
FLUGHAFEN BERLIN-TEMPELHOF
Der Flughafen Berlin-Tempelhof ist einer der bekanntesten ehemaligen Flughäfen Europas und ein Ort, an dem sich Berliner Geschichte wie unter einem Brennglas zeigt. Aus dem Tempelhofer Feld, das zunächst militärisch genutzt wurde, entwickelte sich ein bedeutender Schauplatz der frühen Luftfahrt. Später wurde Tempelhof zum Zentralflughafen der Hauptstadt, zum monumentalen Bauprojekt der 1930er Jahre und schließlich zu einem weltweiten Symbol der Berliner Luftbrücke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten die Alliierten, der Kalte Krieg und der besondere Status West-Berlins den Flughafen über Jahrzehnte. Tempelhof war Verbindung zur Außenwelt, militärischer Stützpunkt und innerstädtischer Verkehrsflughafen zugleich. Auch nach seiner Schließung im Jahr 2008 blieb der Ort lebendig. Heute stehen das riesige Flughafengebäude und das Tempelhofer Feld für Erinnerung, Wandel und die außergewöhnliche Luftfahrtgeschichte Berlins.
Platz der Luftbrücke 5
12101 Berlin
Deutschland
IATA: THF
ICAO: EDDI (EDBB, DDTF)
RUNWAY:
09R/27L (1840×43 m) Asphalt
09L/27R (2094x43m) Asphalt
GESCHICHTE
Militärisches Feld, Ballonfahrten und frühe Luftfahrtversuche (bis 1909)
- 1722 wurde das Tempelhofer Feld als großes militärisches Übungs- und Paradegelände genutzt. Über viele Jahrzehnte prägten dort Truppenübungen, Aufmärsche und militärische Erprobungen die Fläche südlich des damaligen Berliner Stadtgebiets. Das Feld war offen, weitgehend unbebaut und lag damit ideal für militärische Zwecke, später aber auch für die ersten Versuche der Luftfahrt.
- 1885 begann auf dem Tempelhofer Feld ein wichtiger Abschnitt der frühen deutschen Luftfahrtgeschichte. Das preußische Ballon-Versuchsdetachement nutzte das Gelände für Aufstiege und Erprobungen. Aus diesen Versuchen entwickelte sich die militärische Luftschifffahrt weiter, lange bevor Flugzeuge regelmäßig über Berlin zu sehen waren. Das Tempelhofer Feld wurde damit schon vor dem Motorflug zu einem Ort, an dem Luftfahrt praktisch ausprobiert wurde.
- 1886 entstanden aus Ballonkörben heraus frühe Luftbildaufnahmen. Damit gehörte das Tempelhofer Feld zu den Schauplätzen, an denen sich militärische Beobachtung, Fotografie und Luftfahrt erstmals miteinander verbanden. Diese Entwicklung zeigte, dass die Luftfahrt nicht nur ein technisches Experiment war, sondern bald auch praktische Bedeutung bekommen würde.
- 1909 erreichte der Motorflug das Tempelhofer Feld. Armand Zipfel führte im Januar und Februar öffentliche Flugvorführungen mit einem Voisin-Doppeldecker durch. Im September desselben Jahres demonstrierte Orville Wright seine Flugmaschine auf dem Feld und stellte dabei einen Höhenrekord auf. Diese Vorführungen machten das Tempelhofer Feld endgültig zu einem bekannten Ort der frühen Motorluftfahrt in Berlin.
Der Weg zum Berliner Zentralflughafen (1920 – 1923)
- 1920 wuchs Berlin durch die Bildung von Groß-Berlin stark an. Die Stadt brauchte moderne Verkehrsinfrastruktur, und der Luftverkehr wurde nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend als Teil dieser Zukunft gesehen. Berlin verfügte zwar über verschiedene Flugplätze und Luftfahrtstandorte, doch ein zentral gelegener Verkehrsflughafen fehlte.
