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HANNOVER
Hannover Airport
Der Flughafen Hannover ist ein Standort mit einer erstaunlich vielschichtigen Geschichte. Seine Wurzeln reichen zurück bis in die Pionierzeit der Motorfliegerei, als Karl Jatho auf der Vahrenwalder Heide frühe Flugversuche unternahm. Aus diesen Anfängen entwickelte sich über den alten Flughafen Hannover-Vahrenwald, den militärischen Fliegerhorst Evershorst und den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg der heutige Hannover Airport in Langenhagen.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1952 hat sich der Flughafen zu einem der wichtigsten Verkehrsflughäfen Norddeutschlands entwickelt. Hannover war Messeflughafen, Berlin-Verkehrsknoten, Ferienflug-Drehkreuz, ILA-Standort und zeitweise auch Ausgangspunkt ambitionierter Langstreckenpläne. Die markanten Terminalbauten, die lange Nordbahn, die S-Bahn-Anbindung und die laufenden Modernisierungen zeigen, wie stark sich der Airport immer wieder an neue Anforderungen angepasst hat.
Heute verbindet der Flughafen Hannover die niedersächsische Landeshauptstadt mit zahlreichen Zielen in Europa und darüber hinaus. Gleichzeitig erzählt sein Gelände von mehr als hundert Jahren Luftfahrtgeschichte, von frühen Flugexperimenten über militärische Nutzung bis hin zum modernen internationalen Verkehrsflughafen.
D-30855 Langenhagen
Flughafenstraße 4
IATA: HAJ
ICAO: EDDV
RUNWAYS:
09R/27L (2340x45m) B
09C/27C (780x23m) A
09L/27R (3200x45m) B
GESCHICHTE
Die ersten Flugversuche auf der Vahrenwalder Heide (1903 – 1907)
- 18. August 1903 gelang dem hannoverschen Luftfahrtpionier Karl Jatho auf der Vahrenwalder Heide einer der frühesten motorisierten Flugversuche überhaupt. Noch vor dem weltbekannten Flug der Gebrüder Wright in den USA hob Jatho mit seinem Flugapparat kurz vom Boden ab. Auch wenn die historische Bewertung dieser Versuche bis heute unterschiedlich ausfällt, gehört Karl Jatho fest zur hannoverschen Luftfahrtgeschichte. Der heutige Hannover Airport erinnert unter anderem mit dem Karl-Jatho-Terminal an diese frühe Pionierzeit.
- 31. Juli 1907 erhielt Karl Jatho die Genehmigung, auf der Vahrenwalder Heide eine Fahrbahn für seine Flugapparate anzulegen. Damit entstand auf dem Gelände eine frühe technische Grundlage für weitere Flugversuche. Die Vahrenwalder Heide wurde dadurch zu einem wichtigen Ort der hannoverschen Luftfahrtanfänge und entwickelte sich später zu einem militärisch und zivil genutzten Fluggelände.
Militärische und zivile Nutzung des alten Flugplatzes Hannover-Vahrenwald (1910er – 1928)
- 1910er Jahre begann das kaiserliche Heer, das Gelände auf der Vahrenwalder Heide stärker militärisch zu nutzen. Es entstanden eine Fliegerstation und eine Fliegerkaserne. Die Rasenfläche diente sowohl Flugzeugen als auch Luftschiffen als Start- und Landeplatz. Gleichzeitig konnten auch zivile Flugzeuge den Platz nutzen, wodurch Hannover bereits vor dem Ersten Weltkrieg Anschluss an die frühe Luftfahrtentwicklung erhielt.
- 1919 wurde nach dem Ersten Weltkrieg die zivile Nutzung des militärisch eingestuften Flugplatzes Vahrenwald zunächst untersagt. In dieser Übergangszeit gewann der Werksflugplatz der Hannoverschen Waggonfabrik, kurz HAWA, in Linden an Bedeutung. Das Reichsluftfahrtamt genehmigte diesen HAWA-Werksflugplatz im November 1919 als zivilen Flughafen für Hannover. Von dort aus wurden unter anderem regelmäßige Verbindungen der Deutschen Luft-Reederei aufgenommen.
