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HAMBURG
Hamburg Airport Helmut Schmidt
Der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel gehört zu den großen Traditionsstandorten der deutschen Luftfahrt. Seine Geschichte beginnt nicht mit modernen Terminals und Linienjets, sondern mit Zeppelinen, Luftschiffhallen und der frühen Begeisterung für eine Technik, die damals noch wie Zukunftsmusik wirkte. Aus einem Gelände am damaligen Stadtrand entwickelte sich über mehr als ein Jahrhundert ein bedeutender Verkehrsflughafen, der Hamburg bis heute mit Deutschland, Europa und der Welt verbindet.
Besonders spannend ist Fuhlsbüttel, weil der Flughafen trotz Kriegen, Krisen, technischen Umbrüchen und immer neuen Anforderungen an seinem ursprünglichen Standort geblieben ist. Vom Luftschiffhafen über die ersten Linienflüge, die Zeit der britischen Verwaltung, die Berliner Luftbrücke, den Aufstieg der Lufthansa, das Düsenzeitalter und die großen Terminalausbauten bis hin zum heutigen Hamburg Airport Helmut Schmidt erzählt dieser Ort ein Stück deutscher und europäischer Luftfahrtgeschichte.
Für Spottermania ist Hamburg-Fuhlsbüttel deshalb weit mehr als nur ein moderner Stadtflughafen. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie sich Luftfahrt ständig verändert und wie eng Technik, Stadtentwicklung, Politik und Reisekultur miteinander verbunden sind. Wer sich mit der Geschichte dieses Flughafens beschäftigt, blickt nicht nur auf Start- und Landebahnen, Terminals und Fluggesellschaften, sondern auf mehr als 100 Jahre Luftfahrt im Norden Deutschlands.
D-22335 Hamburg
Flughafenstr. 1-3
IATA: HAM
ICAO: EDDH
RUNWAYS:
05/23 (3250x46m) Asphalt
15/33 (3666×46m) Asphalt
GESCHICHTE
Von der Zeppelin-Idee zum Luftschiffhafen (1910 – 1913)
- 5. März 1910: Graf Ferdinand von Zeppelin besucht Hamburg und wirbt öffentlich für die Zukunft der Luftschifffahrt. Seine Rede trifft in der Hansestadt auf großes Interesse. Aus privaten Kreisen entsteht daraufhin der Wille, Hamburg an die moderne Luftfahrt anzuschließen und eine eigene Luftschiffhalle zu finanzieren.
- 10. Januar 1911: Die Hamburger Luftschiffhallen GmbH wird gegründet. Als Standort wird ein Gelände bei Fuhlsbüttel gewählt, damals noch deutlich außerhalb des geschlossenen Stadtgebietes. Das Areal liegt westlich der Alster und nördlich der Borsteler Rennbahn. Damit beginnt die Geschichte des heutigen Hamburg Airport an genau jenem Standort, an dem der Flughafen bis heute betrieben wird.
- Mai 1911: Die Ausschachtungsarbeiten für die große Luftschiffhalle beginnen. Hamburg setzt damit zunächst klar auf Zeppeline und nicht auf Flugzeuge, denn Luftschiffe gelten zu dieser Zeit als das große Zukunftsversprechen der Luftfahrt.
- Herbst 1911: Das Zeppelin-Luftschiff „Schwaben“ erscheint über Hamburg und sorgt für große Aufmerksamkeit. Für viele Hamburger wird die Luftfahrt damit erstmals sichtbar und greifbar.
- Januar 1912: Die Luftschiffhalle in Fuhlsbüttel wird in Betrieb genommen. Sie bietet Platz für zwei Zeppeline und bildet den baulichen Kern des jungen Luftschiffhafens. Schon kurz darauf nutzen auch die ersten Flugzeuge das Gelände, damals noch häufig als „Aeroplane“ bezeichnet.
- 1913: Der Hamburger Senat stimmt einer Erweiterung des Geländes auf rund 60 Hektar zu. Der nördliche Bereich bleibt den Luftschiffen vorbehalten, während der südöstliche Teil zunehmend von Flugzeugen genutzt wird. Zwischen den Bereichen entsteht ein lebendiger Ausflugs- und Beobachtungsort mit Gartenrestaurant, der Fuhlsbüttel schon früh zu einem Ziel für Technikbegeisterte und Schaulustige macht.