- 1923 verdichteten sich die Pläne, das Tempelhofer Feld für den regelmäßigen zivilen Luftverkehr zu nutzen. Am Nordrand des Feldes entstanden zunächst einfache Anlagen. Dazu gehörten hölzerne Flugzeughallen, ein Stationsgebäude und provisorische Betriebsflächen. Der Flughafen begann also nicht als fertiger Großflughafen, sondern als pragmatische Lösung auf einem bereits bekannten Luftfahrtgelände.
- 8. Oktober 1923 nahm Tempelhof den regelmäßigen Flugbetrieb auf. Der Linienflug Berlin-Königsberg markierte den Beginn des zivilen Flughafenbetriebs. Am selben Tag fiel auch die Entscheidung, das Tempelhofer Feld zum Berliner Zentralflughafen auszubauen. Damit begann die eigentliche Geschichte des Flughafens Berlin-Tempelhof als Verkehrsflughafen.
Aufbau des ersten Flughafens und Gründung der Berliner Flughafen-Gesellschaft (1924 – 1926)
- 19. Mai 1924 wurde die Berliner Flughafen-Gesellschaft gegründet. Sie sollte den Flughafen auf dem Tempelhofer Feld ausbauen und betreiben. Damit erhielt der Flughafen eine organisatorische Grundlage, die für den weiteren Ausbau entscheidend wurde.
- 1924 begann der Ausbau des Geländes zu einem leistungsfähigeren Flughafen. Große Flächen mussten planiert und ausgeglichen werden. Das Tempelhofer Feld war zwar weit und offen, aber für einen modernen Flughafenbetrieb musste es technisch vorbereitet werden. Hallen, Abfertigungsbereiche und Betriebsflächen entstanden Schritt für Schritt.
- 1925 gewann der Flughafen weiter an Bedeutung. Der zivile Luftverkehr entwickelte sich noch langsam, aber Berlin positionierte sich mit Tempelhof als zentrale Luftverkehrsdrehscheibe. Die Lage mitten in der Stadt war ein großer Vorteil, denn Reisende konnten den Flughafen schnell erreichen.
- 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa gegründet. Tempelhof wurde damit eng mit dem Aufbau des deutschen Linienflugverkehrs verbunden. Berlin entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt im europäischen Flugnetz. Der Flughafen war nicht mehr nur ein lokaler Verkehrsplatz, sondern ein Symbol für moderne Mobilität.
Der erste Zentralflughafen und der Aufstieg im europäischen Luftverkehr (1927 – 1933)
- 1927 erhielt Tempelhof ein neues Empfangsgebäude. Der Flughafen bekam damit eine deutlich professionellere Struktur. Für die damalige Zeit war Tempelhof modern, übersichtlich und gut an die Stadt angebunden. Die Abläufe wurden stärker auf regelmäßige Passagier-, Post- und Frachtflüge ausgerichtet.
- Ende der 1920er Jahre entwickelte sich Tempelhof zu einem der wichtigsten Flughäfen Europas. Die Zahl der Flüge und Passagiere stieg. Berlin lag verkehrsgeografisch günstig zwischen West- und Osteuropa, und Tempelhof profitierte von dieser Lage. Der Flughafen wurde zum sichtbaren Zeichen der modernen Großstadt Berlin.
- 1930 zeigte sich bereits, dass der erste Flughafen langfristig zu klein werden würde. Flugzeuge wurden größer, der Verkehr dichter und die Ansprüche an Abfertigung, Technik und Sicherheit stiegen. Tempelhof war zwar erfolgreich, aber die Anlagen entsprachen bald nicht mehr den Erwartungen an einen künftigen Großflughafen.
- 1933 veränderte die Machtübernahme der Nationalsozialisten auch die Entwicklung des Flughafens. Der Luftverkehr wurde stärker politisch, militärisch und propagandistisch betrachtet. Tempelhof blieb Verkehrsflughafen, wurde nun aber in größere staatliche Planungen eingebunden.
Planung des monumentalen Neubaus unter Ernst Sagebiel (1934 – 1936)
- 1934 begannen die Planungen für einen völlig neuen Großflughafen auf dem Tempelhofer Feld. Der bisherige Flughafen konnte den erwarteten Anforderungen nicht mehr genügen. Gleichzeitig wollten die Nationalsozialisten einen Flughafen schaffen, der technische Modernität und staatliche Macht demonstrierte.
