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BREMERHAVEN – WEDDEWAREN

Der Flugplatz Bremerhaven-Weddewarden gehört zu den Orten, an denen sich die Luftfahrtgeschichte der Unterweser besonders deutlich ablesen lässt. Was in den 1920er Jahren als moderner Verkehrslandeplatz für Linienflüge zu den Nordseeinseln begann, entwickelte sich wenige Jahre später zu einem militärischen Fliegerhorst der Luftwaffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die amerikanischen Streitkräfte das Gelände und machten es zu einem wichtigen Logistikstandort in Bremerhaven.

Heute erinnert auf den ersten Blick nur noch wenig an den früheren Flugplatz. Das ehemalige Areal ist längst Teil eines Industrie- und Dienstleistungsgebietes. Trotzdem steckt in Weddewarden eine erstaunlich dichte Geschichte: ziviler Luftverkehr, Seeflieger, Raketenversuche, Minensuchflugzeuge, amerikanische Kasernenzeit und Hafenlogistik. Genau diese Mischung macht den ehemaligen Flugplatz Bremerhaven-Weddewarden zu einem spannenden Kapitel der norddeutschen Luftfahrtgeschichte.

Amerikaring
27580 Bremerhaven
Deutschland

IATA: XXX
ICAO: EDEO

ROLLFELD:
06/24 792 X 91 m Gras


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Flugplatz Bremerhaven-Luneort


GESCHICHTE

Die Suche nach einem modernen Luftverkehrsstandort an der Unterweser (1925 – 1926)
  • 1925 begann der Aufbau des Verkehrslandeplatzes Weddewarden nördlich des Bremerhavener Hafengebietes, zwischen den damaligen Ortschaften Speckenbüttel und Weddewarden. Die Stadt trug zu dieser Zeit noch den Namen Wesermünde. Die Lage war für die damaligen Planer attraktiv, weil das Gelände frei lag, in unmittelbarer Umgebung kaum Bebauung vorhanden war und der Hafen sowie die Passagierschifffahrt der Unterweser schnell erreichbar waren. Damit sollte Weddewarden nicht nur ein lokaler Flugplatz werden, sondern ein Verkehrsknoten zwischen Luftfahrt, Hafen und Seereisen.
  • Sommer 1926 wurde der Verkehrslandeplatz Weddewarden eröffnet. Am 2. Juni 1926 startete die erste feste Flugverbindung auf der Strecke Hamburg – Bremerhaven/Wesermünde – Wangerooge – Norderney – Borkum und zurück. Bereits am Ende der ersten Saison wurden 971 Fluggäste auf 638 Flügen gezählt. Für die damalige Zeit war das ein beachtlicher Start, denn der Linienflugverkehr befand sich noch in einer frühen Entwicklungsphase und musste stark beworben sowie finanziell unterstützt werden.
Der zivile Verkehrslandeplatz und die Lufthansa-Zeit (1927 – 1932)
  • 1927 eröffnete die Deutsche Luft Hansa einen festen Stützpunkt in Weddewarden. Die Flugzeuge wurden zunächst in großen Zelten untergebracht, was zeigt, dass der Platz zwar ambitioniert geplant war, aber noch nicht die Infrastruktur eines ausgebauten Flughafens besaß. Von Weddewarden aus bestanden Verbindungen zu den ostfriesischen Inseln. Zusätzlich wurden Wasserflugverbindungen nach Helgoland angeboten, wobei die Maschinen auf der Weser starteten und landeten. Der Flugplatz verband damit Landflugverkehr und Seeflugverkehr in direkter Nähe zum Hafen.
  • 1927 erhielt der Flugplatz außerdem eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Eine Autobuslinie bediente die Haltestelle „Flugplatz“, wodurch Weddewarden auch für Reisende aus Bremerhaven und Wesermünde leichter erreichbar wurde. Die Nähe zum Hafen war ein wichtiger Werbefaktor, denn Passagiere konnten vom Flugfeld direkt zu den Anlegestellen der großen Passagierdampfer gebracht werden.
