Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 10. August 2026 von Charles David Fennell

KASSEL / CALDEN
Kassel Airport
Der Flughafen Kassel-Calden gehört zu den markantesten Luftfahrtstandorten in Nordhessen. Seine Geschichte reicht von den frühen Überlegungen zur Ablösung des alten Kasseler Flugplatzes Waldau bis hin zum Ausbau als moderner Regionalflughafen. Dabei war der Standort immer wieder von großen Erwartungen, politischen Diskussionen, wirtschaftlichen Hoffnungen und kritischen Debatten begleitet.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1970 hat Kassel-Calden verschiedene Phasen durchlaufen: vom regionalen Verkehrslandeplatz über einzelne Linien- und Ferienflugangebote bis zum heutigen Kassel Airport mit moderner Infrastruktur. Auch wenn der regelmäßige Passagierverkehr bis heute wechselhaft geblieben ist, spielt der Flughafen weiterhin eine wichtige Rolle als Luftfahrt-, Geschäftsreise- und Gewerbestandort für die Region Nordhessen.
Fieseler-Storch-Straße 40
D-34379 Calden
IATA: KSF
ICAO: EDVK
RUNWAY:
04L/22R (700x30m) Gras bis 2013
04/22 (1500x30m) Asphalt 1970-2013
09/27 (2500x45m) Asphalt
GESCHICHTE
Vom Kasseler Stadtflugplatz zur Standortfrage (1924–1969)
- 24. August 1924: Die Kasseler Luftfahrtgeschichte, aus der später Kassel-Calden hervorging, begann nicht in Calden, sondern auf dem Flugplatz Kassel-Waldau. Dieser lag im Kasseler Stadtteil Waldau beziehungsweise damals auf dem Gebiet der Gemeinde Lohfelden. Das Gelände war zuvor als Exerzier- und Übungsfläche genutzt worden, ehe dort in den 1920er-Jahren ein Flugfeld entstand. Mit der offiziellen Eröffnung des Flugplatzes Waldau erhielt Kassel einen eigenen zivilen Luftfahrtstandort.
- 1926: Der Linienflugverkehr der Lufthansa machte Waldau zu einem frühen Verkehrsknoten der regionalen Luftfahrt. Die Stadt Kassel unterstützte diesen Verkehr finanziell, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen änderten sich bald. In der Weltwirtschaftskrise reichten die Mittel nicht mehr aus, um den Linienflugverkehr dauerhaft in der bisherigen Form zu halten.
- 1930 bis 1945: In dieser Zeit bekam Waldau eine deutlich industriellere Bedeutung. Der Flugplatz diente den Gerhard-Fieseler-Werken als Werksflugplatz. Damit war der Standort eng mit der Kasseler Flugzeugindustrie verbunden. Gleichzeitig blieb der Platz auch ein Ort für Flugveranstaltungen und öffentliche Luftfahrtpräsentationen.
- 1950er-Jahre: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über die Zukunft des Kasseler Luftfahrtstandorts diskutiert. Ein größerer Ausbau in Waldau galt zunehmend als schwierig, weil die Stadt wuchs, Verkehrsflächen gebraucht wurden und Kassel zugleich als Kulturstadt wahrgenommen werden wollte. Auf Druck der Industrie und unter dem Einfluss des Kasseler Oberbürgermeisters Lauritz Lauritzen gewann die Idee eines neuen Flughafens außerhalb des Stadtgebietes wieder an Gewicht.
- 1960er-Jahre: Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten eines neuen Standorts bei Calden. Waldau lag zu nah an der Stadt und bot kaum Entwicklungsspielraum. Calden dagegen lag außerhalb des verdichteten Stadtgebietes, auf landwirtschaftlich geprägten Flächen nordwestlich von Kassel. Damit entstand die Grundlage für einen neuen Flughafen, der den alten Stadtflugplatz ersetzen sollte.
