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FLUGPLATZ BRANDIS-WALDPOLENZ
Der ehemalige Flugplatz Brandis-Waldpolenz erzählt ein großes Stück deutscher Luftfahrtgeschichte. In den 1930er-Jahren baute die Luftwaffe hier einen militärischen Fliegerhorst auf und nutzte ihn zunächst für Ausbildung und Blindflugschulung. Im Zweiten Weltkrieg rückten Erprobungen, Einsatzverbände und besondere Flugzeugprojekte in den Mittelpunkt. Nach 1945 übernahmen sowjetische Streitkräfte den Platz und prägten ihn jahrzehntelang mit Jagdflugzeugen, Hubschraubern und Schlachtflugzeugen. Nach ihrem Abzug lief der Flugbetrieb noch einige Jahre zivil weiter. Heute erinnert Brandis-Waldpolenz an eine wechselvolle Vergangenheit, während große Teile des Geländes längst zur Energieerzeugung dienen.
Am Alten Flugplatz 1
D-04821 Brandis
IATA: xxx
ICAO: xxxx
RUNWAY:
08/26 (2200x60m) Beton
GESCHICHTE
Aufbau als Luftwaffen-Fliegerhorst (1934 – 1936)
- 1934 begann der Bau des Flugplatzes Brandis-Waldpolenz in einem Waldgebiet östlich von Brandis. Der Platz wurde als militärischer Fliegerhorst angelegt und war von Beginn an nicht als ziviler Verkehrsflugplatz gedacht. Die Anlage erhielt Flugzeughallen, Werkstattbereiche, Unterkünfte, technische Gebäude, eine Flugleitung und einen eigenen Gleisanschluss an die Bahnstrecke Beucha–Trebsen. Damit war Brandis-Waldpolenz von Anfang an als vollwertiger militärischer Standort geplant, der Ausbildung, Wartung, Versorgung und Flugbetrieb miteinander verbinden konnte.
- 1935 wurde der Flugplatz in Betrieb genommen. In den Quellen wird die offizielle Nutzung ab Herbst 1935 genannt, teilweise auch der 1. Oktober 1935. Brandis wurde zunächst eng mit der Blindflugausbildung verbunden. Die Aufgabe war, Piloten für den Instrumentenflug auszubilden, also für das Fliegen ohne direkte Sicht nach außen. Genau das machte den Platz in der damaligen Luftwaffenstruktur wichtig, denn der Blindflug wurde für Nachtflug, schlechtes Wetter und militärische Einsatzfähigkeit immer bedeutender.
- 1936 war der Aufbau im Wesentlichen abgeschlossen. Der Fliegerhorst Brandis war nun ein fester Bestandteil der Luftwaffen-Infrastruktur im Raum Leipzig. Der Standort lag günstig genug, um an das Verkehrsnetz angebunden zu sein, aber abgelegen genug, um militärisch abgeschirmt betrieben zu werden.
Blindflugschule und Ausbildungsbetrieb (1935 – 1940)
- Oktober 1935 zog der erste dokumentierte Fluglehrgang nach Brandis ein. Der Platz wurde damit vor allem als Ausbildungsstandort genutzt. Die fliegerische Bedeutung lag nicht im Linienverkehr oder in einer öffentlichen Nutzung, sondern in der Ausbildung militärischer Piloten. Brandis war ein Ort, an dem Flugschüler und Besatzungen lernen sollten, Flugzeuge unter schwierigen Sichtbedingungen sicher zu führen.
- Ende 1936 wurde der Standort als Blindflugschule Brandis geführt. In dieser Phase wuchs der Fliegerhorst zu einem spezialisierten Schulstandort heran. Neben dem eigentlichen Flugbetrieb gehörten dazu technische Dienste, Wartung, Schulungsbetrieb, Unterkunftsbereiche und die für einen militärischen Flugplatz typische Kommandostruktur.