Erster Weltkrieg und militärische Nutzung (1914 – 1916)
- 1914: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verändert sich die Rolle des Flugplatzes grundlegend. Fuhlsbüttel wird nicht mehr nur als ziviler Luftschiffhafen verstanden, sondern zunehmend für militärische Zwecke genutzt. Die öffentliche Begeisterung der Anfangsjahre weicht einer stärker abgeschirmten militärischen Nutzung.
- 1914 bis 1916: Die Nachteile der Luftschiffe werden deutlicher. Unfälle, technische Risiken und die militärische Entwicklung führen dazu, dass Flugzeuge an Bedeutung gewinnen. In Fuhlsbüttel rücken Pilotenausbildung und Flugzeugbetrieb stärker in den Mittelpunkt. Mehr als 750 Militärflieger erwerben dort ihren Pilotenschein.
- 1916: Ein Brand zerstört die Luftschiffhalle und damit auch das letzte geeignete Marineluftschiff vor Ort. Die Luftschifffahrt verliert für das Reichsmarineamt an Bedeutung. Die Hamburger Luftschiffhallen GmbH baut die Halle zwar wieder auf, doch die große Zeit der Zeppeline in Fuhlsbüttel ist praktisch beendet.
Neubeginn des zivilen Luftverkehrs nach dem Krieg (1917–1929)
- Dezember 1917: Die Deutsche Luft-Reederei GmbH wird gegründet. An dem Unternehmen beteiligen sich unter anderem AEG, Hapag, Zeppelin GmbH und Deutsche Bank. Damit entsteht eine Grundlage für den späteren planmäßigen Luftverkehr in Deutschland.
- 5. Februar 1919: Die Deutsche Luft-Reederei nimmt den planmäßigen Linienverkehr auf. Der Flughafen Hamburg befindet sich nach dem Krieg zwar in schlechtem Zustand, doch der zivile Luftverkehr beginnt sich langsam wieder zu entwickeln.
- 1. März 1919: Zwischen Hamburg und Berlin wird eine regelmäßige Verbindung eingerichtet. Diese frühe Linie markiert den Beginn der planmäßigen Flugverbindungen ab Fuhlsbüttel und zeigt, dass sich der Standort trotz schwieriger Nachkriegsbedingungen behaupten kann.
- 1919 bis 1920: Erste Linienflugverbindungen entstehen, unter anderem nach Berlin, Amsterdam und Sylt. Damit wandelt sich Fuhlsbüttel schrittweise vom Luftschiffstandort zum Verkehrsflugplatz für Flugzeuge.
- 1. September 1920: Eine Maschine der kurz zuvor gegründeten KLM landet von Amsterdam über Bremen kommend in Hamburg und fliegt weiter nach Kopenhagen. Diese Verbindung gilt als eine der frühesten internationalen Linienverbindungen Europas und macht Hamburg zu einem wichtigen Knoten im nordwesteuropäischen Luftverkehr.
- 1921: Die Luftschiffhalle wird aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages gesprengt und vollständig abgetragen. Für Fuhlsbüttel ist das ein schwerer Rückschlag, denn der Platz verliert sein ursprüngliches Wahrzeichen. Gleichzeitig wird klar, dass die Zukunft des Standortes nicht mehr im Luftschiff, sondern im Flugzeug liegt.
- 1922: Nach umfangreichen Verbesserungen holt Hamburg den Rückstand gegenüber Bremen wieder auf. Die Hamburger Luftschiffhallen GmbH übernimmt erneut die Verwaltung des Platzes und führt Fuhlsbüttel zurück in eine stabile Entwicklung.
- 1923: Fuhlsbüttel erhält als erster Flughafen in Deutschland eine Funkstation. Ab 1926 können anfliegende Maschinen mit Funkpeilern geortet werden. Damit wird Hamburg früh zu einem technisch fortschrittlichen Standort der Flugsicherung.
- 1925: Das Streckennetz wächst. Von Hamburg aus bestehen Verbindungen nach Bremen, Kiel, Westerland, Hannover, Stettin, Danzig und Frankfurt sowie international nach London, Kopenhagen, Malmö, Amsterdam und Rotterdam. Fuhlsbüttel ist nun nicht mehr nur ein regionaler Platz, sondern ein wachsender Bestandteil des europäischen Liniennetzes.
