Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2026 von Charles David Fennell

Lufthansa gewinnt das Rennen um TAP
Wie es dazu kam und was jetzt folgt
Die Lufthansa Group hat das Bieterrennen um TAP Air Portugal gewonnen. Am 14. Oktober 2026 entschied sich die portugiesische Regierung für das Angebot des deutschen Konzerns und gegen den Konkurrenten Air France-KLM. Damit steht der gewünschte strategische Partner fest. Bis Lufthansa tatsächlich bei TAP einsteigen kann, stehen jedoch noch Vertragsabschlüsse und behördliche Genehmigungen aus. Der Vollzug könnte sich bis 2028 hinziehen.
2025: Der Startschuss für die Teilprivatisierung
Am 10. Juli 2025 leitete Portugals Regierung die erneute Privatisierung der nationalen Fluggesellschaft ein. Das Modell sah zunächst den Verkauf von 44,9 Prozent an einen strategischen Investor vor. Weitere fünf Prozent sollten den Beschäftigten angeboten werden, während der Staat mit 50,1 Prozent die Mehrheit behält.
Gesucht wurde ein Partner, der Kapital, ein tragfähiges Geschäftsmodell und langfristige Wachstumsperspektiven mitbringt. Portugal verband den Verkauf deshalb mit strategischen Anforderungen: Das Drehkreuz Lissabon sollte erhalten und gestärkt werden, ebenso die wichtigen Verbindungen zu den Inselregionen und zu Ländern mit engen historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Portugal.
Neben Lufthansa und Air France-KLM zeigte zunächst auch die International Airlines Group, die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, Interesse an TAP.
2026: Lufthansa und Air France-KLM bleiben im Rennen
Am 2. April 2026 reichten Lufthansa und Air France-KLM ihre unverbindlichen Angebote ein. IAG verzichtete auf eine Teilnahme am weiteren Verfahren. Damit entwickelte sich der Wettbewerb zu einem Duell zwischen zwei der größten europäischen Airlinegruppen.
Am 23. April 2026 lud die portugiesische Regierung beide Bewerber zur Abgabe verbindlicher Angebote ein. Neben dem Kaufpreis sollten insbesondere die industrielle Strategie, Investitionen in die Flotte, die internationale Anbindung Portugals und die finanzielle Leistungsfähigkeit des Investors bewertet werden.
Die verbindlichen Angebote gingen am 29. Juli 2026 ein. Beide Gruppen wollten TAP als portugiesische Fluggesellschaft weiterentwickeln und in ihr jeweiliges internationales Netzwerk einbinden.
Für Lufthansa war besonders das starke TAP-Geschäft zwischen Europa und Brasilien interessant. Lissabon würde dem Konzern zudem ein Drehkreuz im Südwesten Europas eröffnen und seine Position auf dem Südatlantik stärken.
September 2026: Warum beide Bieter nachbessern mussten
Die erste Bewertung brachte keinen eindeutigen Sieger. Obwohl sich die Angebote inhaltlich unterschieden, lagen sie in der Gesamtbewertung nahe beieinander. Deshalb beschloss die Regierung am 4. September 2026, mit beiden Bewerbern weiterzuverhandeln.
Diese zusätzliche Runde sollte bessere finanzielle Konditionen, verbindlichere Entwicklungszusagen und klarere Vertragsbedingungen bringen. Am 30. September 2026 legten Lufthansa und Air France-KLM ihre nachgebesserten Angebote vor.
Air France-KLM warb unter anderem damit, Lissabon zum exklusiven Drehkreuz der Gruppe in Südeuropa zu machen. Lufthansa betonte ihre langjährige Zusammenarbeit mit TAP und Portugal sowie ihre Erfahrung mit der Entwicklung eigenständiger Netzwerkfluggesellschaften innerhalb einer gemeinsamen Gruppe.
Nach Einschätzung der portugiesischen Regierung verbesserten beide Bewerber ihre Angebote erheblich. Weil sich die strategischen und vertraglichen Bedingungen zunehmend annäherten, gewann die finanzielle Seite an Bedeutung.
