Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 18. Juni 2026 von Charles David Fennell

Spotter Mania Titelbild

KIEL – HOLTENAU

Port of Kiel Airport

Der Flughafen Kiel-Holtenau gehört zu den traditionsreichsten Luftfahrtstandorten in Schleswig-Holstein. Seine Geschichte reicht bis in die frühe Zeit der Marinefliegerei zurück und ist eng mit der Lage an der Kieler Förde, dem Nord-Ostsee-Kanal und der maritimen Bedeutung Kiels verbunden. Aus einer militärisch geprägten Seefliegerstation entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte ein Standort, der immer wieder zwischen Marinefliegerei, zivilem Luftverkehr, Regionalflughafen und städtischer Zukunftsplanung stand.

Besonders prägend waren die Jahre der Marineflieger, die Kiel-Holtenau über lange Zeit ein klares Gesicht gaben. Mit Such- und Rettungsflügen, Hubschrauberbetrieb und militärischer Infrastruktur wurde der Platz weit über die Region hinaus bekannt. Gleichzeitig spielte auch der zivile Luftverkehr eine Rolle, vor allem in den Phasen, in denen Linienverbindungen nach Berlin, Frankfurt oder München angeboten wurden.

Heute steht Kiel-Holtenau für eine vielschichtige Luftfahrtgeschichte, in der sich militärische Tradition, zivile Nutzung und aktuelle Stadtentwicklung begegnen. Der Platz ist kein großer Verkehrsflughafen, aber ein Standort mit besonderem Charakter, historischer Tiefe und einer engen Verbindung zur Stadt Kiel und ihrer maritimen Identität.