  • 1928 bis 1932 entwickelte sich Weddewarden weiter als regionaler Verkehrsflugplatz. Die Verbindung von Hamburg über Bremerhaven/Wesermünde zu den Nordseeinseln passte gut zur damaligen Idee, die Küstenregion stärker in den deutschen Luftverkehr einzubinden. Der Norddeutsche Lloyd bewarb den Standort als modernen „Flughafen am Meer“, weil er Luftreise und Seereise direkt miteinander verbinden konnte. Trotzdem blieb der wirtschaftliche Erfolg begrenzt, denn der Flugverkehr war teuer und musste stark subventioniert werden.
  • 1932 erhielt der Platz die Einstufung als Flughafen II. Ordnung. Diese Aufwertung zeigte, dass Weddewarden offiziell als relevanter Luftverkehrsstandort wahrgenommen wurde. Gleichzeitig verschlechterten sich jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Weltwirtschaftskrise nach 1929 traf den jungen Luftverkehr hart. Der zivile Betrieb geriet zunehmend unter Druck und verlor seine wirtschaftliche Grundlage.
Wirtschaftskrise, Raketenversuche und Ende des zivilen Betriebs (1930 – 1935)
  • 1. Mai 1930 wurde der Flugplatz Weddewarden Schauplatz eines ungewöhnlichen technischen Ereignisses. Friedrich Wilhelm Sander und Fritz von Opel führten dort Versuche mit dem Raketenauto „Opel-Sander RAK2“ und dem speziell für Raketenantrieb gebauten Flugzeug „Opel-Sander RAK1“ durch. Diese Versuche passten in die experimentierfreudige Zeit der späten 1920er und frühen 1930er Jahre, in der Raketenantriebe, Hochgeschwindigkeit und Zukunftstechnik großes öffentliches Interesse auslösten.
  • Anfang der 1930er Jahre verschlechterte sich die Lage des zivilen Flugplatzes weiter. Der Linienflugverkehr war nicht profitabel genug, und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise machten den Betrieb immer schwieriger. Der Platz, der wenige Jahre zuvor noch als moderner Verkehrslandeplatz am Meer galt, verlor seine zivile Bedeutung.
  • Mitte der 1930er Jahre wurde der zivile Flugbetrieb in Weddewarden vollständig eingestellt. Damit endete die erste Phase des Flugplatzes als ziviler Verkehrslandeplatz. Aus dem jungen Verkehrsknoten der 1920er Jahre wurde nun ein Gelände, das in die militärischen Planungen des nationalsozialistischen Staates einbezogen wurde.
Ausbau zum Fliegerhorst der Luftwaffe (1935 – 1939)
  • 1935 übernahm die Luftwaffe im Zuge der allgemeinen Wiederaufrüstung das Gelände. Der ehemalige Verkehrslandeplatz wurde zu einem militärischen Fliegerhorst ausgebaut. Am Nordwestrand des Flugfeldes entstanden große Flugzeughallen, Mannschaftsunterkünfte, Verwaltungsgebäude, Betriebsgebäude und befestigte Straßen. Der eigentliche Flugbetrieb fand weiterhin auf Grasnarbe statt; befestigt waren vor allem die Hallenvorfelder und die Ringstraße.
  • 1935 bis 1939 veränderte sich der Charakter des Platzes grundlegend. Weddewarden war nun kein ziviler Hafenflugplatz mehr, sondern ein militärischer Standort mit direkter Nähe zu Weser, Nordsee und Hafenanlagen. Diese Lage machte ihn für Seefliegerverbände und maritime Luftwaffenaufgaben besonders interessant.
  • 1939 wurde am Südrand des Fliegerhorstes der heutige Nordhafen fertiggestellt. Dieses Hafenbecken war damals auch als „Zeppelinhafen“ oder „Flugzeugträgerbecken“ bekannt. Es war als Liegeplatz für den deutschen Flugzeugträger „Graf Zeppelin“ vorgesehen. Auch der geplante zweite Träger, der sogenannte Flugzeugträger B, sollte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Die Nähe des Hafenbeckens zum Fliegerhorst hätte eine direkte Verbindung zwischen Trägerhafen und fliegenden Einheiten ermöglicht. Die „Graf Zeppelin“ erreichte Bremerhaven jedoch nie, und der zweite Träger wurde nicht fertiggestellt.
