Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 13. August 2026 von Charles David Fennell

Air Base

NEUBURG (GERMAN AIR FORCE)

Der Fliegerhorst Neuburg (ETSN) bei Neuburg an der Donau zählt zu den traditionsreichsten und zugleich wichtigsten Kampfflugzeugstandorten der deutschen Luftwaffe. Seine Geschichte reicht von den ersten militärischen Flugaktivitäten in Neuburg im Jahr 1912 über den Aufbau des eigentlichen Fliegerhorstes bei Zell ab 1935 bis hin zum heutigen modernen Eurofighter-Stützpunkt.

Während des Zweiten Weltkriegs spielte der Flugplatz unter anderem im Zusammenhang mit der Messerschmitt Me 262 eine bedeutende Rolle und wurde 1945 durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört. Nach dem Krieg erfolgte in den 1950er-Jahren der Wiederaufbau nach modernen militärischen Standards. Seit 1961 ist Neuburg ununterbrochen Heimat des heutigen Taktischen Luftwaffengeschwaders 74.

Mit F-86K Sabre, F-104G Starfighter, F-4F Phantom II und Eurofighter prägten vier unterschiedliche Generationen von Kampfflugzeugen den Standort. Heute gehört Neuburg zu den zentralen Stützpunkten der deutschen Luftverteidigung und stellt mit seinen Eurofightern die permanente Alarmbereitschaft für den süddeutschen Luftraum sicher. Damit verbindet der Fliegerhorst mehr als neun Jahrzehnte Militärflugplatzgeschichte mit einer weiterhin wichtigen Rolle innerhalb der deutschen und NATO-Luftverteidigung.

