Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 11. August 2026 von Charles David Fennell

SCHWERIN / PARCHIM CLOSED

Parchim International Airport

Der Parchim International Airport, auch bekannt als Flughafen Schwerin-Parchim, ist ein ehemaliger Verkehrsflughafen in Mecklenburg-Vorpommern. Er liegt südöstlich von Schwerin und besitzt mit seiner rund 3.000 Meter langen Start- und Landebahn eine beachtliche Infrastruktur. Der Flughafen wurde viele Jahre für Fracht, Charterflüge und zeitweise auch zur Abstellung von Flugzeugen genutzt. Der reguläre Flugbetrieb ist jedoch beendet, und der Flughafen wurde 2023 offiziell geschlossen. Für Spotter bleibt Parchim trotzdem interessant, weil der Platz eine wechselvolle Geschichte hat und 2026 wieder durch ein mögliches Interesse der Deutschen Marine in den Fokus gerückt ist.

Flughafenstraße
D-19370 Parchim

IATA: SZW
ICAO: EDOP

RUNWAY:
06/24 (3000x55m) Beton


GESCHICHTE

Vom Gleitfluggelände zum Luftwaffen-Fliegerhorst (1934–1939)
  • 1934 – Auf dem Gelände westlich von Parchim fanden erste Flüge mit Segel- und Gleitflugzeugen statt. Gleichzeitig begann im Zuge der deutschen Wiederaufrüstung die militärische Erschließung des Areals. Der spätere Fliegerhorst entstand etwa vier Kilometer westlich der Stadt Parchim auf einem Gebiet, das schon zuvor militärisch genutzt worden war.
  • 1936 – Das Gelände wurde bereits als Landeplatz genutzt, während der Ausbau zu einem vollwertigen Fliegerhorst voranschritt. Neben dem eigentlichen Flugfeld entstanden militärische Funktionsgebäude, Hallen, Unterkünfte und weitere Einrichtungen.
  • August 1937 – Der neue Fliegerhorst Parchim wurde offiziell in Betrieb genommen. Damit begann die dauerhafte militärische Nutzung des Standorts durch die Luftwaffe. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur weiter ausgebaut und an die zunehmenden Anforderungen der deutschen Luftstreitkräfte angepasst.
  • 1939 – Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs gewann Parchim als Einsatz-, Ausbildungs- und Verlegungsflugplatz an Bedeutung. Im November befand sich unter anderem die IV. Gruppe des Kampfgeschwaders zur besonderen Verwendung 1 mit Junkers Ju 52 in Parchim.
Militärischer Einsatz während des Zweiten Weltkriegs (1940–1945)
  • April 1940 – Teile der III. Gruppe des Kampfgeschwaders 30 hielten sich mit Junkers Ju 88 in Parchim auf. Der Flugplatz wurde in dieser Phase immer wieder von unterschiedlichen Verbänden genutzt und diente nicht ausschließlich einer einzigen fest stationierten Einheit.
  • September 1940 bis März 1941 – Die II. Gruppe des Kampfgeschwaders zur besonderen Verwendung 1 war mit Junkers Ju 52 in Parchim stationiert. Transportaufgaben spielten zu dieser Zeit eine wichtige Rolle.
  • März bis Mai 1942 – Teile der III. Gruppe des Kampfgeschwaders 4 nutzten den Fliegerhorst mit Heinkel He 111.
  • Mai bis September 1942 – Parchim entwickelte sich zeitweise zu einem bedeutenden Standort für Luftlande- und Lastenseglerverbände. Unter anderem wurden Gotha Go 242 und DFS 230 eingesetzt. Teile des Luftlandegeschwaders 2 operierten vom Platz.
  • Dezember 1942 – Mit der Stationierung der II. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 5 begann eine längere Phase der Nachtjagd in Parchim. Zum Einsatz kamen vor allem zweimotorige Messerschmitt Bf 110.
  • Juli 1943 – Zusätzlich wurde zeitweise die I. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 2 nach Parchim verlegt. Sie setzte unter anderem Junkers Ju 88 und Messerschmitt Bf 110 ein.