- 1935 erhielt Ernst Sagebiel den Auftrag für den Neubau. Sein Entwurf verband funktionale Flughafenplanung mit monumentaler Architektur. Das Gebäude sollte Passagierabfertigung, Verwaltung, Hangars, Fracht, Post, Technik und repräsentative Bereiche in einer Gesamtanlage zusammenführen. Für die damalige Zeit war diese Verbindung außergewöhnlich.
- 1936 begannen die Bauarbeiten am neuen Zentralflughafen Tempelhof. Das Projekt war riesig angelegt. Der Flughafen sollte nicht nur den laufenden Luftverkehr aufnehmen, sondern auch als repräsentative Anlage für Großveranstaltungen, Behörden und luftfahrtbezogene Einrichtungen dienen. Der Neubau wurde damit weit mehr als ein reines Verkehrsgebäude.
Bau des neuen Flughafengebäudes und Nutzung im Nationalsozialismus (1936 – 1941)
- 1936 startete der Bau des neuen Flughafens nach den Plänen von Ernst Sagebiel. Die halbkreisförmige Anlage, die langen Hangars und das große Vordach über dem Vorfeld machten Tempelhof zu einem der modernsten Flughafenprojekte seiner Zeit. Der Bau zeigte, wie weit die Planer damals bereits in Richtung getrennter Funktionsbereiche, schneller Abfertigung und wettergeschützter Übergänge dachten.
- 1937 wurden die Arbeiten intensiv fortgeführt. Der Flughafen entstand nicht auf freiem Land außerhalb der Stadt, sondern auf einem historisch und städtebaulich bedeutenden Gelände mitten in Berlin. Dadurch bekam Tempelhof eine besondere Wirkung: Er war kein abgelegener Flugplatz, sondern ein Stadtflughafen mit direkter Verbindung zur Hauptstadt.
- 1938 erreichte Tempelhof hohe Verkehrszahlen. Der alte Flughafen blieb während der Bauzeit weiter in Betrieb, während der neue Komplex daneben entstand. Berlin gehörte in dieser Zeit zu den wichtigen europäischen Luftverkehrszentren.
- 1939 änderte der Beginn des Zweiten Weltkriegs die Funktion des Flughafens. Der zivile Luftverkehr wurde eingeschränkt, und militärische sowie rüstungsbezogene Nutzungen gewannen an Bedeutung. Tempelhof blieb ein wichtiger Luftfahrtstandort, doch die ursprüngliche Idee eines modernen internationalen Zentralflughafens trat in den Hintergrund.
- 1940 wurden Teile des Neubaus für Flugzeugproduktion und Reparatur genutzt. In den großen Hallen und unfertigen Bereichen entstanden unter anderem Rüstungsarbeiten. Damit wurde Tempelhof Teil der deutschen Kriegswirtschaft.
- 1941 war der Neubau äußerlich weitgehend fertiggestellt, wurde aber nicht als vollständig regulärer Großflughafen im ursprünglich geplanten Sinn eröffnet. Die monumentale Anlage stand zwar, doch Krieg, Produktion und militärische Nutzung bestimmten den Alltag. Der Flughafen Tempelhof wurde damit zu einem Bauwerk, dessen zivile Bestimmung durch die Ereignisse des Krieges überlagert wurde.
Krieg, Flugzeugproduktion und Zwangsarbeit (1939 – 1945)
- 1939 begann mit dem Zweiten Weltkrieg ein dunkles Kapitel der Tempelhofer Geschichte. Der Flughafen wurde zunehmend in die Rüstungsproduktion eingebunden. Die zivile Funktion verlor an Bedeutung, während Reparatur, Montage und militärische Nutzung stärker wurden.
- 1940 verlagerte Weserflug Teile seiner Produktion nach Tempelhof. In den Hangars und Gebäudeteilen wurden Flugzeuge montiert und bearbeitet. Auch Lufthansa nutzte Bereiche des Neubaus für technische Arbeiten. Der Flughafen war damit nicht nur Verkehrs- und Militärstandort, sondern auch Produktionsstätte.