Fliegerhorst Neuburg

Alte Neuburger Strasse
D-86633 Neuburg an der Donau

IATA: –
ICAO: ETSN

RUNWAY:
09/27 (2440×30m) Asphalt



GESCHICHTE

Die ersten Anfänge der Militärfliegerei in Neuburg (1912–1934)
  • 11. Juli 1912: Ein Doppeldecker der Firma Euler aus den Beständen der Königlich Bayerischen Fliegertruppe landet auf dem damaligen Exerzierplatz des 15. Bayerischen Infanterieregiments in Neuburg an der Donau. Dieses Ereignis gilt als Beginn der militärischen Luftfahrtgeschichte der Stadt. Mit dem späteren Fliegerhorst bei Zell darf diese Landung allerdings nicht gleichgesetzt werden, denn der heutige Militärflugplatz existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
  • 1914–1918: Während des Ersten Weltkriegs bleibt Neuburg vor allem Garnisonsstadt des Heeres. Aus der Landung von 1912 entwickelt sich noch kein dauerhaft angelegter Militärflugplatz an der Stelle des heutigen Fliegerhorstes.
  • 1919–1934: Auch in der Zeit der Weimarer Republik entsteht in Neuburg zunächst kein regulärer Militärflugplatz. Erst die massive Wiederaufrüstung Deutschlands nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten führt Mitte der 1930er-Jahre zur Planung eines neuen Fliegerhorstes östlich der Stadt.
Aufbau des Fliegerhorstes bei Zell und Beginn des Schulbetriebs (1935–1938)
  • 1935: Im Rahmen der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht beginnt etwa vier Kilometer östlich von Neuburg, in der Nähe des Ortes Zell, der Bau eines neuen Militärflugplatzes. Dieses Jahr markiert den eigentlichen Beginn des heutigen Fliegerhorstes Neuburg.
  • 1936: Auf dem noch im Ausbau befindlichen Fliegerhorst beginnt der militärische Schulbetrieb der neu aufgebauten Luftwaffe. Neben den eigentlichen Flugbetriebsflächen entstehen Unterkunfts-, Verwaltungs-, Wartungs- und Versorgungsanlagen. Der damalige Flugplatz nimmt dabei ein größeres Areal ein als der später nach NATO-Standards neu aufgebaute Fliegerhorst.
  • 1937: Die in Neuburg bestehende Ausbildungseinrichtung wird als Fliegerwaffenschule geführt. Zur Ausbildung werden unterschiedliche Flugzeugmuster eingesetzt, darunter die Dornier Do 23, Focke-Wulf Fw 56 und Junkers Ju 52. Neuburg entwickelt sich damit zu einem wichtigen Ausbildungsstandort der Luftwaffe.
  • 1. November 1938: In Neuburg wird zusätzlich die Blindflugschule 2 eingerichtet. Hier erfolgt die Ausbildung im Instrumentenflug, also im Fliegen und Landen ohne ausreichende Außensicht ausschließlich anhand der Instrumente im Cockpit. Gerade für mehrmotorige und nachtflugtaugliche Besatzungen gewinnt diese Ausbildung zunehmend an Bedeutung.
Schulungsstandort und zunehmende militärische Nutzung im Krieg (1939–1943)
  • 1939: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird der Ausbau des Fliegerhorstes fortgesetzt. Neben der Schulung gewinnt die Unterbringung und Versorgung operativer fliegender Verbände zunehmend an Bedeutung. Zu den Anlagen gehören neben dem eigentlichen Flugfeld auch weit auseinandergezogene Abstellbereiche für Flugzeuge, die bei Luftangriffen die Verluste verringern sollen.
  • 1940–1942: Neuburg bleibt ein bedeutender Ausbildungsplatz. Gleichzeitig verändert sich die Nutzung durch die Anforderungen des Krieges. Der Standort wird nicht mehr ausschließlich als Schulflugplatz betrachtet, sondern zunehmend in die operative Infrastruktur der Luftwaffe eingebunden.
  • 1943: Die bisherige Blindflugausbildung wird im Rahmen einer allgemeinen Neuorganisation der Luftwaffenschulen umgegliedert. Gleichzeitig befinden sich nun auch Einsatzverbände zeitweise in Neuburg. Nachgewiesen ist unter anderem die Anwesenheit der II. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 6.
  • 1943: Mit der zunehmenden alliierten Luftüberlegenheit wird die dezentrale Aufstellung von Flugzeugen immer wichtiger. Die weitläufigen Abstell- und Auflockerungsbereiche um Neuburg erhalten dadurch eine zusätzliche Bedeutung. Der Fliegerhorst wird immer stärker Teil der deutschen Luftverteidigungsstruktur.