- 1923 wurde der Flugplatz Vahrenwald wieder von zivilen Maschinen angeflogen. Eine wichtige Rolle spielte die internationale Verbindung Berlin – Hannover – Rotterdam – London, die von Deutscher Aero Lloyd angeboten wurde. Damit rückte Hannover in das entstehende europäische Linienflugnetz ein und wurde nicht nur regional, sondern auch international angebunden.
- 1927 übernahm die Stadt Hannover das Gelände von der Reichswehr und baute den Flughafen Hannover-Vahrenwald zum offiziellen hannoverschen Flughafen aus. Der alte Flughafen lag damals noch im Stadtgebiet und war für die damaligen Flugzeuggrößen ausreichend, geriet aber mit dem technischen Fortschritt und dem wachsenden Verkehrsbedarf zunehmend an seine Grenzen.
- 1928 löste Hannover-Vahrenwald den HAWA-Flugplatz in Linden endgültig als offiziellen hannoverschen Flughafen ab. Der Lindener Flugplatz wurde 1930 geschlossen. Damit konzentrierte sich die zivile Luftfahrt Hannovers zunächst auf Vahrenwald, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg klar wurde, dass dieses Gelände für einen modernen Verkehrsflughafen nicht mehr geeignet war.
Der Fliegerhorst Evershorst als Vorläufer des heutigen Flughafens (1936 – 1945)
- 1936 errichtete die Luftwaffe westlich von Langenhagen und nördlich von Godshorn einen Militärflugplatz. Dieser Platz wurde auch als Fliegerhorst Evershorst bezeichnet und lag auf dem Gelände, aus dem später der heutige Flughafen Hannover-Langenhagen hervorging. Gestartet und gelandet wurde zunächst auf Grasflächen.
- Bis 1942 waren auf dem Fliegerhorst Bomberverbände stationiert. Zusätzlich wurde der Platz für Erprobungen verschiedener Flugzeugmuster genutzt, unter anderem durch den Hersteller Focke-Wulf. Damit war das Gelände in Langenhagen während des Zweiten Weltkriegs in erster Linie ein militärischer Standort und noch kein ziviler Verkehrsflughafen.
- 1945 endete die militärische Nutzung durch die deutsche Luftwaffe. Nach dem Krieg wurde das Gelände zeitweise von kanadischen Truppen genutzt. Der alte Flughafen Hannover-Vahrenwald war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden und wurde nach Kriegsende nicht wieder als Verkehrsflughafen in Betrieb genommen. Damit entstand die Notwendigkeit, für Hannover einen neuen leistungsfähigen Flughafenstandort zu entwickeln.
Neubeginn nach dem Krieg und Entscheidung für Langenhagen (1947 – 1951)
- 1947 begann die Hannover-Messe, sich als wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt zu etablieren. Mit der wachsenden Bedeutung der Messe wurde ein moderner Flughafen immer wichtiger, denn internationale Aussteller, Geschäftsreisende und Besucher sollten Hannover zuverlässig erreichen können. Der alte Flughafen Vahrenwald bot für eine Erweiterung nicht mehr genügend Platz.
- 1948/1949 zeigte die Berlin-Blockade, wie wichtig leistungsfähige Flugplätze in Westdeutschland waren. Hannover lag strategisch günstig in der Nähe der Luftkorridore nach Berlin. Diese Lage machte den Standort für den Nachkriegsflugverkehr besonders interessant und verstärkte den politischen und wirtschaftlichen Wunsch nach einem neuen Flughafen.
- 1950 begannen die Vorarbeiten für einen Generalausbauplan zur zivilen Nutzung des ehemaligen Fliegerhorstes Evershorst. Verschiedene Alternativen waren zuvor geprüft worden, darunter ein Ausbau des Flugplatzes Braunschweig-Waggum oder ein Neubau bei Sievershausen nahe Lehrte. Schließlich fiel die Entscheidung auf das Gelände bei Langenhagen.
- Juli 1951 wurde die Flughafen-Baugesellschaft gegründet. Nachdem die alliierte zivile Luftfahrtbehörde die Lizenz für den Bau eines Flughafens bei Hannover erteilt hatte, konnte das Projekt konkret umgesetzt werden. Der neue Flughafen sollte den zerstörten und nicht mehr zeitgemäßen Stadtflughafen Vahrenwald ersetzen.