Neubeginn auf der grünen Wiese (1970–1971)
- 11. Juli 1970: Der neue „Flughafen Kassel“ in Calden wurde eröffnet. Er war als Ersatz für den alten Flugplatz Waldau gedacht und entstand außerhalb der Stadt auf der sogenannten grünen Wiese. Das Gelände umfasste zunächst rund 104 Hektar Flughafenfläche sowie zusätzliche Gewerbeflächen. Mit der Eröffnung verlagerte sich der Kasseler Flugbetrieb dauerhaft nach Calden.
- 1970: Mit der Inbetriebnahme in Calden endete die ursprüngliche Rolle des Flugplatzes Kassel-Waldau. Waldau wurde geschlossen und später in ein Industriegebiet umgewandelt. Damit war die Kasseler Luftfahrt räumlich neu ausgerichtet: weg vom innerstädtischen Standort, hin zu einem außerhalb liegenden Verkehrslandeplatz mit mehr Entwicklungsmöglichkeiten.
- 1971: Bereits kurz nach der Eröffnung bekam Kassel-Calden Konkurrenz durch den Flughafen Paderborn/Lippstadt, der 1971 eröffnet wurde. Diese regionale Konkurrenz prägte die spätere Diskussion um Kassel-Calden über Jahrzehnte. Während Paderborn/Lippstadt sich früh stärker entwickeln konnte, blieb Kassel-Calden lange ein kleinerer Verkehrslandeplatz mit begrenztem Linien- und Charterverkehr.
Erste Linien- und Charterjahre (1972–1975)
- Frühjahr 1972: Die Charterfluggesellschaft Aviaction stationierte ein Flugzeug am Standort. Damit begann eine Phase, in der Kassel-Calden über den reinen Geschäfts- und Privatflugverkehr hinaus auch touristische und regelmäßige Verbindungen anbieten konnte.
- 1972 bis 1975: General Air flog ab Kassel-Calden im Liniendienst nach München, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Zusätzlich bediente die Ostfriesische Lufttransport, kurz OLT, Verbindungen nach Düsseldorf und Köln. Für einen jungen Regionalflugplatz war diese Phase wichtig, weil sie zeigte, dass Kassel-Calden grundsätzlich in den innerdeutschen Luftverkehr eingebunden werden konnte.
- Mitte der 1970er-Jahre: Trotz einzelner Linien- und Charterangebote blieb der Betrieb überschaubar. Kassel-Calden konnte sich nicht dauerhaft als größerer Linienflughafen etablieren. Die Lage, die Verkehrsanbindung, die Konkurrenz umliegender Flughäfen und die begrenzte Nachfrage sorgten dafür, dass der Platz eher eine regionale Funktion behielt.
Ruhigere Jahre und einzelne Ferienflugangebote (1976–1999)
- 1976 bis Ende der 1980er-Jahre: Nach dem Ende der frühen Linienflugphase verlagerte sich der Schwerpunkt wieder stärker auf Geschäftsflüge, Privatfliegerei, Schulung, kleinere gewerbliche Verkehre und den Betrieb der ansässigen Luftfahrtunternehmen. Kassel-Calden blieb erhalten, entwickelte sich aber nicht zu einem bedeutenden Linienflughafen.
- 1992: Die Berliner Spezialflug nahm vorübergehend Flüge nach Berlin-Tempelhof auf. Damit bekam Kassel-Calden wieder eine Verbindung mit einer besonderen historischen und verkehrlichen Bedeutung, denn Berlin-Tempelhof war damals noch ein markanter innerstädtischer Flughafen. Die Verbindung blieb jedoch nur vorübergehend bestehen.
- 1994: Es gab erste Ferienflüge nach Mallorca und Tunesien. Diese Angebote passten zur Entwicklung vieler kleinerer deutscher Flughäfen, die versuchten, sich über Urlaubsverbindungen stärker im Markt zu positionieren. In Kassel-Calden kamen dabei unter anderem Maschinen vom Typ BAe 146 zum Einsatz.
- 1997: Das Ferienflugangebot wurde zeitweise durch Charterflüge nach Malta ergänzt. Diese Flüge wurden mit BAe 146 von Air Malta durchgeführt. Dennoch blieb der touristische Verkehr unregelmäßig und konnte keine dauerhaft starke Nachfragebasis aufbauen.