Me 262 und Entwicklung zum Düsenjägerstandort (1944–1945)
  • 1944: Gegen Ende des Krieges erhält Neuburg eine neue Bedeutung im Zusammenhang mit der Messerschmitt Me 262. Der Standort wird in die Bereitstellung, Ausbildung und das Einfliegen des neuartigen zweistrahligen Düsenflugzeugs eingebunden. Damit gehört Neuburg zu den süddeutschen Plätzen, die für die alliierte Luftkriegführung zunehmend Priorität erhalten.
  • Dezember 1944: Teile des Kampfgeschwaders 40, darunter die I. Gruppe, befinden sich in Neuburg, um im Zusammenhang mit der geplanten Umrüstung auf die Me 262 ausgebildet zu werden. Auch andere Einheiten werden gegen Ende des Krieges mit Neuburg und dem Einsatz beziehungsweise der Übernahme von Düsenflugzeugen in Verbindung gebracht.
  • Winter 1944/45: Neuburg entwickelt sich zu einem wichtigen Punkt innerhalb der Me-262-Infrastruktur. Neben dem Flugbetrieb spielen Endmontage, Übernahme und Einfliegen fertiggestellter Maschinen eine Rolle. Damit wird der Fliegerhorst zu einem besonders wichtigen Ziel der amerikanischen Luftstreitkräfte.
Amerikanische Luftangriffe und nahezu vollständige Zerstörung (1945)
  • 16. Februar 1945: Im Rahmen der amerikanischen Offensive gegen deutsche Düsenjägerstützpunkte wird auch Neuburg angegriffen. Der Angriff fällt noch vergleichsweise klein aus, verursacht jedoch bereits weitere Schäden an den militärischen Anlagen.
  • 19. März 1945: Die Eighth Air Force greift im Rahmen einer groß angelegten Operation gegen deutsche Öl- und Düsenjägerziele unter anderem die Flugplätze Leipheim und Neuburg an. Der Angriff richtet sich gezielt gegen die Infrastruktur für die neuen deutschen Strahlflugzeuge.
  • 21. März 1945: Nur zwei Tage später folgt einer der schwersten Angriffe auf Neuburg. Insgesamt 366 B-24 Liberator der Fifteenth Air Force werfen rund 800 Tonnen Bomben auf den Flugplatz und die mit der Me 262 verbundenen Anlagen. Der Angriff trifft den bereits zuvor beschädigten Standort schwer.
  • 24. März 1945: Weitere 271 B-24 Liberator greifen Neuburg an. Die amerikanischen Auswertungen gehen davon aus, dass bei diesem Angriff auch zahlreiche am Boden befindliche Düsenflugzeuge zerstört werden. Nach diesen Angriffen sind der Flugplatz und die dazugehörigen Anlagen weitgehend verwüstet.
  • März/April 1945: Der reguläre Betrieb des Fliegerhorstes kann angesichts der Zerstörungen, des Mangels an Treibstoff und der immer näher rückenden amerikanischen Bodentruppen nur noch eingeschränkt aufrechterhalten werden. Neuburg verliert damit seine Bedeutung als funktionsfähiger Düsenjägerstützpunkt.
  • 26.–27. April 1945: Amerikanische Truppen besetzen Neuburg an der Donau und die Umgebung. Damit endet auch die Nutzung des Fliegerhorstes durch die Luftwaffe des Deutschen Reiches.
  • Frühjahr 1945: Der ehemalige deutsche Flugplatz erhält von den Alliierten die Kennung R-60. Anders als gelegentlich dargestellt, bedeutet diese Bezeichnung jedoch nicht, dass Neuburg anschließend als voll ausgebautes amerikanisches Advanced Landing Ground betrieben wurde. Der vorgesehene Ausbau von R-60 wurde nicht mehr durchgeführt.
Nachkriegszeit unter amerikanischer Kontrolle (1945–1954)
  • 1945–1954: Nach Kriegsende liegt ein großer Teil des Fliegerhorstes in Trümmern. Ein regulärer deutscher militärischer Flugbetrieb findet nicht mehr statt. Die Anlage befindet sich unter amerikanischer Kontrolle, ohne zunächst wieder die operative Bedeutung der letzten Kriegsjahre zu erreichen.
  • Ende der 1940er-Jahre: Mit dem sich verschärfenden Ost-West-Konflikt und der beginnenden Konfrontation zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion ändern sich die strategischen Rahmenbedingungen. Ehemalige deutsche Militärflugplätze in Westdeutschland werden zunehmend daraufhin untersucht, ob sie für die neue NATO-Verteidigungsstruktur wieder nutzbar gemacht werden können.