Seefliegerhorst im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1942)
  • 1939 bis 1942 wurde Weddewarden vor allem als militärischer Standort für Seefliegerverbände genutzt. Die Aufgabe des Platzes lag damit stärker im maritimen Umfeld als bei klassischen Jagd- oder Bomberverbänden im Binnenland. Die Lage an der Wesermündung und in Hafennähe machte den Platz für Küsten-, See- und Sicherungsaufgaben geeignet.
  • Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Grasfläche das zentrale Flugfeld. Die feste Infrastruktur lag vor allem am Rand des Platzes. Die Hallen, Vorfelder und Betriebsgebäude wurden für Wartung, Unterbringung und Einsatzvorbereitung genutzt. Weddewarden war damit ein funktionaler Fliegerhorst, der nicht durch große Betonbahnen, sondern durch seine Lage und seine Hafenanbindung geprägt wurde.
Stationierung der Minensuchgruppe 1 (1942 – 1945)
  • Oktober 1942 wurde in Weddewarden die Minensuchgruppe 1 aufgestellt. Sie blieb bis Kriegsende in Bremerhaven stationiert. Der Verband war mit umgebauten Junkers Ju 52MS ausgerüstet. Diese Maschinen trugen einen auffälligen großen Minensuchring, mit dessen Hilfe Magnetminen aus der Luft zur Detonation gebracht werden sollten.
  • 1942 bis 1945 gehörten diese Minensuchflüge zu den gefährlichsten Aufgaben im maritimen Luftkrieg. Die Maschinen mussten niedrig über Wasserflächen fliegen, damit die Magnetminen ausgelöst werden konnten. Die Ju 52 war eigentlich als Transportflugzeug bekannt, wurde in dieser Sonderrolle aber zu einem Spezialgerät der Minenabwehr.
  • 1942 bis 1945 blieb Weddewarden dadurch eng mit der Sicherung der Wasserwege verbunden. Die Wesermündung, die Zufahrten zu den Häfen und die Küstengewässer waren strategisch wichtig. Der Flugplatz war nicht nur ein Standort für Flugzeuge, sondern Teil eines größeren militärischen Systems aus Hafen, Luftwaffe, Marine und Küstensicherung.
Raketenwaffen, Peenemünde-West und die letzten Kriegswochen (1945)
  • April 1945 erhielt Weddewarden kurz vor Kriegsende noch einmal eine besondere Bedeutung. Nachdem die Erprobungsstelle Karlshagen, besser bekannt als Peenemünde-West, im Osten aufgegeben werden musste, wurden Personal und Material nach Westen verlegt. Weddewarden und der Marineschießplatz Cuxhaven-Altenwalde sollten als Ausweichstandorte für die Weiterentwicklung von Raketenwaffen dienen.
  • April 1945 lagerten in den großen Hangars des Flugplatzes Teile und Flugkörper verschiedener deutscher Waffenprojekte. Dazu gehörten unter anderem die Fieseler Fi 103, die Ruhrstahl X-4, die Blohm & Voss BV 246 und die Gleitbombe Henschel Hs 293. Diese Verlagerung war allerdings ein letzter, praktisch aussichtsloser Versuch, die militärische Entwicklung trotz des bereits verlorenen Krieges fortzusetzen.
  • 7. Mai 1945 marschierten britische Verbände kampflos in Bremerhaven ein. Damit endete für die Stadt der Zweite Weltkrieg einen Tag vor der allgemeinen Kapitulation Deutschlands. Die in Weddewarden eingelagerten Waffen und Bauteile fielen teilweise zerstört in alliierte Hände. Für den Fliegerhorst begann unmittelbar danach eine neue Nutzungsgeschichte.