- 1926: Die Ausschreibung für ein neues Abfertigungsgebäude beginnt. Flugreiseverkehr, Fracht, Verwaltung, Zuschauerbereiche und Gastronomie sollen unter einem Dach zusammengefasst werden. Im selben Jahr erhält Fuhlsbüttel Anschluss an das Hamburger Straßenbahnnetz und rückt damit auch innerstädtisch näher an Hamburg heran.
- 1929: Das erste große Terminalgebäude wird eröffnet. Es vereint Passagier- und Frachtabfertigung, Verwaltung, Restaurant und Aussichtsmöglichkeiten. Gleichzeitig bestehen direkte und indirekte Verbindungen zu rund 80 Städten, darunter etwa 20 ausländische Ziele. Fuhlsbüttel ist am Ende der 1920er Jahre zu einem bedeutenden internationalen Verkehrsflughafen geworden.
Konsolidierung, Krise und Ausbau in den dreißiger Jahren (1930–1939)
- 1930 bis 1933: Die Weltwirtschaftskrise trifft auch den Luftverkehr schwer. In Fuhlsbüttel sinken Frachtvolumen, Passagieraufkommen und die Zahl der planmäßigen Flüge deutlich. Der junge Verkehrsflughafen bleibt zwar wichtig, muss aber den allgemeinen wirtschaftlichen Einbruch verkraften.
- 1932: Die Hamburger Luftschiffhallen-Gesellschaft wird in Hamburger Flughafen-Verwaltung GmbH umbenannt. Dieser Namenswechsel zeigt deutlich, dass das Flugzeug endgültig die Rolle des Luftschiffs übernommen hat. Fuhlsbüttel ist nun offiziell ein Flughafenstandort, dessen Entwicklung auf den motorisierten Flugverkehr ausgerichtet ist.
- 1934 bis 1937: Der Flughafen erlebt wieder eine Aufwärtsentwicklung. Das Passagieraufkommen steigt, Nachtbefeuerung und technische Anlagen werden verbessert, und der Platz gewinnt im deutschen Luftverkehr weiter an Gewicht. 1937 erreicht Fuhlsbüttel mit 57.194 Fluggästen den zweithöchsten Vorkriegswert und liegt im deutschen Vergleich hinter Berlin, Frankfurt und Köln auf einem bedeutenden Rang.
- 27. Mai 1935: Wegen des steigenden Verkehrs wird eine Erweiterung des Flughafengeländes beim Reichsluftfahrtministerium beantragt. Der Antrag wird im Juli 1935 genehmigt. Damit beginnt eine Phase, in der der Flughafen stärker an die Anforderungen des wachsenden Luftverkehrs angepasst wird.
- bis 1940: Die Stadt Hamburg erwirbt sämtliche Anteile der Flughafenverwaltung. Damit wird der Flughafen endgültig als strategisch wichtiger Bestandteil der städtischen Infrastruktur verstanden.
Zweiter Weltkrieg und Übernahme durch die Royal Air Force (1939–1945)
- 28. August 1939: Vier Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt die Luftwaffe den Flughafen. Der zivile Luftverkehr kommt praktisch zum Erliegen, und Fuhlsbüttel wird militärischer Flugstützpunkt sowie Standort einer Fliegerschule.
- 1939 bis 1945: Während der Kriegsjahre wird der Flughafen militärisch genutzt. Unterlagen über Flugbewegungen und die genaue Bedeutung des Platzes in dieser Zeit sind nur begrenzt erhalten. Sicher ist, dass der Flughafen getarnt wird und sich äußerlich stark verändert. Anders als viele andere deutsche Flughäfen bleibt Fuhlsbüttel jedoch weitgehend unzerstört.
- 1941: Die Hamburger Polizei, der letzte nichtmilitärische Nutzer auf dem Gelände, muss den Platz räumen. Die Luftwaffe übernimmt auch diese Einrichtungen. Zivile Flüge sind nur noch mit Sondergenehmigung möglich, etwa zu neutralen Ländern wie der Schweiz, Spanien, Portugal oder Schweden.