  • März 1944 – Das Erprobungskommando 25 nutzte Parchim mit unterschiedlichen Flugzeugmustern wie Messerschmitt Me 410, Messerschmitt Bf 109 und Focke-Wulf Fw 190. Gleichzeitig blieb der Standort in die deutsche Nachtjagdorganisation eingebunden.
  • Ende 1944 – Mit der sich verschärfenden militärischen Lage wurde Parchim zunehmend auch für moderne und teilweise noch neue Waffensysteme genutzt. Verschiedene Verbände wurden kurzfristig auf den Flugplatz verlegt.
  • Januar 1945 – Die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 7 wurde mit der Messerschmitt Me 262 in Parchim stationiert. Damit gehörte Parchim zu den Einsatzplätzen des ersten mit Strahljägern ausgerüsteten Jagdgeschwaders der Luftfahrtgeschichte.
  • Februar 1945 – Zeitweise befanden sich auch Flugzeuge des Jagdgeschwaders 1 am Platz. In den letzten Kriegsmonaten wurde Parchim damit zu einem Standort mehrerer moderner deutscher Flugzeugtypen.
  • April 1945 – Noch während der letzten Kriegswochen waren Teile des Jagdgeschwaders 7 mit Me 262 in Parchim stationiert. Alliierte Luftangriffe richteten erhebliche Schäden an den Anlagen an. Der Flugplatz wurde im April 1945 durch Angriffe der US-amerikanischen Luftstreitkräfte weitgehend unbrauchbar gemacht.
  • Mai 1945 – Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches gelangte das Gebiet um Parchim zunächst unter alliierte und anschließend unter sowjetische Kontrolle. Damit endete die erste militärische Epoche des Fliegerhorstes, allerdings nur für kurze Zeit.
Wiederaufbau und sowjetische Nutzung (1945–1972)
  • 1945 bis 1949 – Die sowjetischen Streitkräfte übernahmen das Flugplatzgelände und begannen mit dem Wiederaufbau beziehungsweise der Erweiterung der zerstörten Anlagen. Parchim entwickelte sich erneut zu einem großen Militärflugplatz.
  • Ab 1949 – Auf dem wiederhergestellten Flugplatz waren sowjetische Jagdfliegerverbände stationiert. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage den Anforderungen moderner Strahlflugzeuge angepasst.
  • 1950er Jahre – Die Sowjetunion ließ die Start- und Landebahn sowie Rollwege, Abstellflächen, Schutzanlagen und technische Einrichtungen weiter ausbauen. Parchim wurde zu einem wichtigen Bestandteil des sowjetischen Luftstreitkräfte-Netzes auf dem Gebiet der DDR.
  • 1960er Jahre – Der Standort blieb überwiegend mit sowjetischen Jagd- und Jagdbombereinheiten belegt. Parallel entstanden zahlreiche militärische Gebäude und Anlagen, darunter geschützte Führungs- und Versorgungseinrichtungen.
  • 1970 – Die bisherige Nutzung durch Jagd- beziehungsweise Jagdbombenverbände ging zunehmend zu Ende. Erste größere sowjetische Hubschraubereinheiten wurden nach Parchim verlegt. Damit begann eine neue Phase in der militärischen Geschichte des Flugplatzes.
Sowjetischer Kampfhubschrauber-Stützpunkt und Ausbau der Startbahn (1973–1992)
  • 1973 – Das 172. selbstständige Kampfhubschrauberregiment übernahm Parchim als ständigen Standort. Die Einheit blieb bis zum Abzug der sowjetischen beziehungsweise russischen Streitkräfte Anfang der 1990er-Jahre eng mit dem Flugplatz verbunden.
  • 1978/1979 – Die Start- und Landebahn wurde auf rund 3.000 Meter verlängert. Hintergrund waren nicht nur die Anforderungen des militärischen Flugbetriebs, sondern auch umfangreiche Transportaufgaben. Parchim wurde unter anderem für den regelmäßigen Truppenaustausch der sowjetischen Streitkräfte im Norden der DDR genutzt. Die außergewöhnlich lange und tragfähige Piste sollte Jahrzehnte später eine der wichtigsten Voraussetzungen für die zivile Weiternutzung des Flughafens darstellen.