Übergang zur amerikanischen Nutzung und Staging Area (1945 – 1950er Jahre)
  • Mai 1945 übernahm die US Army den ehemaligen Fliegerhorst. Obwohl Nordwestdeutschland grundsätzlich zur britischen Besatzungszone gehörte, wurde der Raum Bremen–Bremerhaven wegen des Hafens zu einer amerikanisch genutzten Enklave. Die USA benötigten einen leistungsfähigen Seehafen, um ihre vor allem in Süddeutschland stationierten Truppen zu versorgen. Weddewarden bot dafür ein großes, bereits militärisch erschlossenes Gelände mit direkter Hafennähe.
  • 20. Mai 1945 wurde Bremerhaven amerikanisch besetzte Enklave. Der ehemalige Seefliegerhorst erhielt nun die Rolle einer „Staging Area“, also eines Sammel- und Umschlagplatzes. Das Gelände wurde zum wichtigen Versorgungsstandort der US Army in Deutschland. Über Bremerhaven liefen Truppentransporte, Nachschub, Verbrauchsgüter und militärisches Gerät.
  • 1945 bis Ende der 1950er Jahre entwickelte sich Weddewarden zu einem zentralen logistischen Knoten der amerikanischen Streitkräfte. In der Anfangszeit diente das Gelände auch als Durchgangslager für zu entlassende deutsche Soldaten und für amerikanische Truppen, die in die USA zurückkehrten. Später rückte der Umschlag von Material und Versorgungsgütern stärker in den Mittelpunkt.
Bremerhaven als amerikanischer Port of Embarkation (1950er – 1960er Jahre)
  • 1950er Jahre wurde Bremerhaven für die US-Streitkräfte zu einem der wichtigsten Häfen in Europa. Die Staging Area Weddewarden spielte dabei eine zentrale Rolle, weil sie Hafenlogistik, Lagerflächen, militärische Verwaltung und technische Einrichtungen miteinander verband. Bis 1957 wurden in Bremerhaven mehr als 10 Millionen Tonnen Güter für die amerikanischen Streitkräfte umgeschlagen.
  • 1950er und 1960er Jahre nutzten nicht nur die US Army, sondern auch Einheiten der US Air Force und der US Navy den Standort. Weddewarden war dadurch weit mehr als eine ehemalige Flugplatzfläche. Das Areal wurde zu einem militärischen Versorgungs-, Kommunikations- und Verwaltungszentrum.
  • 1960er Jahre wurde die frühere Flugplatzfunktion zunehmend von der logistischen Bedeutung überlagert. Der alte Flugbetrieb stand nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen prägten Lagerflächen, Werkstätten, Fahrzeugabfertigung, Unterkünfte, Versorgungseinrichtungen und militärische Dienststellen das Bild.
Unfall beim Open Day und öffentliche Präsenz der Amerikaner (1964 – 1970er Jahre)
  • 2. Mai 1964 kam es während eines Open Day des amerikanischen Militärs auf dem Flughafen Weddewarden zu einem schweren Unglück. Bei einer Flugvorführung berührte ein Starfighter vom Typ Lockheed F-104G bei langsamer Geschwindigkeit den Boden und stürzte ab. Der Pilot konnte sich zwar mit dem Schleudersitz retten, kam jedoch im Bereich der Wurster Straße ums Leben.
  • 1965 siedelte sich der Military Sea Transport Service in Bremerhaven an. Dadurch wuchs die Bedeutung des Standortes für den Umschlag von Konsumgütern und Fahrzeugen weiter. Privatfahrzeuge amerikanischer Soldaten wurden über Bremerhaven eingeführt, umgerüstet und später wieder verschifft. Weddewarden wurde dadurch auch zu einem wichtigen Standort für Fahrzeugabwicklung und technische Dienstleistungen.
  • Bis 1970 wurden die verschiedenen amerikanischen Dienststellen in Bremerhaven schrittweise reduziert und in Weddewarden zusammengezogen. Damit konzentrierte sich die amerikanische Präsenz immer stärker auf das ehemalige Flugplatzgelände. Aus dem alten Seefliegerhorst war endgültig ein großer militärischer Logistik- und Kasernenstandort geworden.