Boelckestraße 100
D-24159 Kiel

IATA: KEL
ICAO: EDHK

RUNWAYS:
08/26 (1260x30m) Asphalt
08/26 (450x35m) Gras


GESCHICHTE

Von der Seefliegerstation zur Keimzelle der Marinefliegerei (1913–1914)
  • Sommer 1913 entstand am Voßbrook in Kiel-Holtenau eine künstlich aufgeschüttete Ebene, die aus Erdmassen des Kanalbaus geformt wurde. Auf dieser Fläche wurde zunächst eine provisorische Start- und Landemöglichkeit eingerichtet. Damit begann die fliegerische Nutzung des Gebietes, das später zu einem der traditionsreichsten Luftfahrtstandorte an der Kieler Förde werden sollte.
  • 1914 wurde die Marineflieger-Abteilung aus der Danziger Bucht nach Kiel-Holtenau verlegt. Holtenau wurde damit zu einer wichtigen Mutterstation des deutschen Marinefliegerwesens. Die Lage an der Kieler Förde und am Eingang zum Nord-Ostsee-Kanal machte den Standort strategisch interessant, weil sich von hier aus See- und Küstenräume überwachen ließen.
  • 25. Juni 1914 ereignete sich in Holtenau der erste tödliche Flugunfall des Fliegerhorstes. Dabei kam Kapitänleutnant Walter Schroeter, der damalige Kommandant der Fliegerstation, ums Leben. An diesen frühen Abschnitt erinnert bis heute die militärische Prägung, die Holtenau über Jahrzehnte begleiten sollte.
Einsatz, Ausbildung und Umbruch im Ersten Weltkrieg (1914–1918)
  • 1914 bis 1918 diente Kiel-Holtenau während des Ersten Weltkriegs vor allem der Überwachung der Ostseezugänge und der Ausbildung von fliegendem Personal der Seefliegerei. Im Vergleich zu anderen Seefliegerstationen lag Holtenau zwar weiter entfernt von den großen Kriegsschauplätzen, blieb aber ein bedeutender Ausbildungs- und Stützpunkt der Marinefliegerei.
  • 1918 wurden gegen Kriegsende noch größere militärische Ausbaupläne verfolgt. Dazu gehörten Arbeiten im Bereich Stegelhörn, dem späteren Plüschowhafen. Nach dem Ende des Krieges im November 1918 wurden diese Vorhaben abgebrochen. Die Anlagen blieben teilweise unfertig zurück, und die fliegerische Entwicklung wurde durch die politischen und militärischen Folgen des Kriegsendes stark gebremst.
  • 2. Dezember 1918 wurde der Dienst in Holtenau wieder aufgenommen. Der Zustand der Station war allerdings schlecht. Flugzeuge waren beschädigt, Motoren ausgebaut, Hallen und Gebäude ungeordnet oder geplündert. Die Station bestand weiter, aber der lebhafte Flugbetrieb der Kriegsjahre war zunächst vorbei.
Abrüstung, zivile Neuorientierung und Eingemeindung (1919–1925)
  • 1919 bis 1920 wurde der Flugbetrieb stark eingeschränkt. Die Bestimmungen nach dem Ersten Weltkrieg und die alliierte Kontrolle machten eine normale militärische Nutzung unmöglich. Trotzdem fanden noch einzelne Übungs- und Versorgungsflüge statt, unter anderem im Winter 1919/1920 zu eingefrorenen Schiffen in der Förde.
  • März bis September 1920 kam es zur endgültigen Auflösung der alten Marinefliegerstruktur in Holtenau. Ende März 1920 veranlassten die Alliierten die Vernichtung von Flugzeugen und Motoren. Bis Ende September wurden zahlreiche Maschinen und Triebwerke zerstört. Am 9. September 1920 fand der letzte Appell der 1. See-Flieger-Abteilung statt.
  • 1922 wurde Holtenau nach Kiel eingemeindet. Für die Stadt eröffnete sich damit die Möglichkeit, den Standort stärker in städtische Verkehrs- und Wirtschaftsplanungen einzubeziehen. Die Idee eines zivilen Landflughafens gewann an Bedeutung, weil Kiel als Landeshauptstadt besser an das Luftverkehrsnetz angeschlossen werden wollte.
  • 1925 begannen Planierarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Sperrforts. Damit wurde die Grundlage für den späteren Landflugplatz auf dem sogenannten Oberland geschaffen. Dieser Bereich ist für die Geschichte des heutigen Flughafens Kiel-Holtenau besonders wichtig, weil hier der eigentliche Landflugplatz entstand.
Gründung der Kieler Flughafengesellschaft und ziviler Landflughafen (1927–1933)
