Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 11. August 2026 von Charles David Fennell

SIEGERLAND
Siegerland Flughafen
Der Siegerland Flughafen (SGE / EDGS) ist weit mehr als nur ein Regionalflughafen auf der Lipper Höhe. Seine Geschichte reicht bis in die 1930er Jahre zurück und führt von einem militärischen Flugplatz der Luftwaffe über den Segelflug der Nachkriegszeit bis hin zum modernen Standort für Geschäfts-, Charter- und Spezialflüge.
Zwischen Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen gelegen, entwickelte sich der Flughafen über Jahrzehnte zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Luftfahrtinfrastruktur. Zeitweise gab es sogar regelmäßige Linienverbindungen nach Berlin, Leipzig und Sylt. Heute prägen vor allem Business Aviation, Ambulanz- und Sonderflüge, Luftfracht, Flugausbildung sowie Wartungs- und Luftfahrtunternehmen den Betrieb.
Mit seiner 1.620 Meter langen Start- und Landebahn 13/31, der Instrumentenfluginfrastruktur und zahlreichen am Platz ansässigen Unternehmen hat sich Siegerland seine Bedeutung als vielseitiger Luftfahrtstandort bis heute erhalten. Gerade die Verbindung aus bewegter Vergangenheit, regionaler Wirtschaft und moderner Luftfahrt macht den Flughafen zu einem interessanten Kapitel der deutschen Flughafengeschichte.
Flughafenstraße 8
D-57299 Burbach
IATA: SGE
ICAO: EDGS
RUNWAYS:
13/31 (1620x30m) Asphalt
04/22 (500x30m) Gras
13/31 (600x30m) Gras
GESCHICHTE
Militärische Entstehung auf der Lipper Höhe (1934–1945)
- 1934: Auf der Lipper Höhe begannen die ersten Vermessungsarbeiten für einen Flugplatz der neu entstehenden deutschen Luftwaffe. Das Gelände lag auf einem Hochplateau an der Grenze zwischen Siegerland und Westerwald und bot ausreichend Platz für einen großflächigen Grasflugplatz. Die Planungen liefen zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
- 1935: In regionalhistorischen Darstellungen wird 1935 als Beginn des Flugbetriebs beziehungsweise als Inbetriebnahme des Feldflugplatzes Lippe genannt. Dabei handelte es sich noch nicht um einen Flugplatz mit befestigter Start- und Landebahn. Das Flugfeld bestand im Wesentlichen aus einer großen Grasfläche, auf der Starts und Landungen je nach Windrichtung möglich waren. Der eigentliche militärische Ausbau setzte sich während der folgenden Jahre fort.
- 1936–1938: In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurde das Gelände zu einem sogenannten Einsatzhafen erster Ordnung ausgebaut. Zeitweise waren mehr als 200 Arbeiter an den Bauarbeiten beteiligt. Neben dem eigentlichen Flugfeld entstanden Unterkünfte, technische Gebäude, Abstellmöglichkeiten sowie außerhalb beziehungsweise am Rand des Platzes angelegte und teilweise getarnte Flugzeugstellplätze. Auch Munitionslager und weitere militärische Infrastruktur gehörten zum Ausbau.
- 1938: Der Flugplatz Lippe galt spätestens 1938 als militärisch nutzbar. Das annähernd rechteckige Grasflugfeld hatte ungefähr eine Ausdehnung von 1.000 × 825 Metern. Eine feste Beton- oder Asphaltbahn existierte zu dieser Zeit noch nicht. Der Platz war als sogenannter E-Hafen vorgesehen, also als Einsatz- und Ausweichflugplatz, und nicht als großer dauerhaft belegter Fliegerhorst.
- 1939: Mit der Mobilmachung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde auf dem Platz die Fliegerhorst-Kommandantur (E) Lippe eingerichtet. Hinzu kamen unter anderem eine motorisierte Luftnachrichten-Einheit und die für den Betrieb eines Einsatzhafens erforderlichen Versorgungskräfte. Trotz dieser militärischen Infrastruktur blieb Lippe über längere Zeiträume nur schwach beziehungsweise zeitweise gar nicht mit fliegenden Verbänden belegt.
