Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2026 von Charles David Fennell

FLUGPLATZ BRAUNSCHWEIG SALZDAHLUMER STRASSE
Das provisorische Flugfeld an der Salzdahlumer Straße gehört zu den frühen, heute fast vergessenen Schauplätzen der Braunschweiger Luftfahrtgeschichte. Lange bevor Broitzem und später Waggum die Entwicklung der Stadt prägten, nutzte man den Großen Exerzierplatz im Südosten Braunschweigs als offene Fläche für erste Flugvorführungen, Landungen und Luftschiffereignisse. Aus einem militärischen Übungsplatz wurde damit für kurze Zeit ein improvisierter Ort der jungen Motorluftfahrt. Gerade dieser Übergang macht die Salzdahlumer Straße historisch interessant: Sie steht für die Phase, in der Flugzeuge noch bestaunte technische Sensationen waren und Braunschweig seinen ersten sichtbaren Anschluss an das Luftfahrtzeitalter fand.
Schwartzkopffstraße
D-38126 Braunschweig
IATA: xxx
ICAO: xxxx
ROLLFELD:
Exerzierplatz: 1166 m²
GESCHICHTE
Vom Militärgelände zum geeigneten Freifeld (1889 – 1909)
- 1. Oktober 1889 wurde der „Große Exerzierplatz“ im Südosten Braunschweigs eingerichtet. Das Gelände lag an der Salzdahlumer Straße, ungefähr im Bereich des heutigen Klinikums Salzdahlumer Straße und der späteren Sport- und Golfanlagen. Die Fläche entstand, weil der ältere „Kleine Exerzierplatz“ für die in Braunschweig stationierten Truppen nicht mehr ausreichte. Der neue Platz umfasste mehr als 116 Hektar und bot damit eine große, offene Fläche ohne dichte Bebauung. Genau diese Eigenschaften machten ihn später auch für frühe Flugversuche interessant.
- Ab 1889 diente das Gelände zunächst ausschließlich militärischen Zwecken. Es war ein Übungsplatz für Truppen, Pferde und militärische Abläufe. Für die Luftfahrt war es ursprünglich nicht geplant. Trotzdem brachte die Kombination aus ebener Fläche, Stadtnähe und fehlenden Hindernissen gute Voraussetzungen mit, um dort Flugvorführungen und Landungen durchzuführen.
Die erste Begegnung Braunschweigs mit dem Motorflug (1910)
- September 1910 wurde auf dem Großen Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße erstmals ein Flugzeug vorgeführt. Das Flugzeug kam nicht auf dem Luftweg nach Braunschweig, sondern wurde vorsichtshalber mit der Eisenbahn herangeschafft, vor Ort aufgebaut und erst dann flugbereit gemacht. Anschließend hob die Maschine ab und drehte einige Runden über dem Platz. Für die Braunschweiger Bevölkerung war das ein außergewöhnliches Ereignis, denn Flugzeuge waren zu dieser Zeit noch eine Sensation.
- 3. September 1910 wird in der Luftfahrtliteratur als früher Flugtag auf dem Großen Exerzierplatz genannt. Der Flugpionier Theodor Schauenburg startete dort und soll rund drei Minuten in etwa 30 Metern Höhe geflogen sein. Damit gehört der Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße zu den frühesten nachweisbaren Orten der Motorfliegerei in Braunschweig.
- 1910 war der Platz noch weit entfernt von einem organisierten Flughafenbetrieb. Es gab keine festen Startbahnen, keine Hallen, keine reguläre Flugbetriebsleitung und keine dauerhafte Infrastruktur. Der Ort war ein provisorisches Flugfeld im ursprünglichen Sinn: eine große freie Fläche, die bei Bedarf für einzelne Flugereignisse genutzt wurde.
Der Exerzierplatz als Anlaufpunkt früher Überlandflüge (1911 – 1912)
- 1911 wuchs in Deutschland das Interesse an Überlandflügen, Zuverlässigkeitsflügen und Flugwettbewerben. Braunschweig lag verkehrsgeografisch günstig zwischen wichtigen Städten Nord- und Mitteldeutschlands. Dadurch wurde der Große Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße zunehmend als möglicher Anflug- und Landeplatz wahrgenommen.
- 1912 wurde der Platz bei verschiedenen frühen Flugveranstaltungen und Überlandflügen genutzt oder als Anlaufpunkt vorgesehen. Die Braunschweiger Bevölkerung hatte sich inzwischen an den Anblick einzelner Flugzeuge gewöhnt, auch wenn jeder Start und jede Landung weiterhin ein Ereignis blieb. Der Exerzierplatz war dabei kein ziviler Flughafen, sondern ein geeignetes Gelände, das man für die junge Luftfahrt mitbenutzte.