  • November 1927 wurde die Kieler Flughafen-Gesellschaft mbH gegründet. Beteiligt waren das Deutsche Reich, der preußische Staat, die Provinz Schleswig-Holstein und die Stadt Kiel. Damit erhielt der zivile Luftverkehr in Kiel eine feste organisatorische Grundlage.
  • 23. April 1928 wurde der Flugbetrieb auf dem Flugplatz Holtenau offiziell eröffnet. Der neue Landflugplatz wurde zivil genutzt, unter anderem durch die Deutsche Lufthansa und die Luftdienst GmbH. In den folgenden Jahren entwickelte sich Kiel-Holtenau zu einem festen Bestandteil des regionalen Luftverkehrs.
  • Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wurde Holtenau nicht nur zivil genutzt. Die SEVERA, die See-Flugzeug-Versuchsabteilung, war ebenfalls vor Ort aktiv. Unter ziviler Tarnung wurden dort Fähigkeiten aufgebaut, die nach den Einschränkungen des Versailler Vertrags offiziell nicht im Vordergrund stehen durften. Gleichzeitig gab es auch Seenoteinsätze, etwa im Zusammenhang mit dem Untergang des Segelschulschiffes „Niobe“ im Jahr 1932.
Aufrüstung, militärischer Ausbau und Luftwaffenzeit (1934–1939)
  • 1934 musste die Stadt Kiel das Gelände mit Hafenanlagen, Mole und Flugplatz an den Staat verkaufen. Danach begann sehr schnell die Wiederaufrüstung. Der Flugplatz wurde ausgebaut, der Stegelhörner Bereich erhielt militärische Anlagen, und der Hafen wurde später als Plüschowhafen bekannt. Holtenau wandelte sich damit wieder deutlich in Richtung militärischer Nutzung.
  • 1935 wurde der Holtenauer Kirchturm verkürzt, weil er den Flugbetrieb störte. Dieses Detail zeigt, wie stark die militärische Luftfahrt nun in das Ortsbild eingriff. Der Ausbau des Flugplatzes veränderte nicht nur den Standort selbst, sondern auch die Umgebung des Stadtteils Holtenau.
  • 1. März 1937 nahm mit der Marinefliegerbordgruppe 196 wieder ein militärischer Verband in Holtenau Gestalt an. Der Standort erhielt damit nach Jahren ziviler und verdeckter Nutzung erneut einen klar militärischen Charakter. Gleichzeitig blieb die zivile Mitnutzung zunächst bestehen, unter anderem mit Verbindungen nach Braunschweig und Berlin-Tempelhof.
  • 1938 bis 1939 wurden in Holtenau auch Einheiten aufgebaut, die im Zusammenhang mit dem geplanten Flugzeugträger „Graf Zeppelin“ standen. Dazu gehörten Träger- und Bordfliegerverbände, die unter anderem mit Messerschmitt Bf 109 und Junkers Ju 87 in Verbindung gebracht werden. Der Standort war damit eng in die Luft- und Seerüstungspläne der Zeit eingebunden.
  • 27. Januar 1939 wurden die Marineflieger in die Luftwaffe eingegliedert. Für Holtenau bedeutete das eine weitere Verschiebung der Zuständigkeiten. Die Luftwaffe übernahm nun Aufgaben, die zuvor stärker maritim geprägt waren.
  • 30. August 1939 wurde die Seenotzentrale Ost mit der Seenotbezirksstelle Holtenau offiziell eingerichtet. Damit spielte Holtenau auch im Rettungsdienst eine Rolle. Diese Linie führte später über die Bundesmarine und das Marinefliegergeschwader 5 weiter.
Kriegsbetrieb, Besetzung und Nachkriegsstillstand (1939–1955)
  • 1939 bis 1945 wurde Kiel-Holtenau als militärischer Flugplatz genutzt. Der Standort unterstützte militärische Operationen und Rettungsaufgaben, blieb aber im Verlauf des Krieges auch Teil der stark belasteten Kieler Rüstungs- und Marineregion. Mit dem Zusammenbruch im Mai 1945 endete die deutsche militärische Fliegerei in Holtenau zunächst vollständig.
  • Mai bis Juni 1945 wurde der Standort von britischen Truppen besetzt. Die Royal Engineers richteten sich ein, und bereits im Juni 1945 entstand der British Kiel Yacht Club. Teile des früheren militärischen Geländes und der Hafenanlagen wurden nun anders genutzt, während die Luftfahrt zunächst ruhte.
  • 31. August bis 4. September 1945 fand bereits wieder eine erste Kieler Woche statt. Alte Flugzeughallen wurden in der Folgezeit unter anderem für Boote genutzt. Holtenau blieb damit auch nach dem Krieg ein Ort mit maritimer Bedeutung, auch wenn die Luftfahrt vorerst nur eine geringe Rolle spielte.