- Januar 1940 wurde die Schule als Blindflugschule 1 geführt. Damit wurde die Funktion des Platzes noch deutlicher: Brandis war nicht irgendein Ausweichplatz, sondern ein zentraler Standort für die Ausbildung im Instrumentenflug. Gleichzeitig blieb der Flugplatz in das größere Netz der Luftwaffe eingebunden und wurde je nach Lage auch von anderen Einheiten genutzt.
Frühe Kriegsjahre und wechselnde Einheiten (1939 – 1943)
- August 1939 lag der Stab und die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 3 zeitweise in Brandis. Diese Stationierung fiel unmittelbar in die Zeit vor und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Geflogen wurden Messerschmitt Bf 109E. Die Stationierung war nur kurz, zeigt aber, dass Brandis schon früh nicht nur ein Schulflugplatz war, sondern bei Bedarf auch von Einsatzverbänden genutzt wurde.
- Oktober 1939 wurde in Brandis auch die Wettererkundungsstaffel 1 geführt. Wettererkundung war für die Luftwaffe von hoher Bedeutung, weil Einsatzplanung, Navigation und Flugwege stark von Wetterdaten abhingen. Diese Nutzung passte zur Rolle des Platzes als spezialisierter Standort mit fliegerischer Ausbildung und technischer Infrastruktur.
- 1941 taucht Brandis in Verbindung mit Transportfliegern auf. Von November bis Dezember 1941 wird eine Transportstaffel des II. Fliegerkorps genannt. Auch diese Stationierung war zeitlich begrenzt. Sie zeigt jedoch, dass Brandis flexibel genutzt wurde und während des Krieges immer wieder unterschiedliche Einheiten aufnahm.
- 1943 änderte sich die Bedeutung des Platzes deutlich. Die Luftkriegslage verschärfte sich, und Brandis wurde zunehmend in operative Aufgaben, Erprobung und Sonderprojekte einbezogen. Im Oktober 1943 wurde die bisherige Blindflugschule in Flugzeugführerschule B 31 umbenannt. Gleichzeitig nahm die Nutzung durch Nachtjagd- und Kampfverbände zu.
Erprobung, Junkers-Nutzung und Sonderprojekte (1930er – 1945)
- Ab den späten 1930er-Jahren wurde Brandis-Waldpolenz auch von den Junkers-Werken aus Dessau als Erprobungsplatz genutzt. Der Standort eignete sich wegen seiner militärischen Abschirmung, der vorhandenen Infrastruktur und der Nähe zu wichtigen Luftfahrtbetrieben. Besonders bekannt ist die Erprobung des ungewöhnlichen Experimentalflugzeugs Sack AS-6, das wegen seiner runden Tragflächenform bis heute zu den auffälligsten deutschen Versuchsflugzeugen der Kriegszeit zählt.
- Während des Krieges wurde Brandis auch mit weiteren Erprobungen und Projekten verbunden. Genannt werden unter anderem die Junkers Ju 287, die Henschel Hs 130 sowie Planungen und Teile im Zusammenhang mit Horten-Flugprojekten. Bei solchen Angaben ist wichtig: Nicht jedes Projekt erreichte den gleichen Entwicklungsstand, und nicht alles, was mit Brandis verbunden wird, führte dort zu einem regulären Einsatzbetrieb. Sicher ist aber, dass Brandis als Erprobungs- und Sonderstandort eine deutlich größere Rolle spielte als ein gewöhnlicher Schulflugplatz.
Ausbau für Kriegsbetrieb und Raketenjäger (1943 – 1945)
- November 1943 begann die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 1 in Brandis mit der Umrüstung auf die Heinkel He 177. Dieser schwere Bomber stellte hohe Anforderungen an Wartung, Betrieb und Infrastruktur. Damit bekam Brandis eine weitere militärische Funktion, die über Schulung und Erprobung hinausging.
- 1944 wurde eine befestigte Start- und Landebahn gebaut. Die Bahn wird für diese Zeit mit 1.800 Metern Länge und 80 Metern Breite angegeben. Dazu kamen befestigte Rollwege und weitere technische Infrastruktur. Diese Ausbaustufe war wichtig, weil Brandis nun auch für leistungsfähigere und schwerere Flugzeuge besser nutzbar wurde.