- Mai 1945: Nach Kriegsende übernimmt die Royal Air Force den funktionsfähigen Flughafen. Fuhlsbüttel wird damit zu einem britisch kontrollierten Luftverkehrsstandort in der besetzten Stadt Hamburg.
Britische Verwaltung, ziviler Neustart und Berliner Luftbrücke (1945–1949)
- 1945: Unter britischer Verwaltung setzt sich zunehmend die Bezeichnung „Hamburg Airport“ durch. Nach der alliierten Proklamation vom 20. September 1945 ist Deutschen der Betrieb und Besitz von Luftfahrzeugen untersagt. Die zivile Luftfahrt liegt in der Hand der Besatzungsmächte.
- 1. September 1946: British European Airways richtet einen zivilen Liniendienst auf der Strecke London–Amsterdam–Hamburg–Berlin ein. Damit findet Fuhlsbüttel wieder Anschluss an den europäischen Luftverkehr, obwohl der Flughafen weiterhin unter britischer Kontrolle steht.
- 1947 bis 1948: Wegen des wachsenden Verkehrs werden Ausbaupläne vorbereitet. Unter anderem werden Arbeiten an der Startbahn und moderne Hilfen für den Anflug vorangetrieben.
- 25. Juni 1948: Mit der Berliner Luftbrücke erhält Hamburg Airport eine besondere Rolle. Während amerikanische Maschinen vor allem von Frankfurt und Wiesbaden starten, fliegt die Royal Air Force West-Berlin über den nördlichen Luftkorridor unter anderem von Hamburg aus an. Die Arbeiten an der Startbahn I werden beschleunigt, damit sie für die Versorgung West-Berlins genutzt werden kann.
- Juni 1948 bis Mai 1949: Hamburg Airport dient während der Berliner Luftbrücke als einer der Startflughäfen der sogenannten Rosinenbomber. Damit wird der Flughafen Teil einer der bekanntesten humanitären Luftoperationen der Nachkriegszeit.
Rückkehr in deutsche Verantwortung und Aufstieg der Lufthansa (1950 – 1955)
- 1. Oktober 1950: Die Flughafenverwaltung geht wieder in deutsche Zuständigkeit über. Die Flughafen Hamburg GmbH übernimmt schrittweise mehr Aufgaben, darunter Vorfelddienste sowie Teile der Fluggast-, Gepäck- und Frachtabfertigung.
- 1953: Die Flugsicherung geht in deutsche Hände über und wird Aufgabe der neu geschaffenen Bundesanstalt für Flugsicherung. Am 1. Juli 1953 wird der Union Jack nicht mehr auf dem Flughafen gehisst. Die Verwaltungsfunktionen sind damit wieder vollständig deutsch, auch wenn ein eigener deutscher Luftverkehr zunächst noch verboten bleibt.
- Sommer 1953: Auf dem Gelände der ehemaligen Borsteler Rennbahn beginnt der Bau einer neuen Lufthansa-Wartungsbasis. Hamburg stellt dafür erhebliche Mittel bereit und wird damit zu einem technischen Schlüsselstandort für die spätere neue Lufthansa.
- 1954: Die erste Wartungshalle für die neue Deutsche Lufthansa wird fertiggestellt. Aus diesem Standort entwickelt sich später Lufthansa Technik, deren Hauptsitz bis heute in Hamburg liegt.
- 1. März 1955: Lufthansa nimmt den Probeflugverkehr innerhalb der Bundesrepublik auf. Hamburg spielt dabei eine wichtige Rolle, weil der Flughafen durch seine Lage und seine neue technische Basis gut in das entstehende Streckennetz passt.
- 1. April 1955: Auf dem Hamburger Flughafen wird wieder die Kranich-Flagge der Lufthansa gehisst. Von Hamburg aus starten neue europäische Linien, unter anderem nach London, Madrid und Paris. Damit beginnt für Fuhlsbüttel eine neue Phase als internationaler Nachkriegsflughafen.
Düsenzeitalter, Bahnverlängerungen und wachsender Verkehr (1959 – 1969)
- 25. August 1959: Der Hamburger Senat beschließt mit Zustimmung Schleswig-Holsteins, die Landebahn II in Richtung Ohemoor über die Landesgrenze hinaus zu verlängern. Hintergrund ist, dass voll beladene und voll betankte Jets in Fuhlsbüttel zunächst nur eingeschränkt starten können.