- 28. November 1951 begann der Bau des neuen Flughafens Hannover-Langenhagen. In sehr kurzer Zeit entstand eine 1.680 Meter lange Start- und Landebahn, die später zur heutigen Südbahn 09R/27L ausgebaut wurde. Die schnelle Bauzeit zeigt, welche Bedeutung der neue Flughafen für die Stadt, das Land Niedersachsen und den Berlin-Verkehr hatte.
Eröffnung des zivilen Flughafens Hannover-Langenhagen (1952 – 1955)
- 26. April 1952 wurde der Flughafen Hannover-Langenhagen offiziell eröffnet. British European Airways, SAS Scandinavian Airlines und Pan American World Airways nahmen den Flugbetrieb auf. Die erste Landung war ein Flug aus Berlin mit dem Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter an Bord. Damit begann die zivile Geschichte des heutigen Flughafens Hannover.
- 1952 wurden die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen Gesellschafter der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH. Diese Eigentümerstruktur prägte die weitere Entwicklung des Flughafens über Jahrzehnte. Erst viele Jahre später kamen weitere Anteilseigner hinzu.
- 1953 kam KLM als weitere internationale Fluggesellschaft hinzu. Damit wurde Hannover bereits kurz nach der Eröffnung in ein wachsendes europäisches Streckennetz eingebunden. Für die noch junge Bundesrepublik war dies ein wichtiger Schritt in Richtung internationaler Normalisierung des Luftverkehrs.
- 1954 nahm Air France den Flugbetrieb in Hannover auf. Die Einbindung französischer, britischer, skandinavischer, niederländischer und amerikanischer Gesellschaften zeigte die besondere Rolle Hannovers im Nachkriegsverkehr und im westlichen Luftverkehrssystem.
- 1955 kam Lufthansa hinzu. Damit war Hannover auch wieder an das deutsche Liniennetz der neu aufgebauten Lufthansa angeschlossen. Der Flughafen entwickelte sich nun Schritt für Schritt von einem jungen Nachkriegsflughafen zu einem festen Bestandteil des deutschen Luftverkehrs.
Berlin-Verkehr, Messeverkehr und erste Ferienflüge (1956 – 1965)
- 1956 begannen die ersten Touristikflüge nach Mallorca und an die Costa Brava. Damit wurde Hannover früh Teil des aufkommenden Ferienflugverkehrs, der später zu einem der wichtigsten Standbeine des Flughafens werden sollte. Im selben Jahr setzte Lufthansa auf der Strecke Hamburg – Hannover – Frankfurt die Douglas DC-3 ein.
- 1957 wurden bereits 130 Charterflüge von vier Reiseveranstaltern gezählt. Das zeigt, wie schnell sich neben dem Linienverkehr auch der touristische Flugverkehr entwickelte. Hannover profitierte dabei von seiner Lage, der Messe und dem wachsenden Wohlstand der Nachkriegszeit.
- 1957 fand auf dem Gelände des Flughafens die erste Luftfahrt-Sonderschau als Bestandteil der Hannover-Messe statt. Daraus entwickelte sich später eine eigenständige Luftfahrtausstellung, die über Jahrzehnte ein wichtiges Ereignis für die deutsche und internationale Luftfahrtbranche wurde.
- 1959 wurde die Start- und Landebahn auf 2.340 Meter verlängert. Diese Verlängerung war ein entscheidender Schritt, um größere Flugzeuge und steigende Verkehrsleistungen aufnehmen zu können. Die heutige Südbahn 09R/27L geht auf diese frühe Hauptbahn des Flughafens zurück.
- 1960 wurden nördlich der Hauptbahn zwei Grasbahnen in Betrieb genommen. Im selben Zeitraum entwickelte sich die Luftfahrt-Sonderschau zur Deutschen Luftfahrtschau, die fortan alle zwei Jahre stattfand. Damit wurde Hannover nicht nur Verkehrsflughafen, sondern auch ein bedeutender Veranstaltungsort der Luftfahrtindustrie.