- 1912 standen besonders Rundflüge, Flugwettbewerbe und Etappenflüge im Mittelpunkt. In dieser Zeit wurden Flugzeuge in der Öffentlichkeit oft noch als technische Wunderwerke betrachtet. Die Maschinen waren empfindlich, wetterabhängig und hatten nur begrenzte Reichweiten. Für Städte wie Braunschweig bedeutete ein geeigneter Landeplatz deshalb einen ersten Anschluss an die neue Welt der Luftfahrt.
Luftschiffe über Braunschweig und die Nutzung als Luftschiff-Landeplatz (1912 – 1914)
- 29. August 1912 führte das Luftschiff LZ 13 „Hansa“ eine Fahrt über Braunschweig durch. Dabei wurde Post abgeworfen. Eine tatsächliche Landung mit Postübergabe folgte später. Diese Ereignisse zeigen, dass der Große Exerzierplatz nicht nur für Flugzeuge, sondern auch für Luftschiffe eine Rolle spielte.
- 13. Oktober 1912 landete LZ 13 „Hansa“ im Rahmen einer Fahrt von Hamburg über Braunschweig weiter Richtung Gotha. Dieser Besuch gehörte zu den frühen Höhepunkten der Braunschweiger Luftfahrtgeschichte. Die Quellenlage wird gelegentlich mit dem Jahr 1913 vermischt, doch die Fahrtunterlagen und Sammlungsnachweise zur 64. Fahrt der „Hansa“ weisen auf den 13. Oktober 1912 hin.
- 1913 wurde die Bedeutung der Luftfahrt in Braunschweig weiter diskutiert. In der Stadt entstand der Wunsch nach einem eigenen Lufthafen. Dafür rückte allerdings nicht mehr in erster Linie der Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße in den Mittelpunkt, sondern das Aerkeröder Feld südlich des Dowesees. Dort sollte eine Luftschiffhalle entstehen. Der Landtag genehmigte 1913 die Anlage, und die Stadt kaufte zusätzliches Gelände.
- 13. Oktober 1913 wird in städtischen Darstellungen ebenfalls als Luftschiffereignis am Exerzierplatz genannt. Diese Angabe steht neben den Nachweisen zur Fahrt von 1912 und zeigt, dass die frühe Luftschiffgeschichte Braunschweigs in späteren Darstellungen nicht immer einheitlich überliefert wurde. Für die chronologische Einordnung des provisorischen Flugfeldes bleibt entscheidend: Der Große Exerzierplatz war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg tatsächlich ein sichtbarer Ort der frühen Luftfahrt in Braunschweig.
- 16. Mai 1914 landete das in Leipzig stationierte Heeresluftschiff Z VI auf dem Gelände. Damit blieb der Exerzierplatz bis unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg auch für militärische Luftschiffbewegungen von Bedeutung.
Braunschweig sucht einen dauerhaften Lufthafen (1912 – 1914)
- 1912 stellte sich in Braunschweig immer deutlicher die Frage, ob die Stadt einen festen Lufthafen erhalten sollte. Der Große Exerzierplatz war zwar groß und praktisch nutzbar, aber er blieb ein militärischer Übungsplatz. Für einen dauerhaften zivilen Luftverkehr, Luftschiffhallen oder Werkstätten war er nur bedingt geeignet.
- 17. April 1913 genehmigte der Landtag die Anlage eines Lufthafens auf dem Aerkeröder Feld. Dieses Areal lag südlich des Dowesees zwischen Bienroder Weg und Mittelweg. Die Stadt war an der Entwicklung beteiligt und kaufte im Oktober 1913 noch fehlendes Gelände hinzu. Kurz zuvor war bereits eine „GmbH Lufthafen Braunschweig“ gegründet worden.
- 1914 sollten die Planungen weiter voranschreiten. Im Juli 1914 wurde angekündigt, dass eine Luftschiffhalle im April 1915 eröffnet werden sollte. Außerdem sollte der Lufthafen als Flugstützpunkt dienen. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden diese Pläne jedoch gestoppt. Der provisorische Charakter der Braunschweiger Luftfahrt blieb dadurch zunächst bestehen.
Der Erste Weltkrieg und das Ende der frühen Provisorien (1914 – 1916)
- August 1914 veränderte der Beginn des Ersten Weltkriegs die gesamte Luftfahrtentwicklung. Die zivile Begeisterung für Flugvorführungen und Luftschiffe trat in den Hintergrund. Die militärische Bedeutung von Flugzeugen wuchs dagegen schnell. Luftaufklärung, Schulung und militärische Organisation wurden wichtiger als Schauflüge.
- 1914 bis 1916 blieb der Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße weiterhin ein militärisches Gelände. Als provisorisches Flugfeld konnte er noch eine Rolle spielen, doch für die Anforderungen des Krieges war ein besser organisierter Flugplatz notwendig. Die Stadt Braunschweig suchte deshalb nach einer dauerhafteren Lösung.