  • 1980er Jahre – Neben dem Hubschrauberbetrieb konnte Parchim aufgrund seiner großen Startbahn auch von schweren Transportflugzeugen genutzt werden. Das weitläufige Gelände verfügte über umfangreiche Abstell-, Wartungs- und Versorgungseinrichtungen.
  • 1987 – Mit dem 439. selbstständigen Hubschrauberregiment kam ein weiterer sowjetischer Verband nach Parchim. Beide Hubschrauberregimenter nutzten den Standort in den letzten Jahren der DDR.
  • 1989/1990 – Nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung begann die Vorbereitung auf den Abzug der sowjetischen Streitkräfte. Damit stellte sich erstmals ernsthaft die Frage, wie das riesige Flugplatzareal künftig genutzt werden sollte.
  • 1991 bis 1992 – Der militärische Flugbetrieb wurde schrittweise reduziert. Hubschrauber und Material der in Parchim stationierten Verbände wurden in Richtung Russland ausgeflogen beziehungsweise abtransportiert.
  • 13. November 1992 – Die russischen Streitkräfte wurden offiziell aus Parchim verabschiedet. Damit endete nach mehreren Jahrzehnten die sowjetische beziehungsweise russische Militärpräsenz auf dem Flugplatz.
  • 1. Dezember 1992 – Das Gelände ging in die zivile Nutzung über. Für den Betrieb wurde die FPM Flughafen Parchim Mecklenburg GmbH gegründet. Vom ehemaligen Militärflugplatz waren zwar eine große Startbahn und umfangreiche Flächen vorhanden, zahlreiche technische Einrichtungen waren beim Abzug der russischen Streitkräfte jedoch entfernt worden. Der zivile Flugbetrieb war deshalb zunächst nur eingeschränkt möglich.
Aufbau eines zivilen Verkehrsflughafens (1993–1997)
  • 1993 – Die ersten Jahre der Konversion waren von umfangreichen Planungen geprägt. Ziel war der Aufbau eines Verkehrsflughafens, der sowohl Passagier- als auch Frachtverkehr übernehmen sollte. Zunächst war der Betrieb im Wesentlichen auf die Allgemeine Luftfahrt und Flüge unter Sichtflugbedingungen am Tage beschränkt.
  • 1994 – Eine neue Anflugbefeuerung für die spätere Hauptlanderichtung wurde installiert. Gleichzeitig entstanden Landebahnrandbefeuerung und eine provisorische Rollwegbefeuerung.
  • 1994 – Ein zunächst nur als Übergangslösung vorgesehener Kontrollturm wurde errichtet. Der vergleichsweise einfache Tower sollte ursprünglich nur wenige Jahre genutzt werden, blieb aber letztlich bis 2015 in Betrieb.
  • November 1994 – Das Land Mecklenburg-Vorpommern wurde Hauptgesellschafter des Flughafens. Die öffentliche Hand setzte große Hoffnungen in die Konversion des ehemaligen Militärstandorts und stellte erhebliche Mittel für den Ausbau bereit.
  • 1995 – Die alten militärischen Rollwege wurden teilweise abgebrochen und erneuert. Sie waren für die Anforderungen moderner schwerer Verkehrsflugzeuge zum Teil nicht ausreichend tragfähig oder zu schmal. Gleichzeitig begann der Aufbau neuer bodengestützter Navigationsanlagen.
  • 23. Mai 1996 – Der zivile Instrumentenflugbetrieb wurde aufgenommen. Zunächst stand ein NDB/DME-Anflugverfahren zur Verfügung. Wegen der noch eingeschränkten Bodeninfrastruktur konnten große Verkehrsflugzeuge zunächst nur begrenzt abgefertigt werden.
  • 15. Juni 1996 – Lufthansa begann den Flughafen regelmäßig für Trainingsflüge mit Airbus A319 und Airbus A320 zu nutzen. Die sehr geringe Verkehrsdichte und die lange Startbahn machten Parchim für Start-, Lande- und Durchstartübungen interessant.