- März 1940: Im Zuge einer Neuorganisation erhielt die Flugplatzkommandantur die Bezeichnung E 21/XII. Während der Vorbereitungen auf den deutschen Westfeldzug wurde der Platz vorübergehend stärker genutzt. Seine Lage im Westen des Reichsgebietes machte ihn als Bereitstellungs- und Ausweichflugplatz interessant.
- Juni 1940: Nach dem erfolgreichen Vormarsch der Wehrmacht nach Frankreich wurde die Flugplatzkommandantur E 21/XII nach Neufchâteau in Frankreich verlegt. Auf der Lipper Höhe begann daraufhin erneut eine längere Phase mit vergleichsweise geringer fliegerischer Aktivität.
- 1942–1943: Zur Verbesserung der Versorgung wurde eine Eisenbahnverbindung zwischen Emmerzhausen und dem Flugplatz gebaut. Diese Nebenbahn diente vor allem dem Transport von Treibstoff, Munition und anderen militärischen Gütern. Im Volksmund erhielt sie später die Bezeichnung „Bomben-Bähnchen“. Die Strecke verband den abgelegenen Flugplatz mit dem regionalen Eisenbahnnetz.
- Anfang September 1944: Mit dem Vorrücken der alliierten Streitkräfte nach Frankreich und Belgien gewann der Flugplatz wieder an militärischer Bedeutung. Die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 1 unter Hauptmann Heinz Knoke verlegte für kurze Zeit nach Lippe. Eingesetzt wurden vor allem Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109 G. Bereits Mitte September wurde der Verband weiter nach Fels am Wagram in Österreich verlegt.
- Anfang März 1945: In der letzten Kriegsphase wurden der Stab sowie die 1. und 2. Staffel der Nachtschlachtgruppe 2 nach Lippe beordert. Der Verband flog unter anderem die inzwischen technisch veraltete Junkers Ju 87, die in den letzten Kriegsmonaten vor allem für nächtliche Stör- und Erdkampfeinsätze verwendet wurde. Damit befand sich kurz vor Kriegsende wieder eine größere Zahl deutscher Kampfflugzeuge auf der Lipper Höhe.
- 14. März 1945: Der Flugplatz wurde zum Ziel mehrerer schwerer amerikanischer Tieffliegerangriffe. P-47 Thunderbolt der 22nd und 23rd Fighter Squadrons der 36th Fighter Group sowie der 507th Fighter Squadron der 404th Fighter Group griffen das Gelände in mehreren Wellen mit Bordwaffen und Bomben an. Die erste Angriffswelle erfolgte am späten Vormittag, weitere Angriffe folgten gegen Mittag und am Nachmittag.
- 14. März 1945: Amerikanische Einsatzmeldungen meldeten anschließend eine außergewöhnlich hohe Zahl zerstörter und beschädigter Flugzeuge. Die nachweisbaren deutschen Verlustmeldungen ergeben jedoch ein deutlich genaueres Bild: Von 26 einsatzbereiten Ju 87 wurden 22 vollständig zerstört. Zwei deutsche Soldaten kamen ums Leben, ein weiterer wurde verwundet. Rund 1.400 Liter Kraftstoff liefen aus, außerdem entstanden Bombentrichter und leichtere Gebäudeschäden. Der Flugplatz war zunächst nicht mehr einsatzbereit.
- 17. März 1945: Nur wenige Tage nach den Angriffen wurde die Verlegung des Stabes und der Staffeln der Nachtschlachtgruppe 2 in Richtung Kirtorf beziehungsweise Ziegenhain angeordnet. Damit endete die letzte bedeutende fliegende Nutzung des Platzes durch die deutsche Luftwaffe.
- Ende März 1945: Mit dem weiteren Vormarsch amerikanischer Bodentruppen verlor der Flugplatz endgültig seine militärische Funktion. Das stark beschädigte Gelände und die zurückgelassene Infrastruktur gingen nach Kriegsende in alliierte Kontrolle über.
Vom ehemaligen Militärplatz zum Segelfluggelände (1946–1963)
- 1946: Die während des Krieges gebaute Eisenbahnverbindung zwischen Emmerzhausen und dem Flugplatz wurde bereits etwa ein Jahr nach Kriegsende wieder stillgelegt. Für den ursprünglichen militärischen Zweck bestand kein Bedarf mehr, und ein Weiterbetrieb der Strecke ließ sich wirtschaftlich nicht rechtfertigen.