- 2. Juni 1916 genehmigte die Stadt einen Vertrag mit dem Reichsmilitärfiskus zur Einrichtung einer Fliegerstation in Braunschweig. Das Aerkeröder Feld kam dafür nicht mehr in Betracht. Stattdessen wurde ein Gelände bei Broitzem ausgewählt. Damit begann die Verlagerung der Braunschweiger Flugplatzentwicklung weg von der Salzdahlumer Straße.
Broitzem übernimmt die Rolle des eigentlichen Flugplatzes (1916 – 1917)
- 1916 wurde bei Broitzem ein großer Militärflugplatz aufgebaut. Anders als der Große Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße war Broitzem nicht nur ein gelegentlich genutztes Freifeld, sondern wurde als richtiger Flugplatz mit militärischer Funktion eingerichtet.
- 1. April 1917 nahm der Flugplatz Braunschweig-Broitzem mit der Verlegung der Fliegerersatzabteilung 7 offiziell seine Rolle als vollwertiger Flugplatz auf. Damit endete die Bedeutung der Salzdahlumer Straße als erster provisorischer Luftfahrtort weitgehend. Der Große Exerzierplatz blieb historisch wichtig, aber die praktische Flugplatzentwicklung Braunschweigs verlagerte sich nun nach Broitzem.
- 7. Mai 1917 löste sich die frühere Lufthafengesellschaft auf. Die Pläne für einen zivilen Lufthafen aus der Vorkriegszeit waren durch Krieg, Militärbedarf und die neue Flugstation bei Broitzem überholt. Die Salzdahlumer Straße war damit nicht mehr der zentrale Zukunftsort der Braunschweiger Luftfahrt.
Der Große Exerzierplatz nach dem Krieg (1918 – 1924)
- 1918 endete der Erste Weltkrieg. Die militärische Luftfahrt in Deutschland wurde anschließend stark eingeschränkt. Für Braunschweig bedeutete das, dass auch die weitere Nutzung der Flugplätze neu bewertet werden musste. Der Große Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße blieb zunächst ein ehemaliges militärisches Übungsgelände mit großer Fläche, aber ohne klare luftfahrttechnische Zukunft.
- 1919 begann der zivile Luftpostverkehr in Braunschweig nicht an der Salzdahlumer Straße, sondern in Broitzem. Das erste Postflugzeug landete am 25. Mai 1919 um 8:40 Uhr in Broitzem. Das zeigt deutlich, dass der Schwerpunkt der Braunschweiger Luftfahrt nach dem Krieg nicht mehr beim alten Exerzierplatz lag.
- 1. Oktober 1923 wurde das Pachtverhältnis des Großen Exerzierplatzes durch das Landesdomänenamt gegenüber der Heeresverwaltung gekündigt. Damit verlor das Gelände endgültig seine alte militärische Hauptfunktion.
- 1924 wurde der Exerzierplatz nach Kralenriede verlegt. Dort entstand ein neuer Übungsplatz für die Reichswehr. Der bisherige Große Exerzierplatz an der Salzdahlumer Straße wurde dadurch frei für andere Nutzungen.
Umwandlung in Sport-, Garten- und Klinikflächen (1926 – 1939)
- Ab Herbst 1926 nutzte das Braunschweiger Militär den neuen Exerzierplatz in Kralenriede. Das alte Gelände an der Salzdahlumer Straße wurde nun schrittweise anders verwendet. Teile gingen an Sportvereine, Kleingartenanlagen und später an weitere Einrichtungen.
- 1926 pachtete der Golf-Club ein rund 100 Morgen großes Areal auf dem ehemaligen Exerzierplatz. Bereits 1927 begann der Ausbau, und 1928 wurde ein 9-Loch-Platz eingeweiht. Dadurch entstand auf einem Teil des früheren provisorischen Flugfeldes eine dauerhafte Sportnutzung.
- 1927 pachtete der Sportclub Leu 06 ein Areal an der Salzdahlumer Straße und baute es zu einem Sportplatz aus. Im selben Umfeld entwickelten sich weitere Sport- und Vereinsflächen. Damit verschwand die frühe Luftfahrtfunktion des Geländes immer stärker aus dem sichtbaren Stadtbild.
- 1937 bis 1939 errichtete die Wehrmacht auf einem weiteren großen Teil des ehemaligen Exerzierplatzes ein Krankenhaus für Soldaten der Luftwaffe und für Personal der Flughäfen im Bereich des Luftflottenkommandos 2. Dieses Krankenhaus wurde später als „Luftwaffenlazarett“ bekannt und entwickelte sich nach dem Krieg zum Standort des Klinikums Salzdahlumer Straße.