  • Juli 1996 – Auch eine Boeing 747 der Lufthansa kam erstmals zu Trainingszwecken nach Parchim. In der Folge nutzten verschiedene deutsche Fluggesellschaften den Flughafen für Pilotenausbildung und sogenannte Touch-and-Go-Manöver.
  • 30. Oktober 1996 – Neu gebaute Rollwege wurden in Betrieb genommen. Gleichzeitig erhielt die Landebahn ein Instrumentenlandesystem der Kategorie ILS CAT I. Damit war ein wesentlicher Schritt vom ehemaligen Militärflugplatz zum vollwertigen zivilen Verkehrsflughafen vollzogen.
  • 1997 – Ein neues Vorfeld mit mehreren Abstellpositionen für Verkehrsflugzeuge stand zur Verfügung.
  • 25. April 1997 – Der erste kommerzielle Charterflug startete von Parchim. Eine BAe 146 der Hamburg Airlines flog nach Thessaloniki. Ein festes Passagierterminal gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht; die Abfertigung musste mit provisorischen Einrichtungen organisiert werden.
  • 1991 bis 1999 – Insgesamt wurden für Ausbau und Modernisierung des ehemaligen Militärflugplatzes mehrere Dutzend Millionen D-Mark aufgewendet. Ein großer Teil der Investitionen stammte aus öffentlichen Förderprogrammen. Damit entstanden aus der sowjetischen Infrastruktur eine moderne Startbahn, neue Rollwege, Navigationshilfen und Abfertigungsanlagen.
Passagierverkehr, Urlaubscharter und erste internationale Luftfracht (1998–2000)
  • 30. März 1998 – Das neue Abfertigungsgebäude wurde offiziell eröffnet. Gleichzeitig startete ein Airbus A320 der Aero Lloyd nach Antalya. Dieser Flug markierte den Beginn eines regulär organisierten touristischen Charterverkehrs von Parchim.
  • Sommer 1998 – Neben Antalya wurden unter anderem Monastir in Tunesien und Palma de Mallorca angeboten. Zu den eingesetzten Fluggesellschaften gehörten Aero Lloyd, Tunisair und Spanair.
  • 1999 – Der Passagierverkehr blieb hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Parchim stand in direkter Konkurrenz zu den größeren Flughäfen Hamburg und Berlin sowie zum ebenfalls aus einem Militärflugplatz hervorgegangenen Flughafen Rostock-Laage.
  • September 2000 – Ein neues Geschäftsfeld begann mit internationalen Frachtflügen. Russische Fluggesellschaften setzten unter anderem Iljuschin Il-76 auf Flügen aus China ein. Fracht aus Shanghai gelangte mit Zwischenlandungen in Russland nach Parchim. Mangels vollständig ausgebauter Frachtanlagen wurde die Ware zunächst direkt auf dem Vorfeld umgeschlagen und verzollt.
Erste Privatisierung und die Wiggins-/PlaneStation-Ära (2001–2005)
  • 2001 – Der britische Konzern Wiggins Group plc übernahm den Flughafen im Rahmen eines langfristigen Vertrags. Parchim sollte Bestandteil eines europäischen Netzes regionaler Flughäfen werden. Das Unternehmen setzte vor allem auf ehemalige Militärflugplätze mit großen Flächenreserven und vergleichsweise niedrigen Übernahmekosten.
  • 2001 bis 2003 – Die erhoffte starke Entwicklung blieb aus. Wiggins, später in PlaneStation Group umbenannt, konnte weder einen größeren Linienverkehr noch ein dauerhaftes Frachtgeschäft aufbauen.
  • 2002 – Der touristische Verkehr war bereits deutlich zurückgegangen. Die geringe Bevölkerungsdichte im unmittelbaren Einzugsgebiet und die Konkurrenz anderer Flughäfen erschwerten den Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Passagierverkehrs.