Carl-Schurz-Kaserne und amerikanische Kleinstadt in Bremerhaven (1973 – 1980er Jahre)
  • 1973 erhielt die bisherige Staging Area den Namen Carl-Schurz-Kaserne. Zu diesem Zeitpunkt waren dort Einheiten der US Army, der US Air Force und der US Navy stationiert. Der Standort beherbergte unter anderem Radar-, Kommunikations-, Transport- und Unterstützungseinheiten.
  • 1970er Jahre entwickelte sich auf dem Gelände eine Art amerikanische Kleinstadt. Es entstanden oder bestanden Verwaltungsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Werkstätten, Unterkünfte, Freizeitbereiche, eine Tankstelle, Sportflächen, ein Golfplatz, ein Unteroffiziersklub und ein Einkaufsbereich. Ein ehemaliger Flugzeughangar wurde zur „Radio-City-Hall“ mit Freizeit-, Sport- und Unterhaltungseinrichtungen umgebaut.
  • 1974 und in den folgenden Jahren fanden auf dem Gelände öffentliche Veranstaltungen und Tage der offenen Tür statt. Für viele Bremerhavener wurde die Carl-Schurz-Kaserne dadurch zu einem sichtbaren Symbol der amerikanischen Präsenz. Der frühere Flugplatz war nun nicht mehr nur ein militärischer Ort, sondern auch ein Teil der Stadtgeschichte und des Alltagsgefühls in Bremerhaven.
  • 1980er Jahre wurde die Kaserne zu einem bedeutenden Arbeitgeber. Mehr als tausend Menschen aus Bremerhaven und der Region fanden dort zivile Beschäftigung. Gleichzeitig blieb das Gelände militärisch und logistisch bedeutsam, besonders für den Umschlag von Fahrzeugen, Versorgungsgütern und militärischem Gerät.
Strategische Bedeutung, Proteste und beginnender Bedeutungsverlust (1980er – 1992)
  • 1982 wurde die strategische Bedeutung des Standortes besonders sichtbar, als mehr als 10.000 Menschen gegen die Verschiffung von Atomraketen in Bremerhaven demonstrierten. Auch später, im Zusammenhang mit militärischen Verladungen Richtung Irak, wurde Weddewarden erneut Ziel großer Proteste. Der Standort war also nicht nur ein logistischer Umschlagplatz, sondern auch ein politisch sensibler Ort des Kalten Krieges.
  • Mitte der 1980er Jahre wurden über das Vehicle Processing Center Bremerhaven jährlich rund 40.000 zivile Fahrzeuge von Angehörigen der US-Streitkräfte abgewickelt. Das zeigt, welche Dimension die amerikanische Nutzung inzwischen erreicht hatte. Weddewarden war eng mit dem Hafen, dem Fahrzeugumschlag und der amerikanischen Militärlogistik verbunden.
  • Ende der 1980er Jahre begann die Bedeutung der Kaserne zu sinken. Nach dem Ende des Kalten Krieges reduzierten die USA ihre Truppenpräsenz in Deutschland. Gleichzeitig verschoben sich Transportwege. Bremerhaven verlor Teile seiner früheren Funktion als zentraler Umschlagplatz, unter anderem zugunsten anderer Verkehrswege und Häfen.
  • 1989 gab es noch Überlegungen, eine Transporthubschrauber-Staffel in die Carl-Schurz-Kaserne zu verlegen. Dagegen regte sich jedoch politischer und ziviler Widerstand, weil in der Umgebung zusätzlicher Fluglärm befürchtet wurde. Diese Episode zeigt, dass das Gelände zwar weiterhin militärisch nutzbar war, aber die Akzeptanz neuer fliegerischer Nutzung deutlich begrenzt war.
  • 1992 wurde klar, dass die US Army Weddewarden verlassen würde. Nur eine kleine Transporteinheit sollte zunächst bleiben. Damit endete die lange amerikanische Hauptnutzung des ehemaligen Flugplatzes.
