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STRALSUND / BARTH
Ostseeflughafen Stralsund-Barth
Der Ostseeflughafen Stralsund-Barth liegt in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der Ostseeküste und unweit der Inseln Rügen und Usedom. Er ist ein kleiner, aber interessanter Verkehrslandeplatz mit regionaler Bedeutung. Für Spotter ist der Flugplatz vor allem wegen seiner Lage, der überschaubaren Abläufe und der Mischung aus Privatfliegerei, Geschäftsflügen und gelegentlichen Sonderbewegungen spannend.
Der Flugplatz hat eine lange Geschichte und war früher auch militärisch geprägt. Heute dient er vor allem der Allgemeinen Luftfahrt, dem Tourismus und regionalen Flugbewegungen. Wer ruhige Flugplätze mit maritimem Umfeld mag, findet in Barth einen besonderen Ort an der Ostsee.
Flughafenallee 1
D-18356 Barth
IATA: BBH
ICAO: EDBH
RUNWAY:
09/27 (1685x30m) Asphalt
GESCHICHTE
Entstehung des Fliegerhorstes Barth (1935–1938)
- 1935: Im Zuge des massiven Ausbaus der deutschen Luftwaffe begann südlich von Barth die Erschließung des Geländes für einen neuen militärischen Fliegerhorst. Der Standort lag verkehrsgünstig zwischen der Ostseeküste und dem damaligen Hinterland Pommerns und bot ausreichend Raum für einen größeren Flugplatzkomplex.
- Juni 1935: Für die Errichtung des Fliegerhorstes wurden rund 172 Hektar Land angekauft. Noch im selben Jahr entstanden erste Teile der technischen Infrastruktur. Bis September waren große Bereiche des Geländes eingezäunt und der Flugplatz an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
- 1935–1936: Neben dem eigentlichen Rollfeld entstanden Unterkunfts-, Wirtschafts- und Werkstattgebäude sowie mehrere Flugzeughallen. Zum ursprünglichen Gebäudebestand gehörten sechs mittelgroße und eine große Flugzeughalle sowie größere Werkstattbereiche. Am nordwestlichen Rand des Platzes wurde außerdem ein Treibstofflager eingerichtet.
- 1. April 1936: Noch während der letzten Ausbauarbeiten wurde die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 152 aufgestellt und kurz darauf nach Barth verlegt. Damit begann bereits vor der vollständigen Fertigstellung die militärische Nutzung des neuen Standortes.
- 1. Juli 1936: Der volle Dienstbetrieb auf dem neuen Fliegerhorst Barth begann. Der Platz entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Luftwaffenstruktur im Raum Vorpommern.
- 1937: Die zunächst in Barth stationierten Verbände wurden teilweise an andere Standorte verlegt. Der Fliegerhorst blieb jedoch weiterhin aktiv und wurde zunehmend für Ausbildung, Umrüstung und zeitweilige Stationierungen verschiedener Luftwaffeneinheiten genutzt.
- 1. November 1938: In Barth wurden die I. und IV. Gruppe des Lehrgeschwaders 1 aufgestellt. Das Lehrgeschwader gehörte zu den vielseitig eingesetzten Verbänden der Luftwaffe und verfügte über unterschiedliche Flugzeugtypen und Einsatzaufgaben. Damit stieg die militärische Bedeutung des Fliegerhorstes nochmals deutlich an.
Militärflugplatz zu Beginn des Zweiten Weltkriegs (1939–1941)
- August 1939: Unmittelbar vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Teile des Lehrgeschwaders 1 von Barth auf vorgeschobene Flugplätze verlegt. Die I. Gruppe verließ Barth am 12. August in Richtung Ostpreußen, während die IV. Gruppe wenige Tage später nach Stolp-Reitz verlegte.
- September 1939: Nach Abschluss der ersten Operationen kehrten Teile des Lehrgeschwaders kurzzeitig nach Barth zurück. Der Fliegerhorst entwickelte sich anschließend verstärkt zu einem Standort, an dem Kampfverbände aufgefrischt, neu zusammengestellt oder auf andere Flugzeugmuster umgerüstet wurden.