- 2. März 1960: Die erste Boeing 707-430 Intercontinental der Lufthansa landet direkt aus Seattle kommend in Hamburg. Damit hält das Düsenzeitalter sichtbar Einzug in Fuhlsbüttel. Die neuen Jets verkürzen Reisezeiten deutlich und erhöhen zugleich Passagier- und Frachtkapazitäten.
- Oktober 1960: Die verlängerte Startbahn I wird dem Verkehr übergeben. Hamburg passt seine Infrastruktur damit an die Anforderungen der neuen Strahlflugzeuge an.
- 1961: Hamburg Airport überschreitet erstmals die Marke von einer Million Passagieren. Der Flughafen profitiert vom starken Wachstum des Luftverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg und festigt seine Bedeutung im deutschen Streckennetz.
- 9. November 1961: Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit werden erweiterte Anlagen am Hauptgebäude übergeben. Die wachsenden Passagierzahlen machen zusätzliche Abfertigungsflächen notwendig.
- 1962: Wegen der starken Lärmbelastung durch Düsenflugzeuge erhält Fuhlsbüttel eine Lärmschutzhalle für Triebwerksprobeläufe. Gleichzeitig werden neue Anflugverfahren entwickelt und nächtliche Flugbewegungen stärker eingeschränkt.
- 1964: Die Verlängerung der Bahn II wird abgeschlossen. Das Flughafengelände umfasst nun etwa 500 Hektar und erreicht damit eine Größenordnung, die in ihren Grundzügen bis heute prägend bleibt.
- 1969: Die vorhandenen Abfertigungskapazitäten geraten an ihre Grenzen. Die Flughafenverwaltung beschließt den weiteren Ausbau für bis zu vier Millionen Passagiere. Im selben Jahr wird die „Deutschlandhalle“ eingeweiht.
Großraumjets, Charterboom und Belastungsgrenzen (1970 – 1976)
- 30. März 1970: Die erste Boeing 747 der Lufthansa landet in Hamburg. Der Jumbo-Jet verändert die Anforderungen an Vorfeld, Abfertigung und Passagierführung. Für die neuen Großraumflugzeuge wird eine spezielle Abfertigungsposition mit Fluggaststeig, zwei beweglichen Fluggastbrücken, großem Warteraum und Gepäckanlage eingerichtet.
- 1971: Der Touristikverkehr wächst stark. Zwischen Hauptgebäude und Verwaltungsgebäude Nord entsteht eine eigene Abfertigungshalle für Charterflüge, um dem steigenden Urlaubsreiseverkehr gerecht zu werden.
- 1972 bis 1973: Nach dem Boom folgt ein deutlicher Verkehrseinbruch. Fluglotsenstreiks, der Rückgang im Berlin-Verkehr und die Ölkrise belasten Passagierzahlen, Flugbewegungen und Luftfracht. Die Krise zeigt, wie abhängig der Luftverkehr inzwischen von Wirtschaft, Energiepreisen und politischen Rahmenbedingungen geworden ist.
- 1973: In Fuhlsbüttel wird eine Lärmmessanlage installiert. Damit reagiert der Flughafen auf gesetzliche Vorgaben und auf die wachsende Bedeutung des Fluglärmschutzes in der dicht besiedelten Umgebung.
- 1974: Der Verkehr erholt sich. Die Flugzeughalle B wird für rund 1,5 Millionen Mark zur Charterhalle C umgebaut. Hamburg reagiert damit erneut auf die steigende Nachfrage im touristischen Flugverkehr.
- 1975: Neue Abfertigungseinrichtungen für abfliegende Urlauber und Gastarbeiter werden in Betrieb genommen. Der Flughafen passt seine Infrastruktur damit an die veränderte Passagierstruktur der 1970er Jahre an.
- 25. April 1976: Die Concorde der Air France besucht Hamburg Airport zum ersten und einzigen Mal. Der Besuch bleibt ein besonderes Ereignis in der Geschichte des Flughafens.