Oktober 2026: Das stärkere Angebot kommt von Lufthansa
Am 14. Oktober 2026 fiel die Entscheidung zugunsten der Lufthansa Group. Ausschlaggebend waren das finanziell stärkere Angebot und die aus Regierungssicht größere Sicherheit seiner Umsetzung. Für eine Beteiligung von bis zu 49,9 Prozent lag das Lufthansa-Angebot nach Regierungsangaben um bis zu 16 Prozent über dem Konkurrenzangebot.
Für den ursprünglichen Anteil von 44,9 Prozent bietet Lufthansa 1,025 Milliarden Euro. Werden zusätzlich die für Beschäftigte reservierten, von diesen jedoch nicht übernommenen Aktien erworben, kann der Konzernanteil auf 49,9 Prozent steigen. Einschließlich zeitabhängiger Anpassungen kann der Gesamtbetrag rund 1,2 Milliarden Euro erreichen.
Der portugiesische Staat bleibt in dieser ersten Phase Mehrheitsaktionär. Die vereinbarte Unternehmensführung soll zugleich ermöglichen, dass der private Partner die operative Leitung übernimmt und die strategischen Rechte des Staates abgesichert bleiben.
2026 bis 2028: Welche Schritte jetzt folgen
Mit der Auswahl des Investors ist der Verkauf noch nicht abgeschlossen. Zunächst müssen Lufthansa, die portugiesische Regierung und die staatliche Beteiligungsgesellschaft Parpública die endgültigen Transaktionsunterlagen fertigstellen.
Dazu gehören insbesondere der Kaufvertrag über die TAP-Unternehmensanteile und die Vereinbarungen über die künftige Zusammenarbeit der Anteilseigner. Sie regeln unter anderem die Unternehmensführung, Mitspracherechte und die vereinbarten Verpflichtungen.
Anschließend stehen die erforderlichen behördlichen Prüfungen an. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Europäische Kommission mit ihrer Wettbewerbsprüfung. Auch die portugiesische Luftfahrtbehörde ANAC muss in den weiteren Ablauf einbezogen werden.
Erst wenn die notwendigen Genehmigungen vorliegen und die vertraglichen Vollzugsbedingungen erfüllt sind, können die Anteile übertragen werden. Dieser rechtliche Abschluss ist vom späteren Zusammenwachsen der Unternehmen zu unterscheiden.
Warum sich der Einstieg bis 2028 verzögern könnte
Den größten zeitlichen Unsicherheitsfaktor bildet derzeit die europäische Wettbewerbsprüfung. Portugals Finanzminister rechnet mit einem Verfahren von 18 bis 24 Monaten. Deshalb wird der Abschluss des Verkaufs inzwischen für 2028 erwartet.
Diese Zeitspanne betrifft vor allem den Weg bis zur Genehmigung. Eine zusätzliche, bereits festgelegte Wartefrist von 18 bis 24 Monaten nach einer EU-Freigabe ist damit nicht gemeint.
Die EU muss untersuchen, wie sich der Einstieg auf den Wettbewerb auswirkt. Dabei können beispielsweise Streckenüberschneidungen und die Marktposition der beteiligten Airlines eine Rolle spielen. Ob die Kommission Auflagen verlangt und wie diese aussehen könnten, steht noch nicht fest.
Auch eine Genehmigung würde nicht zwangsläufig bedeuten, dass sämtliche Veränderungen sofort wirksam werden. Falls vor dem Vollzug noch Bedingungen oder Auflagen erfüllt werden müssen, kann zwischen Freigabe und tatsächlicher Anteilsübertragung weitere Zeit liegen. Anschließend folgt die praktische Integration, etwa bei Buchungssystemen, Vertrieb, Flugplanung und internen Abläufen. Dafür gibt es bislang keinen veröffentlichten verbindlichen Gesamtzeitplan.
Für Passagiere bedeutet das: Die Entscheidung für Lufthansa führt zunächst zu keinem schlagartigen Umbau des TAP-Angebots. Sichtbare Veränderungen dürften schrittweise erfolgen.