- 1943 nahm die Bedeutung der Rüstungsproduktion weiter zu. In Tempelhof wurden unter anderem Arbeiten an Kampfflugzeugen durchgeführt. Die große Gebäudestruktur ermöglichte solche Nutzungen, weil Hangars, Hallen und unterirdische Verbindungen vorhanden waren.
- 1944 waren zahlreiche Zwangsarbeiter in die Produktion eingebunden. Diese Tatsache gehört zur Geschichte des Flughafens und darf bei einer seriösen Darstellung nicht ausgeblendet werden. Tempelhof steht deshalb nicht nur für technische Moderne und Luftverkehr, sondern auch für Ausbeutung und Krieg.
- April 1945 endete die nationalsozialistische Nutzung des Flughafens mit dem Zusammenbruch Berlins. Das Gelände wurde beschädigt, Akten und Unterlagen gingen verloren, und die Kontrolle über den Flughafen wechselte im Zuge der Besetzung Berlins.
Besetzung, amerikanische Übernahme und Neubeginn nach dem Krieg (1945 – 1947)
- 2. Juli 1945 übernahmen die US-Amerikaner den Flughafen Tempelhof von der Roten Armee. Tempelhof lag im amerikanischen Sektor Berlins und wurde deshalb zu einem zentralen Standort der US-Streitkräfte in der geteilten Stadt.
- August 1945 begann wieder Flugbetrieb. Zunächst diente Tempelhof vor allem militärischen und alliierten Zwecken. Der Flughafen war beschädigt, viele Bereiche waren unfertig oder zweckentfremdet, doch seine Lage und Größe machten ihn unverzichtbar.
- 1946 entwickelte sich Tempelhof zu einem wichtigen amerikanischen Militärstützpunkt. Gleichzeitig entstanden wieder zivile Flugverbindungen unter alliierter Kontrolle. Berlin war eine geteilte Stadt, und der Luftverkehr gewann eine besondere politische Bedeutung.
- 1947 wurde die Lage zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion zunehmend angespannter. Tempelhof blieb ein Schlüsselort im amerikanischen Sektor. Seine Bedeutung sollte sich schon im folgenden Jahr dramatisch zeigen.
Berliner Blockade und Luftbrücke (1948 – 1949)
- 24. Juni 1948 begann die sowjetische Blockade der Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Die westlichen Sektoren der Stadt konnten auf dem Landweg nicht mehr regulär versorgt werden. Tempelhof wurde dadurch zu einem der wichtigsten Orte der beginnenden Luftbrücke.
- 26. Juni 1948 startete die amerikanische Luftbrücke. Maschinen vom Typ Douglas C-47 und später größere C-54 brachten Lebensmittel, Kohle und andere Versorgungsgüter nach Berlin. Tempelhof wurde zum zentralen Anflugpunkt der amerikanischen Versorgung. Die Luftbrücke machte den Flughafen weltweit bekannt.
- Sommer 1948 zeigte sich, dass die vorhandenen Flächen und Bahnen für die enorme Belastung nicht ausreichten. Die Landungen erfolgten in dichter Folge, und die Infrastruktur musste unter hohem Druck erweitert werden. Tempelhof wurde während des laufenden Betriebs zur Hochleistungsanlage umgebaut.
- Juli bis Oktober 1948 wurden neue Start- und Landebahnen gebaut, um die schweren Transportmaschinen aufnehmen zu können. Die Luftbrücke verlangte nicht nur fliegerische Disziplin, sondern auch enorme organisatorische und bauliche Leistungen.
- 15. Oktober 1948 entstand mit der Combined Airlift Task Force eine gemeinsame Kommandostruktur für die Luftbrücke. Tempelhof spielte dabei eine zentrale Rolle. Der Flughafen wurde zum Symbol für Versorgung, Durchhaltewillen und westalliierte Präsenz in Berlin.
- 12. Mai 1949 hob die Sowjetunion die Blockade der Landwege auf. Die Luftbrücke lief dennoch noch einige Monate weiter, um Reserven aufzubauen und die Versorgung zu stabilisieren.
