
FLUGHAFEN STUTTGART-BÖBLINGEN
Der ehemalige Flughafen Böblingen, auch als Flughafen Stuttgart-Böblingen bekannt, war einer der wichtigsten Luftfahrtstandorte in Württemberg. Seine Geschichte begann im Ersten Weltkrieg als Militärflugplatz und führte ab 1925 in die zivile Luftfahrt, als Böblingen zum Landesflughafen für Stuttgart wurde. In den 1920er- und 1930er-Jahren starteten und landeten hier Linienflugzeuge, Luftpostmaschinen und bekannte Luftfahrzeuge wie der „Graf Zeppelin“. Später wurde der Platz wieder militärisch genutzt, bevor das Gelände nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Streitkräften und später teilweise von der Bundeswehr übernommen wurde.
Heute ist vom einstigen Flughafen kein aktiver Flugbetrieb mehr geblieben. Das frühere Flugfeld ist zu einem modernen Stadtquartier zwischen Böblingen und Sindelfingen geworden. Trotzdem erinnert der Name „Flugfeld“ bis heute an eine Zeit, in der Böblingen ein bedeutender Ausgangspunkt der südwestdeutschen Luftfahrtgeschichte war.
Flugfeld
D- 71034 Böblingen
IATA: n/a
ICAO: n/a
RUNWAY:
kleinste Rolllänge 1000 m in Südost-Richtung. Gras
GESCHICHTE
- 1915 – 1918
- 1919 – 1924
- 1925 – 1926
- 1927 – 1931
- 1932 – 1936
- 1936 – 1939
- 1939 – 1945
- 1945 – 1956
- 1956 – 1993
- 1993 – 2007
- 2009 bis HEUTE
Vom Wiesengelände zum Militärflugplatz (1915 – 1918)
- Mai 1915 wurde das Gelände westlich von Böblingen als möglicher Standort für einen Militärflugplatz ins Auge gefasst. Die Wiesen im Ranktal wirkten in einer trockenen Phase geeignet, was später noch eine Rolle spielte, denn nach der Einweihung zeigte sich, dass das Gelände deutlich nasser war als zunächst angenommen.
- Juli 1915 entstanden die ersten Baracken für die Mannschaften und einfache Unterkünfte beziehungsweise Zelte für Flugzeuge. Der Platz wurde nicht als komfortabler Verkehrsflugplatz geplant, sondern als militärische Anlage des Deutschen Kaiserreichs während des Ersten Weltkriegs.
- 16. August 1915 wurde der neue Flugplatz eingeweiht. Flugzeuge kreisten über der Stadt, begleitet von Glockengeläut und Böllerschüssen. Damit wurde Böblingen offiziell Garnisonsstadt und bekam einen Standort der damals modernsten militärischen Waffengattung.
- 1915 wurde die Flieger-Ersatz-Abteilung 10, kurz FEA 10, mit Böblingen verbunden. Diese Einheit blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs auf dem Platz. Der Flugplatz war damit nicht nur Start- und Landeplatz, sondern auch Ausbildungs-, Ersatz- und Organisationsstandort für die Fliegertruppe.
- 1915 bis 1917 entwickelte sich neben dem Flugplatz auch die industrielle Seite. Am nördlichen Rand, auf Sindelfinger Markung, interessierte sich die Daimler-Motoren-Gesellschaft für Flächen zur Errichtung von Fabrikanlagen und für fliegerische Übungen. Daimler baute damals Flugzeuge und Flugmotoren. Daraus entstand eine frühe Verbindung zwischen Flugplatz, Industrie und späterer Wirtschaftsentwicklung im Raum Böblingen/Sindelfingen.
- 1917 wurde das Gelände stark erweitert. Neben den ursprünglichen Baracken und Hallen entstanden weitere Flugzeughallen und Werkstattbereiche. Daimler eröffnete in unmittelbarer Nähe eine Flugzeugproduktion. Damit wurde Böblingen nicht nur ein militärischer Flugplatz, sondern auch ein Standort der Luftfahrtindustrie.
- 1918 war die Anlage gegen Kriegsende stark belegt. Die Garnison umfasste nach Angaben der lokalen Geschichtsdarstellung rund 3.500 Mann, und es wurden zeitweise etwa 250, meist fabrikneue Flugzeuge betreut. Nach Kriegsende wurden viele dieser Flugzeuge unter Aufsicht der alliierten Kontrollkommission zerstört oder abtransportiert.