Neue Perspektiven und wachsende Abfertigung (1980 – 1985)
- 5. März 1980: Ein neues Abfertigungsgebäude wird eröffnet. Die Passagierzahlen im innerdeutschen Verkehr hatten sich seit 1969 etwa verdoppelt, und der Flughafen benötigt dringend zusätzliche Kapazitäten.
- 1982: Eine neue Charterhalle ergänzt die Abfertigungsanlagen. Damit erhält der Charterverkehr eine bessere und funktionalere Infrastruktur, die dem Linienverkehr stärker angeglichen ist.
- 1983: Im Sommer steigen Passagier- und Frachtverkehr wieder deutlich. Im zweiten Halbjahr begrüßt der Flughafen seit der Rückkehr in deutsche Verwaltung den 75-millionsten Fluggast.
- 1985: Weitere Umbauten verbessern die Passagierführung. Durch die Verlegung der Berlin-Ankunft entsteht im Auslandswarteraum deutlich mehr Platz. Neue Ausgänge, größere Verkaufsbereiche und zusätzliche Gepäckbänder sollen die Abfertigung beschleunigen. Zugleich wird sichtbar, dass die bestehenden Gebäude langfristig nicht mehr ausreichen.
Ausbauentscheidung statt Verlagerung nach Kaltenkirchen (1986 – 1989)
- 1986: Hamburg Airport feiert sein 75-jähriges Bestehen. Rund 250.000 Besucher kommen zum Tag der offenen Tür. Gleichzeitig stellt der Flughafen die Weichen für ein großes Ausbauprogramm mit neuem Terminal, elf neuen Fluggastbrücken und einem neuen Parkhaus. Damit rückt die Idee, den Luftverkehr nach Kaltenkirchen zu verlagern, in den Hintergrund.
- 1987: Mit knapp 5,4 Millionen Passagieren überschreitet Hamburg erstmals die Fünf-Millionen-Marke und etabliert sich als viertgrößter deutscher Flughafen. Neue Ziele wie Rom, Moskau, Birmingham und Glasgow erweitern das Streckennetz.
- 1988: Nach vierjähriger Bauzeit werden die Gebäude des neuen Flugsicherungszentrums übergeben. Der gelbe Tower wird zu einem markanten Zeichen des Flughafens. Außerdem entsteht ein neues Feuerwehrzentrum.
- 1989: Der Ausbau der Nordatlantikrouten schreitet voran, unter anderem mit Verbindungen nach Atlanta, New York und Chicago. Gleichzeitig beginnen die Arbeiten am neuen General Aviation Terminal für Privat- und Geschäftsflieger.
Baumaßnahmen, Wiedervereinigung und neues Terminal (1990 – 1995)
- 1990: Nach der deutschen Wiedervereinigung wird Hamburg zu einer Drehscheibe zwischen Ost und West. Neue Verbindungen nach Moskau, Prag, Danzig, Warschau und in die baltischen Staaten werden aufgenommen. Gleichzeitig gehen Parkhaus P5 und das Geschäftsfliegerzentrum in Betrieb.
- 1991: Der Golfkrieg führt zu weniger Flugfrequenzen und sinkenden Passagierzahlen. Im Laufe des Jahres setzt jedoch eine Erholung ein. Gleichzeitig gehen die Ausbauarbeiten weiter: Das Parkhaus P2 wird eröffnet, und der neue Terminalbereich feiert Richtfest.
- 10. Dezember 1992: Eine neue, 100 Meter lange Aussichtsterrasse wird eröffnet. Der Flughafen wird damit auch für Besucher wieder attraktiver und verbindet moderne Abfertigung mit öffentlicher Erlebbarkeit.
- 1. November 1993: Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit wird der neue Terminal 4 eröffnet, der heute Terminal 2 heißt. Das Gebäude hat eine überbaute Fläche von rund 20.000 Quadratmetern und ist für bis zu sieben Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Im selben Jahr erreicht Hamburg mit 7,3 Millionen Fluggästen einen neuen Rekord.
- 1994: Terminal 3 wird modernisiert und dem neuen Terminal 4 angepasst. Auch das Luftfrachtzentrum wird erneuert. Eine geänderte Landegebührenregelung verteuert laute Flugzeuge und begünstigt leisere Muster.
- September 1995: Der Flughafen begrüßt den 150-millionsten Passagier seit seiner Gründung im Jahr 1911. Hamburg-Fuhlsbüttel ist endgültig in der Größenordnung eines großen deutschen Verkehrsflughafens angekommen.