- 30. September 1949 endete die Berliner Luftbrücke offiziell. Tempelhof hatte sich in dieser Zeit vom Flughafen zum Symbolort entwickelt. Die „Rosinenbomber“ und die Versorgung West-Berlins wurden dauerhaft Teil der Berliner Erinnerungskultur.
Tempelhof als ziviler Flughafen West-Berlins (1950 – 1959)
- 1950 gaben die Amerikaner Teile des Flughafens für die zivile Nutzung frei. Damit begann Tempelhof seine neue Rolle als wichtigster Verkehrsflughafen West-Berlins. In einer politisch isolierten Stadt war der Luftverkehr mehr als normale Mobilität. Er war eine Verbindung zur Bundesrepublik und zur westlichen Welt.
- 9. Juli 1951 wurde eine neue zivile Abfertigungsanlage eröffnet. Pan Am, British European Airways und Air France bedienten Tempelhof. Der Flughafen wurde zum Tor West-Berlins und zum sichtbaren Zeichen der Verbindung mit den westlichen Alliierten.
- 1950er Jahre stieg das Passagieraufkommen stark. Für viele West-Berliner war der Flug ab Tempelhof der schnellste und politisch unkomplizierteste Weg nach Westdeutschland. Da Reisende auf dem Luftweg keine DDR-Kontrollen passieren mussten, hatte der Flughafen eine besondere Bedeutung im Alltag der geteilten Stadt.
- 1954 gehörte Tempelhof zu den stark frequentierten Flughäfen Europas. Die Passagierzahlen stiegen, die eingesetzten Flugzeuge wurden größer und die Abfertigung musste immer leistungsfähiger werden. Tempelhof war wieder ein bedeutender Verkehrsflughafen.
- 1959 zeigte sich aber auch eine Grenze des Flughafens. Die Bahnlängen und die innerstädtische Lage setzten dem Betrieb mit größeren und moderneren Flugzeugen enge Grenzen. Der Jetverkehr kündigte eine neue Epoche an, für die Tempelhof nur bedingt geeignet war.
Jet-Zeitalter, innerdeutscher Verkehr und wachsende Grenzen (1960 – 1974)
- 1960 verlagerte Air France ihren Betrieb nach Tegel, weil Tempelhof für den Einsatz moderner Jets nur eingeschränkt geeignet war. Die kurzen Bahnen und die Lage im Stadtgebiet machten den Flughafen für bestimmte Flugzeugtypen problematisch.
- 13. August 1961 veränderte der Bau der Berliner Mauer die Bedeutung des Flughafens erneut. West-Berlin war nun noch stärker eingeschlossen. Tempelhof blieb ein zentraler Zugang zur Stadt, besonders für Verbindungen in die Bundesrepublik.
- 1960er Jahre blieb Tempelhof vor allem für Pan Am und BEA ein wichtiger Standort. Der Flughafen wurde durch innerdeutsche Linienflüge geprägt. Gleichzeitig nahm der Druck auf die Infrastruktur zu. Immer mehr Verkehr, größere Flugzeuge und begrenzte Erweiterungsmöglichkeiten führten zu Engpässen.
- 1968 wurden viele Charterflüge nach Tegel verlegt, um Tempelhof zu entlasten. Tegel bot mehr Entwicklungsmöglichkeiten und wurde schrittweise zur Alternative für den wachsenden West-Berliner Luftverkehr.
- 1974 wurde aus BEA durch Zusammenschluss British Airways. Damit änderte sich zwar der Name eines wichtigen Betreibers, doch die strukturelle Entwicklung blieb gleich: Der große Linienverkehr West-Berlins verlagerte sich zunehmend in Richtung Tegel.
- 1. September 1975 zogen Pan Am und British Airways mit ihrem Linienbetrieb nach Tegel um. Damit endete der große zivile Linienverkehr in Tempelhof vorerst. Der Flughafen wurde danach überwiegend militärisch und für besondere Nutzungen verwendet.