  • 1950–1954: Neuburg wird aufgrund seiner Lage in Süddeutschland für eine spätere militärische Reaktivierung interessant. Die zerstörte Anlage muss dafür jedoch praktisch grundlegend erneuert und an die Anforderungen moderner Strahlflugzeuge angepasst werden.
Wiederaufbau des Fliegerhorstes und Übergabe an die Bundeswehr (1955–1959)
  • 1955: Amerikanische Kräfte beginnen mit dem umfassenden Wiederaufbau des Fliegerhorstes. Dabei entsteht nicht einfach eine Rekonstruktion des Flugplatzes aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern ein moderner Militärflugplatz, dessen Infrastruktur auf den zukünftigen Betrieb schneller Strahlflugzeuge ausgerichtet wird.
  • 1955–1957: Start- und Landebahn, Rollwege, Abstellflächen sowie technische und militärische Infrastruktur werden neu errichtet oder grundlegend erneuert. Diese Arbeiten bilden die Grundlage des späteren NATO-Fliegerhorstes Neuburg.
  • 1958: Nach Abschluss der wesentlichen Wiederaufbauarbeiten übergeben die amerikanischen Streitkräfte den Fliegerhorst an die noch junge Bundeswehr. Damit beginnt die Vorbereitung des Standortes für die Luftwaffe der Bundesrepublik Deutschland.
  • 1959: In Oldenburg wird die 3. Staffel der Waffenschule der Luftwaffe 10 mit dem Allwetter-Abfangjäger North American F-86K Sabre ausgerüstet. Aus dieser Einheit entsteht wenig später der Verband, der dauerhaft in Neuburg stationiert werden soll.
Vom Jagdgeschwader 75 zum Jagdgeschwader 74 (1960–1963)
  • 1. Oktober 1960: Aus der 3. Staffel der Waffenschule 10 entsteht das Jagdgeschwader 75. Da Neuburg noch nicht vollständig einsatzbereit ist, wird der Verband zunächst auf einem Zwischenstandort untergebracht.
  • 20. Oktober 1960: Das Jagdgeschwader 75 verlegt von Oldenburg nach Leipheim. Neuburg ist zu diesem Zeitpunkt bereits als endgültiger Heimatstandort vorgesehen.
  • April 1961: Nach Fertigstellung der für den Flugbetrieb notwendigen Anlagen beginnt die Verlegung des Geschwaders von Leipheim nach Neuburg. Die F-86K wird damit zum ersten regulären Einsatzkampfflugzeug der neuen Bundesluftwaffe auf dem Fliegerhorst Zell.
  • 1. Mai 1961: Das bisherige Jagdgeschwader 75 erhält die neue Bezeichnung Jagdgeschwader 74.
  • 5. Mai 1961: Das Jagdgeschwader 74 wird in Neuburg offiziell in Dienst gestellt. Dieses Datum gilt bis heute als Geburtstag des Geschwaders. Seitdem ist der Verband dauerhaft mit dem Fliegerhorst Neuburg verbunden.
  • 1961: Hauptaufgabe des mit der radarbestückten F-86K ausgerüsteten Geschwaders ist die Allwetter-Luftverteidigung. Neuburg wird damit Teil des westlichen Luftverteidigungssystems während des Kalten Krieges.
  • 4. Oktober 1962: Das Jagdgeschwader 74 wird der NATO assigniert. Gleichzeitig beginnt in Neuburg der dauerhafte Dienst der Alarmrotte. Damit erhält der Fliegerhorst eine Aufgabe, die er grundsätzlich bis in die Gegenwart wahrnimmt.
Starfighter und Ausbau zum NATO-Luftverteidigungsstandort (1964–1973)
  • 12. Mai 1964: Der erste Lockheed F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders erreicht Neuburg. Damit beginnt die Umrüstung auf eines der wichtigsten Kampfflugzeuge der damaligen Bundesluftwaffe.
  • 1964–1965: F-86K und F-104G werden rund eineinhalb Jahre parallel betrieben, damit die Einsatzbereitschaft für die NATO während der Umschulung erhalten bleibt. Piloten, Techniker und die Infrastruktur des Fliegerhorstes müssen auf das technisch wesentlich anspruchsvollere neue Waffensystem umgestellt werden.
  • Anfang 1966: Die letzten F-86K verlassen den Verband. Neuburg ist nun vollständig auf den F-104G Starfighter umgerüstet. Damit endet die erste Flugzeugära des Jagdgeschwaders 74.