  • 2004 – PlaneStation versuchte erneut, touristischen Charterverkehr aufzubauen. Zeitweise wurden wieder Verbindungen nach Palma de Mallorca angeboten. Gleichzeitig entstanden weitere Pläne für Fracht- und sogar Transatlantikverbindungen, die jedoch keine dauerhafte Umsetzung fanden.
  • 2004 – Kleinere Logistik- und Flugzeugserviceunternehmen siedelten sich am Standort an. Dennoch blieben Flugbewegungen und Einnahmen weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück.
  • 15. Januar 2005 – Das Scheitern der ersten großen Privatisierung wurde öffentlich. Nach rund vier Jahren wurde die Zusammenarbeit mit PlaneStation beendet. Der Landkreis Parchim übernahm den Flughafen wieder. Im Rahmen der Trennung erhielt der Landkreis eine Entschädigung; die Flughafenflächen gingen für einen symbolischen Betrag zurück.
  • 1. März 2005 – Der Landkreis Parchim übernahm den Flughafen wieder vollständig in eigener Verantwortung und suchte nach einem neuen wirtschaftlichen Konzept.
  • Sommer 2005 – Parchim wurde unter der Bezeichnung Baltic Airport Schwerin-Parchim vermarktet. Der Schwerpunkt sollte nun deutlich stärker auf Luftfracht gelegt werden.
  • 2005 – Trotz verschiedener Urlaubscharter blieb der Passagierverkehr gering. In der Saison nutzten nur einige Tausend Reisende den Flughafen.
Neuausrichtung zum Frachtflughafen (2005–2006)
  • 2005/2006 – Eine rund 3.000 Quadratmeter große Luftfrachtumschlaghalle wurde errichtet. Damit verbesserten sich die Bedingungen gegenüber dem bisherigen Frachtumschlag auf dem offenen Vorfeld erheblich.
  • 2006 – Der Landkreis entschied, Parchim langfristig vor allem als Frachtflughafen weiterzuentwickeln. Als Vorteil galt insbesondere die Möglichkeit eines 24-Stunden-Flugbetriebs ohne die ausgeprägten Nachtflugbeschränkungen großer Metropolenflughäfen.
  • Oktober 2006 bis April 2007 – Im Auftrag der Bundeswehr wurden zahlreiche Frachtflüge über Parchim abgewickelt. Dabei wurden unter anderem Bauteile für ein Krankenhaus in Afghanistan transportiert. Weißrussische Frachtflugzeuge kamen dafür zum Einsatz.
  • Ende 2006 – Trotz der neuen Frachthalle und einzelner größerer Transportaufträge war weiterhin kein dauerhaft ausreichendes Verkehrsaufkommen vorhanden. Der Landkreis suchte deshalb erneut einen privaten Investor.
Verkauf an LinkGlobal und große China-Pläne (2007–2010)
  • Januar 2007 – Der Flughafen wurde offiziell erneut zum Verkauf angeboten. Interessenten aus mehreren Ländern meldeten sich. Gesucht wurde ein Investor, der Parchim zu einem internationalen Fracht- und Logistikstandort entwickeln sollte.
  • April 2007 – Der chinesische Logistikunternehmer Jonathan Pang und seine Unternehmensgruppe LinkGlobal Logistics traten als bevorzugte Käufer auf.
  • Mai 2007 – Die geplante Übernahme sorgte auch international für Aufmerksamkeit. Parchim sollte nach den Vorstellungen von LinkGlobal ein europäischer Brückenkopf für chinesische Waren und ein Frachtknoten zwischen Asien, Europa und später auch Afrika werden. In internationalen Berichten wurde die Transaktion als außergewöhnlicher Einstieg eines chinesischen Logistikunternehmens in einen europäischen Flughafen dargestellt.
  • 1. Juli 2007 – LinkGlobal übernahm den Flughafen mitsamt umfangreichen angrenzenden Gewerbeflächen. Der ursprünglich vereinbarte Kaufpreis betrug 30 Millionen Euro. Zusätzlich wurden umfangreiche Investitionen angekündigt.