Digitalisierung, Kultur und Umweltprofil (1996 – 1999)
- 1. Juli 1996: Terminal 3 wird zu einem besonderen Reise- und Einkaufsbereich umgestaltet. Reiseveranstalter, Reisebüros und Last-Minute-Shops prägen den Bereich und spiegeln den starken Pauschalreiseverkehr dieser Zeit wider.
- 30. Juni 1997: Der Flughafen Hamburg geht erstmals online. Mit der Internetadresse www.ham.airport.de beginnt für den Flughafen die digitale Kommunikation mit Passagieren und Öffentlichkeit.
- 1998: Delta Air Lines nimmt eine tägliche Nonstop-Verbindung von Hamburg nach Atlanta auf. Im Dezember begrüßt der Flughafen den neunmillionsten Fluggast des Jahres.
- 1999: Hamburg erinnert an das 50-jährige Jubiläum der Berliner Luftbrücke. Zudem feiert der Flughafen 80 Jahre regelmäßigen Linienflugverkehr in Hamburg. Als erster europäischer Flughafen erhält Hamburg Airport ein Ökozertifikat nach EU-Normen für sein Umweltmanagement.
HAM 21 und die Modernisierung zum heutigen Flughafen (2000 – 2009)
- 2000: Der Flughafen nennt sich offiziell „Hamburg Airport“. Gleichzeitig startet das Ausbauprogramm HAM 21. Rund 350 Millionen Euro sollen investiert werden, um den Flughafen bis 2008 grundlegend zu modernisieren. 2001: Hamburg Airport feiert sein 90-jähriges Bestehen. Im selben Jahr beginnt mit dem Rückbau des alten Terminal 2, dessen Ursprünge auf das Verwaltungsgebäude von 1929 zurückgehen, eine neue bauliche Ära. Außerdem wird eine neue Lärmschutzhalle in Betrieb genommen.
- 6. Juni 2002: Der Grundstein für das neue Terminal 1 wird gelegt. Es ist das Herzstück von HAM 21 und soll den Flughafen auf den Stand eines modernen europäischen Verkehrsflughafens bringen.
- 27. Januar 2004: Die Verlängerung der bestehenden Pier nach Süden wird als erstes Teilstück des Ausbauprogramms HAM 21 eröffnet. Weitere Baumaßnahmen, darunter die neue Parkrotunde, folgen.
- 25. Mai 2005: Das neue Terminal 1 wird offiziell eingeweiht. Es gilt zu diesem Zeitpunkt als eines der modernsten Terminals Europas. Zusammen mit Terminal 2 verfügt der Flughafen nun über eine Kapazität von rund 15 Millionen Passagieren pro Jahr.
- 2005: Hamburg Airport überschreitet erstmals die Marke von zehn Millionen Passagieren in einem Jahr. Damit erreicht der Flughafen eine neue Größenordnung im deutschen Luftverkehr.
- Mai 2006: Der Spatenstich für die Airport Plaza zwischen Terminal 1 und Terminal 2 erfolgt. Die Plaza soll später beide Terminals verbinden und Sicherheitskontrolle, Gastronomie und Einzelhandel bündeln.
- 4. Dezember 2008: Die Airport Plaza öffnet für den regulären Flugbetrieb. Sie bildet das neue Herzstück des Flughafens und schließt die Lücke zwischen Terminal 1 und Terminal 2.
- 12. Dezember 2008: Die Flughafen-S-Bahn der Linie S1 nimmt ihren Betrieb auf. Sie verbindet den Airport im 10-Minuten-Takt mit dem Hamburger Hauptbahnhof und verkürzt die Fahrtzeit auf rund 25 Minuten. Damit erhält Hamburg Airport eine direkte und leistungsfähige Schienenanbindung.
- 2009: Mit neuen Parkflächen, dem Radisson Blu Hotel in Terminalnähe und der abgeschlossenen Modernisierung präsentiert sich Hamburg Airport als kompakter, modernisierter Stadtflughafen mit kurzen Wegen.