  • 22. Oktober 1967: Der Fliegerhorst gerät durch einen spektakulären Spionagefall international in die Schlagzeilen. Eine Gruppe um Manfred Ramminger entwendet eine amerikanische AIM-9 Sidewinder-Luft-Luft-Lenkwaffe vom Stützpunkt Zell. Die Waffe gelangt anschließend in die Sowjetunion. Der Fall entwickelt sich zu einem der ungewöhnlichsten Spionage- und Sicherheitsvorfälle des Kalten Krieges auf einem westdeutschen Luftwaffenstützpunkt.
  • Ende der 1960er-Jahre: Neuburg ist fest in die integrierte NATO-Luftverteidigung eingebunden. Die ständige Alarmbereitschaft prägt den Betrieb ebenso wie regelmäßige Ausbildungs- und Übungsflüge.
  • 22. November 1973: Das Jagdgeschwader 74 erhält den Traditionsnamen „Mölders“. Gleichzeitig wird die Truppenunterkunft des Verbandes nach dem Jagdflieger des Ersten Weltkriegs Wilhelm Frankl als Wilhelm-Frankl-Kaserne benannt. Die Kasernenbezeichnung besteht bis heute.
Die lange Phantom-Ära (1974–1989)
  • September 1974: In Neuburg beginnt die Umrüstung von der F-104G auf die McDonnell Douglas F-4F Phantom II. Für den Fliegerhorst beginnt damit die längste zusammenhängende Einsatzperiode eines einzelnen Kampfflugzeugmusters.
  • 1974–1976: Die Phantom übernimmt schrittweise die Aufgaben des Starfighters. Mit ihrer zweiköpfigen Besatzung, leistungsfähigen Radaranlage und größeren Reichweite verändert sie sowohl den fliegerischen als auch den technischen Betrieb des Geschwaders grundlegend.
  • Ende der 1970er-Jahre: Die F-4F ist vollständig als Hauptwaffensystem etabliert. Neuburg bleibt vor allem ein Jagd- und Luftverteidigungsstandort. Die Alarmrotte gehört weiterhin zu den zentralen Aufgaben.
  • 1980er-Jahre: Während der letzten Hochphase des Kalten Krieges bleibt Neuburg ein wichtiger Bestandteil der NATO-Luftverteidigung in Süddeutschland. Die Infrastruktur des Fliegerhorstes wird kontinuierlich an veränderte Einsatzverfahren, Kommunikationstechnik und Schutzanforderungen angepasst.
Modernisierung der Phantom nach dem Kalten Krieg (1990–2004)
  • 1990: Mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konflikts verändert sich das sicherheitspolitische Umfeld grundlegend. Der Standort Neuburg und das Jagdgeschwader 74 bleiben jedoch Bestandteil der deutschen und NATO-integrierten Luftverteidigung.
  • 1990er-Jahre: Die F-4F-Flotte wird im Rahmen des ICE-Programms – Improved Combat Efficiency umfassend modernisiert. Die Maschinen erhalten unter anderem ein leistungsfähigeres Radar und werden für moderne Luft-Luft-Bewaffnung wie die AIM-120 AMRAAM befähigt. Dadurch bleibt die Phantom trotz ihres Alters für die Luftverteidigung verwendbar.
  • 1990er bis Anfang der 2000er-Jahre: Neuburg bleibt einer der zentralen deutschen Phantom-Standorte. Gleichzeitig wird zunehmend deutlich, dass die inzwischen jahrzehntealten F-4F langfristig durch den neu entwickelten Eurofighter ersetzt werden sollen.
  • Oktober 2003: Noch vor der Ankunft des Eurofighters beginnt der Bau eines neuen Simulatorgebäudes in Neuburg. Damit startet eine umfangreiche Modernisierung der Infrastruktur für das kommende Waffensystem. Weitere neue Hallen, technische Einrichtungen, IT-Systeme und Liegeplatzgebäude folgen.
Ende des Traditionsnamens und Vorbereitung auf den Eurofighter (2005–2006)
  • 11. März 2005: Das Geschwader legt den seit 1973 geführten Traditionsnamen „Mölders“ ab. Seit diesem Zeitpunkt heißt der Verband wieder schlicht Jagdgeschwader 74. Die Bezeichnung Wilhelm-Frankl-Kaserne bleibt davon unberührt.
  • 2005–2006: Der Fliegerhorst wird umfangreich für den Eurofighter umgebaut. Neben dem Simulator entstehen beziehungsweise entstehen in den folgenden Jahren neue Flugzeughallen, technische Arbeitsbereiche, IT-Infrastruktur und speziell auf den neuen Kampfjet abgestimmte Betriebsanlagen.
  • 25. Juli 2006: Die ersten vier Eurofighter werden an das Jagdgeschwader 74 in Neuburg übergeben. Damit beginnt offiziell die Eurofighter-Ära des Standortes. Neuburg ist nach Laage einer der frühen operativen Eurofighter-Stützpunkte der deutschen Luftwaffe.