- 1944 wurde Brandis außerdem mit dem Raketenjäger Messerschmitt Me 163 Komet verbunden. Geplant waren unter anderem weitere Ausbauarbeiten und eine Endmontagehalle für die Me 163. Nicht alle Vorhaben wurden bis Kriegsende abgeschlossen. Trotzdem gehörte Brandis zu den wenigen Plätzen, an denen Me-163-Einheiten tatsächlich stationiert waren. Ab Sommer 1944 wurden Teile des Jagdgeschwaders 400 in Brandis geführt.
- August 1944 bis April 1945 lag die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 400 in Brandis. Sie flog die Messerschmitt Me 163. Zusätzlich waren zeitweise weitere Verbände des JG 400 sowie das Erprobungskommando 16 mit dem Platz verbunden. Damit wurde Brandis in der Endphase des Krieges zu einem Standort für eines der ungewöhnlichsten und technisch radikalsten deutschen Flugzeugprogramme.
Bombardierungen, Räumung und Kriegsende (1944 – 1945)
- 28. Mai 1944 wurde Brandis von amerikanischen B-17-Bombern angegriffen. Dabei wurde mindestens eine Halle zerstört, zudem gab es Tote und Verwundete bei der Flugzeugführerschule B 31. Der Angriff zeigt, dass Brandis inzwischen von den Alliierten als militärisch relevanter Flugplatz erkannt und bekämpft wurde.
- 1944 und 1945 wurde der Platz mehrfach Ziel alliierter Angriffe. Gleichzeitig liefen auf dem Flugplatz weiterhin Ausbau- und Anpassungsarbeiten. Diese Gleichzeitigkeit ist typisch für die späte Kriegsphase: Während die Infrastruktur beschädigt wurde, versuchte man, sie für neue Flugzeugtypen und Einsatzaufgaben weiter nutzbar zu halten.
- Anfang April 1945 begann die deutsche Seite mit der Räumung des Fliegerhorstes. Zurückgelassene Flugzeuge und technische Anlagen wurden teilweise zerstört oder unbrauchbar gemacht. Ziel war, den heranrückenden amerikanischen Truppen möglichst wenig nutzbares Material zu überlassen.
- 16./17. April 1945 wurde Brandis von amerikanischen Truppen erreicht und nach kurzem Kampf eingenommen. In einigen Darstellungen wird der 16. April, in anderen der 17. April genannt. Für die Chronologie ist entscheidend: Mitte April 1945 endete die deutsche Nutzung des Fliegerhorstes Brandis-Waldpolenz.
Übergang zur sowjetischen Nutzung (1945 – 1954)
- 2. Juli 1945 wurde der Flugplatz von den amerikanischen an die sowjetischen Streitkräfte übergeben. Damit begann die längste militärische Phase des Standortes. Aus dem deutschen Fliegerhorst wurde ein sowjetisch genutzter Militärflugplatz, der später als „Aerodrom Brandis“ bekannt war.
- 1945 bis 1947 wurden beschädigte Gebäude entweder wiederaufgebaut oder abgetragen. Die sowjetische Seite übernahm nicht einfach einen vollständig intakten Flugplatz, sondern einen durch Krieg, Bombardierungen und deutsche Sprengungen stark mitgenommenen Standort. Schritt für Schritt wurde die Anlage wieder nutzbar gemacht.
- 1948 bis 1949 werden erste sowjetische Jagdfliegereinheiten genannt, darunter ein Garderegiment mit Jak-3 und Jak-9. Die frühe Nachkriegsphase war von Kolbenmotorflugzeugen geprägt. Brandis wurde damit wieder ein aktiver militärischer Flugplatz, nun aber unter völlig anderer politischer und militärischer Kontrolle.
- 1949 bis 1951 folgte ein weiteres Jagdfliegerregiment mit Jak-9. In dieser Zeit lag Brandis fest im sowjetischen Stationierungssystem in der DDR. Die Nutzung blieb nach außen weitgehend abgeschirmt, wie es für sowjetische Militärflugplätze in Ostdeutschland typisch war.