- Späte 1940er und frühe 1950er Jahre: Das ehemalige Flugplatzgelände blieb grundsätzlich erhalten. Entscheidende Voraussetzung für eine spätere Wiederaufnahme des Flugbetriebs war, dass große Teile der Fläche nicht dauerhaft anderweitig bebaut oder landwirtschaftlich parzelliert wurden.
- 7. Oktober 1955: Der Luftsportverein Hellertal wurde gegründet. Das ehemalige Flugplatzgelände auf der Lipper Höhe entwickelte sich damit wieder zu einem aktiven Flugplatz. Der Verein bezeichnete das Areal in seiner eigenen Geschichte rückblickend auch als ehemaligen „Stuka-Flugplatz“. Der damalige Bürgermeister Ewald Sahm setzte sich dafür ein, das Gelände für den Flugsport zu erhalten.
- 1955–Anfang der 1960er Jahre: Zunächst stand vor allem der Segelflug im Mittelpunkt. Die Segelflugzeuge wurden überwiegend mit einer Startwinde in die Luft gebracht. Aus der zunächst rein sportlichen Wiederbelebung des alten Militärflugplatzes entwickelte sich jedoch zunehmend die Vorstellung, auf der Lipper Höhe einen leistungsfähigeren Flugplatz für die gesamte Region zu schaffen.
Aufbau des zivilen Siegerland Flughafens (1964–1969)
- 1964: Die Siegerland Flughafen GmbH wurde gegründet. Damit erhielt die Entwicklung des Geländes erstmals eine dauerhafte wirtschaftliche und organisatorische Grundlage. Ziel war es, einen leistungsfähigen Flugplatz für das Siegerland und die angrenzenden Regionen aufzubauen und insbesondere der regionalen Wirtschaft einen Zugang zur Allgemeinen Luftfahrt zu ermöglichen.
- 1964–1966: In dieser Phase entstanden die wesentlichen Grundlagen des späteren Verkehrsflughafens. Das Flugplatzgelände wurde neu geordnet und technische Einrichtungen, Abfertigungsbereiche sowie die für einen regulären Motorflugbetrieb erforderliche Infrastruktur wurden aufgebaut. Tower, Betriebsgebäude und Startbahnanlagen bildeten zunehmend das Erscheinungsbild des neuen zivilen Flughafens.
- 1966: Regionalhistorische Unterlagen führen 1966 als Beginn des zivilen Betriebs unter der Bezeichnung Siegerland-Flughafen. Der Platz stand nun insbesondere der Allgemeinen Luftfahrt und dem Geschäftsreiseverkehr zur Verfügung. Damit begann die eigentliche zivile Geschichte des heutigen Flughafens.
- 1967: Ein Jahr nach Aufnahme des zivilen Betriebs erfolgte die offizielle Eröffnung beziehungsweise öffentliche Einweihung des ausgebauten Siegerland-Flughafens. Die Einweihung wurde durch den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn vorgenommen. Die gelegentlich genannten Jahreszahlen 1966 und 1967 bezeichnen damit zwei unterschiedliche Schritte: 1966 den Beginn des zivilen Flughafenbetriebs und 1967 die offizielle Einweihung.
- Späte 1960er Jahre: Mit dem Flugdienst Siegerland entstand ein eigenes Luftfahrtunternehmen am Platz. Zum eingesetzten Fluggerät gehörten unter anderem zweimotorige Cessna-Muster wie die Cessna 401 beziehungsweise 402. Neben Geschäfts- und Charterflügen gab es erste Versuche, regelmäßige Flugverbindungen aus dem Siegerland heraus aufzubauen. Diese konnten sich jedoch zunächst nicht dauerhaft etablieren.
- 1969: Der Flughafen wurde als Grenzübergangsstelle für den nichtgewerblichen internationalen Luftverkehr zugelassen. Damit konnten bestimmte internationale Flüge direkt über Siegerland abgewickelt werden. Gleichzeitig ist für diese Zeit bereits eine befestigte Start- und Landebahn mit 1.150 Metern Länge und 30 Metern Breite dokumentiert.