Abzug der Amerikaner und Übergang in die zivile Nachnutzung (1993 – 2000er Jahre)
  • 1993 zogen die amerikanischen Streitkräfte nahezu vollständig aus Bremerhaven ab. Für die Stadt war das ein schwerer wirtschaftlicher Einschnitt. Mehr als 1.100 zivile Arbeitsplätze gingen verloren, und Bremerhaven verlor einen wichtigen Teil seiner Nachkriegsidentität als stark amerikanisch geprägte Hafenstadt.
  • 1993 fiel das rund 127 Hektar große Gelände nach der Rückgabe durch die Army an den Bund zurück. Die weitere Nutzung war zunächst unklar. Es gab hohe geschätzte Sanierungskosten, verschiedene Interessen zwischen Bremen und Bremerhaven und zahlreiche Nutzungsideen. Das Gelände geriet zeitweise in eine Art Übergangsphase zwischen militärischer Vergangenheit und ziviler Zukunft.
  • 1996 befand sich das Gelände im Besitz der Stadt Bremen. In den folgenden Jahren wurden Gebäude zeitweise weitergenutzt, umgebaut oder abgerissen. Teile der ehemaligen Kaserne dienten als Ausweichstandorte für Schulen, kulturelle Einrichtungen oder andere Übergangsnutzungen. Gleichzeitig rückten Hafenbetriebe, Logistikfirmen und Gewerbe immer stärker auf das Areal vor.
  • 2001 wurde das ehemalige Wachhäuschen der alten Kaserneneinfahrt abgebrochen. Kurz darauf verschwand auch der letzte Sendeturm des Soldatensenders AFN. Damit gingen weitere sichtbare Zeichen der amerikanischen Nachkriegsgeschichte verloren. Die Umwandlung des früheren Flugplatz- und Kasernengeländes in ein Gewerbe- und Logistikgebiet schritt nun immer deutlicher voran.
Industrie- und Dienstleistungsgebiet Carl Schurz und LogInPort (2000er Jahre bis HEUTE
  • 2000er Jahre wurde das ehemalige Flugplatzgelände immer stärker durch Hafenlogistik, Fahrzeugflächen, Containerdienste, Werkstätten und Gewerbebauten geprägt. Frühere Sportflächen, amerikanische Einrichtungen und Reste der Kasernenstruktur wurden nach und nach überformt. Einige Gebäude des alten Fliegerhorstes und der späteren amerikanischen Nutzung blieben jedoch erhalten oder wurden für neue Zwecke weitergenutzt.
  • 2005 zog das Museum der 50er Jahre in die alte Kapelle der ehemaligen Kaserne. Dadurch blieb ein Teil der Erinnerung an die amerikanische Epoche des Geländes kulturell sichtbar. Gleichzeitig entstanden im nördlichen Bereich große Logistikhallen, und das frühere Areal wurde immer stärker in die moderne Hafenwirtschaft integriert.
  • 2008 bis 2010 wurden große Teile des ehemaligen Flugfeldes endgültig zu Hafen- und Logistikflächen umgewandelt. Auf Luftbildern waren zuvor noch Reste der früheren Start- und Landefläche zu erkennen, doch diese Spuren verschwanden zunehmend durch neue Nutzungen, Abstellflächen und bauliche Veränderungen.
  • Heute ist die frühere Carl-Schurz-Kaserne Teil des Industrie- und Dienstleistungsgebietes Carl Schurz und gehört zum größeren Gewerbeareal LogInPort. Das Gelände dient vor allem der Hafenwirtschaft, Logistik und dem Fahrzeugumschlag. Der einstige Verkehrslandeplatz Weddewarden, der spätere Seefliegerhorst und die amerikanische Staging Area sind im Stadtbild nur noch in Resten erkennbar. Trotzdem bleibt das Areal eines der geschichtlich vielschichtigsten Luftfahrt- und Militärgelände Bremerhavens.


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