
FLUGPLATZ BREMERHAVEN
Der ehemalige Flugplatz Bremerhaven-Luneort war über Jahrzehnte ein wichtiger Teil der Luftfahrtgeschichte an der Wesermündung. Aus einem einfachen Gelände für Segelflug und Motorflug entwickelte sich ein kleiner Regionalflughafen mit Linien- und Bedarfsverkehr, Helgoland-Verbindungen, Geschäftsflügen und wissenschaftlicher Bedeutung. Besonders die Nutzung durch das Alfred-Wegener-Institut machte den Platz weit über die Region hinaus interessant.
Seine Lage am Fischereihafen, die Nähe zur Weser und die Verbindung zur Nordsee gaben dem Flugplatz einen besonderen Charakter. Bremerhaven-Luneort war nie ein großer Verkehrsflughafen, aber er erfüllte viele Aufgaben: Luftsport, Regionalverkehr, Werftbetrieb, Forschungsflüge und Inselverbindungen gehörten zu seiner Geschichte.
Mit der Schließung am 1. März 2016 endete der Flugbetrieb endgültig. Heute erinnert das ehemalige Gelände an eine Zeit, in der Bremerhaven nicht nur Hafenstadt, sondern auch Flughafenstandort war. Für Spottermania bleibt Luneort ein spannender Ort der deutschen Regionalflugplatzgeschichte.
Am Luneort 15
27572 Bremerhaven
Deutschland
IATA: BRV
ICAO: EDWB
RUNWAY:
07/25 (658x19m) Asphalt
16/34 (1200x30m) Asphalt
GESCHICHTE
Frühe Luftfahrt über Bremerhaven und erste Flugversuche (1910)
- 1910 stieg im Speckenbütteler Park erstmals ein Motorflugzeug über Bremerhaven auf. Damit begann die örtliche Luftfahrtgeschichte nicht direkt am späteren Luneort, sondern im Norden der Stadt. Die frühen Flüge hatten noch keinen dauerhaften Flughafencharakter, zeigten aber, dass Bremerhaven schon sehr früh Teil der jungen deutschen Luftfahrtbewegung wurde. Schauflüge und Vorführungen prägten diese Anfangszeit, in der das Fliegen noch eine technische Sensation war und weniger ein alltägliches Verkehrsmittel.
Der erste Flugplatz in Speckenbüttel und der Aufbau in Weddewarden (1926 – 1927)
- 1. Mai 1926 wurde auf dem Rennplatz in Speckenbüttel der erste eigentliche Flugplatz Bremerhavens eröffnet. Damit bekam die Stadt erstmals eine feste Fläche, die für den Flugbetrieb genutzt werden konnte. Noch im selben Jahr begannen die Arbeiten an einem weiteren Flugplatz in Weddewarden. Dieser Standort wurde für die spätere Entwicklung besonders wichtig, weil er stärker auf regelmäßigen Luftverkehr ausgerichtet war.
- 1927 eröffnete die Lufthansa in Weddewarden einen Stützpunkt. Von dort aus wurden unter anderem Wasserflugverbindungen nach Helgoland angeboten. Außerdem bestand ein Liniendienst Hamburg – Bremerhaven – Wangerooge – Norderney – Borkum, der mit Junkers-Flugzeugen bedient wurde. Für Bremerhaven bedeutete dies den Anschluss an den frühen regionalen Luftverkehr an der Nordseeküste.
Ausbau und militärische Nutzung vor dem Zweiten Weltkrieg (1935 – 1936)
- 1935 wurde der Flugplatz Weddewarden erweitert. Der Ausbau passte in eine Zeit, in der viele deutsche Flugplätze vergrößert oder stärker für staatliche und militärische Zwecke vorbereitet wurden. Bremerhaven lag strategisch günstig an der Wesermündung und war durch Hafen, Schifffahrt und Küstenlage ohnehin ein wichtiger Standort.
- 1936 begann die militärische Nutzung durch das Luftkreiskommando 6. Damit rückte die zivile Bedeutung des Platzes zunehmend in den Hintergrund. Die Entwicklung des Flugplatzes folgte nun stärker den militärischen Anforderungen der Zeit. Die zivile Luftfahrtgeschichte Bremerhavens wurde dadurch nicht beendet, aber deutlich überlagert.
Neubeginn des Luftsports nach dem Krieg (1952 – 1956)
- 12. Oktober 1952 wurde der Luftsportverein Unterweser gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete damit nicht der Linienverkehr, sondern der Luftsport die Grundlage für den Neustart der Bremerhavener Luftfahrt. Der Verein schuf die organisatorische Basis für neue Aktivitäten in einer Zeit, in der die deutsche Luftfahrt erst langsam wieder aufgebaut wurde.
- 1956 fanden am Luneort die ersten Segelflüge statt. Damit begann die eigentliche Geschichte des späteren Flugplatzes Bremerhaven-Luneort. Der Standort lag im Süden der Stadt, im Bereich des Fischereihafens, zwischen Hafenanlagen, Lune und Weser. Aus einer zunächst einfachen Nutzung für den Luftsport entwickelte sich später ein Verkehrslandeplatz mit regionaler Bedeutung.
