte auf 100 Jahre regelmäßigen zivilen Luftverkehr nach Westerland zurückblicken. Die Verbindung von 1919 hatte den Grundstein für eine der längsten Linienflugtraditionen eines heute noch betriebenen deutschen Regionalflughafens gelegt.
Corona-Pandemie, Erholung und erneute Modernisierung (2020–2024)
  • 2020: Die Corona-Pandemie traf auch den Flughafen Sylt. Der reguläre Flugbetrieb wurde zeitweise vollständig eingestellt beziehungsweise stark eingeschränkt. Gegenüber den rund 140.000 Passagieren des Vorjahres ging das Passagieraufkommen deutlich zurück. Für das Gesamtjahr wurde ein Rückgang von etwa 35 bis 40 Prozent erwartet.
  • 2021 bis 2022: Mit dem Ende vieler Reisebeschränkungen erholte sich der Flugverkehr wieder. 2022 wurden 119.763 Passagiere sowie 12.641 Flugbewegungen gezählt. Gleichzeitig blieb Sylt ein wichtiger Standort für Linien-, Charter-, General-Aviation- und Geschäftsreiseflüge.
  • 2022: Am Terminal 1 begann eine umfangreiche Sanierungs- und Umbauphase. Büros wurden in das Obergeschoss verlegt, wodurch im Erdgeschoss zusätzliche Flächen für die Passagierabfertigung geschaffen werden konnten. Die nutzbare Fläche der Abflughalle konnte dadurch nahezu verdoppelt werden.
  • 2022/2023: Gleichzeitig investierte der Flughafen in eine umweltfreundlichere Bodenabfertigung. Eine erste elektrische Bodenstromanlage am Vorfeld 1 ermöglichte die Versorgung abgestellter Flugzeuge mit Strom, ohne dafür permanent die bordeigene Hilfsturbine betreiben zu müssen.
  • 2023: Eine neue Gepäckrückgabe wurde geschaffen und weitere Bereiche von Terminal 1 modernisiert. Die technische Infrastruktur umfasste inzwischen unter anderem modernisierte Beleuchtungsanlagen, Rollwegleitlinien, Vorfeldbeleuchtung, Radarunterstützung und zeitgemäße Flugdatenverarbeitung.
  • 2023: Mit 125.745 Passagieren und 11.201 Flugbewegungen hatte sich der Flughafen nach den Pandemiejahren wieder deutlich stabilisiert.
Neue Verbindungen, Nachhaltigkeit und der heutige Flughafen (2025–2026)
  • 30. März 2025: Mit dem Sommerflugplan wurden die betrieblichen Öffnungszeiten neu organisiert. Gleichzeitig investierte der Flughafen weiter in seine Infrastruktur. Das General Aviation Terminal wurde modernisiert, auf Vorfeld 1 eine zweite Bodenstromanlage installiert und die Sanierung ehemaliger Bundeswehrhangars fortgesetzt. Auch eine Modernisierung der Tankanlage wurde vorbereitet.
  • 28. Juni 2025: Austrian Airlines eröffnete erstmals eine direkte Linienverbindung zwischen Wien und Sylt. Der erste Austrian-Flug erreichte Westerland mit 98 Passagieren. Damit erhielt der Flughafen erstmals in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte eine direkte Linienanbindung an die österreichische Hauptstadt.
  • 2025: Insgesamt wurden 123.675 Passagiere und 8.590 Flugbewegungen registriert. Der Flughafen blieb damit ein vergleichsweise kleiner, aber für die Verkehrsanbindung der Insel bedeutender Regionalflughafen.
  • 2025/2026: Parallel zur klassischen Flughafenentwicklung wurde Sylt in Projekte zur klimafreundlicheren Luftfahrt eingebunden. Im Rahmen des internationalen INTERREG-Projekts „BSR HyAirport“ beschäftigt sich der Standort gemeinsam mit Partnern aus dem Ostseeraum unter anderem mit elektrischer Energieversorgung, Energiespeicherung, Wasserstoffinfrastruktur und zukünftigen emissionsärmeren Luftverkehrskonzepten.
  • 2. Juli 2026: Mit AIR UNIQON wurde die traditionsreiche Verbindung zwischen Berlin und Sylt wiederbelebt. Gleichzeitig entstand eine neue Verbindung von Friedrichshafen über Berlin nach Sylt. Die Strecken wurden für die Sommersaison zunächst jeweils montags und donnerstags angeboten.
  • August 2026: Der Linienflugplan zeigt wieder ein bemerkenswert breites Angebot für einen Regionalflughafen dieser Größe. Regelmäßige beziehungsweise saisonale Verbindungen bestehen unter anderem nach Düsseldorf, Frankfurt, München, Stuttgart, Berlin, Friedrichshafen, Nürnberg, Mannheim, Kassel, Zürich, Wien und Luxemburg. Damit ist Sylt sowohl direkt mit mehreren deutschen Wirtschaftsräumen als auch mit wichtigen internationalen Zielen verbunden.
  • Heute: Der Flughafen Sylt trägt den IATA-Code GWT und den ICAO-Code EDXW. Das rund 240 Hektar große Gelände verfügt über zwei Terminals. Die Start- und Landebahn 14/32 misst 2.120 × 45 Meter, die Bahn 06/24 1.696 × 45 Meter. Beide Bahnen gehen in ihrer Grundstruktur auf den militärischen Ausbau der späten 1930er Jahre zurück. Der Flughafen verbindet damit bis heute Infrastruktur aus mehreren Epochen seiner mehr als hundertjährigen Geschichte.

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