Stilllegung, Übergangszeit und Suche nach ziviler Nutzung (1919 – 1924)
- Ende 1918 / 1919 wurde der Flugplatz nach dem Ersten Weltkrieg durch die Folgen des Versailler Vertrags weitgehend stillgelegt. Ein großer Teil der militärischen Infrastruktur wurde abgebaut oder verlor seine ursprüngliche Funktion. Das Gelände blieb jedoch als zusammenhängende Fläche erhalten.
- 1919 bis 1923 war Böblingen nicht mehr der aktive Militärflugplatz der Kriegsjahre. Teile des Geländes wurden landwirtschaftlich genutzt, einzelne verbliebene Gebäude und Hallen blieben jedoch erhalten. Gerade diese vorhandene Infrastruktur wurde später ein wichtiges Argument dafür, den künftigen württembergischen Landesflughafen nicht komplett neu zu bauen, sondern Böblingen wieder zu aktivieren.
- 14. November 1924 entstand die Luftverkehr Württemberg AG, kurz LUWAG. Sie sollte den zivilen Luftverkehr in Württemberg organisieren und einen Landesflughafen aufbauen. Zur Diskussion standen verschiedene Standorte, darunter auch Cannstatt und die Fildern. Für Böblingen sprach die bereits vorhandene Flugplatzstruktur aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.
- 1924 wurde der Platz wieder zivil genutzt, unter anderem durch eine Flugschule. Damit begann die Phase, in der aus dem ehemaligen Militärgelände wieder ein ziviler Flugplatz aufgebaut wurde.
Eröffnung als Landesflughafen Stuttgart-Böblingen (1925 – 1926)
- 20. April 1925 landete eine Dornier Merkur der Aero-Lloyd von Zürich kommend in Böblingen. Diese Landung gilt in den neueren lokalen Darstellungen als erste planmäßige Landung eines Verkehrsflugzeugs im zivilen Luftverkehr auf dem Flughafen Stuttgart-Böblingen. Damit begann die zivile Flughafenära in Böblingen.
- 29. April 1925 wird in anderen Quellen als Datum für das erste Linienflugzeug der LUWAG genannt. Das ist kein zwingender Widerspruch zum 20. April: Der 20. April steht für die erste planmäßige Verkehrsflugzeuglandung, während der 29. April in älteren Darstellungen mit der LUWAG-Eröffnung beziehungsweise dem ersten LUWAG-Linienflug verbunden wird. Für eine saubere Chronologie sollte man beide Daten getrennt behandeln.
- 1925 wurde Böblingen zum Landesflughafen Württembergs. Der Flughafen wurde für Stuttgart wichtig, weil er durch die Bahnverbindung gut erreichbar war. Reisende konnten ihre Flugreise praktisch schon in Stuttgart beginnen und wurden dann mit dem Zug nach Böblingen gebracht. Fliegen war zu dieser Zeit allerdings noch teuer und vor allem wohlhabenden Geschäftsleuten vorbehalten.
- Sommer 1925 wurden bereits 2.271 Flugbewegungen und 4.097 Passagiere gezählt. Das zeigt, wie schnell der neue Landesflughafen angenommen wurde. Böblingen war damit nicht nur ein symbolischer Standort, sondern tatsächlich ein funktionierender Verkehrsknoten im frühen deutschen Luftverkehr.
- 1926 wurde die Verbindung Böblingen in das Netz der neu gegründeten Luft Hansa eingebunden. Der erste Linienflug der Luft Hansa führte am 6. April 1926 von Berlin über Halle, Erfurt und Stuttgart-Böblingen nach Zürich. Damit lag Böblingen früh auf einer internationalen Luftverkehrsachse.
- 1926 gründete Hanns Klemm in Böblingen den Leichtflugzeugbau Klemm. Damit bekam der Flughafen zusätzlich eine industrielle Bedeutung. Klemm entwickelte sich zu einem wichtigen Namen im deutschen Leichtflugzeugbau, und Böblingen wurde mit dieser Firma zu einem Ort, an dem nicht nur geflogen, sondern auch gebaut, entwickelt und ausgebildet wurde.
Ausbau, Modernisierung und internationale Bedeutung (1927 – 1931)
- 1927 festigte sich der Flughafen als württembergischer Landesflughafen. Der Platz diente nicht nur dem Linienverkehr, sondern auch Flugschulen, Unternehmen und Veranstaltungen. Dadurch wuchs Böblingen in eine Rolle hinein, die man heute eher einem regionalen Verkehrsflughafen mit zusätzlichem Industrie- und Ausbildungsumfeld zuschreiben würde.