Der Aero-Club Bremerhaven und die Zulassung für Motorflugzeuge (1957 – 1959)
- 1957 schlossen sich die Motorflieger der Unterweserregion im Aero-Club Bremerhaven zusammen. Damit entstand neben dem Segelflug auch eine feste Struktur für den motorisierten Flugbetrieb. Der Flugplatz Luneort gewann dadurch an Bedeutung, weil er nicht mehr nur als Gelände für Segelflugaktivitäten diente.
- 1959 erhielt Luneort die Lizenz für Motorflugzeuge. Dieser Schritt war entscheidend, weil der Platz nun offiziell für einen breiteren Flugbetrieb genutzt werden konnte. Aus dem Luftsportgelände wurde damit ein zugelassener Flugplatz, der die Grundlage für spätere gewerbliche und regionale Luftverkehrsangebote bildete.
Erweiterung auf Hubschrauberbetrieb und Gründung der Flugplatzbetriebsgesellschaft (1964)
- 1964 wurde die Genehmigung des Flugplatzes auf Hubschrauber erweitert. Dadurch erhielt Luneort eine zusätzliche Funktion, die besonders für Küstenregionen, Inselverbindungen, Sonderflüge und Einsatzflüge wichtig sein konnte.
- 15. Juni 1964 wurde die Flugplatzbetriebsgesellschaft Bremerhaven mbH gegründet. Mit dieser Gesellschaft bekam der Flugplatz eine professionelle Betreiberstruktur. Das war ein wichtiger Schritt weg vom reinen Vereins- und Luftsportbetrieb hin zu einem geregelten Verkehrslandeplatz mit klarer Verwaltung, Verantwortung und Entwicklungsperspektive.
Beginn des kommerziellen Flugverkehrs durch OLT (1965)
- 1965 nahm die Ostfriesische Lufttaxigesellschaft, kurz OLT, Bremerhaven-Luneort in ihr Streckennetz auf. Damit begann die kommerzielle Phase des Flugplatzes. OLT passte gut zur Region, da die Gesellschaft stark mit Nordsee-, Insel- und Regionalverbindungen verbunden war. Luneort wurde dadurch Teil eines Luftverkehrsnetzes, das besonders für schnelle Verbindungen zwischen Küste, Inseln und regionalen Zielen wichtig war.
Vom Verkehrslandeplatz zum Regionalflughafen (1991 – 1995)
- September 1991 begann der Ausbau zum kommerziellen Regionalflughafen. Dieser Schritt markierte den größten Entwicklungssprung in der Geschichte von Bremerhaven-Luneort. Die Stadt wollte den Platz stärker als regionalen Verkehrsstandort etablieren und die vorhandene Infrastruktur deutlich verbessern.
- Oktober 1992 konnte eine neue Start- und Landebahn mit 920 Metern Länge in Betrieb genommen werden. Damit verbesserte sich die Nutzbarkeit des Flugplatzes erheblich. Die neue Bahn war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Luneort nicht mehr nur als kleiner Verkehrslandeplatz verstanden wurde, sondern als Standort mit regionalem Anspruch.
- August 1994 begannen die Arbeiten an einem neuen Tower und einem neuen Abfertigungsgebäude. Diese Bauten gaben dem Platz ein professionelleres Erscheinungsbild und verbesserten den Betrieb für Passagiere, Piloten und ansässige Unternehmen.
- 21. Juli 1995 ging der ausgebaute Regionalflughafen Bremerhaven offiziell in Betrieb. Damit erreichte Luneort seine wichtigste Ausbauphase. Aus dem einfachen Nachkriegsflugplatz war ein kleiner Regionalflughafen geworden, der Bremerhaven mit gewerblichem Flugverkehr, Luftsport, Geschäftsflügen und Sonderverkehren verband.
Ansiedlung von Luftfahrtunternehmen und wissenschaftliche Nutzung (1996 – 2002)
- Dezember 1996 siedelte sich die Luftwerft DS-Air-Service GmbH am Flugplatz an. Außerdem waren im Umfeld des Flughafens unter anderem OLT und die Weser Bildmessflug GmbH & Co. tätig. Damit entwickelte sich Luneort nicht nur als Start- und Landeplatz, sondern auch als Standort für luftfahrtnahe Dienstleistungen.
- Bis 2002 folgten weitere Ausbaumaßnahmen. Die Start- und Landebahn wurde auf 1.200 Meter verlängert. Zusätzlich wurde die Betriebszeit auf 24 Stunden ausgedehnt, und der Flugplatz erhielt die Zulassung für Nacht- und Instrumentenflugbetrieb. Damit erreichte Bremerhaven-Luneort seine höchste betriebliche Leistungsfähigkeit. Der Platz konnte nun auch bei schlechteren Sichtbedingungen und außerhalb klassischer Tagesrandzeiten genutzt werden.