  • 28. April 1951 erlaubten die Alliierten wieder den Segelflug. Damit begann die fliegerische Wiederbelebung nach der langen Zwangspause. Der Luftsport war der erste Schritt zurück zu einer zivilen Nutzung des Flugplatzes.
  • Mai 1955 wurde der Motorflugsport wieder zugelassen. Der Luftsportverein Kiel erhielt als erster Verein in Deutschland eine Ausbildungsgenehmigung für die fliegerische Ausbildung. Im Sommer 1955 konnte der Verein außerdem eine eigene Bücker Bü 181 „Bestmann“ übernehmen.
Rückkehr der Marineflieger und Aufbau des SAR-Standortes (1956–1968)
  • 26. Juni 1956 wurde Kiel-Holtenau durch einen Aufstellungsbefehl der Marine wieder zum Seefliegerhorst. Damit begann der Neuaufbau der Marineflieger in der Bundesrepublik. Holtenau wurde erneut zu einem zentralen Ort für maritime Luftfahrt.
  • 1957 wurde die Aufstellung der 1. Marinefliegergruppe verfügt, während Holtenau zugleich Sammelpunkt verschiedener Dienststellen war. Dazu gehörten das Kommando der Marineflieger, technische Ausbildungsbereiche und weitere militärische Einrichtungen.
  • 4. Januar 1958 begann die Geschichte des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel-Holtenau. Die Marine-Seenotstaffel wurde aufgebaut, zunächst mit Hubschraubern vom Typ Bristol Sycamore sowie später weiteren Verbindungs- und Beobachtungsflugzeugen. Der Auftrag lag im Seenotrettungs-, Transport- und Verbindungsdienst.
  • 1. Juli 1958 wurde die Marine-Seenotstaffel offiziell in Dienst gestellt. Kiel-Holtenau wurde damit zu einem wichtigen Stützpunkt des Such- und Rettungsdienstes. Diese Rolle prägte den Standort über Jahrzehnte.
  • 1959 wurden die Marinefliegerstrukturen umbenannt und neu geordnet. Aus der Marine-Seenotstaffel entwickelte sich die Marine-Dienst- und Seenotgruppe. Die Hubschrauber und Flächenflugzeuge nutzten neben dem eigenen Hubschrauberbereich auch die Landebahn des Flugplatzes Kiel-Holtenau.
  • 1963 wurden die Rollwege ausgebaut. Damit wurde die Infrastruktur des Flugplatzes verbessert und für den kombinierten militärischen und zivilen Betrieb leistungsfähiger gemacht.
  • 1965 entstand ein erstes Abfertigungsgebäude. Damit erhielt Kiel-Holtenau eine zivile Infrastruktur, die für regelmäßigen Passagierverkehr besser geeignet war.
  • 1968 wurde das kurzlebige Marinefliegergeschwader 4 wieder aufgelöst. Die Hubschrauber- und Verbindungsaufgaben des Marinefliegergeschwaders 5 blieben jedoch in Kiel-Holtenau bestehen und machten den Standort weiterhin wichtig für die Marinefliegerei.
Linienverkehr, Pan Am, Cimber Air und Sea King-Ära (1970–1986)
  • 1970 bis 1973 wurden in Kiel-Holtenau Passagiere für Pan-Am-Flüge nach West-Berlin abgefertigt. Dadurch erhielt der Standort zeitweise wieder eine sichtbare Bedeutung im Linienverkehr.
  • 1971 bis 1974 führte Cimber Air ebenfalls zivile Linienflüge von Holtenau aus durch. Diese frühe Phase des Nachkriegslinienverkehrs wurde später wieder beendet, zeigte aber, dass Kiel dauerhaft an einer besseren Einbindung in das Luftverkehrsnetz interessiert war.
  • 20. März 1974 landeten die ersten Westland Sea King Mk.41 der Marine in Kiel-Holtenau. Der Sea King wurde in den folgenden Jahrzehnten zum bekanntesten Luftfahrzeug des Standortes und eng mit den SAR-Einsätzen der Marine verbunden.
  • 1970er und frühe 1980er Jahre blieb Kiel-Holtenau ein gemischt genutzter Standort. Die militärische Nutzung durch die Marineflieger blieb prägend, während zivile und sportfliegerische Aktivitäten parallel liefen. Die besondere Lage zwischen Förde, Kanal und Stadt sorgte dafür, dass der Platz immer wieder zwischen Verkehrsinteresse, militärischer Bedeutung und städtischer Entwicklung diskutiert wurde.
Neues Terminal und erneuter Linienflugaufbau (1987–1994)
  • 2. November 1987 wurde der erneute Linienflugbetrieb offiziell eröffnet. Pan Am bot die Strecke Kiel–Berlin–Kiel an, während Cimber Air die Strecke Kiel–Frankfurt–Kiel bediente. Geflogen wurde in dieser Phase unter anderem mit ATR 42.