Ab 2030: Neue Perspektiven für Flotte und Streckennetz
Die vorgestellten Entwicklungspläne reichen weit über den eigentlichen Anteilserwerb hinaus. Die TAP-Flotte soll bis 2035 auf 117 Flugzeuge wachsen und danach bis zu 130 Maschinen erreichen. Nach 2030 ist außerdem die mögliche Übertragung von bis zu acht Airbus A350-900 an TAP vorgesehen.
Für Luftfahrtinteressierte und Spotter wäre dies eine besonders auffällige Veränderung. Der A350 könnte ein neues Kapitel in der Langstreckenentwicklung der portugiesischen Fluggesellschaft eröffnen. Bis dahin handelt es sich jedoch um Zukunftspläne, deren Umsetzung noch aussteht.
Neben Lissabon soll auch Porto gestärkt werden. Die veröffentlichten Ziele sehen dort acht stationierte Flugzeuge vor. Die Marke TAP, der Unternehmenssitz in Portugal und die Verbindungen zu den Inselregionen sollen erhalten bleiben.
Was Lufthansa für TAP bedeuten könnte
Die Einbindung in eine große Airlinegruppe kann TAP den Zugang zu zusätzlichen Ressourcen erleichtern. Gemeinsame Beschaffung, technische Zusammenarbeit und ein besser abgestimmtes internationales Netzwerk könnten die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Auf der Langstrecke ergänzen sich die Interessen besonders deutlich: TAP bringt ihre starke Stellung in Brasilien und ihre Verbindungen über Lissabon mit, während Lufthansa ein umfangreiches internationales Netz beisteuert. Die bestehende Zusammenarbeit innerhalb der Star Alliance bietet dafür eine Grundlage.
Für Reisende könnten daraus zusätzliche Umsteigemöglichkeiten und besser aufeinander abgestimmte Verbindungen entstehen. Günstigere Tickets, ein besserer Service oder bestimmte neue Strecken sind damit allerdings noch nicht zugesagt.
Die Integration verlangt zugleich Investitionen und Managementkapazität. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Wachstumsziele umgesetzt werden und TAP innerhalb des Konzerns ausreichend Raum erhält, ihre Stärken weiterzuentwickeln.
Perspektive 2028: Auch eine Mehrheitsübernahme ist möglich
Der zunächst geplante Minderheitseinstieg könnte der erste Schritt zu einer weitergehenden Privatisierung sein. Beide Bieter haben auch Vorschläge für den Erwerb der Mehrheit vorgelegt.
Ein solcher Schritt müsste jedoch in einem eigenständigen weiteren Verfahren umgesetzt werden. Die veröffentlichten Berechnungen für diese mögliche zweite Phase gehen von einem Abschluss bis Juli 2028 aus. Das ist eine Planungsannahme und kein garantierter Vollzugstermin.
Lufthansa hat damit die entscheidende Bieterrunde gewonnen. Ob aus der Partnerschaft dauerhaft eine stärkere TAP entsteht, wird sich an der Umsetzung zeigen: an zusätzlichen Verbindungen, einer modernisierten Flotte und einer tragfähigen Rolle Portugals im internationalen Netzwerk des Konzerns.
Quellennachweis
- Portugiesische Regierung: Beginn der TAP-Privatisierung – 10. Juli 2025
- Reuters: Lufthansa und Air France-KLM bieten für TAP, IAG zieht sich zurück – 2. April 2026
- Portugiesische Regierung: Zwei Bieter erreichen die finale Phase – 23. April 2026
- Air France-KLM: Verbindliches Angebot für TAP – 29. Juli 2026
- Portugiesische Regierung: Beschluss zur Nachverhandlung – 4. September 2026
- Observador: Nachgebesserte Angebote von Lufthansa und Air France-KLM – 30. September 2026
- Air France-KLM: Abschließendes Angebot für TAP – 30. September 2026
- Portugiesische Regierung: Lufthansa als Käufer ausgewählt – 14. Oktober 2026
- Lufthansa Group: Zusage im TAP-Privatisierungsverfahren – 14. Oktober 2026
- Reuters: Lufthansa gewinnt das Bieterrennen um TAP – 14. Oktober 2026