- 1952 bis 1953 wird ein Gardetransportfliegerregiment mit Li-2 genannt. Damit war Brandis zeitweise auch mit Transportfliegerei verbunden. Die Li-2 war die sowjetische Variante der Douglas DC-3/C-47-Familie und wurde militärisch vielseitig eingesetzt.
- 1953 bis 1954 werden Schlachtflieger mit Il-10 genannt. Diese Phase markiert den Übergang von den unmittelbaren Nachkriegsjahren hin zur stärker strukturierten sowjetischen Luftstreitkräfte-Präsenz des Kalten Krieges.
Jet-Zeitalter und Reserveplatz (1954 – 1961)
- 1954 wurden in Brandis erstmals MiG-15-Strahljäger stationiert. Damit erreichte das Jet-Zeitalter den Platz. Die MiG-15 war eines der wichtigsten sowjetischen Kampfflugzeuge der frühen Nachkriegszeit und stand für den technischen Sprung von Kolbenmotorflugzeugen zu Strahlflugzeugen.
- 1955 bis 1961 wurde Brandis überwiegend als Reserveflugplatz genutzt. Das bedeutet nicht, dass der Standort bedeutungslos war. Ein Reserveplatz musste einsatzfähig bleiben, Infrastruktur vorhalten und bei Bedarf kurzfristig wieder intensiver genutzt werden können. In der Logik des Kalten Krieges waren solche Plätze wichtig, weil sie Ausweich- und Verlegeoptionen boten.
Ausbau der sowjetischen Infrastruktur (1960 – 1970er)
- Ab etwa 1960 wurde die Infrastruktur des Flugplatzes kontinuierlich ausgebaut. Die Start- und Landebahn wurde verlängert, neue Rollwege wurden angelegt, und die Vorstartbereiche wurden verbessert. Aus der früheren 1.800-Meter-Bahn entwickelte sich eine längere Betonbahn, die später mit 2.200 Metern Länge und 30 Metern Breite angegeben wird.
- 1962 begann eine neue, prägende Phase: Das 239. selbständige Gardehubschrauberregiment wurde nach Brandis verlegt. Geflogen wurden unter anderem Mi-4, Mi-6, Mi-8 und Mi-10. Damit wandelte sich Brandis stark zu einem Hubschrauberstandort. Der Platz war nun nicht mehr nur mit Jagd- oder Schlachtfliegern verbunden, sondern wurde zu einem bedeutenden sowjetischen Hubschrauberflugplatz in der DDR.
- 1969 kamen weitere Hubschraubereinheiten hinzu, darunter Einheiten mit Mi-2 und Mi-8, später auch mit Mi-9 und Mi-24. Diese Nutzung passt zur militärischen Entwicklung der sowjetischen Streitkräfte in der DDR, bei der Hubschrauber für Transport, Führung, Feuerunterstützung und Gefechtsfeldbeweglichkeit immer wichtiger wurden.
- In den 1970er-Jahren wurden zusätzliche Wartungs- und Wohngebäude errichtet. Dazu gehörte eine neue Wartungshalle für Hubschrauber sowie weitere Unterkünfte für Militärangehörige. Brandis-Waldpolenz war damit nicht nur ein Flugfeld, sondern ein eigener militärischer Standort mit Garnisonscharakter.
Kampfhubschrauber und Armeefliegerkräfte (1977 – 1985)
- 1977 verließ das 239. selbständige Gardehubschrauberregiment den Standort in Richtung Oranienburg. Damit endete eine wichtige Hubschrauberphase, aber Brandis blieb weiterhin militärisch stark genutzt.
- 1977 bis 1985 lag das 225. selbständige Kampfhubschrauberregiment in Brandis. Geflogen wurden vor allem Mi-8 und Mi-24. Die Mi-24 machte den Standort besonders markant, weil sie als schwer bewaffneter Kampfhubschrauber für Feuerunterstützung und Truppentransport ausgelegt war. Brandis wurde damit zu einem Platz, der direkt mit den sowjetischen Armeefliegerkräften und deren Gefechtsfeldrolle verbunden war.