Etablierung als regionaler Wirtschaftsflughafen (1970–1989)
- 1970er Jahre: In den folgenden Jahren entwickelte sich der Flughafen zunehmend zu einem Standort für Geschäftsreiseverkehr, Schulung, Werksverkehr und private Allgemeine Luftfahrt. Die Infrastruktur wurde schrittweise erweitert und an die Anforderungen größerer und leistungsfähigerer Flugzeuge angepasst. Der Flughafen war dabei vor allem für die mittelständisch und industriell geprägte Wirtschaftsregion Siegerland von Bedeutung.
- September 1978: Auf Teilen der Start- und Landebahn sowie der Rollwege wurde erstmals ein größerer Automobil-Rundkurs eingerichtet. Unter der Bezeichnung Siegerlandring beziehungsweise Siegerland-Flughafen-Rennen entstand eine temporäre Rennstrecke mit einer Länge von rund 3,3 Kilometern. In den folgenden Jahrzehnten fanden auf dem Flughafengelände regelmäßig Motorsportveranstaltungen statt.
- 1978–1984: Die Flughafenrennen etablierten sich zu einer regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltung. Gefahren wurde jeweils auf einer nur vorübergehend eingerichteten Strecke, sodass die Flugbetriebsflächen anschließend wieder ihrer eigentlichen Nutzung zugeführt werden konnten. Unter anderem gastierte die damals populäre Interserie mehrfach auf dem Siegerlandring.
- 8. September 1985: Das achte Siegerland-Flughafen-Rennen gehörte zur Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft, einer unmittelbaren Vorgängerserie der späteren DTM. Das Rennen gewann Klaus Ludwig. Damit erreichten die Motorsportveranstaltungen auf dem Flughafengelände auch international größere Aufmerksamkeit.
- Zweite Hälfte der 1980er Jahre: Parallel zu den Motorsportveranstaltungen blieb die Luftfahrt die zentrale Funktion des Geländes. Geschäftsluftfahrt, Flugschulen, private und gewerbliche Allgemeine Luftfahrt sowie Wartungsbetriebe stärkten den Standort. Die Diskussion über eine weitere Verlängerung und Modernisierung der befestigten Startbahn gewann zunehmend an Bedeutung.
Ausbau und regionale Linienverbindungen (1990–1999)
- Anfang der 1990er Jahre: Die Flughafenbetreiber verfolgten das Ziel, Siegerland stärker in den regionalen Linien- und Geschäftsreiseverkehr einzubinden. Gleichzeitig wurde eine Verlängerung der bis dahin rund 1.150 Meter langen befestigten Start- und Landebahn auf 1.620 Meter vorbereitet. Dadurch sollte der Betrieb größerer Geschäfts- und Regionalflugzeuge erleichtert werden.
- 1993: Besonders konkret wurde der regionale Linienverkehr mit sogenannten Bedarfsflugverbindungen. Dokumentiert sind Verbindungen nach Berlin-Tempelhof und Leipzig/Halle, die mit einer neunsitzigen Cessna 404 Titan von Kirberger Aviation durchgeführt wurden. Bei der Cessna 404 handelte es sich entgegen vereinzelten historischen Beschreibungen nicht um ein Turbopropflugzeug, sondern um ein zweimotoriges Kolbenflugzeug. Rund 2.000 Passagiere nutzten 1993 diese Verbindungen. Insgesamt wurden im gewerblichen Verkehr dieses Jahres etwa 8.000 Passagiere gezählt.
- 1990er Jahre: Zeitweise bestanden auch weitere Verbindungen in die neuen Bundesländer. Unter anderem war Saxonia Airlines im Verkehr ab Siegerland aktiv. Eingesetzt wurden unter anderem Reims-Cessna F406 und Fairchild-Metroliner-Flugzeuge. Die Flugziele und Betreiber wechselten mehrfach, da sich ein dauerhaft wirtschaftlich tragfähiges Liniennetz von Siegerland aus nur schwer etablieren ließ.
- 1990er Jahre: Im Verlauf der weiteren Ausbauphase wurde die befestigte Start- und Landebahn schließlich auf ihre heutige Länge von 1.620 Metern gebracht. Damit war eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb leistungsfähigerer Geschäfts- und Regionalflugzeuge geschaffen. Spätestens Mitte der 2000er Jahre ist die 1.620 × 30 Meter große Asphaltbahn eindeutig dokumentiert.