  • 1987 wurde auch das bis heute bekannte Abfertigungsgebäude gebaut. Damit bekam der zivile Betrieb eine modernere Grundlage. Der Flughafen Kiel-Holtenau trat nun wieder stärker als Regionalflughafen in Erscheinung.
  • 1989 bis 1994 wurde der Linienverkehr schrittweise ausgebaut. Neben Frankfurt und Berlin kamen später weitere Ziele hinzu. In dieser Zeit entwickelte sich Kiel-Holtenau zu einem kleinen, aber durchaus aktiven Regionalflughafen mit Verbindungen, die vor allem für Geschäftsreisende und die Landeshauptstadt Kiel wichtig waren.
Ziviler Flughafen, Tower und Ausbaupläne (1995–2002)
  • 1995 übernahm die Kieler Flughafengesellschaft den Flughafen auf dem Oberland mit rund 100 Hektar Fläche und der vorhandenen Infrastruktur. Damit wurde aus dem zuvor militärisch dominierten Flugplatz wieder stärker ein ziviler Flughafen, auch wenn militärische Mitnutzung weiterhin bestand.
  • 1997 wurde der zivile Flugplatzbetrieb durch einen neuen Tower ergänzt. Dieser Tower wurde zivil betrieben und markierte den weiteren Ausbau der zivilen Infrastruktur nach der Übernahme durch die Kieler Flughafengesellschaft.
  • 2000 wurde eine neue Flugzeughalle gebaut. Außerdem wurde eine Potenzialanalyse für den Flughafen durchgeführt. Die Frage, ob Kiel-Holtenau durch eine längere Start- und Landebahn stärker in den Regionalflugverkehr eingebunden werden könnte, rückte damit in den Mittelpunkt.
  • 2001 begannen Planungen zur Verlängerung der Start- und Landebahn. Ziel war es, den Flughafen für größere Flugzeuge und einen stabileren Linienverkehr attraktiver zu machen. In diesem Jahr wurden einschließlich Geschäftsflugzeugen noch rund 31.000 Flugbewegungen von und nach Kiel gezählt.
  • März 2002 wurden Ausbaupläne beschlossen, die eine Verlängerung der Bahn auf etwa 2.100 Meter vorsahen. Damit hätten auch Strahlflugzeuge Kiel-Holtenau besser nutzen können. Gleichzeitig war der Ausbau politisch und gesellschaftlich stark umstritten, unter anderem wegen Kosten, Lärm und der Nähe zu Wohngebieten.
Niedergang des Linienverkehrs und Ende der Ausbaupläne (2003–2006)
  • 2003 bis 2005 wurden Linienverbindungen nach und nach eingestellt. Die kurze Bahn, die wirtschaftliche Entwicklung im Regionalflugverkehr und die Nähe zum größeren Flughafen Hamburg erschwerten den dauerhaften Betrieb. Kiel-Holtenau verlor damit zunehmend seine Rolle im regelmäßigen Passagierlinienverkehr.
  • 23. Dezember 2005 endete die letzte reguläre Linienverbindung vorübergehend. Damit stand der Flughafen ohne Linienflugangebot da.
  • 24. Januar 2006 erklärte das Land Schleswig-Holstein die Ausbaupläne endgültig für beendet. Die geplante Verlängerung der Start- und Landebahn wurde nicht weiterverfolgt. Damit war klar, dass Kiel-Holtenau nicht zu einem größeren Regionalflughafen mit Jet-tauglicher Infrastruktur ausgebaut werden würde.
  • 15. Februar 2006 ereignete sich ein Zwischenfall mit einer Dassault Falcon 20 aus Russland. Das Flugzeug musste wegen Rauchentwicklung an Bord in Kiel notlanden, rutschte über das Bahnende hinaus und wurde schwer beschädigt. Der Vorfall machte die begrenzte Bahnlänge und die besonderen betrieblichen Rahmenbedingungen des Platzes erneut sichtbar.
  • 2. Mai 2006 nahm Cirrus Airlines nochmals eine Linienverbindung nach München auf. Eingesetzt wurde eine De Havilland Canada DHC-8-100 mit bis zu 39 Passagieren. Die Maschine war mit Technik und Besatzung in Kiel stationiert.
  • Ende Oktober 2006 wurde auch diese Verbindung wegen zu geringer Fluggastzahlen wieder eingestellt. Seitdem gibt es ab Kiel-Holtenau keinen regulären Linienflugverkehr mehr.
Neuausrichtung ohne Linienverkehr und Abzug des MFG 5 (2007–2013)
  • 2007 bis 2010 richtete sich der zivile Flugplatz stärker auf Geschäftsflüge, Luftsport, Ambulanzflüge, Wartung, Ausbildung und Sonderverkehre aus. Der Platz blieb erhalten, verlor aber den Charakter eines klassischen Linienflughafens. Heute ist Kiel-Holtenau flugrechtlich vor allem als Verkehrslandeplatz einzuordnen.