- Herbst 1939 bis 1940: Mehrere Kampfgruppen wurden in Barth auf die damals moderne Junkers Ju 88 umgeschult beziehungsweise umgerüstet. Dazu gehörten Verbände verschiedener Kampfgeschwader, wodurch Barth zeitweise eine wichtige Rolle bei der Einführung dieses Flugzeugmusters spielte.
- 1. März 1940: In Barth wurde die Ergänzungskampfgruppe 5 mit Stab und zunächst zwei Staffeln aufgestellt. Eine weitere Staffel kam im Oktober hinzu. Der Verband bestand bis Mai 1941.
- 1940: Nördlich von Barth entstand das Stalag Luft I, ein Kriegsgefangenenlager speziell für Angehörige alliierter Luftstreitkräfte. Das Lager sollte später eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Flugplatzes spielen. Gegen Ende des Krieges waren dort mehr als 9.000 alliierte Kriegsgefangene untergebracht.
- Ab Januar 1941: Die Flugzeugführerschule C 17 nutzte Barth als Ausbildungs- und Arbeitsplatz. Die Schulungstätigkeit dauerte mit Unterbrechungen bis in das Jahr 1944 an. Daneben erschienen weiterhin zeitweise Kampf-, Küstenflieger- und Ausbildungseinheiten auf dem Platz.
Ausbau, Heinkel-Produktion und Zwangsarbeit (1942–1944)
- 1942: Im südlichen Bereich des Flugplatzgeländes entstand eine befestigte Start- und Landebahn von rund 1.200 Metern Länge. Bis dahin hatte der Flugbetrieb überwiegend auf dem großen Gras- beziehungsweise Rollfeld stattgefunden. Mit der befestigten Bahn konnten schwerere und schnellere Flugzeuge zuverlässiger betrieben werden.
- Ab 1942: Nach schweren Luftangriffen auf die Heinkel-Werke in Rostock begann die Ernst Heinkel AG, Teile ihrer Produktion auf weniger gefährdete Standorte zu verlagern. Barth bot sich aufgrund der vorhandenen Flugzeughallen, Werkstätten und Kasernenanlagen als Ausweichstandort an. Bereits seit Ende 1941 waren dort Flugzeuge aus der laufenden Heinkel-Produktion zeitweise abgestellt worden.
- 1943: Die Verlagerung der Heinkel-Produktion nach Barth wurde erheblich ausgeweitet. Bestehende Hallen des Fliegerhorstes wurden zu Produktionsstätten umgebaut und zusätzliche Einrichtungen geschaffen. Barth entwickelte sich damit neben seiner militärischen Funktion zu einem bedeutenden Rüstungsstandort der Flugzeugindustrie.
- 9. November 1943: Der erste nachweisbare Transport mit 200 männlichen KZ-Häftlingen aus Buchenwald traf in Barth ein. Weitere Transporte aus Buchenwald, Dachau, Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen und anderen Konzentrationslagern folgten.
- 1943–1945: Auf dem Gelände beziehungsweise unmittelbar im Umfeld des Fliegerhorstes bestand das KZ-Außenlager Barth. Weit mehr als 5.000 Männer und Frauen aus zahlreichen europäischen Ländern wurden dort zur Arbeit für die Heinkel-Flugzeugproduktion gezwungen. Sie fertigten Flugzeugteile und Baugruppen und arbeiteten unter extrem schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Gegen Kriegsende wurden vermutlich auch komplette Flugzeuge montiert.
- 1944: Die Produktion wurde trotz der sich verschlechternden Kriegslage fortgesetzt. Neben konventionellen Flugzeugmustern spielte gegen Ende des Krieges auch die Fertigung für die Heinkel He 162, den strahlgetriebenen sogenannten „Volksjäger“, eine Rolle.
- 2. Mai 1944: Der Fliegerhorst wurde Ziel eines alliierten Luftangriffs. Die militärischen Anlagen und die dortige Rüstungsproduktion rückten mit zunehmender alliierter Luftüberlegenheit stärker in den Fokus.