  • 2007 – Die Zahlung des Kaufpreises verzögerte sich erheblich. LinkGlobal erklärte dies unter anderem mit Schwierigkeiten bei der Freigabe chinesischer Finanzmittel. Dadurch entstanden bereits wenige Monate nach der Übernahme Zweifel an der Finanzierung des Projekts.
  • 2007 – Während des G8-Gipfels in Heiligendamm wurde Parchim von Flugzeugen der US-Streitkräfte genutzt. Damit zeigte sich erneut, dass die Infrastruktur grundsätzlich auch für größere militärische und staatliche Flugbewegungen geeignet war.
  • April 2008 – LinkGlobal schloss eine Kooperation mit der australischen Immobilien- und Logistikgruppe Goodman. Geplant waren umfangreiche Logistikimmobilien und ein Ausbau des Flughafenumfelds. Eine erste größere Kaufpreisrate wurde anschließend an den Landkreis überwiesen.
  • 2008 bis 2010 – Die ursprünglichen Pläne eines großen Fracht-Drehkreuzes zwischen China und Deutschland ließen sich nicht wie vorgesehen umsetzen. Zwar fanden einzelne Fracht- und Sonderflüge statt, ein kontinuierliches interkontinentales Verkehrsnetz entstand jedoch nicht.
  • 2009/2010 – Gleichzeitig blieb Parchim ein häufig genutzter Trainingsflugplatz. Die Kombination aus langer Startbahn, geringer Verkehrsdichte und nahezu uneingeschränkten Betriebszeiten sorgte für eine hohe Zahl von Trainingsbewegungen, ohne dass daraus entsprechender Passagier- oder Frachtverkehr entstand.
Direkte China-Frachtflüge und neuer Tower (2011–2015)
  • Juli 2011 – Air Cargo Germany nahm im Auftrag von LinkGlobal eine direkte Frachtverbindung aus Urumqi nach Parchim auf. Die Strecke wurde mit Boeing 747-Frachtflugzeugen bedient und war zunächst zweimal pro Woche vorgesehen. Damit kam die lange geplante direkte China-Verbindung zumindest zeitweise tatsächlich zustande.
  • 21. Oktober 2011 – Nach mehreren Verzögerungen begann der Bau eines neuen Kontrollturms. Der alte provisorische Tower aus den 1990er-Jahren entsprach längst nicht mehr den Vorstellungen eines internationalen Verkehrsflughafens.
  • 2012 bis 2014 – Der Towerbau zog sich wesentlich länger hin als ursprünglich geplant. Gleichzeitig wurden Teile der Startbahn, Rollwege und weiterer Flughafenanlagen saniert.
  • Januar 2014 – LinkGlobal zahlte die letzte Rate des nach mehreren Nachverhandlungen angepassten Kaufpreises. Der ursprünglich vereinbarte Kaufpreis von 30 Millionen Euro war im Verlauf der Finanzierung neu geregelt worden.
  • 2014 – Neben Fracht- und Trainingsflügen entwickelte sich Parchim zunehmend zu einem Standort für die längerfristige Abstellung von Verkehrsflugzeugen. Die große verfügbare Fläche bot dafür günstige Voraussetzungen.
  • Anfang 2015 – Der neue Kontrollturm ging zunächst in den Probebetrieb.
  • Juni/Juli 2015 – Nach rund drei Jahren Bauzeit war der neue Tower weitgehend fertiggestellt und betriebsbereit. Die Investition gehörte zu den sichtbarsten Maßnahmen der LinkGlobal-Ära.
  • 2015 – Jonathan Pang präsentierte erneut umfangreiche Ausbaupläne. Neben Luftfracht sollten nun verstärkt chinesische Touristen nach Parchim gebracht werden. Geplant waren Hotels, Einkaufs- und Duty-free-Einrichtungen sowie weitere touristische und gewerbliche Anlagen.
  • 2015 – Vorgesehen war zeitweise, mehrere Hundert chinesische Reisende pro Tag über Parchim nach Deutschland und Europa einreisen zu lassen. Trotz öffentlicher Unterstützung und verschiedener Präsentationen kam auch dieses Konzept nicht über die Planungsphase hinaus.