  • 2006–2008: Phantom und Eurofighter werden parallel betrieben. Während immer mehr Besatzungen und Techniker auf den neuen Kampfjet umgeschult werden, muss die F-4F weiterhin die bestehende Einsatzbereitschaft gewährleisten.
Übergang von der Phantom zum Eurofighter (2007–2012)
  • Januar 2008: Eurofighter des Jagdgeschwaders 74 beginnen, Aufgaben der Quick Reaction Alert zu übernehmen. Zunächst teilen sich Eurofighter und F-4F Phantom die Alarmbereitschaft.
  • 12. Juni 2008: Mit einem offiziellen Fly-out endet nach knapp 34 Jahren die F-4F-Phantom-Ära in Neuburg. Von nun an übernimmt der Eurofighter allein die Alarmrotte und die Einsatzaufgaben des Jagdgeschwaders.
  • 2008–2010: Der Umbau des Fliegerhorstes zum modernen Eurofighter-Standort wird fortgesetzt. Die Einrichtungen für die Alarmrotte werden erweitert und modernisiert, während neue Werkstätten, Tankanlagen und technische Bereiche entstehen.
  • 2009: Das Jagdgeschwader 74 nimmt erstmals mit Eurofightern am NATO Air Policing über dem Baltikum teil. Damit ist die Umrüstung nicht mehr nur technisch abgeschlossen, sondern der Verband setzt das neue Waffensystem nun auch bei Bündnisaufgaben außerhalb Deutschlands ein.
  • 2011: Das Geschwader begeht sein 50-jähriges Bestehen in Neuburg. Die seit 1961 bestehende Verbindung zwischen Fliegerhorst und Verband gehört inzwischen zu den dauerhaftesten Stationierungen eines deutschen Kampfflugzeuggeschwaders.
Neue Struktur und Verbindung mit dem Fliegerhorst Lechfeld (2013)
  • 1. April 2013: Nach Auflösung des Jagdbombergeschwaders 32 auf dem Fliegerhorst Lechfeld übernimmt das Neuburger Geschwader mit einer neu aufgestellten Flugplatzstaffel Lechfeld zusätzlich die Verantwortung für den dortigen militärischen Flugplatz. Lechfeld dient seitdem unter anderem als Ausweichflugplatz für Neuburg.
  • 2013: Die beiden Neuburger fliegenden Staffeln übernehmen zusätzlich die Tiger-Tradition des aufgelösten Lechfelder Jagdbombergeschwaders 32. Daraus entwickelt sich die bis heute verwendete Bezeichnung Bavarian Tigers.
  • 1. Oktober 2013: Im Zuge der neuen Luftwaffenstruktur wird das Jagdgeschwader 74 in Taktisches Luftwaffengeschwader 74 umbenannt. Die neue Bezeichnung trägt der zunehmenden Mehrrollenfähigkeit des Eurofighters Rechnung.
Grundsanierung und zeitweilige Verlegung nach Lechfeld (2014–2017)
  • 3. März 2014: Wegen umfangreicher Bauarbeiten wird der reguläre Eurofighter-Flugbetrieb von Neuburg auf den Fliegerhorst Lechfeld verlegt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die grundlegende Sanierung der Start- und Landebahn.
  • 2014–2015: Neben der Startbahn werden die Anflugbefeuerung und weitere Flugplatzanlagen erneuert. Gleichzeitig laufen zahlreiche bereits mit der Einführung des Eurofighters begonnene Modernisierungsprojekte weiter.
  • Herbst 2015: Nach etwa eineinhalb Jahren können die Eurofighter nach Neuburg zurückkehren. Ab Mitte Oktober wird der reguläre Flugbetrieb wieder vom Heimatflugplatz aus durchgeführt.
  • 2015–2017: Als weiterer wichtiger Teil der Modernisierung entsteht ein neuer Kontrollturm mit Anflugkontrollgebäude, der den technisch und baulich überalterten Vorgänger ersetzt. Das Erscheinungsbild des modernen Fliegerhorstes verändert sich dadurch deutlich.
Historische Aufarbeitung und moderner Eurofighter-Stützpunkt (2018–2020)
  • 2018: Auf dem Standort entsteht die Militärgeschichtliche Sammlung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74. Sie dokumentiert nicht nur die Geschichte des Geschwaders seit 1961, sondern die gesamte militärische Luftfahrtgeschichte Neuburgs von 1912 über die Luftwaffe des Zweiten Weltkriegs und die amerikanische Nachkriegszeit bis zum Eurofighter.
  • 2018–2020: Neuburg ist inzwischen vollständig als moderner Eurofighter-Einsatzstützpunkt etabliert. Die jahrzehntelang gewachsene Infrastruktur aus der Sabre-, Starfighter- und Phantom-Zeit wurde zu großen Teilen ersetzt, modernisiert oder an die Anforderungen des Eurofighters angepasst.