- Herbst 1999: Für die Betriebsrichtung Runway 31 wurde ein Instrumentenlandesystem ILS der Kategorie I in Betrieb genommen. Dadurch waren Anflüge auch bei deutlich eingeschränkter Sicht und niedriger Wolkenuntergrenze möglich. Gerade für den planbaren Geschäfts- und gewerblichen Verkehr bedeutete dies einen erheblichen Qualitätssprung.
Bombenfund, Siegerlandring und erneuter Linienverkehr (2000–2003)
- Mai 2000: Auf dem Siegerlandring fand das letzte Flughafenrennen statt. Zwischen September 1978 und Mai 2000 wurden insgesamt 23 Siegerland-Flughafen-Rennen ausgetragen. Eine für 2001 vorgesehene 24. Veranstaltung kam nicht mehr zustande. Damit endete nach mehr als zwei Jahrzehnten die Motorsportgeschichte des Flughafens.
- 28. September 2000: Bei Arbeiten beziehungsweise Untersuchungen auf dem Flughafengelände wurde unmittelbar unter der Start- und Landebahn eine etwa 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Bei der notwendigen Beseitigung beziehungsweise kontrollierten Detonation entstand ein großer Krater in der Bahn. Der Flughafen musste daraufhin für ungefähr drei Wochen geschlossen werden.
- Herbst 2000: Kurz nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs führten weitere Auswertungen historischer Luftbilder zu neuen Verdachtsstellen. Aus Sicherheitsgründen musste der Flughafen erneut geschlossen werden, diesmal für weitere 22 Tage. Die Ereignisse machten deutlich, dass die militärische Vergangenheit des Flugplatzes auch mehr als fünf Jahrzehnte nach Kriegsende noch unmittelbare Auswirkungen auf den Betrieb hatte.
- 28. Oktober 2001: Die Rheinland Air Service – RAS nahm erneut einen planmäßigen Linienverkehr ab Siegerland auf. Werktags wurde Berlin-Tempelhof angeflogen. Zusätzlich gab es eine wöchentliche Verbindung zur Insel Sylt. Zum Einsatz kam eine Beechcraft 1900 der Avanti Air mit rund 19 Passagiersitzen.
- 2002: Nach wirtschaftlichen Problemen beziehungsweise der Insolvenz von Rheinland Air Service wurde die Sylt-Verbindung eingestellt. Die Strecke nach Berlin-Tempelhof blieb zunächst erhalten und wurde anschließend von Hahn Air Lines weitergeführt. Die Flüge wurden weiterhin mit einer von Avanti Air betriebenen Beechcraft 1900 durchgeführt.
- Anfang 2003: Die wirtschaftliche Situation der Berlin-Verbindung verschärfte sich. Die Auslastung reichte nicht aus, um die Strecke ohne weitere öffentliche Unterstützung dauerhaft zu betreiben. Gleichzeitig hatte sich durch das starke Wachstum der Billigfluggesellschaften an größeren Flughäfen im weiteren Umfeld die Wettbewerbssituation deutlich verändert.
- 28. März 2003: Mit dem Ende des Winterflugplans wurde die Linienverbindung nach Berlin eingestellt. Damit endete die bislang letzte Phase regelmäßiger Linienflüge am Siegerland Flughafen. Die öffentlichen Anlaufzuschüsse für die seit 2001 bestehende Verbindung hatten sich bis dahin auf rund eine Million Euro summiert.
Neuausrichtung auf Geschäftsluftfahrt, Fracht und Spezialverkehr (2004–2016)
- 2004–2005: Nach dem Ende des Linienverkehrs konzentrierte sich der Flughafen stärker auf seine klassischen Geschäftsfelder. Dazu gehörten Geschäftsreiseverkehr, Charterflüge, Flugausbildung, Wartung, Expressfracht, Ambulanzflüge und private Allgemeine Luftfahrt. Gerade Geschäftsreise-, Expressfracht- und Ambulanzverkehr gewannen innerhalb des Verkehrsmixes an Bedeutung.