Schlachtflieger, Drohnen und letzte sowjetische Ausbauphase (1985 – 1989)
- 1985 begann eine weitere große Veränderung. Das 357. selbständige Schlachtfliegerregiment wurde nach Brandis verlegt. Geflogen wurden Suchoi Su-25 und L-39. Die Su-25 war ein robustes Erdkampfflugzeug, das für direkte Unterstützung von Bodentruppen entwickelt wurde. Damit erhielt Brandis wieder eine starke Starrflügler-Komponente.
- 1985 bis 1986 wurde die Infrastruktur erneut angepasst. Die Vorstartlinie wurde erneuert, und offene Splitterschutzbauten für Flugzeuge wurden angelegt. Diese Maßnahmen passten zur Stationierung der Su-25, denn Schlachtflugzeuge mussten geschützt, schnell einsatzbereit und in größeren Stückzahlen auf dem Platz untergebracht werden können.
- 1985 bis 1989 war außerdem die 269. selbständige Staffel unbemannter Aufklärungsflugzeuge mit WR-3-Aufklärungsdrohnen mit Brandis verbunden. Diese Nutzung zeigt, dass der Standort in den letzten Jahren des Kalten Krieges nicht nur klassische Flugzeuge und Hubschrauber aufnahm, sondern auch unbemannte Aufklärungssysteme. 1989 wurde diese Einheit nach Dresden-Hellerau verlegt.
- 1989 wurde das 485. selbständige Hubschrauberregiment auf dem Flugplatz neu formiert. Es setzte Mi-8, Mi-9 und Mi-24 ein. Brandis war damit kurz vor dem Ende der DDR ein hoch verdichteter sowjetischer Flugplatz mit Schlachtflugzeugen, Hubschraubern und zuvor auch Drohnentechnik.
Wiedervereinigung und Abzug der Russen (1990 – 1992)
- 1990 bis 1992 veränderte die deutsche Wiedervereinigung die Lage grundlegend. Die sowjetischen, später russischen Streitkräfte bereiteten den Abzug vor. Für Brandis bedeutete das das Ende der aktiven militärischen Nutzung nach fast sechs Jahrzehnten.
- 23. März 1992 begann die Rückverlegung der ersten L-39 des 357. Schlachtfliegerregiments. Im April 1992 folgte die Abgabe beziehungsweise Rückverlegung der Su-25. Die letzten Su-25 des Verbandes verließen Brandis Ende April 1992.
- 29. Mai 1992 fanden die letzten Flüge der Mi-8 und Mi-24 des 485. selbständigen Hubschrauberregiments statt. Damit endete der reguläre Flugbetrieb der sowjetisch-russischen Kampf- und Hubschraubereinheiten in Brandis.
- 30. Juli 1992 verließen die letzten russischen Soldaten den Flugplatz. Damit endete die 58-jährige militärische Geschichte des Standortes, gerechnet vom Beginn der deutschen Fliegerhorstphase 1934 bis zum Abzug 1992.
- August 1992 fanden noch letzte Materialtransporte mit An-12 und Il-76 statt. Danach wurde das Gelände an die deutschen Behörden übergeben. Brandis-Waldpolenz war nun kein sowjetischer Militärflugplatz mehr, sondern eine große Militärbrache mit erheblicher Infrastruktur, aber ohne klare dauerhafte Zukunft.
Zivile Nachnutzung als VFR-Flugplatz (1994 – 2005)
- 1994 wurde das Gelände an einen privaten Betreiber verpachtet. Der ehemalige Militärflugplatz wurde nun zivil genutzt und war für Sichtflug, also VFR-Betrieb, geöffnet. Es gab Pläne für Flugschule, Rundflüge und weitere zivile Luftfahrtaktivitäten. Auch ein Anbieter für Lufttaxi- und Hubschrauberrundflüge nutzte den Standort.