  • 2020: Die Hauptaufgabe bleibt die Sicherung des süddeutschen Luftraums. Für die Alarmrotte werden rund um die Uhr zwei Eurofighter in Bereitschaft gehalten.
Fliegerhorst Neuburg in den 2020er-Jahren (2021–2025)
  • 2021: Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 begeht sein 60-jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt kann Neuburg bereits auf vier große Einsatzflugzeug-Generationen der Bundesluftwaffe zurückblicken: F-86K Sabre, F-104G Starfighter, F-4F Phantom II und Eurofighter.
  • September 2021: Wegen turnusmäßiger Arbeiten an der Start- und Landebahn wird ein Teil des Flugbetriebs erneut vorübergehend nach Lechfeld verlegt. Das unter Verantwortung des Neuburger Geschwaders betriebene Lechfeld bestätigt damit erneut seine Funktion als militärischer Ausweichstandort.
  • Frühjahr 2023: Erneute Arbeiten an den Flugbetriebsflächen führen zeitweise zur Verlegung von Eurofightern nach Lechfeld. Nach Abschluss der Arbeiten kehren die Maschinen im Mai wieder nach Neuburg zurück.
  • 12.–23. Juni 2023: Der Fliegerhorst Neuburg gehört zu den beteiligten deutschen Standorten der Großübung Air Defender 23. Die von Deutschland geführte multinationale Luftoperationsübung zählt zu den größten Luftwaffenübungen seit Gründung der NATO und unterstreicht die Bedeutung der vorhandenen Infrastruktur in Neuburg und Lechfeld.
  • 2024–2025: Neuburg bleibt uneingeschränkt aktiver Eurofighter-Einsatzstandort. Neben dem täglichen Ausbildungsbetrieb stehen Luftverteidigung, NATO-Übungen und die permanente Alarmbereitschaft im Mittelpunkt.
65 Jahre Geschwader und 20 Jahre Eurofighter in Neuburg (2026)
  • 2026: Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 begeht sein 65-jähriges Bestehen. Gleichzeitig sind seit der Ankunft der ersten Eurofighter im Juli 2006 zwanzig Jahre vergangen. Damit befindet sich das heute eingesetzte Flugzeugmuster bereits deutlich länger in Neuburg, als zuvor die F-86K oder die F-104G dort betrieben wurden.
  • 23. April 2026: Mit der Übung „Donauwalzer 2026“ trainiert das Taktische Luftwaffengeschwader 74 auf dem Fliegerhorst unter anderem die Einsatzfähigkeit des Standortes unter Bedrohungsszenarien. Dies spiegelt die wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtete Rolle des Standortes wider.
  • 24.–26. April 2026: Anlässlich des 65-jährigen Bestehens des Geschwaders finden Museumstage auf dem Standort statt. Dabei wird auch die Entwicklung der militärischen Luftfahrt in Neuburg und die 70-jährige Geschichte der Bundeswehr-Luftwaffe thematisiert.
  • Heute: Der Fliegerhorst Neuburg ist einer von vier Eurofighter-Standorten der deutschen Luftwaffe und Heimat des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74. Von Neuburg aus wird die südliche deutsche Quick Reaction Alert gestellt. An 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr stehen dafür zwei Eurofighter in Alarmbereitschaft. Nach einer Alarmierung müssen die Maschinen innerhalb weniger Minuten einsatzbereit sein.

EINHEITEN / UNITS

Taktisches Luftwaffen­geschwader 74

Der Luftraum über Deutschland wird im Auftrag der NATO (North Atlantic Treaty Organization) durch die Luftwaffe geschützt. Hierzu stellt das Taktische Luftwaffen Geschwader 74 an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr zwei Eurofighter, genannt die Alarmrotte, bereit. Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 stellt bei Bedarf Flugzeuge und Personal der NATO – Eingreiftruppe, kurz NRF (NATO Response Force) oder für andere durch den Bundestag legitimierte Auslandseinsätze zur Verfügung.



Flight Radar


Static Airframes

PRESERVED

  • D-EFQV / Dornier Do 27 B-1 / cn 175 / Private / for spares
  • 80+47 / MBB Bo.105 M / cn 5047 / German Army

see also Neuburg Air Base Museum


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