Kriegsende, Rote Armee und Operation Revival (1945–1956)
- Januar bis April 1945: Aufgrund des Vormarsches der Roten Armee wurden noch einmal verschiedene Ausbildungseinheiten und Reste anderer Luftwaffenverbände nach Barth verlegt. Der Flugplatz diente damit während der letzten Kriegswochen auch als Auffang- und Ausweichstandort.
- April 1945: Auch Teile von Einsatzverbänden erreichten kurz vor Kriegsende noch Barth. Am 28. April kam beispielsweise die III. Gruppe des Schlachtgeschwaders 1 auf den Flugplatz, um gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen eingesetzt zu werden.
- 30. April 1945: Die Räumung des KZ-Außenlagers hatte begonnen. Viele Häftlinge wurden auf Todesmärsche geschickt. Gleichzeitig lösten sich die militärischen Strukturen in und um Barth zunehmend auf.
- 1. Mai 1945: Die deutsche Luftwaffe räumte den Fliegerhorst endgültig. Zurück blieben teilweise beschädigte Anlagen, Flugzeuge, Produktionsmaterial und Einrichtungen der Heinkel-Werke.
- 2. Mai 1945: Einheiten der Roten Armee besetzten den Flugplatz. Kurzzeitig wurde Barth anschließend von sowjetischen Jagdfliegerverbänden genutzt. Zu den dort eingesetzten Kräften gehörten Teile der 309. sowjetischen Jagdfliegerdivision.
- 12.–14. Mai 1945: Der Flugplatz wurde zum Ausgangspunkt einer der bemerkenswertesten Lufttransportaktionen unmittelbar nach dem Ende des Krieges. Im Rahmen der amerikanischen Operation Revival wurden Tausende ehemalige alliierte Kriegsgefangene aus dem nahe gelegenen Stalag Luft I von Barth ausgeflogen. Die 8th Air Force setzte dafür unter anderem B-17-Bomber ein, deren Innenräume für den Transport der ehemaligen Gefangenen vorbereitet worden waren. Insgesamt wurden annähernd 9.000 alliierte Soldaten aus dem Raum Barth ausgeflogen.
- 1945–1946: Nach der vorübergehenden sowjetischen Nutzung verlor Barth zunächst seine Bedeutung als Flugplatz. Flugzeuge, Material und technische Einrichtungen wurden erfasst, abtransportiert oder zerstört.
- Ab 1947: Im Zuge der sowjetischen Reparationsmaßnahmen wurden große Teile der verbliebenen technischen Ausstattung demontiert. Maschinen und andere Einrichtungen wurden in die Sowjetunion transportiert. Zahlreiche Produktionsgebäude und Flugzeughallen wurden abgerissen oder gesprengt.
- Ende der 1940er- bis Mitte der 1950er-Jahre: Das ehemalige Flugplatzgelände hatte kaum noch eine fliegerische Funktion und wurde zeitweise unter anderem als militärisches Übungs- und Schießgelände genutzt. Von dem großen Luftwaffenstützpunkt der Kriegsjahre waren nur Teile der Infrastruktur erhalten geblieben.
Neubeginn als DDR-Inlandsflughafen (1957–1964)
- 15. Juni 1957: Nach rund zwölf Jahren ohne regulären zivilen Flugverkehr wurde Barth reaktiviert. Die Deutsche Lufthansa der DDR nahm den Platz in ihr innerdeutsches Streckennetz auf. Dafür wurde die beschädigte Start- und Landebahn instand gesetzt und neue, zunächst vergleichsweise einfache Flughafenanlagen errichtet.
- 1957: Zu den Neubauten gehörten ein Tower, eine kleine Werfthalle sowie eine Abfertigungsbaracke. Aus dem ehemaligen Militärflugplatz entstand damit ein ziviler Verkehrsflughafen, der vor allem der schnellen Anreise von Urlaubern an die Ostseeküste dienen sollte.