  • 2010 wurde nach Bekanntgabe des Abzugs des Marinefliegergeschwaders 5 der Konversionsprozess für das MFG-5-Areal eingeleitet. Die Stadt Kiel plante auf den frei werdenden Flächen ein neues gemischtes Stadtquartier mit Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Segeln, Tourismus, Sport und Gemeinbedarf.
  • Juni bis November 2012 verlegte das Marinefliegergeschwader 5 von Kiel-Holtenau nach Nordholz. Damit endete die jahrzehntelange Stationierung eines prägenden Marinefliegerverbandes in Kiel. Am 6. November 2012 fand das „Fly-Out“ aus Kiel statt.
  • 28. März 2013 verabschiedeten sich die Marineflieger endgültig vom Standort Kiel-Holtenau. Mit der Übergabe von Schlüssel und Bundesdienstflagge ging die militärische Epoche des MFG 5 in Kiel formal zu Ende.
Stadtentwicklung, Bürgerentscheid und Sicherung des Flugplatzes (2014–2020)
  • 2014 wurde die städtebauliche Gesamtmaßnahme Holtenau Ost in das Förderprogramm „Stadtumbau West“ aufgenommen. Damit erhielt die Umnutzung des früheren Marinefliegerareals eine verbindlichere planerische Grundlage.
  • 26. April 2016 beschloss Kiel die Sanierungssatzung „Holtenau Ost“ und legte das gleichnamige Sanierungsgebiet förmlich fest. Die öffentliche Bekanntmachung erfolgte am 14. Mai 2016. Damit wurden die sanierungsrechtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung des ehemaligen MFG-5-Areals geschaffen.
  • 6. Mai 2018 stimmten die Kielerinnen und Kieler in einem Bürgerentscheid über die Zukunft des Verkehrslandeplatzes Holtenau ab. Die Frage zielte auf eine Schließung des Platzes und die Entwicklung eines neuen Stadtteils auf dem Flughafengelände. Nach dem amtlichen Ergebnis wurde der Verkehrslandeplatz Holtenau nicht geschlossen: 28,7 Prozent stimmten für die Schließung, 71,3 Prozent dagegen.
  • 2018 wurde das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept für Holtenau Ost weiter konkretisiert. Dieses bezog sich vor allem auf das frühere MFG-5-Areal und nicht auf eine Schließung des weiterhin betriebenen Verkehrslandeplatzes.
  • 15. Dezember 2020 ging das ehemalige MFG-5-Areal in das Eigentum der Stadt Kiel über. Damit schien der Weg für ein großes Zukunftsquartier an der Förde frei zu sein.
Gegenwart, zivile Nutzung und neue Bundeswehr-Pläne (2021–2026)
  • 2021 bis 2024 blieb Kiel-Holtenau als Verkehrslandeplatz erhalten. Der Schwerpunkt lag auf Geschäftsflügen, Luftsport, Ausbildung, Wartung, Ambulanzflügen, Organtransporten und Sonderverkehren. Die offizielle Flughafenkommunikation beschreibt Kiel-Holtenau weiterhin als Regionalflughafen der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins mit direkter Nähe zur Förde und guter Verbindung zu Hafen und Stadt.
  • 2024 wurde die Geschichte des Sea King noch einmal sichtbar, als an die erste Landung dieses Musters in Kiel-Holtenau vor 50 Jahren erinnert wurde. Der Sea King blieb über Jahrzehnte eines der bekanntesten Symbole der Marinefliegerzeit in Kiel, auch wenn das MFG 5 inzwischen in Nordholz beheimatet ist.
  • 2025 bis 2026 änderte sich die Perspektive für Teile des früheren Marinefliegergeländes erneut. Die Bundeswehr meldete wegen der veränderten Sicherheitslage wieder Bedarf an Flächen in Kiel-Holtenau an. Damit gerieten frühere Stadtentwicklungspläne für Holtenau Ost unter Druck.
  • April 2026 einigten sich Stadt Kiel und Bund grundsätzlich auf eine Rückgabe beziehungsweise erneute militärische Nutzung von Teilen des früheren MFG-5-Geländes. Ein Teil von Holtenau Ost soll dennoch in städtischem Eigentum bleiben und weiterhin für Wohnen, Grünflächen und öffentliche Zugänge entwickelt werden.
  • Juni 2026 gab die Kieler Ratsversammlung grünes Licht für die weitere Ausarbeitung der Vereinbarungen zwischen Stadt und Bund. Damit ist Kiel-Holtenau erneut ein Standort, an dem zivile Flugplatznutzung, frühere Marinefliegergeschichte, Stadtentwicklung und aktuelle sicherheitspolitische Interessen eng nebeneinanderstehen.

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