- 1928 wurde ein neues Stations- beziehungsweise Empfangsgebäude eröffnet. Es enthielt Verwaltungsräume und auch ein Flughafenhotel. Der Bau im modernen Stil machte deutlich, dass Böblingen nicht als provisorischer Platz verstanden wurde, sondern als repräsentativer Verkehrsflughafen für Stuttgart und Württemberg.
- 1929 wurde der Gebäudekomplex um weitere Hallen ergänzt. Der Flughafen war nun deutlich besser auf den wachsenden Betrieb vorbereitet. In dieser Phase entstand das Bild des Flughafens Stuttgart-Böblingen, das heute auf historischen Fotos besonders präsent ist: Empfangsgebäude, Tower, Hallen und Vorfeld direkt am Flugfeld.
- 3. November 1929 landete LZ 127 „Graf Zeppelin“ in Böblingen. Dieses Ereignis zog rund 100.000 Schaulustige an und wurde zu einem der großen Höhepunkte der Böblinger Flughafengeschichte. Die Landung machte deutlich, welche öffentliche Faszination Luftfahrt in dieser Zeit auslöste.
- 18. September 1930 verunglückte der Luftakrobat Fritz Schindler bei einer Probe für einen Flugtag in Stuttgart-Böblingen tödlich. Der Unfall führte dazu, dass Luftakrobatik im Deutschen Reich verboten wurde. Dieses Ereignis zeigt die Schattenseite der damaligen Flugbegeisterung: Flugtage waren Publikumsmagneten, aber auch mit erheblichen Risiken verbunden.
- 1931 landete der „Graf Zeppelin“ erneut in Böblingen. Im gleichen Zusammenhang spielte auch die Junkers G 38 D-2000 eine Rolle, damals eines der größten Landflugzeuge der Welt. Die Kombination aus Luftschiff und Großflugzeug machte Böblingen in diesen Tagen zu einem eindrucksvollen Schauplatz der damaligen Luftfahrttechnik.
- 1931 wurde in einer der alten Flughafenhallen das Deutsche Luftfahrtmuseum eröffnet. Es blieb allerdings nicht dauerhaft in Böblingen, sondern wurde 1935 nach Berlin verlegt. Trotzdem zeigt diese Episode, welchen Stellenwert Böblingen in der deutschen Luftfahrtgeschichte der Zwischenkriegszeit hatte.
Wachstum, Luftpost und beginnende Standortgrenzen (1932 – 1936)
- 1932 wurde der Flughafen auch politisch sichtbar. Adolf Hitler wurde in Böblingen empfangen, was in späteren Quellen als Teil der politischen Inszenierung jener Zeit erwähnt wird. Für die Flughafengeschichte ist dieser Punkt deshalb wichtig, weil der Platz in den frühen 1930er-Jahren nicht nur ziviler Verkehrsort war, sondern zunehmend in die politischen und später militärischen Entwicklungen hineingezogen wurde.
- 1933 nahm die Diskussion um einen neuen Flughafenstandort wieder zu. Die Fluggastzahlen stiegen, und der Flughafen wurde wirtschaftlich bedeutsamer. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass Böblingen räumlich und betrieblich Grenzen hatte. Die Diskussion um einen neuen Standort auf den Fildern gewann an Gewicht.
- 1934 wurde über Böblingen auch Luftpost nach Südamerika abgewickelt. Die Südamerika-Luftpost zeigt, dass Stuttgart-Böblingen nicht nur ein regionaler Flughafen war, sondern in überregionale und internationale Post- und Verkehrsnetze eingebunden wurde.
- 1935 erreichte der Flughafen nach mehreren Darstellungen seine Kapazitätsgrenze. Eine häufig genannte Zahl liegt bei rund 184.000 Passagieren beziehungsweise Nutzern im Jahr 1935. Diese Zahl macht deutlich, warum die Standortfrage drängender wurde.
- Dezember 1936 fiel die Entscheidung, einen neuen Flughafen am heutigen Standort bei Echterdingen zu bauen. Für Böblingen war das ein Wendepunkt. Obwohl die Stadt und lokale Akteure für den Ausbau des bestehenden Flughafens argumentierten, blieb die Entscheidung zugunsten der Fildern bestehen.