Neue Ausbauideen und Ende des klassischen Verkehrslandeplatz-Betriebs (2000–2005)
- 2000: Die Pläne für einen Ausbau des Verkehrslandeplatzes zu einem vollwertigen Regionalflughafen wurden konkret aufgenommen. Ziel war es, Kassel-Calden technisch und infrastrukturell so weiterzuentwickeln, dass größere Verkehrsflugzeuge zuverlässiger und wirtschaftlicher eingesetzt werden konnten. Gleichzeitig landete im Jahr 2000 erstmals eine Boeing 737 der Hamburg International in Kassel-Calden und flog weiter nach Mallorca.
- Dezember 2003: Das Raumordnungsverfahren für den Ausbau wurde abgeschlossen. In dieser Phase wurden Standortfragen, Umweltaspekte, Verkehrsanbindung, Lärmschutz, wirtschaftliche Erwartungen und regionale Interessen gegeneinander abgewogen. Schon damals war das Projekt umstritten, weil Befürworter den Flughafen als Zukunftsinvestition sahen, Kritiker dagegen Kosten, Umweltfolgen und den tatsächlichen Bedarf infrage stellten.
- 2002 bis 2005: Die Ferienflugangebote liefen aus. Ab Sommer 2005 fanden vom beziehungsweise zum Flugplatz Kassel-Calden keine regelmäßigen Linien- oder Charterflüge mehr statt. Gleichzeitig spielte Luftfracht noch eine gewisse Rolle: Für 2005 wird ein befördertes Luftfrachtaufkommen von rund 650 Tonnen genannt.
Verfahren, Widerstand und endgültige Genehmigung (2006–2009)
- Januar 2006 bis 18. Juli 2007: Das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau lief. Am Ende stand der Planfeststellungsbeschluss, der den rechtlichen Rahmen für das Projekt setzte. Der Ausbau war nicht nur ein technisches Bauvorhaben, sondern auch ein politisches und juristisches Großprojekt mit erheblicher öffentlicher Diskussion.
- 17. Juni 2008: Der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigte den Planfeststellungsbeschluss. Damit wurde eine wichtige juristische Hürde genommen. Die Ausbaugegner konnten den weiteren Gang des Projekts dadurch nicht stoppen.
- 1. April 2009: Auch vor dem Bundesverwaltungsgericht blieben Klagen gegen den Ausbau erfolglos. Das Gericht entschied, dass der Verkehrslandeplatz Kassel-Calden zu einem regionalen Verkehrsflughafen ausgebaut werden durfte. Damit war der Weg für die bauliche Umsetzung endgültig frei.
Finanzierung, Baubeginn und Großbaustelle (2010–2012)
- Januar 2010: Die Finanzierung des Projekts wurde weiter abgesichert, nachdem Mittel der Europäischen Union bewilligt wurden. Gleichzeitig stiegen die erwarteten Kosten gegenüber früheren Planungen deutlich an. Die ursprünglich niedrigeren Ansätze wurden durch höhere Anforderungen, unter anderem an Sicherheit und Infrastruktur, überholt.
- Herbst 2010: Die Bauphase begann sichtbar. Zunächst wurden die Bundesstraße 7 verlegt, Waldflächen gerodet und vorbereitende Arbeiten durchgeführt. Ab dem 5. November 2010 wurde mit dem Aufstellen des Bauzauns ein erstes klares äußeres Zeichen für den Beginn der Bauarbeiten gesetzt.
- 10. März 2011: Der offizielle Spatenstich markierte den symbolischen Start der Aus- und Neubauarbeiten. Das Projekt wurde zu einer der größten Erdbaustellen Europas. Wegen der Geländeverhältnisse mussten Millionen Kubikmeter Erd- und Gesteinsmaterial bewegt werden, um die neue Flughafenfläche herzustellen.