Modernisierter Betrieb, Rekorde und Nachhaltigkeit (2010 – 2015)
- 2010: Die Bezeichnung „Hamburg Airport“ ersetzt offiziell den traditionellen Namen „Flughafen Fuhlsbüttel“. Der alte Name bleibt im Sprachgebrauch erhalten, die offizielle Außendarstellung orientiert sich nun aber am internationalen Markenauftritt.
- 2014: Rund 14,76 Millionen Fluggäste nutzen Hamburg Airport. Das Streckennetz umfasst etwa 120 Direktziele, die von rund 65 Fluggesellschaften angeboten werden. Im selben Jahr beginnt der Bau des neuen Hamburg Airport Cargo Centers, und EasyPASS wird für Passagiere aus dem Non-Schengen-Bereich eingeführt.
- 2015: Hamburg Airport überschreitet mit mehr als 15 Millionen Passagieren einen neuen Rekord. Gleichzeitig startet die grundhafte Erneuerung des Hauptvorfeldes, für die bis 2020 rund 120 Millionen Euro investiert werden sollen.
- 2015: Mit dem Fluglärminformationstool TraVis wird mehr Transparenz für Anwohner geschaffen. Flugspuren und Lärmdaten können online nachvollzogen werden. Damit reagiert der Flughafen auf das dauerhaft sensible Thema Fluglärm im städtischen Umfeld.
Hamburg Airport Helmut Schmidt und internationale Ereignisse (2016 – 2019)
- 10. November 2016: Der Flughafen erhält offiziell den Namenszusatz „Hamburg Airport Helmut Schmidt“. Damit ehrt Hamburg den früheren Bundeskanzler, der in der Stadt geboren wurde, lange in der Nähe des Flughafens lebte und dem Airport eng verbunden war. Im Terminal 2 wird eine Ausstellung über Helmut und Loki Schmidt eröffnet.
- 7. und 8. Juli 2017: Während des G20-Gipfels in Hamburg werden am Flughafen mehr als 100 Regierungs- und Sonderflugzeuge parallel zum regulären Linienverkehr abgefertigt. Das Ereignis zeigt die Leistungsfähigkeit des Flughafens bei außergewöhnlichen Verkehrslagen.
- 29. Oktober 2018: Hamburg Airport begrüßt als zertifizierter A380-Flughafen den ersten planmäßigen Emirates-Flug mit einem Airbus A380. Damit erreicht der reguläre Linienbetrieb mit Großraumflugzeugen eine neue Dimension.
- 2019: Hamburg Airport zählt mehr als 17 Millionen Passagiere und blickt auf ein starkes Jahr vor der Pandemie zurück. Investitionen in Infrastruktur, Umwelt- und Lärmschutz prägen den Betrieb.
Pandemie, Erholung und aktuelle Entwicklung (2020 – 2026)
- März 2020: Die Corona-Pandemie trifft den Luftverkehr hart. Hamburg Airport muss erstmals in seiner Geschichte Kurzarbeit anmelden. Der Flughafen stellt sich kurzfristig auf neue Hygiene- und Sicherheitsanforderungen ein, etwa durch Plexiglaswände, Abstandsmarkierungen und Desinfektionsstellen.
- 2020 bis 2021: Der Luftverkehr bleibt deutlich eingeschränkt. Nach dem starken Jahr 2019 folgt eine Phase mit erheblich reduzierten Passagierzahlen und langsamem Wiederanlauf.
- 2022: Nach fast zwei Jahren Stagnation beginnt sich der Verkehr wieder zu erholen. Die Rückkehr erfolgt jedoch schrittweise und bleibt zunächst unter dem Niveau von 2019.
- 2024: Rund 14,83 Millionen Passagiere nutzen Hamburg Airport. Das entspricht einem Plus von rund neun Prozent gegenüber 2023, aber noch etwa 86 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019.
- 20. Juni 2025: Hamburg Airport erhält den „Best Airport Award 2025“ von ACI Europe in der Kategorie 10 bis 25 Millionen Passagiere. Gewürdigt werden unter anderem Passagierkomfort, Digitalisierung und Klimaschutz.
- 2025: Der Flughafen zählt erneut rund 14,8 Millionen Passagiere und hält damit etwa das Niveau des Vorjahres. Die Erholung gegenüber der Pandemie ist stabil, bleibt aber weiterhin unter dem Rekordniveau von 2019.
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