- 1963 entstand eine 780 Meter lange Kurzbahn. Sie ergänzte das Bahnsystem und diente vor allem kleineren Flugzeugen. Der Ausbau des Pistensystems machte deutlich, dass Hannover in den 1960er Jahren auf zunehmende Verkehrsvielfalt und steigende Anforderungen vorbereitet wurde.
- 1965 erreichte der Flughafen Hannover erstmals eine Million Fluggäste. Dieser Meilenstein zeigte, dass sich der Flughafen innerhalb von nur 13 Jahren nach seiner Eröffnung fest im deutschen Luftverkehr etabliert hatte.
Ausbau zum modernen Verkehrsflughafen (1966 – 1973)
- 1966 wurde die parallel zur Südbahn angelegte Nordbahn 09L/27R zusammen mit einem neuen, 45 Meter hohen Tower in Betrieb genommen. Damit erhielt Hannover ein deutlich leistungsfähigeres Bahnsystem. Die neue Nordbahn war ein wichtiger Schritt hin zu mehr Kapazität, mehr Flexibilität und einer besseren betrieblichen Trennung des Verkehrs.
- 1969 wurde die Nordbahn zunächst auf 2.700 Meter verlängert. Diese Maßnahme bereitete den Flughafen auf größere Flugzeugtypen und ein wachsendes Verkehrsaufkommen vor. Hannover rückte damit technisch näher an die Anforderungen des internationalen Luftverkehrs heran.
- 1970 nutzten bereits zwei Millionen Fluggäste den Flughafen. Der Verkehr hatte sich seit Mitte der 1960er Jahre deutlich verstärkt. Linien-, Messe-, Berlin- und Ferienverkehr bildeten zusammen eine stabile Grundlage für die weitere Entwicklung.
- 1971 kam die erste regelmäßige Jumbo-Verbindung nach Hannover. Eine Boeing 747-100 der Condor bediente regelmäßig die Strecke Hannover – Palma de Mallorca. Damit hielt das Großraumflugzeugzeitalter auch in Hannover sichtbar Einzug.
- 22. April 1972 landete anlässlich der Internationalen Luftfahrtausstellung erstmals eine Concorde auf deutschem Boden in Hannover. British Aircraft Corporation stellte den britischen Prototypen vor. Dieser Besuch wurde zu einem der spektakulärsten Ereignisse in der Geschichte des Flughafens und der damaligen Luftfahrtausstellung.
- 1973 wurde der neue Flughafenkomplex mit den Terminals A und B eröffnet. Die beiden Terminals waren durch eine Ladenstraße verbunden und verfügten zusammen über zwölf Fluggastbrücken. Das kompakte architektonische Konzept war so prägend, dass es später als Vorbild für das internationale Terminal Scheremetjewo-2 in Moskau diente.
- 1973 errichtete Hapag-Lloyd Flug ihre operative und technische Basis am Flughafen Hannover. Diese Entscheidung stärkte den Standort langfristig, denn Hannover entwickelte sich dadurch auch als Basis für touristische Fluggesellschaften und Wartungsstrukturen weiter.
Luftfracht, Hapag-Lloyd-Basis und technische Entwicklung (1974 – 1988)
- 1974 nahm Hapag-Lloyd Flug Langstreckencharter ab Hannover auf, unter anderem nach Mombasa und auf die Seychellen. Diese Flüge wurden mit Boeing 727-100 durchgeführt und benötigten wegen der Reichweite noch Tankstopps. Gleichzeitig bediente Pan Am mit Boeing 707 verschiedene Charterketten in die USA.
- 1976 wurde das alte Abfluggebäude nach einem Umbau als Luftfrachtzentrum neu eröffnet. Damit erhielt der Flughafen eine stärkere Grundlage für den Frachtverkehr. Im selben Zeitraum pendelte ein Airbus A300 der Lufthansa zwischen Hannover und Frankfurt, was die Einbindung Hannovers in das innerdeutsche Netz unterstrich.
- 1978 wurde die Deutsche Luftfahrtschau zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung, kurz ILA. Hannover war damit Gastgeber einer immer bedeutender werdenden internationalen Luftfahrtveranstaltung. Bis zu 300 Aussteller aus rund 30 Ländern präsentierten in den folgenden Jahren ihre Entwicklungen aus Luft- und Raumfahrt.