- 8. Dezember 2011: Die Grundsteinlegung folgte, nachdem die Erdarbeiten weit fortgeschritten waren und die Hochbauarbeiten anliefen. Damit wurde aus dem zuvor vor allem landschaftlich geprägten Bauprojekt zunehmend ein sichtbarer Flughafen mit Terminal, Tower, Verkehrsflächen und Betriebsgebäuden.
- 1. Juni 2012: Mit dem Richtfest wurde der Abschluss der Rohbauarbeiten am neuen Terminal gefeiert. Das Terminal war auf kurze Wege ausgelegt und erhielt später zehn Check-in-Schalter, Sicherheitskontrollen, Schengen- und Non-Schengen-Bereiche sowie die notwendigen Passagierflächen für Ferien- und Linienverkehr.
- Ende 2012: Die Bauarbeiten an Landebahn, Rollwegen und Flugfeldern wurden abgeschlossen. Die neue Start- und Landebahn erhielt die Ausrichtung 09/27, eine Länge von 2.500 Metern und eine Breite von 45 Metern. Damit war sie deutlich leistungsfähiger als die frühere Bahn des alten Verkehrslandeplatzes.
Eröffnung als Verkehrsflughafen und schwieriger Start (2013)
- 4. April 2013: Der neue Verkehrsflughafen Kassel-Calden nahm offiziell den Betrieb auf. Die Eröffnung erfolgte mit der Landung eines Germania-Airbus aus Frankfurt. Der erste Urlauberflug startete am Nachmittag in Richtung Antalya. Trotz des feierlichen Starts zeigte sich sehr schnell, dass der neue Flughafen vor großen wirtschaftlichen und operativen Herausforderungen stehen würde.
- 2013: Im ersten Betriebsjahr wurden 46.557 Passagiere und 22.891 Flugbewegungen gezählt. Der Flughafen war damit zwar deutlich sichtbarer als der frühere Verkehrslandeplatz, blieb aber weit unter den hohen Erwartungen, die mit dem Ausbau verbunden waren.
- 2013: Im touristischen Verkehr gab es Verbindungen in Richtung Mittelmeerraum, doch einzelne Angebote mussten früh angepasst oder reduziert werden. Der Start war von wechselnden Fluggesellschaften, schwankender Nachfrage und einer schwierigen Marktlage geprägt. Aus einem ambitionierten Ausbauprojekt wurde damit schon im ersten Jahr ein Flughafen, der sich seine dauerhafte Rolle erst erarbeiten musste.
- 15. November 2013: Turkish Airlines meldete die geplante Aufnahme von Flügen ab Kassel-Calden nach Istanbul. Die Verbindung sollte den Flughafen über das Drehkreuz Istanbul international stärker anbinden. Die späteren Entwicklungen zeigten jedoch, dass diese Ankündigung nicht zu einer stabilen Linienverbindung führte.
Neuauftritt als Kassel Airport und Suche nach Stabilität (2014–2016)
- 3. April 2014: In Hauptanflugsrichtung 27 wurde ein Anflugverfahren nach Allwetterflugbetriebsstufe CAT IIIb freigegeben. Damit erhielt der Flughafen eine leistungsfähige technische Grundlage für präzisere Anflüge bei schlechter Sicht. In Nebenanflugsrichtung 09 war bereits seit der Eröffnung ein CAT-I-Verfahren verfügbar.
- 2014: Der Flugbetrieb blieb schwierig. Der Flughafen konnte zwar Ferienflugangebote halten und ausbauen, aber die Passagierzahlen lagen weiterhin weit unter den früheren Prognosen. Für 2014 werden 47.088 Passagiere und 26.419 Flugbewegungen genannt.
- Januar 2015: Der Flughafen trat fortan unter der Eigenbezeichnung „Kassel Airport“ auf. Die Umbenennung war Teil einer stärkeren Vermarktung des Standorts und sollte den Flughafen internationaler und moderner positionieren.
- 2015: Die Passagierzahl stieg auf rund 65.000. Gleichzeitig blieb der Standort wirtschaftlich unter Druck. Das Wachstum zeigte, dass Ferienflugverkehr möglich war, aber noch nicht in einer Größenordnung, die den Ausbau wirtschaftlich rechtfertigen konnte.