US-Militärstandort und eingeschränkte zivile Nutzung (1975 – 1989)
- 1975 begann für Tempelhof eine ruhigere Phase. Der reguläre zivile Linienverkehr war weitgehend nach Tegel verlagert. Tempelhof blieb aber weiterhin wichtig, vor allem als Standort der US-Streitkräfte in West-Berlin.
- Ende der 1970er Jahre nutzten die Amerikaner den Flughafen für militärische Transporte, Verbindungsflüge und Sonderaufgaben. Die große Anlage blieb betriebsfähig, auch wenn sie nicht mehr die Rolle des Hauptflughafens spielte.
- 1981 begann wieder eine begrenzte zivile Nutzung. Kleinere Fluggesellschaften und Geschäftsflugverkehr fanden in Tempelhof erneut Platz. Der Flughafen war zentral gelegen und für bestimmte Verbindungen attraktiv, auch wenn er für den großen Linienverkehr nicht mehr ideal war.
- 1985 wurde Tempelhof wieder stärker für Geschäftsreiseverkehr und kleinere Flugzeuge geöffnet. Damit erhielt der Flughafen eine neue Funktion als City-Airport. Er war schnell erreichbar und besonders für kurze Strecken interessant.
- 1989 führte der Fall der Berliner Mauer zu einer neuen Situation. Die politische Sonderrolle West-Berlins endete Schritt für Schritt. Auch für Tempelhof bedeutete das eine Neuordnung seiner Bedeutung im Berliner Flughafensystem.
Wiedervereinigung, Rückgabe und neuer ziviler Betrieb (1990 – 1995)
- 1990 stieg nach der deutschen Wiedervereinigung das Verkehrsaufkommen zunächst wieder an. Berlin wurde wieder eine zusammenhängende Stadt, und Tempelhof lag nun nicht mehr in einer isolierten West-Berliner Sonderlage, sondern mitten in der neuen Hauptstadtregion.
- 1993 übergab die US Air Force den Flughafen an die Berliner Flughafen-Gesellschaft. Damit endete die jahrzehntelange amerikanische Prägung Tempelhofs als Militärstandort. Der Flughafen wurde wieder vollständig in die zivile Berliner Flughafenstruktur eingebunden.
- 1994 wurden Pläne zur künftigen Nutzung der Berliner Flughäfen konkreter. Tempelhof war zwar historisch bedeutend und zentral gelegen, aber wirtschaftlich und betrieblich schwierig. Die Debatte über seine Zukunft wurde intensiver.
- 1995 wurde der Flughafen Tempelhof als historisches Denkmal eingestuft. Damit wurde der außergewöhnliche Wert der Anlage offiziell anerkannt. Der Schutz bezog sich nicht nur auf einzelne Gebäudeteile, sondern auf die Bedeutung des Gesamtkomplexes als Architektur- und Technikdenkmal.
Konsensbeschluss, Zukunftsdebatte und schrittweiser Abschied (1996 – 2007)
- 1996 beschlossen Berlin, Brandenburg und der Bund den Bau eines neuen Großflughafens in Schönefeld. Dieser Beschluss sah vor, den Berliner Luftverkehr langfristig dort zu bündeln. Im Gegenzug sollten die innerstädtischen Flughäfen Tempelhof und Tegel geschlossen werden.
- Ende der 1990er Jahre blieb Tempelhof weiter in Betrieb, doch die Zukunft war politisch bereits stark vorgezeichnet. Die zentrale Lage war gleichzeitig Vorteil und Problem. Kurze Wege standen gegen Lärmbelastung, Sicherheitsfragen, begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten und wirtschaftliche Defizite.
- 2003 wurde die Betriebspflicht für Tempelhof aufgehoben. Damit war der Weg zur Schließung rechtlich vorbereitet. Der Flughafen hatte zwar weiterhin Anhänger, doch die Flughafenpolitik Berlins zielte auf Konzentration am künftigen Großflughafen.
- 2007 lag das Passagieraufkommen deutlich niedriger als in den großen Zeiten des Flughafens. Tempelhof wurde vor allem von kleineren Maschinen, Geschäftsreiseverkehr und wenigen Linien genutzt. Seine historische Bedeutung blieb groß, seine verkehrliche Rolle aber war deutlich kleiner geworden.