Vom zivilen Landesflughafen zum Fliegerhorst (1936 – 1939)
- Ab 1936 begann am Böblinger Flugplatz die weitere militärische Erschließung. Im Hintergrund liefen bereits die Vorbereitungen für eine erneute militärische Nutzung. Damit veränderte sich der Charakter des Platzes Schritt für Schritt.
- 1938 wurde der Flughafen mit Einheiten der Luftwaffe belegt. Der zivile Betrieb lief zunächst noch weiter, aber die militärische Nutzung gewann deutlich an Bedeutung. Böblingen wurde nun wieder Fliegerhorst.
- 1938 gehörten vom Flughafen Stuttgart-Böblingen aus noch zahlreiche Ziele zum Flugangebot. Genannt werden unter anderem Amsterdam, Danzig, Wien, Paris und Tallinn sowie verschiedene Ziele im Deutschen Reich. Das zeigt, dass der zivile Flughafen bis kurz vor dem Krieg weiterhin eine wichtige Rolle spielte.
- April 1939 wurde die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 52 mit Messerschmitt Bf 109 nach Böblingen verlegt. Damit war der militärische Charakter des Platzes endgültig prägend.
- Herbst 1939 wurde der zivile Landesflughafen offiziell nach Stuttgart-Echterdingen verlegt. Damit endete die eigentliche Epoche des Flughafens Stuttgart-Böblingen als ziviler Verkehrsflughafen für Stuttgart.
Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945)
- 1. September 1939 begann mit dem deutschen Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg. Für Böblingen bedeutete diese Zeit die endgültige Einordnung als militärischer Standort. Der frühere zivile Landesflughafen war nun Teil der Luftwaffenstruktur.
- Oktober 1941 bis August 1943 war die Flugzeugführerschule A/B 112 in Böblingen stationiert. Damit hatte der Platz eine Ausbildungsfunktion innerhalb der Luftwaffe.
- 7. auf 8. Oktober 1943 wurden der Flugplatz und das benachbarte Daimler-Benz-Werk erstmals schwer durch alliierte Bomber angegriffen. Dieser Angriff war der Beginn einer Reihe weiterer Luftangriffe auf den militärisch und industriell wichtigen Bereich Böblingen/Sindelfingen.
- 17. Dezember 1944 sind alliierte Luftangriffe beziehungsweise deren Folgen auf Luftbildern dokumentiert. Der Flughafenbereich und die angrenzende Industrie waren im letzten Kriegsjahr wiederholt Ziel alliierter Angriffe.
- 22. März 1945 wurde der Flugplatz erneut Ziel alliierter Aufklärung beziehungsweise Angriffe, die in Luftbildmaterial dokumentiert sind. Zu diesem Zeitpunkt war die militärische Bedeutung des Platzes bereits stark durch Kriegsschäden und die allgemeine Lage des Deutschen Reiches geprägt.
- 1945 endete mit dem Kriegsende auch die Nutzung als deutscher Luftwaffenstützpunkt. Der Flugplatz ging danach in amerikanische Hand über.
US-Armee, Lager, Reparaturwerk und Heliport (1945 – 1956)
- 1945 übernahmen die US-Streitkräfte das Gelände. Der Flugbetrieb als ziviler Flughafen war beendet. Auf dem ehemaligen Flugfeld entstanden unter anderem ein Kriegsgefangenenlager, ein Lager für Displaced Persons und Einrichtungen zur Wartung beziehungsweise Reparatur militärischer Fahrzeuge.
- 1948 wurde die Fahrzeugreparatur auf dem Gelände neu organisiert. Nach einer zunächst direkten militärischen Nutzung lief der Betrieb ab Juni 1948 unter Beteiligung beziehungsweise Führung von Daimler-Benz. Das ehemalige Flugfeld wurde damit zu einem wichtigen Reparatur- und Wartungsstandort der US Army.
- Bis mindestens 1950 wurden Teile des ehemaligen Flugfeldes und der früheren Start- und Landeflächen zur Abstellung überschüssiger Militärfahrzeuge genutzt. Aus dem Luftfahrtstandort wurde damit zunehmend ein militärisch-industrieller Wartungs- und Depotstandort.
- 1950er-Jahre entwickelte sich der ehemalige Flughafen weiter zur Böblingen Maintenance Facility. Zusätzlich blieb eine luftfahrtbezogene Restfunktion als Heliport erhalten. Der große zivile Flughafenbetrieb der Vorkriegszeit kehrte jedoch nicht zurück.