- 2016: Die Passagierzahlen gingen wieder zurück. Germania reduzierte Verbindungen wegen zu geringer Nachfrage, und die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit des Flughafens hielt an. Für 2016 werden 54.822 Passagiere genannt.
- 5. Juli 2016: Die Gespräche mit Turkish Airlines über eine Verbindung nach Istanbul wurden vorerst ausgesetzt. Damit endete eine der öffentlichkeitswirksamsten Hoffnungen auf eine dauerhafte internationale Linienanbindung.
Sundair, Frachtverkehr und vorübergehende Belebung (2017–2019)
- 2017: Sundair wurde zur wichtigsten neuen Fluggesellschaft am Kassel Airport. Die Airline kündigte an, eine Maschine in Kassel zu stationieren und touristische Ziele im Mittelmeerraum zu bedienen. Dadurch erhielt der Flughafen wieder eine stärkere Perspektive im Ferienflugverkehr.
- 1. Juli 2017: Sundair startete den Sommerflugplan ab Kassel. Wegen Verzögerungen bei der eigenen Flotte wurden zunächst auch Wet-Lease-Flugzeuge eingesetzt. Am 27. September 2017 nahm Sundair mit dem eigenen Airbus A320 den kommerziellen Betrieb ab Kassel auf.
- Mai 2017: Im Frachtbereich erlitt der Flughafen einen Rückschlag. Amazon beendete die Frachtflüge über Kassel. Bis dahin war der Versandhändler der größte Frachtkunde des Flughafens gewesen. Die Flüge kamen aus Doncaster, wurden in Kassel abgefertigt und gingen anschließend weiter nach Breslau.
- 2017: Trotz des Verlustes im Frachtbereich verbesserte sich der touristische Passagierverkehr. Kassel Airport verzeichnete 69.810 Passagiere. Sundair stabilisierte den Ferienflugverkehr und gab dem Flughafen nach Jahren wechselnder Anbieter wieder ein klareres Profil.
- 2018: Der Flughafen erreichte mit 131.817 Passagieren seinen bis dahin stärksten Wert. Diese Zahl blieb jedoch weiterhin deutlich unter den früheren Ausbauprognosen. Dennoch war 2018 das Jahr, in dem der Kassel Airport am ehesten zeigte, welches Potenzial ein regelmäßiger Ferienflugverkehr vom Standort haben konnte.
- 2019: Die Passagierzahl lag bei 120.712 und damit erneut über der Marke von 100.000. Der Flughafen blieb aber strukturell defizitär. Die zentrale Frage war weiterhin, ob Kassel Airport dauerhaft genug Flugverkehr, Unternehmensansiedlungen und regionale Effekte erzeugen konnte, um den öffentlichen Aufwand zu rechtfertigen.
Pandemie, Erholung und zehn Jahre Verkehrsflughafen (2020–2023)
- 2020: Die Corona-Pandemie traf den Luftverkehr weltweit und damit auch Kassel Airport. Die Passagierzahl fiel auf 27.755. Für einen kleinen Regionalflughafen, der stark vom Ferienflugverkehr abhängig war, bedeutete die Pandemie einen massiven Einschnitt.
- 2021: Die Erholung blieb langsam. Kassel Airport verzeichnete 37.639 Passagiere. Der Flughafenbetrieb lief weiter, doch der Linien- und Charterverkehr blieb deutlich unter dem Niveau der Jahre vor der Pandemie.
- 2022: Der Flughafen erholte sich deutlich und kam auf 115.597 Passagiere. Damit näherte sich der Verkehr wieder dem Niveau vor der Pandemie an. Der Ferienflugverkehr über Sundair spielte dabei weiterhin eine zentrale Rolle.
- 4. April 2023: Der neue Verkehrsflughafen wurde zehn Jahre alt. Die Bilanz blieb zwiespältig: Einerseits hatte sich Kassel Airport als regionaler Standort mit touristischen Flügen, General Aviation und Gewerbeflächen behauptet. Andererseits blieb das Verkehrsaufkommen weit unter den ursprünglichen Erwartungen, und der Flughafen schrieb weiter jährliche Verluste.