Volksentscheid, letzte Flüge und Schließung (2008)
- 27. April 2008 fand ein Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens Tempelhof statt. Viele Berliner verbanden mit Tempelhof Geschichte, kurze Wege und persönliche Erinnerungen. Der Volksentscheid erreichte jedoch nicht die nötige Wirkung, um die Schließung zu verhindern.
- 30. Oktober 2008 endete der reguläre Flugbetrieb am Flughafen Berlin-Tempelhof. Am Abend starteten die letzten Maschinen. Besonders symbolisch waren die letzten Starts historischer Flugzeuge, darunter eine Douglas DC-3 und eine Junkers Ju 52. Damit endete nach 85 Jahren die Betriebsgeschichte eines der bekanntesten Flughäfen Europas.
- 30. Oktober 2008 markierte nicht nur die Schließung eines Flughafens, sondern das Ende einer besonderen Berliner Epoche. Tempelhof war Verkehrsflughafen, Militärstandort, Luftbrücken-Symbol, City-Airport und Denkmal zugleich. Kaum ein anderer deutscher Flughafen hatte so viele historische Rollen gleichzeitig getragen.
- 24. November 2008 verließen noch einige verbliebene Kleinflugzeuge das Gelände, nachdem sie wegen Wetterbedingungen am eigentlichen Schließungstag nicht starten konnten. Damit endeten auch die letzten nachträglichen Flugbewegungen aus dem normalen Abwicklungsbetrieb.
Vom Flughafen zum öffentlichen Stadtraum (2010 – 2014)
- 2010 wurde das ehemalige Flugfeld als Tempelhofer Feld für die Öffentlichkeit geöffnet. Wo früher Flugzeuge starteten und landeten, entstanden nun Wege für Spaziergänger, Radfahrer, Skater und Freizeitnutzung. Die alten Start- und Landebahnen blieben sichtbar und machten die Geschichte des Ortes weiterhin erlebbar.
- 2011 wurde Tempelhof als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet. Diese Anerkennung bezog sich auf die technische, architektonische und historische Bedeutung des Flughafens. Der Bau galt nicht nur als Denkmal der Luftfahrt, sondern auch als herausragendes Beispiel komplexer Flughafenplanung.
- 2014 stimmten die Berliner in einem Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes ab. Das Ergebnis sicherte den Erhalt der offenen Fläche und verhinderte eine Bebauung größerer Teile des Feldes. Damit blieb Tempelhof als weitläufiger Stadtraum erhalten.
Denkmal, Erinnerungsort und neue Nutzungen (2015 – HEUTE)
- 2015 wurden Teile des Flughafengebäudes im Zuge der Flüchtlingskrise als Notunterkunft genutzt. Die riesigen Hangars und Hallen zeigten erneut, wie wandelbar der Gebäudekomplex ist. Tempelhof blieb damit ein Ort, der auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagierte.
- 2020 wurde im ehemaligen Flughafengebäude das Besucherzentrum CHECK-IN eröffnet. Damit wurde die Vermittlung der Geschichte des Ortes weiter professionalisiert. Besucher können seitdem die Entwicklung des Flughafens, seine Architektur und seine Rolle im 20. Jahrhundert besser nachvollziehen.
- 2023 wurde der THF Tower eröffnet. Dadurch erhielt die Öffentlichkeit einen weiteren Zugang zu einem wichtigen Teil des historischen Flughafens. Der Tower steht symbolisch für die fliegerische Vergangenheit des Ortes und verbindet Denkmalpflege mit moderner Nutzung.
- 2026 ist der Flughafen Berlin-Tempelhof kein aktiver Flughafen mehr, aber einer der bedeutendsten Luftfahrtorte Europas. Das Gebäude bleibt ein monumentales Denkmal, das Tempelhofer Feld ein außergewöhnlicher Freiraum mitten in Berlin. Die Geschichte des Ortes reicht von militärischen Ballonversuchen über die Anfänge des Linienflugverkehrs, den NS-Großbau, die Luftbrücke und den Kalten Krieg bis zur heutigen Nutzung als öffentlicher Raum.