- 1978 wurden im Liniendienst unter anderem Amsterdam, Berlin, Frankfurt, Kopenhagen, London-Heathrow, München und Paris-Charles de Gaulle angeflogen. Damit zeigte sich Hannover als breit angebundener Verkehrsflughafen mit wichtigen europäischen und innerdeutschen Verbindungen.
- 1981 wurde der Ausbau der Hapag-Lloyd-Basis abgeschlossen. Dazu gehörten zwei Großflugzeughallen und ein Verwaltungshochhaus. Im selben Jahr nahm die MTU Maintenance GmbH ihren Betrieb auf. Dadurch gewann der Flughafen auch als technischer Luftfahrtstandort erheblich an Bedeutung.
- 1980er Jahre kehrten mehrere Fluggesellschaften nach Hannover zurück, die zwischenzeitlich Verbindungen eingestellt hatten. Dazu gehörten unter anderem Pan Am, SAS, Air France und KLM. Der Flughafen behauptete sich damit weiterhin als wichtiger Standort im Linien- und Charterverkehr.
- Februar 1988 wurde das nach Um- und Neubau modernisierte Luftfrachtzentrum wieder eröffnet. Damit stärkte Hannover seine Rolle im Frachtbereich weiter. Die Kombination aus Passagier-, Ferien-, Messe- und Frachtverkehr machte den Flughafen zunehmend vielseitig.
Interkontinentalträume, ILA-Abschied und neue Nordbahnkapazität (1990 – 1998)
- März 1990 begann Hapag-Lloyd Flug mit Airbus A310-300 Interkontinentalflüge ab Hannover. Ziele waren unter anderem New York, Miami, Toronto, Puerto Plata und Punta Cana. Auch andere Gesellschaften boten in dieser Phase Langstreckenverbindungen an. Viele dieser Angebote wurden jedoch nach relativ kurzer Zeit wieder eingestellt, weil die Nachfrage dauerhaft nicht ausreichte.
- 1990 landete zur ILA in Hannover die Tupolew Tu-155, das erste Wasserstoff-Flugzeug der Welt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Luftfahrtausstellung auf dem wachsenden Verkehrsflughafen zunehmend an räumliche Grenzen stieß. Der reguläre Flugbetrieb durfte nicht gestört werden, während die Ausstellungsflächen immer knapper wurden.
- 16. November 1990 wurde die auf 3.800 Meter verlängerte Nordbahn für den uneingeschränkten Interkontinentalverkehr freigegeben. Diese Verlängerung war ein zentraler Infrastrukturmeilenstein, denn sie machte Hannover grundsätzlich für Langstreckenoperationen mit großen Flugzeugen geeignet.
- 1991 erhielt Hannover-Langenhagen als erster deutscher Flughafen einen Anschluss an das ISDN-Netz der Deutschen Bundespost. Das zeigt, dass der Flughafen nicht nur baulich, sondern auch technisch modernisiert wurde und früh auf leistungsfähigere Kommunikationsstrukturen setzte.
- 1992 zog die ILA nach Berlin-Schönefeld um. Hannover hatte die Ausstellung von 1957 bis 1990 geprägt, doch die wachsenden Anforderungen der Messe und des Flugbetriebs ließen sich am Standort nicht mehr dauerhaft miteinander verbinden. Damit endete eine besonders markante Phase der hannoverschen Flughafengeschichte.
- 1994 wurden erste Langstreckenverbindungen in die GUS-Staaten aufgenommen. Kazakhstan Airlines, Kyrghyzstan Airlines und Aeroflot bedienten Ziele wie Almaty, Astana, Bischkek, Nowosibirsk und Omsk. Diese Verbindungen spiegelten die Neuordnung des Luftverkehrs nach dem Ende der Sowjetunion wider.
- 1995 eröffnete Condor ein Langstreckendrehkreuz in Hannover. Von dort wurden Ziele wie Bridgetown, Cancun, Colombo, Phuket, Malé, Mauritius, Mombasa, Puerto Plata, Punta Cana und Sharjah angeboten. Ein großer Teil dieser Flüge wurde jedoch nach rund zwei Jahren wieder eingestellt.