- 2005: Für das Jahr wurden 36.507 Flugbewegungen und 35.453 Passagiere registriert. Hinzu kamen rund 184 Tonnen Luftfracht. Etwa 140 Flugzeuge waren zu dieser Zeit am Siegerland Flughafen stationiert. Am Standort arbeiteten zahlreiche Luftfahrtunternehmen und Organisationen, darunter Flugschulen, Wartungsbetriebe, Geschäftsfluggesellschaften und die Luftrettung. Rund drei Viertel der Flugbewegungen wurden dem gewerblichen Bereich zugerechnet.
- 2000er Jahre: Der Flughafen entwickelte sich zunehmend weg von der Vorstellung eines klassischen Regionalflughafens mit Linienverkehr und hin zu einem spezialisierten Standort für die Allgemeine und gewerbliche Luftfahrt. Die vorhandene Infrastruktur mit Instrumentenlandesystem, befestigter Bahn und umfangreichen Hallenflächen bot dafür gute Voraussetzungen.
- August 2014: Die Siegerland Flughafen GmbH nahm eine eigene, vom Luftfahrt-Bundesamt zugelassene Luftfrachtkontrollstelle in Betrieb. Dadurch können sicherheitsrelevante Kontrollen von Luftfracht direkt am Flughafen vorgenommen werden. Der Bereich Express- und Sonderfracht erhielt damit eine zusätzliche infrastrukturelle Grundlage.
- 2015: Am Flughafen wurde eine eigene Brandschutz- und Feuerlöschtrainingsanlage in Betrieb genommen. Die Anlage wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt und dient unter anderem der realitätsnahen Ausbildung von Flughafenfeuerwehren, Luftfahrtpersonal und anderen Einsatzkräften. Dadurch entstand neben dem eigentlichen Flugbetrieb ein weiteres spezialisiertes Geschäftsfeld.
Finanzielle Diskussion und Zukunftssicherung (2017–2019)
- 24. März 2017: Die Zukunft des Flughafens geriet erneut in den Mittelpunkt der politischen Diskussion. Der Kreistag fasste einen konditionierten Schließungsbeschluss, der die weitere Existenz des Flughafens von bestimmten wirtschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen abhängig machte. Die Entscheidung führte insbesondere in der regionalen Wirtschaft zu erheblichen Diskussionen.
- 16. Mai 2017: Unternehmen aus der Region erklärten ihre Bereitschaft, sich finanziell stärker an der Sicherung des Flughafens zu beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits verbindliche Zusagen in Höhe von rund 834.000 Euro vor. Ziel war eine Unterstützung von ungefähr einer Million Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. Damit sollte die Bedeutung des Flughafens für den Wirtschaftsstandort unterstrichen und sein Fortbestand gesichert werden.
- August 2017: Der Förderverein Siegerland Flughafen Dreiländereck e.V. wurde gegründet. Er sollte Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen zusammenführen, die sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Flughafens einsetzen. Neben finanzieller Unterstützung gehörte auch die stärkere Vermarktung des Standortes zu den Aufgaben.
- 2018–2019: Der Schwerpunkt lag weiterhin auf einer möglichst breiten Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. Geschäftsluftfahrt, Wartung, Flugausbildung und Spezialflüge bildeten die wirtschaftliche Basis. Ein erneuter Aufbau eines klassischen Linienflugangebots spielte dagegen keine zentrale Rolle mehr.
Pandemie, Ausbau und neue Investitionen (2020–2022)
- 2020: Die Corona-Pandemie machte sich auch am Siegerland Flughafen bemerkbar. Der Umsatz ging zurück, allerdings weniger dramatisch als an vielen großen Verkehrsflughäfen, da Siegerland kaum vom klassischen Linien- und touristischen Passagierverkehr abhängig war. Im Verlauf des Jahres wurden knapp 20.000 Flugbewegungen verzeichnet.
- Ende 2021:Klaus Irle übernahm die Geschäftsführung der Siegerland Flughafen GmbH. Er folgte auf Henning Schneider, der den Flughafen zuvor über viele Jahre geleitet hatte.