- In dieser Phase nutzte auch das Alfred-Wegener-Institut den Flugplatz als Heimatbasis für Polarflugzeuge. Genannt werden unter anderem POLAR 2 und POLAR 4 vom Typ Dornier Do 228 sowie später POLAR 5 vom Typ Basler BT-67. Dadurch bekam der Flugplatz eine besondere wissenschaftliche Bedeutung, weil von Bremerhaven aus wichtige Verbindungen zur Polar- und Meeresforschung bestanden.
Regionalverkehr, Bedarfsverkehr und Verbindung nach Helgoland (1990er – 2016)
- In den 1990er- und 2000er-Jahren diente der Flugplatz überwiegend dem Individualverkehr, dem Geschäftsflugverkehr, der allgemeinen Luftfahrt, dem Luftsport und verschiedenen Sondernutzungen. Eine klassische große Linienverkehrsbedeutung wie bei größeren Verkehrsflughäfen erreichte Bremerhaven-Luneort nicht.
- Bis 2016 bestand jedoch eine wichtige Verbindung nach Helgoland. Der Ostfriesische Flug-Dienst verband Bremerhaven im Bedarfsverkehr nach festen Zeiten mit der Insel. Diese Verbindung hatte für den Standort eine besondere Rolle, weil sie zur norddeutschen Küsten- und Inselverkehrstradition passte und an frühere Luftverkehrsverbindungen der Region erinnerte.
Politische Neuordnung, Offshore-Terminal und Vorbereitung der Schließung (2014 – 2015)
- 7. Februar 2014 lag eine Genehmigungsänderung der Landesluftfahrtbehörde vor, die die Einstellung des Flugbetriebes zuließ. Diese Entscheidung stand im Zusammenhang mit der geplanten Umnutzung des Geländes und war auch Gegenstand gerichtlicher Verfahren. Nach einem Vergleich konnte die endgültige Aufgabe der bisherigen Flugplatznutzung unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen.
- 30. November 2015 wurde der Instrumentenflugbetrieb am Flugplatz Bremerhaven-Luneort eingestellt. Damit verlor der Platz einen wesentlichen Teil seiner erweiterten betrieblichen Leistungsfähigkeit. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass der Flugplatz nicht mehr in seiner bisherigen Form weitergeführt werden sollte.
Letzte Flugphase und endgültige Schließung (2016)
- 21. Februar 2016 endete der regelmäßige Passagierverkehr. Danach gab es keine regulären Passagierflüge mehr ab Bremerhaven-Luneort. Die letzte Phase des Flugplatzes bestand nur noch aus einem eingeschränkten Sichtflugbetrieb.
- 29. Februar 2016 war der letzte Tag, an dem noch eingeschränkter VFR-Betrieb möglich war. Damit endete der praktische Flugbetrieb am Standort.
- 1. März 2016 wurde der Flugplatz Bremerhaven-Luneort offiziell geschlossen. Am selben Tag wurde das Gelände von der Flugplatzbetriebsgesellschaft Bremerhaven an die Fischereihafen-Betriebsgesellschaft zurückgegeben. Das Gelände gehörte zum Sondervermögen Fischereihafen des Landes Bremen und wurde anschließend für gewerbliche Zwecke überplant.
Nachnutzung und Wandel vom Flugplatzgelände zur Gewerbefläche (2016 – HEUTE)
- 2016 war zunächst unklar, welche Rolle die vorhandenen Gebäude künftig spielen würden. Der Bremer Senat stellte jedoch fest, dass sich die Gebäude ohne größere bauliche Mängel befanden und dass eine Vermietung vorgesehen war. Ein Rückbau der Gebäude war zu diesem Zeitpunkt nicht geplant. Damit blieb ein Teil der baulichen Substanz des ehemaligen Flugplatzes zunächst erhalten.
- 2016 erhielt das geplante Offshore Terminal Bremerhaven auf europäischer Ebene eine wichtige beihilferechtliche Freigabe. Das Terminal sollte südlich von Bremerhaven als Schwerlast-, Montage- und Umschlaganlage für die Offshore-Windindustrie entstehen. Die geplante Zukunft des Areals wurde damit stark von Hafenwirtschaft, Offshore-Industrie und Gewerbenutzung geprägt.
- 2023 wurde das ehemalige Flughafengelände erneut konkret gewerblich genutzt. Die BLG mietete Teilflächen des 2016 geschlossenen Flughafens Luneort für die Unterbringung von Fahrzeugen an. Genannt wurden fast 186.000 Quadratmeter Fläche sowie die Nutzung der ehemaligen 1.200 Meter langen und bis zu 30 Meter breiten asphaltierten Start- und Landebahn als Lagerfläche. Damit blieb die frühere Flughafeninfrastruktur zumindest räumlich sichtbar, wurde aber vollständig in eine neue wirtschaftliche Nutzung überführt.