- 1957: Von Barth bestanden Inlandsverbindungen unter anderem nach Berlin-Schönefeld, Leipzig, Erfurt und Dresden. Zunächst kamen hauptsächlich zweimotorige Iljuschin Il-14P zum Einsatz. Die Maschinen boten je nach Ausführung Platz für rund zwei Dutzend Passagiere.
- 1958: Während der Ostseewoche kamen über den Flughafen Barth auch Besucher aus Helsinki in die Region. Obwohl Barth in erster Linie ein DDR-Inlandsflughafen blieb, verdeutlichte dieses Ereignis die repräsentative Bedeutung des Flughafens für die Ostseeregion.
- September 1961: Auf dem Flugplatz fanden die ersten Fallschirmsprünge des späteren Fallschirmjägerverbandes der NVA statt. Von diesem Zeitpunkt an wurde Barth neben dem zivilen Verkehr wieder regelmäßig militärisch mitgenutzt.
- Ab 1961: Die NVA nutzte den Platz insbesondere für die Fallschirmsprungausbildung. Später kamen weitere militärische Nutzer hinzu. Auch Einheiten der Volksmarine verwendeten Barth zeitweise beziehungsweise als Ausweichplatz. Der zivile Flugbetrieb lief parallel weiter.
- 1963: Nach der Auflösung der Deutschen Lufthansa der DDR gingen Personal, Flugzeuge und Streckennetz auf die bereits 1958 gegründete Interflug über. Damit wurde auch der Flughafen Barth Teil des Interflug-Netzes.
Blütezeit des Interflug-Inlandsverkehrs (1965–1975)
- Mai 1965: Ein prominenter Besucher traf über Barth an der Ostseeküste ein: Der amerikanische Jazzmusiker Louis Armstrong landete im Zusammenhang mit seiner DDR-Tournee auf dem Flughafen.
- Sommer 1965: Das Vorfeld wurde ausgebaut und weitere Abstellmöglichkeiten beziehungsweise Hallen geschaffen. Die Infrastruktur wurde damit an den steigenden Passagier- und Flugbetrieb angepasst.
- Ab 1967: Mit der Einführung der Antonow An-24 bei Interflug wurde auch der innerdeutsche Verkehr schrittweise auf das moderne Turbopropmuster umgestellt. Die An-24 bot deutlich mehr Kapazität als die zuvor eingesetzten Il-14 und wurde zum charakteristischen Flugzeug des späteren Barther Linienverkehrs.
- Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre: Barth entwickelte sich vor allem während der Urlaubssaison zu einem wichtigen Zugang zur Ostseeküste. Von hier wurden Feriengebiete auf Fischland, Darß und Zingst sowie die Räume Stralsund, Rostock und Rügen über Busverbindungen weiter erschlossen.
- 1971: Der Flughafen erreichte den Höhepunkt seines DDR-Linienverkehrs. In diesem Zeitraum wurden jährlich rund 76.000 bis knapp 80.000 Passagiere gezählt. Damit gehörte Barth trotz seiner einfachen Abfertigungsanlagen zu den stark frequentierten saisonalen Inlandsflughäfen der DDR.
- 1973: Nach Angaben des Flughafens wurden in diesem Jahr noch rund 76.000 Linienpassagiere abgefertigt. Der Verkehr wurde weiterhin wesentlich vom Ostsee-Urlaubsverkehr geprägt.
- 11. August 1974: Eine Jakowlew Jak-40 der tschechoslowakischen Luftstreitkräfte landete in Barth. Das Ereignis gehörte zu den ungewöhnlicheren Flugbewegungen während der letzten Jahre des regulären Passagierverkehrs.
- 1974–1975: Der DDR-Inlandsflugverkehr geriet zunehmend unter wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Druck. Verbesserte Eisenbahnverbindungen, die zunehmende Motorisierung sowie die vergleichsweise hohen Betriebskosten des Luftverkehrs machten zahlreiche innerdeutsche Flugverbindungen weniger attraktiv. Gleichzeitig begann Interflug mit der Ausmusterung der An-24, für die im Inlandverkehr kein unmittelbar geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand.