- 2021: Die Zahl der Starts und Landungen erreichte wieder ungefähr 22.000 Flugbewegungen. Rund 60 Prozent davon entfielen auf gewerblichen Verkehr. Mehr als 100 Flugzeuge und Hubschrauber waren zu dieser Zeit dauerhaft am Standort stationiert. Die vorhandenen Hallenkapazitäten waren weitgehend ausgelastet.
- 26. April 2022: Mit dem ersten Spatenstich begann der Bau einer zusätzlichen Flugzeughalle. Der neue Hangar H sollte rund 1.000 Quadratmeter Nutzfläche erhalten und Platz für bis zu zehn größere Geschäftsreiseflugzeuge oder etwa 15 kleinere Maschinen bieten. Die Investitionssumme wurde mit rund 1,8 Millionen Euro angegeben. Bemerkenswert war, dass die neue Halle bereits zu Beginn der Bauarbeiten vollständig vermietet beziehungsweise reserviert war.
- 2022: Der Hangarneubau zeigte den inzwischen vollzogenen Strukturwandel besonders deutlich. Nicht der klassische Linienpassagier stand im Mittelpunkt, sondern dauerhaft stationierte Geschäftsflugzeuge, Flugschulen, Wartungsunternehmen und andere luftfahrtaffine Betriebe.
Siegerland Flughafen in seiner heutigen Rolle (2023–2026)
- 2023–2025: Der Flughafen festigte seine Funktion als regionaler Luftfahrt- und Wirtschaftsstandort. Zu den Schwerpunkten gehörten Geschäfts- und Charterflüge, Ambulanzflüge, dringende Frachttransporte, Pilotenausbildung, Wartung und Avionik sowie verschiedene Dienstleistungen für Unternehmen und Flugzeughalter. Auch Test- und Spezialflüge spielen am Standort eine Rolle.
- 24. August 2025: Im Rahmen des Jubiläumsjahres des Kreises Siegen-Wittgenstein fand am Siegerland Flughafen ein großes Flughafenfest statt. Der Airport präsentierte sich dabei erneut als Bestandteil der regionalen Infrastruktur und als Standort zahlreicher Luftfahrtunternehmen.
- Frühjahr 2026: Nachdem Geschäftsführer Klaus Irle seinen Eintritt in den Ruhestand angekündigt hatte, wurde die Leitung des Flughafens neu ausgeschrieben beziehungsweise neu besetzt. Damit stand nach mehreren Jahren erneut ein Führungswechsel an.
- 1. Juli 2026:André Feuerstein übernahm die Geschäftsführung der Siegerland Flughafen GmbH. Damit begann eine neue Führungsphase für den Flughafen.
- Stand 2026: Der Siegerland Flughafen verfügt über die asphaltierte Start- und Landebahn 13/31 mit 1.620 Metern Länge und 30 Metern Breite. Die Oberfläche besitzt eine Anti-Skid-Behandlung. Ergänzt wird sie durch Grasflächen beziehungsweise Grasbahnen für Teile des Flugbetriebs. Für Instrumentenanflüge stehen unter anderem ILS- und RNP-Verfahren zur Verfügung. Nachtflugbetrieb nach Sichtflugregeln ist ebenfalls möglich.
- Stand 2026: Einen regelmäßigen öffentlichen Linienverkehr gibt es nicht mehr. Der Flughafen hat sich stattdessen als spezialisierter Regionalflughafen für Business Aviation, Charterverkehr, Ambulanz- und Sonderflüge, Luftfracht, Flugausbildung, Wartung und luftfahrttechnische Dienstleistungen positioniert. Mehrere Luftfahrtunternehmen sind unmittelbar am Flughafen ansässig und nutzen die vorhandene Infrastruktur dauerhaft.
- Stand 2026: Damit hat sich die Funktion des Platzes innerhalb von rund neun Jahrzehnten mehrfach grundlegend verändert: vom militärischen Einsatzhafen der Luftwaffe über den Segelflugplatz der Nachkriegszeit zum regionalen Verkehrsflughafen mit zeitweisem Linienverkehr und schließlich zu einem spezialisierten Standort für gewerbliche Allgemeine Luftfahrt und luftfahrtbezogene Unternehmen. Die ursprüngliche Flugplatzfläche auf der Lipper Höhe ist dabei bis heute der Kern eines Luftfahrtstandortes geblieben, dessen Entwicklung bereits 1934 begann.
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