- 1997 startete LTU Nonstop-Flüge nach Abu Dhabi, Colombo und Malé. Auch diese Verbindungen blieben nur kurz im Programm. Die 1990er Jahre waren für Hannover damit eine Phase intensiver Langstreckenversuche, aber auch eine Phase der Korrektur, weil sich nicht alle Strecken wirtschaftlich tragen ließen.
- 1998 wurde Terminal C eröffnet. Es entstand im Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen für die Expo 2000, wurde baulich an Terminal B angeschlossen und erhielt acht gläserne Fluggastbrücken. Die Kapazität des Flughafens stieg dadurch auf rund acht Millionen Passagiere pro Jahr.
- 1998 kamen Fraport und die Nord/LB als Anteilseigner hinzu. Die Beteiligung der Stadt Hannover und des Landes Niedersachsen verringerte sich dadurch jeweils um 15 Prozent. Damit veränderte sich auch die Eigentümerstruktur des Flughafens.
Expo 2000, S-Bahn-Anschluss und Airport Plaza (2000 – 2007)
- 2000 erhielt der Flughafen im Zusammenhang mit der Expo 2000 einen eigenen Eisenbahnanschluss unterhalb von Terminal C. Bis dahin bestand nur eine direkte Busverbindung zwischen dem Hauptbahnhof Hannover und dem Flughafen. Die neue S-Bahn-Anbindung machte den Airport deutlich besser erreichbar.
- 2001 übernahm Fraport die Anteile der Nord/LB. Dadurch blieb Fraport als privater Anteilseigner neben Stadt Hannover und Land Niedersachsen am Flughafen beteiligt. Die Eigentümerstruktur entwickelte sich damit weiter in Richtung eines gemischten öffentlichen und privaten Modells.
- 2007 wurde zwischen Terminal A und Terminal B die Airport Plaza eröffnet. In diesem Erweiterungsbau entstanden auf der Abflugebene Geschäfte und Restaurants, während sich auf der Ankunftsebene unter anderem Autovermietungen und weitere Serviceangebote befanden. Damit wurde der öffentliche Bereich des Flughafens deutlich aufgewertet.
Modernisierung von Terminals und Fluggastbrücken (2011 – 2015)
- Bis November 2011 wurden die zwölf Fluggastbrücken der Terminals A und B durch gläserne Versionen ersetzt. Damit wurde das Erscheinungsbild der Terminals modernisiert und an den Standard von Terminal C angeglichen. Der Flughafen setzte damit die optische und funktionale Erneuerung seiner Abfertigungsbereiche fort.
- Oktober 2013 bis Juli 2014 wurde Terminal A für rund acht Millionen Euro umgebaut und modernisiert. Die Abflugebene war während dieser Zeit geschlossen. Ein wichtiger Grund waren neue Sicherheitsanforderungen. Die bis dahin stärker in einzelne Zonen aufgeteilten Wartebereiche wurden neu organisiert, und die Abfertigung wurde zentralisiert.
- 2015 gab es Pläne für ein sogenanntes Iran-Drehkreuz am Flughafen Hannover. TUIfly prüfte im Rahmen eines Wetlease-Modells Verbindungen über Hannover in Richtung Golfregion und mögliche Anschlussverkehre. Diese Planungen wurden öffentlich bekannt, führten aber nicht zu einem dauerhaft prägenden neuen Drehkreuzmodell am Standort.
Vorfeldsanierung, Terminal D und Umbau von Terminal C (2016 – 2020)
- Sommerflugplan 2016 setzte Swiss ihre neue Boeing 777-300ER testweise regelmäßig nach Hannover ein, um Abläufe an Bord und im Betrieb zu prüfen. Solche Einsätze zeigten, dass die Infrastruktur des Flughafens auch für große Langstreckenflugzeuge geeignet war.
- 29. Februar 2016 begann ein großer Sanierungsabschnitt auf dem Vorfeld. Dabei wurden zwischen Terminal A und Fracht A Beton- und Asphaltflächen erneuert, Entwässerung und Leitungen angepasst sowie Markierungen neu hergestellt. Die Sanierung des teils über 60 Jahre alten Vorfelds war auf mehrere Jahre angelegt.