- 1. Oktober 1975: Der reguläre Passagierflugverkehr in Barth wurde eingestellt. Die Navigationsanlagen für den Linienbetrieb wurden anschließend teilweise demontiert. Damit endete nach rund 18 Jahren die erste zivile Verkehrsflughafenära des Standortes.
Interflug-Agrarflug und militärische Mitnutzung (1975–1990)
- 1975: Nach Einstellung des Passagierverkehrs wurde der Flughafen nicht aufgegeben. Interflug übernahm den Standort für den Agrarflug, der in der DDR eine große Bedeutung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Pflanzenschutz besaß.
- 1976: Es begann die Umprofilierung des ehemaligen Verkehrsflughafens zur Werftaußenstelle Barth des Produktionsbereiches Anklam des Interflug-Betriebes Agrarflug. Damit erhielt der Platz zusätzlich eine technische Funktion bei Wartung und Kontrolle der Agrarflugzeugflotte.
- Mai 1979: Die neue technische Basis in Barth wurde offiziell an den Betrieb Agrarflug beziehungsweise dessen Produktionsbereich Anklam übergeben. Agrarflugzeuge mussten für bestimmte planmäßige Kontrollen damit nicht mehr ausschließlich zur zentralen Werft nach Anklam fliegen.
- Ende der 1970er- und 1980er-Jahre: Von Barth aus beziehungsweise über die dortige technische Basis wurden Flugzeuge und Hubschrauber des Interflug-Agrarfluges betreut. Typische Muster dieses Bereichs waren unter anderem die Let Z-37 Čmelák, Antonow An-2 sowie Hubschrauber vom Typ Kamow Ka-26 und Mil Mi-8.
- Bis 1990: Der Flugplatz blieb damit fliegerisch aktiv, obwohl es keinen regulären Linienpassagierverkehr mehr gab. Neben Agrarflug und technischer Nutzung fanden weiterhin Allgemeine Luftfahrt sowie verschiedene militärische Aktivitäten statt.
Wendezeit und Wiederzulassung als Verkehrsflughafen (1990–1993)
- 23. Januar 1990: Noch vor der deutschen Wiedervereinigung landete aus Hamburg kommend das erste Kleinflugzeug der westlichen Allgemeinen Luftfahrt in Barth. Dieser Flug markierte symbolisch den Beginn einer neuen Epoche.
- 27. September 1990: Der Flugplatz erhielt seine Wiederzulassung als Flughafen. Damit waren die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, Barth nach dem Ende der DDR als zivilen Regionalflughafen weiterzuentwickeln.
- 27. Juni 1991: Die Ostseeflughafen Stralsund-Barth GmbH wurde gegründet. Ursprünglich hielten die Hansestädte Rostock und Stralsund, die Stadt Barth sowie der damalige Landkreis Ribnitz-Damgarten jeweils 25 Prozent der Anteile.
- 1991: Die erste Ausbaustufe begann. Das Investitionsvolumen betrug rund eine Million D-Mark. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützte das Projekt mit etwa 900.000 D-Mark Fördermitteln.
- 1992: Für die weitere Entwicklung der regionalen Luftverkehrsinfrastruktur wurden zusätzliche Fördermittel in Millionenhöhe bereitgestellt. Gleichzeitig begann sich Barth wieder als Ziel für Charter- und Geschäftsflüge zu etablieren. Unter anderem nutzten Fußball-Bundesligavereine den Flughafen für Reisen zu Spielen in Rostock.
- 1992: Regelmäßiger beziehungsweise bedarfsabhängiger Charterverkehr brachte erstmals seit der Einstellung des Interflug-Linienverkehrs wieder größere Passagiergruppen über Barth in die Region.
- 1993: Die zweite Ausbaustufe begann. Dazu gehörten ein grundlegender Neubau beziehungsweise Ausbau der Start- und Landebahn, die Erweiterung des Vorfeldes, moderne elektronische Navigationshilfen sowie eine Erneuerung der Bahn- und Vorfeldbefeuerung. In den damaligen Planungsunterlagen wurde die neue Bahn mit rund 1.720 × 30 Metern angegeben.