Bundeswehr, US-Nutzung und langsamer Bedeutungsverlust (1956 – 1993)
- 1956 zog die Bundeswehr in die ehemaligen Kasernengebäude des Flugplatzes ein. Damit wurde ein Teil des Geländes wieder von deutschen Streitkräften genutzt, während andere Bereiche weiterhin mit der US-Nutzung verbunden blieben.
- 1960er- und 1970er-Jahre fanden auf dem ehemaligen Flugfeld einzelne Flugveranstaltungen statt. Dennoch war Böblingen kein ziviler Verkehrsflughafen mehr. Die Luftfahrtgeschichte war noch sichtbar, aber die Hauptfunktion des Areals lag in militärischer Nutzung, Fahrzeugwartung und Standortverwaltung.
- 1980er-Jahre wurden Teile des früheren Flugfeldes wieder landwirtschaftlich genutzt. Das zeigt den schrittweisen Bedeutungsverlust des ehemaligen Flugplatzareals als militärisch geprägte Betriebsfläche.
- 1989 wurde die Reparatureinrichtung geschlossen. Damit verlor das Gelände eine seiner wichtigsten Nachkriegsfunktionen.
- 1991/1992 räumten die verbliebenen amerikanischen Streitkräfte das ehemalige Flughafengelände. Damit endete ein prägender Abschnitt der Nachkriegsgeschichte.
- 1993 zog auch das letzte Bundeswehrbataillon aus dem Kasernenbereich ab. Danach verfiel ein Teil des Geländes, während gleichzeitig über neue Nutzungen nachgedacht wurde.
Brache, Kauf und Sanierung des alten Flugfelds (1993 – 2007)
- 1993 bis 2002 war das ehemalige Flughafengelände weitgehend eine Brache mit vielen Altlasten, Restgebäuden und Erinnerungen an die militärische und zivile Vergangenheit. In dieser Phase wurde deutlich, dass aus dem trennenden Gelände zwischen Böblingen und Sindelfingen etwas Neues entstehen sollte.
- 2002 kauften die Städte Böblingen und Sindelfingen das Gelände gemeinsam vom Bund. Damit begann die eigentliche Umwandlung des ehemaligen Flughafens in ein interkommunales Stadtentwicklungsgebiet.
- 2003 bis 2005 liefen Sanierungsarbeiten und Kampfmittelbeseitigung. Das war notwendig, weil das Gelände jahrzehntelang militärisch genutzt worden war und durch Krieg, Nachkriegsnutzung und Depotbetrieb belastet war.
- 2006 begann die Erschließung des neuen Flugfelds. Nach Angaben des Zweckverbands wurden rund 11.000 Tonnen Kampfmittel und verunreinigte Erde entfernt. Damit wurde die Grundlage für die neue städtebauliche Nutzung geschaffen.
- 2007 wurde das Flugfeld öffentlich zugänglich, und die Bebauung begann. Aus dem früheren Flughafenareal wurde Schritt für Schritt ein neuer Stadtteil.
Vom ehemaligen Flughafen zum neuen Stadtteil (2009 bis HEUTE)
- 2009 zogen die ersten Bewohnerinnen, Bewohner und Gewerbetreibenden auf das Flugfeld. Zu den frühen Gewerbenutzungen gehörten unter anderem PLANA und die heutige Motorworld beziehungsweise deren Vorgängerstruktur.
- 2012 bis 2013 wurde das neue Flugfeld lebendiger. Das medicum, Kitas, der Leonardo-da-Vinci-Platz, der Festplatz und ein Stadtteiltreff prägten die Entwicklung. Damit wurde aus dem früheren Sperr- und Militärgelände ein öffentlich erlebbarer Stadtteil.
- Heute erinnern erhaltene Gebäude, Hallen und der Name „Flugfeld“ an die frühere Luftfahrtgeschichte. Die Motorworld Region Stuttgart nutzt denkmalgeschützte Hallen des ehemaligen württembergischen Landesflughafens und verbindet historische Bausubstanz mit neuer Nutzung.
- 2019 bis 2024 wurde mit dem Flugfeldklinikum ein weiteres großes Projekt auf dem Areal vorangetrieben. Der Zweckverband beschreibt das Klinikum als interkommunales Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 800 Millionen Euro; das zugehörige Hochhaus wurde 2024 eingeweiht.
- 2025 stand das Jubiläum „100 Jahre Landesflughafen Stuttgart-Böblingen“ im Mittelpunkt. Die Stadt Böblingen erinnerte daran, dass am 20. April 1925 erstmals ein Reiseflugzeug in Böblingen landete und damit die zivile Flughafenära begann.