- 2023: Mit 107.615 Passagieren blieb Kassel Airport im sechsstelligen Bereich, erreichte aber nicht mehr den Spitzenwert von 2018. Der Betrieb zeigte damit eine gewisse Stabilisierung nach der Pandemie, ohne die grundsätzlichen wirtschaftlichen Fragen zu lösen.
Rückzug von Sundair und neue Unsicherheit (2024)
- Sommerflugplan 2024: Sundair zog die einzige am Kassel Airport stationierte Maschine ab. Zwar wurden weiterhin einzelne Flüge angeboten, doch der Verlust der stationierten Maschine war ein schwerer Einschnitt. Seit 2017 hatte Sundair mit einer stationierten Maschine wesentlich dazu beigetragen, den Ferienflugverkehr in Kassel sichtbar zu halten.
- April 2024: Es wurde bekannt, dass Sundair im Winterflugplan keine Flüge ab Kassel anbieten würde. Damit verlor der Flughafen ausgerechnet in der touristisch wichtigen Nachsaison mehrere Ziele, die zuvor für eine gewisse Kontinuität gesorgt hatten.
- 2024: Die Passagierzahl sank auf rund 83.000. Insgesamt wurden 23.230 Flugbewegungen gezählt, davon ein hoher Anteil gewerblicher Bewegungen. Der Rückgang hing vor allem mit dem reduzierten Sundair-Angebot zusammen.
- 2024: Gleichzeitig wurde die wirtschaftliche Debatte intensiver. Das Defizit des Flughafens lag nach Angaben des Hessischen Finanzministeriums bei knapp fünf Millionen Euro. Für Befürworter blieb der Flughafen ein regionaler Wirtschafts- und Standortfaktor, Kritiker sahen dagegen weiterhin ein dauerhaft defizitäres Projekt mit zu wenig Passagierverkehr.
Strategische Neuausrichtung und offene Zukunft (2025–2026)
- 3. Februar 2025: Eine Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Kassel Airport wurde vorgestellt. Darin wurden 1.287 direkte Arbeitsplätze in 40 Unternehmen am Standort genannt. Insgesamt wurden direkte, indirekte und induzierte Beschäftigungseffekte von 3.432 Arbeitsplätzen sowie eine Bruttowertschöpfung von 291 Millionen Euro beschrieben. Diese Bewertung stärkte die Position der Befürworter, wurde aber später von Kritikern infrage gestellt.
- September 2025: Fischer Air beziehungsweise Fischer Reisen kündigte neue Urlaubsflüge ab Kassel an. Geplant waren Verbindungen zu den Kanarischen Inseln, nach Hurghada und später auch zu weiteren Mittelmeerzielen. Außerdem sollte wieder ein Flugzeug am Kassel Airport stationiert werden. Die Pläne sollten dem Flughafen nach dem Rückzug von Sundair neue Perspektiven geben.
- Winter 2025/2026: Die Umsetzung der Fischer-Air-Pläne verlief schwierig. Regelmäßige Flüge verschoben sich mehrfach, und feste Linienflugverbindungen waren zeitweise nicht vorhanden. Damit blieb die Lage im touristischen Verkehr unsicher.
- Februar 2026: Die politische und wirtschaftliche Kritik an Kassel Airport nahm erneut zu. Ein von den Grünen beauftragtes Gutachten stellte die positiven Effekte des Flughafens infrage und kam zu deutlich höheren Belastungen als die offiziell ausgewiesenen Verluste. Gleichzeitig hielt das Land Hessen weiterhin am Flughafen fest und verwies auf Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Standortvorteile.
- Mai 2026: Der Flughafen richtete den Blick stärker auf neue Nutzungsfelder. Dazu gehörten Projekte im Bereich unbemannter Luftfahrt und Drohnentests. Die Bundespolizei nutzte den Flughafen bereits für Trainings im Umgang mit Drohnen. Die kommerzielle Luftfahrt sollte dennoch Bestandteil des Flughafens bleiben.
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