Große Visionen, Flugzeugabstellungen und zunehmender Stillstand (2016–2018)
  • 2016 – Mit dem Dokumentarfilm „Parchim International“ wurde die jahrelange Entwicklung des Flughafens und insbesondere Jonathan Pangs Versuch, aus dem Regionalflughafen eine internationale Drehscheibe zu machen, einem größeren Publikum bekannt.
  • 2016 bis 2017 – Die tatsächliche Nutzung stand zunehmend im Gegensatz zu den ambitionierten Ausbauplänen. Einen regelmäßigen Passagierverkehr gab es nicht mehr, während Trainingsflüge weiterhin einen großen Teil der Flugbewegungen ausmachten.
  • 2017 – Von den rund 2.300 Starts des Jahres entfiel der überwiegende Teil auf Schulungs- und Trainingsflüge. Die Zahl der tatsächlich abgefertigten Passagiere lag dagegen nur noch bei wenigen Dutzend.
  • 2017 – Auf dem Flughafengelände standen über längere Zeit mehrere ausgemusterte oder vorübergehend stillgelegte Großraumflugzeuge. Die Abstellung von Verkehrsflugzeugen entwickelte sich zu einer der sichtbarsten Nutzungen des riesigen Areals.
  • 2017 – LinkGlobal beteiligte sich sogar am Bieterverfahren um Teile der insolventen Air Berlin. Konkrete Auswirkungen auf Parchim hatte diese Initiative nicht. Die wirtschaftliche Situation des Flughafens selbst blieb schwierig.
  • 2018 – Der reguläre Flughafenbetrieb ging weiter zurück. Neue Passagier- oder Frachtlinien kamen nicht zustande, während sich die wirtschaftlichen Probleme der mit dem Flughafen verbundenen Gesellschaften verschärften.
  • Dezember 2018 – Ein großer Teil der verbliebenen Beschäftigten wurde entlassen. Von ursprünglich noch etwa 25 Mitarbeitern verloren rund 20 ihre Arbeitsplätze. Damit zeichnete sich das bevorstehende Ende des aktiven Flughafenbetriebs deutlich ab.
Insolvenz und Ende des Flugbetriebs (2019–2023)
  • 1. Januar 2019 – Die Personalreduzierungen im Frachtbereich wurden wirksam. Im regulären Waren- und Frachtumschlag fand praktisch kein nennenswerter Betrieb mehr statt.
  • 12. April 2019 – Die Betriebsgenehmigung des Flughafens Schwerin-Parchim wurde ausgesetzt. Dieser Termin ist für die Geschichte des Airports entscheidend: Der Flughafen war damit faktisch nicht mehr als regulärer Verkehrsflughafen in Betrieb, formal aber noch nicht endgültig geschlossen.
  • 2. Mai 2019 – Die Baltic Airport Management GmbH, die für den Flughafenbetrieb zuständig war, stellte beim Amtsgericht Schwerin Insolvenzantrag.
  • 1. Juli 2019 – Das Insolvenzverfahren über die Baltic Airport Management GmbH wurde eröffnet.
  • 20. September 2019 – Auch über die Germany LinkGlobal Logistics GmbH wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Weitere mit dem Standort verbundene Unternehmen gerieten ebenfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
  • 2019 – Nach Einstellung des Flugbetriebs wurden Startbahn, Rollwege und Vorfelder zunehmend für andere Zwecke verwendet. Dazu gehörten Fahrzeugtests und vor allem die Zwischenlagerung von Neufahrzeugen.
  • 2019 bis 2022 – Große Teile der Flughafenflächen wurden als Automobillager genutzt. Auf dem Gelände konnten Tausende Fahrzeuge abgestellt werden. Teile der vorhandenen Gebäude und Hallen wurden gewerblich als Lagerflächen weitergenutzt.
  • 2020 bis 2022 – Eine Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs zeichnete sich nicht mehr ab. Die flugbetriebliche Infrastruktur blieb zwar physisch größtenteils vorhanden, der Platz hatte jedoch keine aktive Betriebsgenehmigung mehr.