- 1993: Die ausgebaute Start- und Landebahn wurde unter Beteiligung der damaligen Bundesministerin Angela Merkel eingeweiht. Der Flughafen hatte damit einen erheblich moderneren technischen Standard erreicht.
Technischer Ausbau und Konsolidierung (1994–2003)
- 1994: Eine neue Anflugbefeuerung wurde installiert. Sie verbesserte die Voraussetzungen für An- und Abflüge bei schlechteren Sichtverhältnissen und war ein weiterer Schritt beim Ausbau zum modernen Regionalflughafen.
- 1995: Für die Landerichtung 27 wurde ein satellitengestütztes Nichtpräzisionsanflugverfahren eingerichtet. Damit erhielt Barth zusätzliche Möglichkeiten für instrumentengestützte Anflüge.
- 1990er-Jahre: Trotz der umfangreichen Investitionen kehrte der klassische Linienverkehr nicht dauerhaft zurück. Stattdessen konzentrierte sich der Flughafen zunehmend auf Allgemeine Luftfahrt, Geschäfts- und Charterverkehr, Flugausbildung sowie touristische Flüge.
- 1994: Durch die Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern entstand der Landkreis Nordvorpommern. Dieser übernahm als Rechtsnachfolger die Beteiligung des bisherigen Landkreises Ribnitz-Damgarten an der Flughafengesellschaft.
- 2002: Die Hansestadt Rostock schied aus der Ostseeflughafen Stralsund-Barth GmbH aus. Ihre Gesellschaftsanteile wurden jeweils zur Hälfte von der Hansestadt Stralsund und dem Landkreis Nordvorpommern übernommen. Damit stieg deren jeweiliger Anteil auf 37,5 Prozent, während die Stadt Barth weiterhin 25 Prozent hielt.
- 20. Juni 2003: Barth war Station des Deutschlandfluges, an dem mehr als 80 Flugzeuge beziehungsweise Teilnehmer beteiligt waren. Der Flughafen hatte sich inzwischen fest in der Allgemeinen Luftfahrt etabliert.
Dritte Ausbaustufe und neues Flughafenkonzept (2004–2012)
- 2004: Die Flughafengesellschaft beantragte Fördermittel für eine weitere grundlegende Modernisierung. Das bestehende Abfertigungsgebäude und insbesondere die aus den 1950er-Jahren stammenden Anlagen entsprachen zunehmend nicht mehr den Anforderungen eines zeitgemäßen Regionalflughafens.
- 2008: Der Landkreis Nordvorpommern erhielt eine verbindliche Förderzusage über 2,7 Millionen Euro für die dritte Ausbaustufe. Damit konnte die umfangreichste Modernisierung seit den frühen 1990er-Jahren vorbereitet werden.
- 26. Juni 2009: In einer öffentlichen Veranstaltung wurden die geplanten Maßnahmen und die künftigen Nutzungsmöglichkeiten des Flughafens vorgestellt. Neben Allgemeiner Luftfahrt, Geschäfts- und Tourismusverkehr rückte zunehmend die entstehende Offshore-Windindustrie vor der deutschen Ostseeküste in den Mittelpunkt der Zukunftsplanung.
- Mai 2010: Mit dem Abriss der alten Abfertigungsbaracke begann die eigentliche dritte Ausbaustufe. Damit verschwanden wesentliche Teile der Infrastruktur, die noch aus der Wiedereröffnung des Flughafens Ende der 1950er-Jahre stammten.
- 14. Juli 2010: Der Grundstein für ein neues Terminalgebäude mit integriertem Tower wurde gelegt. Die neue Anlage sollte Abfertigung, Flugsicherung beziehungsweise Flugplatzkontrolle, Verwaltung und Servicebereiche in einem modernen Gebäudekomplex zusammenführen.