- 1994 bis 2005 blieb Brandis-Waldpolenz als ziviler Flugplatz nutzbar. Diese Phase war jedoch nicht stabil genug, um den Standort dauerhaft als Flugplatz zu sichern. Lärmfragen, wirtschaftliche Schwierigkeiten und kommunale Interessen erschwerten den Betrieb. Obwohl die vorhandene Infrastruktur grundsätzlich für eine weitere fliegerische Nutzung geeignet gewesen wäre, fehlte am Ende die tragfähige Perspektive.
- 30. Oktober 2005 wurde der Flugplatz geschlossen. Damit endete auch die zivile fliegerische Nutzung. Aus dem früheren Fliegerhorst, sowjetischen Militärflugplatz und späteren VFR-Platz wurde endgültig ein Konversionsgelände.
Umbau zum Solar- und Energiepark (2007 – 2013)
- 2007 begann auf großen Teilen des ehemaligen Flugplatzgeländes der Bau des Solarparks Waldpolenz. Die Nutzung des Areals änderte sich damit grundlegend. Wo früher Startbahn, Rollwege, Vorfelder und militärische Anlagen das Bild bestimmten, entstanden nun große Flächen mit Photovoltaikmodulen.
- 2008 wurde ein erster großer Bauabschnitt der Solaranlage in Betrieb genommen. Das Projekt gehörte damals zu den größten Photovoltaikvorhaben weltweit und machte den ehemaligen Militärflugplatz zu einem Symbol für Konversion: Aus einem Ort des Militärs wurde ein Standort für Energieerzeugung.
- 2009 erreichte der Solarpark seine damalige volle Ausbaustufe. Die Anlage wurde als Deutschlands größte Photovoltaikanlage und als eine der größten weltweit beschrieben. Große Teile der früheren Flugplatzflächen waren nun nicht mehr fliegerisch, sondern energiewirtschaftlich genutzt.
- 2011 wurde der Solarpark erweitert. Damit festigte sich die neue Rolle des Geländes endgültig. Brandis-Waldpolenz war nun nicht mehr als Flugplatz geprägt, sondern als Energiefläche auf einem historischen Militärstandort.
- 2012 bis 2013 wurde zusätzlich eine Biogasanlage geplant und realisiert. Im September 2013 ging diese Anlage in Betrieb. Damit entwickelte sich das Areal weiter zu einem Energiepark mit mehreren Nutzungsformen.
Rückbau, Reste und heutiger Zustand (2014 – HEUTE)
- 2014 begannen weitere Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Militärgelände. Viele Gebäude aus deutscher und sowjetischer Zeit waren bereits stark verfallen oder standen einer neuen Nutzung im Weg. Gleichzeitig gab es immer wieder Interesse daran, wenigstens Teile der historischen Substanz zu erhalten.
- 2015 bis 2020 verschwand ein großer Teil der früheren militärischen Bebauung. Brandis-Waldpolenz wurde dadurch immer weniger als vollständiger Flugplatz erkennbar. Was blieb, waren einzelne Gebäude, Reste von Infrastruktur, Spuren der Start- und Rollflächen und die Erinnerung an einen der markanten Militärflugplätze im Raum Leipzig.
- 2021 waren noch mehrere Gebäude vorhanden, darunter sowjetische Wohnbauten, Garagen, ein Tower, Kasernenbereiche und weitere Funktionsgebäude. Der Zustand war jedoch stark unterschiedlich. Einige Bereiche waren bereits abgerissen, andere standen noch als Relikte der Militärgeschichte auf dem Gelände.
- Heute ist Brandis-Waldpolenz vor allem ein ehemaliger Flugplatzstandort mit Energiepark-Nutzung und Resten militärischer Vergangenheit. Die lange Startbahn, die frühere sowjetische Infrastruktur und viele Gebäude sind nur noch teilweise nachvollziehbar. Trotzdem bleibt der Ort historisch bedeutend: Er verbindet Luftwaffen-Aufrüstung der 1930er-Jahre, Kriegsendphase, sowjetische Präsenz im Kalten Krieg, zivile Nachnutzung und moderne Energiekonversion auf einem einzigen Gelände.