  • 1. Februar 2023 – Der Flughafen Schwerin-Parchim wurde offiziell geschlossen. Damit endete nach gut 30 Jahren auch formal die zivile Geschichte des Verkehrsflughafens, die am 1. Dezember 1992 begonnen hatte.
  • Dezember 2023 – Das Insolvenzverfahren um die ehemalige LinkGlobal-Betreibergesellschaft erreichte einen weiteren entscheidenden Schritt. Damit waren die großen chinesischen Ausbaupläne, die seit 2007 die Entwicklung des Flughafens bestimmt hatten, endgültig gescheitert.
Vom ehemaligen Verkehrsflughafen zur möglichen erneuten Militärbasis (2024–2026)
  • 2024 bis 2025 – Das ehemalige Flughafengelände blieb ohne Flugbetrieb. Teile der Start- und Rollflächen wurden weiterhin zur Fahrzeuglagerung und für gewerbliche Zwecke genutzt. Die 3.000 Meter lange Start- und Landebahn und die großen zusammenhängenden Flächen blieben jedoch erhalten.
  • Januar 2026 – Vertreter der Deutschen Marine nahmen Kontakt mit der Stadt Parchim auf. Hintergrund war die Suche der Bundeswehr nach zusätzlichen Kapazitäten für die Marineflieger. Der bisherige Marinefliegerstandort Nordholz stößt angesichts der geplanten Erweiterung der Luftfahrzeugflotte an räumliche Grenzen.
  • 5. Februar 2026 – Das Interesse der Deutschen Marine an Parchim wurde öffentlich bekannt. Geprüft wurde eine mögliche Wiederverwendung des ehemaligen Flughafens als zusätzlicher Standort für Marineflugzeuge und unbemannte Luftfahrzeuge. Damit rückte Parchim mehr als drei Jahrzehnte nach dem Abzug der russischen Streitkräfte erneut als Militärflugplatz in den Fokus.
  • 25./26. Februar 2026 – Die Parchimer Stadtvertretung sprach sich für eine mögliche Nutzung des ehemaligen Flughafens durch die Deutsche Marine aus. Die Stadt sah darin sowohl eine sicherheitspolitische als auch eine wirtschaftliche Perspektive. Gleichzeitig wurde gefordert, bei zukünftigen Planungen die Interessen der Anwohner zu berücksichtigen.
  • Frühjahr 2026 – Die Bundeswehr setzte ihre Prüfung des Standorts fort. Die vorhandene 3.000-Meter-Piste, die weitläufigen Flächen und die frühere militärische Nutzung wurden dabei als wesentliche Standortvorteile angesehen. Eine endgültige Entscheidung über Reaktivierung, Kauf oder Ausbau war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen.
  • 7. August 2026 – Eine erste Standortprüfung der Bundeswehr kam zu dem Ergebnis, dass das Gelände des ehemaligen Flughafens Parchim grundsätzlich für eine militärische Nutzung geeignet ist. Damit blieb Parchim offiziell im Auswahlverfahren für einen zusätzlichen Marinefliegerstandort. Eine abschließende Standortentscheidung lag weiterhin nicht vor.
  • Stand August 2026 – Der Parchim International Airport beziehungsweise Flughafen Schwerin-Parchim ist kein aktiver ziviler Verkehrsflughafen mehr. Die Betriebsgenehmigung wurde bereits 2019 ausgesetzt und die formale Schließung erfolgte am 1. Februar 2023. Das weitläufige Gelände mit seiner 3.000 Meter langen Start- und Landebahn ist jedoch weiterhin vorhanden und könnte eine völlig neue Verwendung erhalten. Sollte sich die Deutsche Marine endgültig für Parchim entscheiden, würde sich historisch ein bemerkenswerter Kreis schließen: Aus einem 1930er-Jahre-Fliegerhorst, einem jahrzehntelang sowjetisch genutzten Militärflugplatz und einem anschließend mehr als 30 Jahre lang verfolgten zivilen Flughafenprojekt könnte erneut ein militärischer Luftfahrtstandort werden. Eine endgültige Entscheidung der Bundeswehr steht jedoch weiterhin aus.

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