- 29. Oktober 2010: Am neuen Terminal wurde Richtfest gefeiert. Parallel dazu wurden Teile der Befeuerung und Außenanlagen erneuert beziehungsweise für neue gewerbliche Nutzungen vorbereitet.
- 2011: Der Flughafen wurde bereits konkret für Arbeiten im Zusammenhang mit dem Offshore-Windpark Baltic 1 genutzt. Bauteile wurden mit Spezialhubschraubern von Barth zu Montageplätzen auf der Ostsee transportiert. Damit zeigte sich erstmals praktisch die geplante Rolle des Flughafens als Stützpunkt für die Offshore-Industrie.
- September 2011: Durch eine erneute Kreisgebietsreform entstand der heutige Landkreis Vorpommern-Rügen. Dieser wurde Rechtsnachfolger des Landkreises Nordvorpommern und übernahm dessen Beteiligung an der Flughafengesellschaft.
- 25. April 2012: Das neue Flughafenterminal mit Tower wurde offiziell seiner Bestimmung übergeben. Die Modernisierung umfasste neben dem Neubau auch Arbeiten an der Befeuerung, den Außenanlagen und der technischen Infrastruktur.
- 2012: Mit Abschluss der Baumaßnahmen erhielt der Ostseeflughafen ein neues strategisches Konzept. Neben der Allgemeinen Luftfahrt sollten Geschäfts- und Charterverkehr, touristischer Incoming-Verkehr sowie Einsätze im Zusammenhang mit Offshore-Windparks zu wichtigen Standbeinen werden.
Solarparks und Weiterentwicklung des Flughafengeländes (2012–2019)
- Dezember 2012: Auf nicht unmittelbar für den Flugbetrieb benötigten Flächen des Flughafengeländes ging der erste große Photovoltaikpark mit einer Leistung von rund 31,5 MWp in Betrieb. Damit begann zusätzlich zur fliegerischen Nutzung die großflächige Nutzung von Teilen des Areals zur regenerativen Energieerzeugung.
- Juli 2013: Ein zweiter Solarpark mit einer Leistung von rund 8,2 MWp folgte. Die Photovoltaikflächen wurden so angeordnet, dass der eigentliche Flugbetrieb des Flughafens erhalten blieb.
- 2013: Nach der grundlegenden Modernisierung des Flughafens wurden rund 21.000 Passagiere beziehungsweise Gäste gezählt. Die Zahlen waren allerdings nicht mit dem früheren klassischen Interflug-Linienverkehr vergleichbar, da sich die Struktur des Verkehrs inzwischen grundlegend verändert hatte.
- Februar 2017: Mit Barth III wurde ein weiterer Solarpark mit rund 9,9 MWp errichtet. Damit wurde die energetische Nutzung der großen ehemaligen Militärflächen weiter ausgebaut.
- 2019: Mit Barth IV, V und VI entstanden weitere Photovoltaikanlagen. Besonders bemerkenswert war Barth V mit einer Leistung von 8,8 MWp, da das Projekt ohne klassische EEG-Förderung wirtschaftlich betrieben wurde und damit zu den frühen großen förderfreien Solarparks Deutschlands gehörte.
- 2019: Insgesamt waren damit auf dem Gelände sechs Solarparks mit einer gemeinsamen Leistung von rund 68,4 MWp entstanden. Die Flächen des ehemaligen riesigen Militärflugplatzes hatten dadurch zusätzlich zur Luftfahrt eine bedeutende energiepolitische Funktion erhalten.
Ostseeflughafen Stralsund-Barth in der Gegenwart (2020–heute)
- Seit den 2020er-Jahren: Der Flughafen hat sich dauerhaft als regionaler Standort der Allgemeinen Luftfahrt etabliert. Klassischer Linienverkehr wie zu Zeiten von Lufthansa der DDR und Interflug findet nicht mehr statt. Stattdessen bestimmen Privat-, Geschäfts-, Ausbildungs-, Rund- und Charterflüge sowie Fallschirmsport und verschiedene gewerbliche Luftfahrtaktivitäten das Bild.
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