- 2018 wurde Terminal D, das ursprünglich für Flüge des britischen Militärs genutzt worden war, für die reguläre Passagierabfertigung ertüchtigt. Es sollte während der Sanierung von Terminal C zur Entlastung bei Verkehrsspitzen dienen und verfügte über drei Busgates für Schengen- und Non-Schengen-Verkehre.
- Oktober 2018 übernahm iCON Infrastructure die Anteile der Fraport AG am Flughafen Hannover. Damit änderte sich erneut die private Beteiligung am Flughafen. Stadt Hannover und Land Niedersachsen blieben weiterhin zentrale öffentliche Anteilseigner.
- 29. Oktober 2018 bis 25. Juni 2020 wurde Terminal C für einen zweistelligen Millionenbetrag umgebaut und währenddessen vollständig gesperrt. Der Sicherheitsbereich wurde erweitert und durch einen Verbindungsgang mit Terminal B verknüpft. Während der Bauphase wurde Terminal D in den Sommermonaten für die reguläre Abfertigung genutzt.
- 2020 wirkte sich die COVID-19-Pandemie stark auf den Flughafen Hannover aus. Condor zog sich vollständig vom Standort zurück, und auch Eurowings reduzierte die Direktverbindungen deutlich. Besonders der Ferienflugverkehr, der für Hannover traditionell wichtig war, wurde erheblich getroffen.
Erholung, neue Basis und aktuelle Entwicklung (2024 – 2026)
- 2024 eröffnete Eurowings erstmals seit der COVID-19-Pandemie wieder eine Basis am Flughafen Hannover. Zwei Airbus A320-200 wurden am Airport stationiert. Damit erhielt Hannover wieder eine stärkere operative Basis einer großen deutschen Fluggesellschaft.
- 2024 wurde in Terminal B eine der Sicherheitskontrollen erweitert. Außerdem entstand ein Verbindungsgang im Sicherheitsbereich zwischen den Terminals A und B. Dadurch sollten die Abläufe flexibler werden und Passagierströme besser verteilt werden können.
- 2024 endete mit der deutschlandweiten Einstellung des innerdeutschen Nachtluftpostnetzes auch die Funktion Hannovers als Nachtluftpoststandort. Damit verschwand ein historisch wichtiger Teil des deutschen Luftpostsystems aus dem regulären Betrieb.
- 2025 zählte der Flughafen Hannover 5.344.722 Passagiere, 21.870 Tonnen Luftfracht und 65.823 Flugbewegungen. Damit blieb Hannover einer der großen deutschen Verkehrsflughäfen und der wichtigste Flughafen Niedersachsens. Der Airport verfügt heute über mehrere Terminals, ein GAT, eine leistungsfähige Nordbahn, eine Südbahn und eine Kurzbahn.
- 2026 läuft die langfristige Vorfeldsanierung weiter. Die Maßnahmen betreffen große Flächen, die teilweise seit Jahrzehnten genutzt werden. Der Flughafen bleibt damit in einer Phase laufender Modernisierung, bei der ältere Infrastruktur schrittweise erneuert und an heutige Anforderungen angepasst wird.
Geplante Infrastrukturmaßnahmen der kommenden Jahre (2027 – 2033)
- 2027 bis 2033 ist die Sanierung der Nordbahn in zwei Bauabschnitten vorgesehen. Die Nordbahn ist mit ihrer Länge von 3.800 Metern die wichtigste Piste für größere Flugzeuge und den uneingeschränkten Interkontinentalverkehr. Ihre Erneuerung gehört deshalb zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten des Flughafens in den kommenden Jahren.
- Voraussichtlich 2033 sollen anschließend auch wichtige Rollwege grundsaniert werden, darunter die Rollwege K, Kto, G und J. Diese Arbeiten zeigen, dass der Flughafen Hannover nicht nur an seinen Terminals, sondern auch an seiner flugbetrieblichen Grundstruktur langfristig erneuert wird.
















